August 2026: Merz am Tisch, Ostwahl, Drohnenkrieg, Anduril, Kuba, Mietendeckel

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Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gehen wir dem Wahlkampf nach: einem Anti-AfD-Spot von Dieter Hallervorden und dem TV-Duell zwischen Sven Schulze und Ulrich Siegmund. Den Hauptteil bildet eine Clip-für-Clip-Analyse der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz", der zweite Block Drohnenkrieg und Rüstungsindustrie — von Helsing und Anduril über die Ukraine bis zur Drohne am Flughafen Leipzig-Halle. Zum Schluss: Kubas Energiekrise und der Mietendeckel.


00:00:54 Hallervorden

Dieter Hallervorden ruft mit seinem Sohn Johannes in einem Wahlkampfspot dazu auf, nicht die AfD zu wählen; darin verweist er auf seine Kindheit unter der NSDAP. Wolfgang interessiert weniger der Aufruf als die Diskurslage: Hallervorden sei im linksliberalen Spektrum ausrangiert gewesen, halte aber am demokratischen Diskurs fest — Freund-Feind-Schemata trieben Leute erst in die AfD-Ecke. Stefan hält den NSDAP-Vergleich für materiell unhaltbar und rechnet die Zahlen von 1933 gegen das heutige Sachsen-Anhalt.

Quellen

  • Wahlkampfspot von Dieter und Johannes Hallervorden

00:15:01 Das TV-Duell

Eine Pfarrerin aus Wernigerode fragt Merz nach einer Vision für junge Menschen; er antwortet mit Fröhlichkeit. Im TV-Duell hält Sven Schulze dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund fehlende Konzepte und das Frauenbild der Partei entgegen, Siegmund kontert mit 24 Jahren CDU ohne beitragsfreie Kita und kündigt an, das große Rad werde ohnehin in Berlin gedreht. Dazu die ökonomische Lage des Landes: niedrigstes Medianeinkommen, älteste Bevölkerung, weniger Bruttoinlandsprodukt als Hamburg, München oder Köln.

Quellen

  • „Fakt ist!" (MDR) — Duell Sven Schulze gegen Ulrich Siegmund
  • RTL, Bürgerdialog „Am Tisch mit Friedrich Merz", 28. August 2026, Moderation Pinar Atalay

00:40:02 Merz im Bürgerdialog

82 Prozent misstrauen dem Kanzler laut Forsa. Als Kontrast spielt Stefan zwei Archivfunde: Gerhard Schröder auf dem Parteitag von Martin Schulz und Harald Schmidt, der einen Text von Peter Kümmel über Schröders Wahlplakat liest — die gefühlte Zeit des Kanzlers über der Realzeit. Im Bürgerteil fragt ein dreifacher Familienvater, warum Familien nicht vorkommen; Merz verweist auf 600 Euro Steuerentlastung ab 2028. Die Kinderärztin Bea Merscher wirft ihm die Budgetierung der Kindermedizin vor, nennt 2,64 Milliarden Kürzung im ambulanten Bereich neben einer Milliarde für Schloss Bellevue und ihre Petition gegen die Krankschreibung ab Tag eins. Merz weist den Vorwurf eines Bruchs seines Amtseids als persönliche Herabsetzung zurück. Dazu Bierdeckel, Umfragewerte und die Stadtbild-Äußerung.

Quellen

  • RTL, Bürgerdialog „Am Tisch mit Friedrich Merz", 28. August 2026, Moderation Pinar Atalay — mit der Kinderärztin Bea Merscher, einem dreifachen Familienvater und einer Pfarrerin aus Wernigerode
  • ARD-Sommerinterview mit Friedrich Merz (Frage zur Hitzevorsorge)
  • Harald-Schmidt-Show, Folge 1135 (auf YouTube), mit dem Text von Peter Kümmel aus der ZEIT
  • Gerhard Schröder, Rede auf dem SPD-Parteitag zur Wahl von Martin Schulz

01:57:30 Krieg und Drohnen

Torsten Reil, Chef von Helsing, erklärt Panzer für überholt, empfiehlt Europa 100.000 Drohnen und beschreibt autonome Schwärme und einen KI-gesteuerten „superhuman fighter pilot". Stefan und Wolfgang halten dagegen, das funktioniere nur, wenn der Gegner nicht nachrüstet. Der ntv-Korrespondent Christoph Wanner berichtet von russischen Drohnen mit Düsenantrieb bei über 500 km/h, gegen die ukrainische Abfangdrohnen kaum ankommen. Dazu die Transparenzlücke bei Aktienbesitz von Abgeordneten, das Personalproblem der ukrainischen Armee und die Lage im Sudan.

Quellen

  • „David Senra", Folge mit Torsten Reil (Helsing), 26. August 2026
  • Weltspiegel-Podcast (ARD), ARD-Korrespondentin Lena Bodewein zum Erdbeben in Nepal
  • ntv, Korrespondent Christoph Wanner zur russischen Drohnenentwicklung
  • „RONZHEIMER." (Paul Ronzheimer, Bild), zu Gast der Militärhistoriker Torsten Heinrich zur Lage in der Ukraine
  • Presseclub (ARD), Ausschnitt mit einem Spiegel-Journalisten zum Sozialstaat
  • ARD-Korrespondent Ramin Sina (Kairo) und ein Mitarbeiter des Welternährungsprogramms zur Lage um El Obeid im Sudan

03:18:43 Die Leipziger Drohne

Am Flughafen Leipzig-Halle wurde erstmals eine Drohne samt Sprengstoff sichergestellt, kurz darauf eine dritte gefunden. Wolfgang befürchtet, dass bei einer Häufung der Spannungsfall ausgerufen wird und die liberale Demokratie illiberal wird. Zur Rechtslage: Betreiber kritischer Infrastruktur dürfen Drohnen nur detektieren, das Abschießen liegt bei der Bundespolizei mit rund 300 Kräften bundesweit. Dazu eine litauische Recherche über angeworbene Kuriere, die Sprengsätze in Vilnius platzieren sollten.

Quellen

  • „Das Politikteil" (ZEIT): „Drohnenvorfall in Leipzig — »Der ideale Zeitpunkt, die Deutschen zu verunsichern«"
  • Deutschlandfunk, Bericht von Andreas Braun zum dritten Drohnenfund
  • „Studio 9 — Der Tag mit Sebastian Puschner: AfD-Westdeutsche grasen den Osten ab" (Deutschlandfunk Kultur)
  • „RONZHEIMER.“: „Putin kriegt sein Problem nicht in den Griff. Mit Fred Pleitgen”
  • „Das war der Tag" (Deutschlandfunk), Ausgaben vom 18. und 25. August 2026

03:42:10 Anduril

Brian Schimpf, Chef von Anduril Industries, schildert, wie das Unternehmen 2015/16 in einen Rüstungssektor einstieg, den im Silicon Valley niemand anfassen wollte. Das Portfolio reicht von Grenzüberwachung über Drohnenabwehr und Wingman-Drohnen bis zu U-Booten. Auf die Verantwortungsfrage antwortet er, Tech-Leute sollten keine Politik machen, dafür sei niemand gewählt worden — woraus Wolfgang folgert, Profite würden privatisiert und die Verantwortung vergesellschaftet.

Quellen

  • „Prof G Markets" mit Ed Elson: „The Next Era of Warfare is Here", zu Gast Brian Schimpf (Anduril)

04:00:10 Kuba

Kubas Solarausbau ist der Energiekrise geschuldet: Venezuela fiel als Öllieferant aus, China liefert rund 80 Prozent der weltweiten Modulproduktion und baut damit seinen Einfluss in der Karibik aus. Es fehlen Batteriespeicher, weshalb nur ein Bruchteil der Kapazität genutzt wird. Dazu eine Reportage über Rettungskräfte in Phoenix, die überhitzte Patienten in Eis packen.

Quellen

04:11:00 Wohnen

Die Linksfraktion hat ein Rechtsgutachten und ein Konzept für einen bundesweiten Mietendeckel vorgelegt: Mieten in angespannten Märkten sollen eingefroren, Erhöhungen anderswo gedeckelt werden. Im Deutschlandfunk trägt ein Wohnforscher das Gegenargument vor, Regulierung bremse den Neubau. Wolfgang hält dagegen, der Staat müsse selbst bauen und als Konkurrent auftreten.

Quellen

  • „Der Tag" (Deutschlandfunk): „Kampf um Milliarden — Geht Europa auch billiger?", 27. August 2026 — daraus die drei Mietendeckel-Ausschnitte

04:20:26 Salon-Ausblick

Der nächste Salon behandelt „Kapital und Krise. Wie Deutschland aus der Wirtschaftskrise findet und wie nicht" von Tom Krebs, das am 16. September im oekom Verlag erscheint. Dazu ein Essay von Mithu Sanyal gegen die Militarisierung und der Hinweis auf Stefans zweiten Podcast Kontextfenster, den er mit Florentine über große KI-Texte macht.

