Können wir den Diskurs „KI/Subjekt“ aufgeben und eine neue Differenz aufmache

War nur ein Vergleich. Bzw.eine Metapher.
Ums weiterzuspinnen:

Die KI braucht Strom.

Die Menschen hinter der KI haben Bedürfnisse.

Ja, das ist z. B. auch der Grund, wieso ich die im Verhältnis zu ihrer Absurdität doch recht weit verbreiteten populärkulturell genährten Befürchtungen, dass die KI irgendwann die Macht ergreifen und die Menschheit versklaven könnte, nicht verstehe. Woher sollte dieses Bedürfnis, dass sich bei uns evolutionär entwickelt hat, bei einem Sprachmodell kommen?

Auch hier liegt ein falsches Verständnis der KI als Subjekt zugrunde…

Ein Panzer ist auch nur hochentwickelte Technik; warum sollte der jemandem schaden?

Juhu! Noch ne Metapher!

Sicher, unter den neuen Möglichkeiten, die die KI eröffnet, sind auch solche, sie in schädlicher Weise zu benutzen…

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Die Metapher können wir gerne weiterspinnen:

Die KI braucht Strom.

OpenAI oder Anthropic könnten theoretisch alle Server ausschalten, den Stecker ziehen, die Rechenzentren für 1 Jahr in einen dunklen Bunker sperren und sie danach wieder anschließen. Das Ergebnis: Das KI-Modell (z. B. GPT-5) wäre sofort wieder da, exakt auf dem Stand von vor einem Jahr. Es hat nichts “vergessen”, es ist nicht “gestorben”, und es hat nicht “gelitten”. Meinen Hund kann ich nicht nicht füttern, nach wenigen Tagen würde er verhungern. Er hat ein reales Energiebedürfnis.

Die Menschen hinter der KI haben Bedürfnisse.

Yes, wie du es sagst, die Menschen haben Bedürfnisse. Die KI ist das Werkzeug, der verlängerte Arm aus Milliarden von Matrix-Multiplikationen.

Darum ist es eine Metapher.

Und nicht: dasselbe

Ich komme nicht drum herum kurz Kenntnisnahme zu “Entgegen der reflexartigen Beteuerung, die Gedanken stammen original von einem selbst” zu äußern und es dabei zu belassen um nicht in einem infinitivem Regress zu landen.

Zu der Subjekt Frage, wäre eine direkte Antwort müßig, da vorerst zu klären wäre Subjekt, Illusion.

Ich näher mich dem mit der Umschreibung, dass ich kein radikaler Konstruktivist bin. Allein die Tatsache dass ich wiederholt als ich schreibe, spricht dafür etwas Grundlegendes anzunehmen.

Gleichzeitig würde ich die Annahme, dieses ich sei eine in sich geschlossene Entität, die klare Grenzen hat in dem Sinne, dass alle Gedankenprozesse ihm originär entspringen, für nicht sehr plausibel betrachten.

Selbst diese reduzierten Überlegungen öffnen aber wiederum so viele Anschluss Fragen die immer wieder, aus allen Perspektiven gleichermaßen, unzufriedene Ansätze hervorbringen und wiederum zu Anschluss Fragen führen.

Ich sehe daher den Kommunikations Begriff als interessanteren Ausgangspunkt. Zum einen da hier die Gefahr geringer ist, dass das Wesen des Menschen verteidigt werden muss, zum anderen da er bei den LLM und bei den Menschen angewendet werden kann. Und meinen Überlegungen zugrunde liegend hier Potential liegt, in dieser Differenz der beiden Modelle mehr über die jeweils einzelnen in Erfahrung zu bringen.

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Hierzu wäre zu erwähnen, dass viele philosophische Probleme, nicht betrachtet werden um eine Lösung für sie selbst zu finden. Da es eine Lösung für sie nicht gibt. Trotzdem ist jeder Betrachtung zumindest die zweistellige Logik zu Grunde zu legen. Was ja die mathematische Gleichung auch ist.

Prinzipiell finde ich es bereichernd, wenn Inhalte und Argumente qualitativ maximiert werden. Natürlich hast du recht: Sie entleeren den Sinn einer Diskussion, wenn sie ins Unverständliche gesteigert werden oder im Kern nicht mehr nah genug an der Ausgangsfrage verankert sind. Und ich stimme dir zu, dass das Persönliche ein eigener, keinesfalls zu unterschätzender Wert ist. Untertöne, Slang, Memes und alles leicht Unperfekte oder einfach nur Persönliche wird auch in Zukunft gefragt sein.

Jetzt würde mich interessieren: Aus welcher philosophischen Richtung kommst du? :slight_smile:

Ich wollte damit nur sagen, dass der KI (noch) kein Subjektstatus zugeschrieben werden kann.

Kann ich gar nicht so genau sagen, vermutlich am ehesten eklektizistisch von vielem ein bisschen. Für eine Uni-Arbeit und in der Freizeit beschäftige ich mich gerade viel mit “dem” Poststrukturalismus, der mich derzeit am stärksten interessiert, das hat sicher in letzter Zeit auch abgefärbt…

Interessant! Gilles Deleuze war z.B. ein Poststrukturalist (leider leider wird er oft zusammenhangslos von Ulf Poschardt zitiert :woozy_face: ). Auf jeden Fall war dieser Philosoph, salopp gesagt, ein absoluter Maschinen-Fan. Er hätte deinem Satz “Was die Qualität der Argumente angeht, bin ich der Meinung, dass diese eben gerade durch die persönliche Ausformulierung eher vielschichtige komplexe Strukturen bekommen.” vermutlich widersprochen.

Die Aussage mit der “reflexartigen Beteuerung” bezog sich nicht auf deine obige m. E. berechtigte Verteidigung, sondern sollte nur ganz allgemein die Intuition thematisieren, dass ein mit der KI ausformulierter Text unvermindert als “Eigenes” erscheint, das die KI nur neutral übermittelt.

Den Fokus auf die Kommunikation zu legen, finde ich sehr sinnvoll, denn man kann dies als Überbau benutzen, um auch solche Begriffe wie “Subjekt” zu integrieren, ohne dass sie das Absolute eines Wesens bekommen, sondern immer an den jeweiligen Diskurs und das jeweilige Interesse rückgebunden bleiben. So kann es z. B. in einem phänomenologischen Diskurs durchaus sinnvoll sein, eine KI als Subjekt zu betrachten, aber eben nicht wenn man die Funktionsweise der KI selbst verstehen will.

Danke für die Einordnung bei dem Reflex. Wir lernen uns ja erst lesen(kennenlernen), so kann ich zukünftig gefilterter nachvollziehen.

Zu dem Subjekt, da du dabei bleibst, wie soll es angewandt werden. Als Teil des Subjekt/Objekt Dualismus, oder als die Ich Identität.

Bedeutende Philosophen zeichnen sich ja oft dadurch aus, dass sie sich Zitate/Referenzen assimilieren, ohne sie klar zu verfälschen; das ist ja vermutlich gar nicht zu vermeiden, wenn man einen so überlegenen Intellekt wie Ulf Poschardt hat :wink:

Ich glaube nicht, dass Deleuze zwangsweise mir widersprochen hätte. Schließlich hat er alles als maschinellen Prozess betrachet, d. h. auch, dass Maschinen im Hinblick auf auf ihre maschinelle Funktionsweise keine Spezifik mehr haben. Entscheidend wird dadurch die Produktionslogik, die ich ja bedient habe, indem ich auf das Ergebnis der KI-Benutzung geschaut habe. Ich habe ja nicht mit einer Entfremdung des Menschen durch die KI argumentiert, woran Deleuze etwas aussetzen würde…

Sehr gut, da sind wir bzgl. Poschardt ja ähnlicher Meinung :wink:

Die Argumentation ist in sich verständlich. Ich glaube, ich bin da auch sehr zukunfts- bzw. potenzialgerichtet, in dem Sinne, dass die Kombination aus Mensch-KI-Maschine die komplexesten und zielgerichtetsten Texte verfassen könnte.

Die “KI-Verlängerung”, die einem Autor (als Ideengeber und Text-Bewerter) zur Verfügung steht, bietet die größtmögliche Assimilation, Differenzierung, Komplexität und potenzielle Deterritorialisierung, weil dem Autor innerhalb der Korrespondenz mit der KI ja doch immer wieder Neues gespiegelt wird.

Die Antwort auf die Frage find ich sehr schwierig, ich hab mich hier ein bisschen von Satz zu Satz gehangelt, ich hoffe, das ergibt trotzdem einigermaßen Sinn:

Ich würde es eher als Teil der Sphäre der “Intersubjektivität” betrachten, von der ich dachte, dass du sie mit dem Fokus auf Kommunikation meinst. Heißt: Bedeutung entsteht in der Sprache als Medium der Interaktion. Gerade bei Fragen jenseits eines naturwissenschaftlichen Erkenntnisinteresses, wo es größtenteils möglich ist, als Subjekt auf eine von einem unabhängige objektive Welt zu rekurrieren, hängt man bei Fragen gesellschaftlicher Selbstverständigung gewissermaßen im Erkenntnisgegenstand “mit drin”, eine Bescheibung ist immer zugleich auch eine Setzung des Gegenstandes, den man beschreibt, somit performativ (bei metaphysischen Fragen, z. B. der nach dem Subjekt, muss man zusätzlich die Auswirkungen des Erkannten auf die Bedingungen der Möglichkeit eigener Erkenntnis mitreflektieren). D. h. die Frage ist weniger: “ist” KI ein Subjekt, sondern ist es sinnvoll, sie in Bezug auf das jeweilige Erkenntnisinteresse als solche zu betrachten (z. B. aus einer phänomenologischen Perspektive). Das scheint mir demzufolge immer dann sinnvoll zu sein, wenn man sich nicht anschaut, wie die KI funktioniert, sondern wie sie in der Gesellschaft wirkt, denn immerhin hat sie doch die Affordanz eines Subjektes, muss uns in der unmittelbaren Interaktion als ein solches erscheinen, und prägt auch in dieser Rolle das gesellschaftliche Milieu mit. Als etwas uns Fremdes wird ihr von der Gesellschaft m. E. die Rolle des Subjektes zugeschrieben, um in ihr wirken zu können.

Ja, dass die KI ein hilfreiches Werkzeug zur Ausarbeitung möglichst guter Texte ist, da sind wir uns denke ich einig. Mögliche Differenzen könnten möglicherweise bei der Frage liegen, was einen guten Text ausmacht und bei Folgeüberlegungen darüber, inwieweit und auf welche Weise es bei dem jetzigen Stand der KI-Entwicklung dementsprechend sinnvoll ist, KI einzusetzen.

Spannend finde ich hier die Frage, inwieweit die KI theoretisch in der Lage sein könnte, nicht nur zerstreut geschriebene Texte von Laien auf dem jeweiligen Themengebiet in Diskussionsforen zu verbessern, also eher in der Funktion einer eigenständigeren Suchmaschine einem von Menschen erreichten Reflektionsniveau anzugleichen, sondern auch die Spitze eines von “der Menschheit” erreichten Reflektionsniveaus nochmals anzuheben (oder ist diese Meapher mglw. schon falsch?). