Dosierte Wahrheiten - Fauci, Drosten und andere Pandemieerklärer

Nachdem ich in den vergangenen Tagen etwas über eure Sicht auf die Corona-Jahre erfahren habe und ihr ganz viel über meine, wollen wir heute einen echten Experten zu Wort kommen lassen: Anthony Fauci. Er notierte am 25. August 2021:

"Had an extremely interesting Zoom meeting yesterday with the Israeli Minister of Health and several Israeli scientists. The Israelis have always been about a month or so ahead of the USA temporarily with regard to the dynamics of the outbreak, the percentage of population vaccinated, and their recent decision to provide booster shots as third doses first to their elderly and then to progressively younger people. On the zoom call that Danny Douek and Bob Seder helped organize since Danny spent a year sabbatical in Israel, it became clear that’s what we suspected was actually true. On the call for the Israelis were: Nachman Ash, Minister of Health of Israel; Sharon Alroy-Preis – Director of Public Health Services for Israel; Ran Achitov – Senior Advisor to the Israel Prime Minister Naftali Bennett; Ron Milo – Weizmann Institute; Boaz Lev.

The Israelis were seeing a gradual waning of protection of the Pfizer vaccine over a few months to the point of protection against infection and mild disease was dramatically diminished after several months. Importantly, they found that the protection against severe disease leading to hospitalization also significantly decreased. This latter point is extremely important because the data from the USA cohorts was suggesting that But did not definitively show it.

Aber der Reihe nach - wer ist Anthony Fauci? Salopp gesagt: eine Art Christian Drosten der USA.

Er wurde am 24. Dezember 1940 in Brooklyn geboren, studierte Medizin und kam 1968 ans National Institutes of Health (NIH). Ab 1984 leitete er 38 Jahre lang das National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) – und war damit schon vor Corona eine feste Größe der US-Gesundheitspolitik: Er beriet sieben Präsidenten, von Reagan bis Biden, und prägte die amerikanische Antwort auf HIV/Aids und Ebola.

Mit dem Ausbruch von Covid-19 wurde er zur zentralen Figur der amerikanischen Pandemiebekämpfung, Mitglied der Coronavirus Task Force des Weißen Hauses, wichtigster wissenschaftlicher Berater der Regierung und, vor allem, das öffentliche Gesicht der Krise - daher die Analogie zu Drosten.

Ende 2022 trat Fauci von allen Ämtern zurück. Am 19. Januar 2025, in den letzten Stunden seiner Präsidentschaft, erließ Joe Biden eine präventive Begnadigung für Fauci; der war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal Gegenstand einer Ermittlung – die Begnadigung war rein vorsorglich, ein in dieser Form ungewöhnlicher Gebrauch des Gnadenrechts.

Die Begnadigung deckt sämtliche Handlungen Faucis vom 1. Januar 2014 bis zum 19. Januar 2025 ab – also einen elf Jahre umspannenden Zeitraum, der explizit seine Zeit in der Coronavirus Task Force des Weißen Hauses unter Trump ebenso einschließt wie seine Rolle im COVID-19 Response Team unter Biden. Bemerkenswert: Das Startdatum 2014 liegt lange vor der Pandemie – es fällt in die Zeit der NIH-Förderung der “Gain-of-Function”-nahen Forschung in Wuhan/China.

Im Sommer 2026 veröffentlichte Senator Rand Paul, Vorsitzender des Senate Homeland Security Committee und langjähriger Fauci-Kritiker, mehr als tausend Seiten aus Faucis Tagebüchern – Einträge aus den Jahren 2019 bis 2022, die er nach eigenen Angaben über Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. von HHS-Servern erhalten hatte. Die Veröffentlichung erfolgte kurz vor einer Anhörung Faucis vor dem Senatsausschuss; Fauci berief sich dort wiederholt auf sein Aussageverweigerungsrecht nach dem Fifth Amendment.

Mir liegen die Tagebücher als PDF vor, ich habe eine leicht geschwärzte Version von Rand Pauls Homepage geladen. Inzwischen finde ich sie dort nicht mehr, sie sind aber hier einsehbar: https://www.faucisdiary.com

Die Echtheit der Tagebucheinträge wurde von Fauci nie bestritten. Sie sind, ähnlich wie die geleakten RKI-Protokolle in Deutschland, äußerst aufschlussreich bezüglich der Frage: Was wussten Wissenschaftler, was kommunizierten sie öffentlich? Gab es Differenzen zwischen interner und öffentlicher Kommunikation, wurde die Öffentlichkeit gar getäuscht?

Der eingangs zitierte Tagebucheintrag ist der bemerkenswerteste in einer Reihe von Notizen, die am 9. Juli 2021 beginnt und das Nachlassen der Impfwirkung zum Thema hat - bis hin zur oben vermerkten Erkenntnis, dass davon nicht nur der Schutz gegen Infektion und Weitergabe, sondern auch der gegen schwere Erkrankung und Hospitalisierung betroffen war.

Die Reaktion von Fauci und der US-Administration auf die neue Lage ähnelte den auch in Deutschland wenig später ergriffenen Maßnahmen:

  1. Masken wurden in Innenräumen wieder empfohlen bzw. vorgeschrieben.
  2. Die Booster-Kampagne wurde gestartet.
  3. Die Impfempfehlung wurde ausgeweitet auf alle Altersgruppen.
  4. Für bestimmte Bereiche wurde eine Impfpflicht eingeführt, Ungeimpfte wurden sanktioniert.

Nicht berücksichtigt wurden bei dieser Strategie der Genesenen-Status (bzw. nur für eine kurze Zeit nach Infektion), die Altersstruktur des Covid-Risikos, immunologische Fragen (Boostern ja, aber wie oft noch?), mögliche Impfschäden und das potentiell ungünstige Kosten/Nutzen-Verhältnis der Impfung, insbesondere bei den Jüngeren. Und: Die „Booster“-Impfung hatte nie ein reguläres Zulassungsverfahren durchlaufen.

Stattdessen wurde in der öffentlichen Kommunikation eine Sündenbock-Strategie etabliert: „Die Pandemie der Ungeimpften“.

Joe Biden, der erstmalig am 17. Juli 2021 mit dieser - wie wir spätestens heute wissen - offensichtlichen Lüge vor die Öffentlichkeit trat, befand sich in Erklärungsnot: Am Unabhängigkeitstag zwei Wochen zuvor hatte er den Sieg über das Virus verkündet.

Fauci notierte am 16. Juli:

„I briefed the President in the Oval Office today about the Delta variant and its impact on our country. Present at the briefing were: Ron Klain, Susan Rice, Natalie Quillian, Jeff Zients, Anita Dunn, Brian Reese, Mike Donilon and Rochelle Walensky virtually. Given the increasing number of cases in the United States, even though the hospitalizations have not increased, the President was concerned that his message that by July 4th we would be seeing an independence from the virus here in the United states might actually be now subject to question. We spoke to him about the importance of emphasizing that vaccinated people do not get severe disease even from the Delta variant.“

Letzteres war eine zu optimistische Annahme, wenige Wochen später war sie obsolet.

Biden kann zu seiner Verteidigung mit fortschreitender Senilität argumentieren, aber gilt das auch für seine Berater? Die Chefin des CDC - der amerikanischen Entsprechung des RKI - äußerte sich zeit- und wortgleich wie ihr Präsident:

Die CDC-Chefin wurde ein Jahr später abtrünnig, Fauci war darüber „not amused“: August 13, 2022 · Anthony Fauci's Diary

Doch zurück zum Sommer 2021. Fauci war sich der Lüge bewusst, siehe Tagebuch, und trotzdem stieß er gegenüber der Öffentlichkeit ins gleiche Horn. 25. Juli 2021:

„“This is an issue predominantly among the unvaccinated, which is the reason why we’re out there, practically pleading with the unvaccinated people to go out and get vaccinated,” Fauci said.“



Soweit erstmal zu den USA; auf ähnlich geartete Kommunikation in Deutschland wird später einzugehen sein.

Von wenigen Ausnahmen (Berliner Zeitung) abgesehen fand die in den USA geführte Diskussion über die Fauci-Leaks (inzwischen erweitert um telefonische Nachrichten) in der deutschen Presse kaum Wiederhall. Das ist einerseits angesichts der Verstrickung fast aller Medien wenig überraschend, andererseits aber bedauerlich, eröffnet sie doch neue Perspektiven auf staatliche Maßnahmen sowie auf das vermeintliche Dogma von der Pflicht, sich an diese zu halten. Und sie liefert Material für die Gegenposition: Wann, ab welchem Wissensstand, wird Widerstand zur Pflicht?