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Minute 46: Schade, Pointe verpasst. Merz spielt sich nicht zum „Papa“ auf, sondern ist genau in der Rolle die er schon immer im politischen Deutschland seit Merkel inne hat: das Muttisöhnchen.

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kurze Anmerkung zu Wolfgangs Verwunderung über die Munitionsabwicklung über zivile Flughäfen:

Durch Deutschlands “hybride Haltung” in diesem Krieg “man macht irgendwie mit, aber irgendwie auch nicht”, ist Deutschland aktiv in die “hybride Kriegsführung” eingestiegen. Das vermutlich russische Drohnen die Nachschublinien der Ukraine angreifen wäre nur konsequente Kriegsführung (die der Ukraine ja auch “gestattet” wird), hier Russland “hybride Kriegsführung” vorzuwerfen verdreht in der politischen Kommunikation das Argument zwischen Verteidigung und Angriff.

In Verbindung mit Stefans “Wir werden erst wissen, dass wir in einem Krieg waren, wenn wir ihn verloren haben” (ich weiß nicht in welcher Folge) macht es dann wieder rund…

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Vielleicht noch als zentrales Argument über die Hybridisierung des Krieges:

Diese wird von der Kriegsrethorik, Angstmacherei vor Russland, und dem Budget für Aufrüstung erst so richtig losgetreten.

Der Zynismus in den Aussagen derjenigen die Drohnen entwickeln um sich im Wettstreit der Ideen eine bessere Marktstellung zu erreichen spricht eine eindeutige Sprache. Da braucht man auch keine russische Propaganda mehr.

Ich kann Stefan nur beipflichten, wir befinden uns im Krieg.

Merz tritt nach der Sendung in mittlerweile gewohnter Manier nach, die Anschuldigung von Frau Merscher bezeichnet er ihr gegenüber als „straffällig“.

Was für ein hart gekochtes Weichei!

Er denkt wohl er könne wie gegenüber einem Marktteilnehmer einfach mit Klage drohen. Naja, vielleicht lernt man das bei Blackrock.

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Das gute alte Playbook von Viktor Orban

Starkes und unterhaltsames Segment in der Kommentierung des Kanzlerdialogs. Erschütterndes und deprimierendes Segment zu Entwicklungen des Krieges.

Eine Anmerkung zu Michael Martens: Die Frage war auch deswegen so heikel, weil es eine Pressekonferenz war, auf der Vucic anwesend war. Serbien inszeniert sich einerseits als kleiner Bruder Russlands und will sich nicht an Sanktionen beteiligen, andererseits senden sie Waffen und Munition im Wert von ca. 800 Mill Euro, unter anderem Drohnen, die dann über Drittstaaten in die Ukraine gelangen. Diese verschleierten Zusammenhänge wollte Martens m.E. aufzeigen und hat dafür diese Formulierung gewählt. So habe ich es zumindest im empfehlenswerten Podcast “Neues vom Ballaballa-Balkan” gehört.

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Der Clip und der Kommentar von euch dazu ist leider wahnsinnig ignorant. Wenn die ARD-Korrespondentin in Indien sagt, man sehe in Nepal Rettungsleute durch den Schlamm wühlen, aber “wir” sehen das in China/Tibet nicht, dann sollte man eigentlich kurz innehalten und das als sehr komische Behauptung erkennen. Wenn man nämlich einfach nur bei CGTN, den chinesischen Staatssender, auf YouTube nachschaut, dann findest man sofort Darstellungen der “heroischen” Rettungsleute, die damit indirekt natürlich auch den Staat als vorbereitet, handlungsfähig und kümmernd erscheinen lassen. Ein chinesischer Freund hat mir am Telefon auch erzählt, dass sie gerade 160 Arbeiter aus einem Tunnel gerettet haben, was natürlich auch in den chinesischen Nachrichten groß thematisiert wurde. Interessant für das Segment wäre vielleicht auch gewesen, dass China Drohnen einsetzt, um das Gebiet zu überwachen und vor weiteren Fluten zu warnen, womit der Staat natürlich auch seine technischen Fähigkeiten aufzeigt. Also wenn “wir” das alles nicht mitbekommen und “uns” das beim ARD und im Podcast nicht interessiert, dann hat das mit China wenig zu tun. Tatsächlich bekommen 1,4 Milliarden Chinesen das mit und der Staats nutzt die Katastrophe natürlich, um zu zeigen, dass er sich um Tibet kümmert und ganz China sich für Tibet als natürlicher Teil von China aufopfert. Aus der eigenen Ignoranz und schlechter deutscher Berichterstattung zu folgern, dass China Tibet so gleichgültig sei wie Venezuela den USA ist absurd.

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Die Frage ist halt ob man Merz “Menschenverachtende Politik” vorwerfen muss? Und ob man, wenn man es tut, sich dann nicht wundern muss, dass man danach auf strikte Ablehnung als Person trifft?

Unbedingt!

Ich würde sagen: Da kann man mit sehr viel Zuspruch rechnen.

Siehe die neueste Folge der neuen Zwanziger!

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Jupp…

Dobrindt jetzt gerade: “Lassen Sie mich deutlich machen: Wir befinden uns nicht im Krieg.”

Eine sehr diplomatischer Versuch zu reagieren, ohne zu reagieren…

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Merz stellt einfach seine nicht vorhandene Autorität zur Schau. In sofern läuft es ziemlich gut.
Was mich persönlich so positiv irritiert hat, war die Sendung als solche.

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Strikte Ablehnung meinetwegen, dass wird auch der Frau egal sein. Aber „straffällig„?

Und grundsätzlich hat die Kinderärztin ja recht. Denn „ Schaden vom deutschen Volk abwenden“ erreicht man mit dem streichen von Gesundheitsleistungen nicht!

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Aber darum geht es doch gar nicht, es geht um den Begriff “menschenverachtend”. Was nennen wir denn dann Massenmörder? Gibt es noch irgendwie Abstufungen?

Ich bin wirklich keiner der Merz verteidigt, und seine Reaktion zeugt auch hier wieder von seiner “von oben herab” Haltung, ganz klar. Aber geht man in eine Talkshow, um das Gegenüber einfach zu beleidigen? Dann darf man mit scharfen Reaktionen wohl rechnen.

Die Idee, 500 Mrd. bis 2029 würde uns vor Russland schützen ist wohl gerade das erste Opfer des deutsch-russischen Kriegs geworden.

Verstehe ich, aber de facto ist es eben eine menschenverachtende Politik.

Das wird nie so ausgesprochen und ich finde zu Unrecht.

Was die Abstufung betrifft, es geht hier sicherlich nicht um Massenmord, aber potentiell um Leben und Tod.

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Hi, wunderbare Folge, wirklich in jeder Hinsicht (was kostet ein toter Russe vs. was kostet ein Menschenleben in Sudan – wow, eine wirklich sehr wirkungsvolle Gegenüberstellung).

Darum nur eine kurze Anmerkung: Ich weiss leider nicht mehr in welcher Folge und bei welcher Person mir das zuletzt auch schon aufgefallen ist, aber nennt doch “diese Kinderärztin mit dem eigenen Millionenpublikum” im Gespräch doch höflicherweise auch bei ihrem Namen (Bea Merscher) – wie er auch hier in der Zusammenfassung steht. So präzise und lustig eure Kommentare hier waren, hatte diese Auslassung einen etwas unangenehmen Beigeschmack für mich.

Super, die Folge.

Nur Wolfgang hätte ein bisschen mehr mitreden können.

Meine Pointe war eigentlich, dass die 4 Gäste als Repräsentanten dort waren. Aber diesen Namensfetisch, dass man bloß alles richtig und auch im richtigen Dialekt benamt, verstehe ich ohnehin nicht…

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Ja, vor allem ist das ohne Berücksichtigung des Geländes: Der Gletschersturz ereignete sich zwar im chinesisch-nepalesischen Grenzgebiet, aber seine volle zerstörerische Wirkung entfaltete sich erst flussabwärts auf nepalesischer Seite. Die hohen Opferzahlen sind daher weniger unmittelbar durch den Gletscherrutsch selbst entstanden als durch die daraus entstandene Schutt- und Flutwelle, die sich über die Flusstäler weit nach Süden ausbreitete. Der unmittelbar betroffene Teil auf chinesischer Seite ist im Verhältnis zum gesamten Verlauf der Katastrophe einfach wesentlich kleiner.

Wobei es wahrscheinlich trotzdem Zensur auf chinesischer Seite gab oder gibt, aber die Todeszahlen sind selbst kein Hinweis darauf. Bzw. daraus so eine “red scare”-Thema auszubauen ist etwas müßig.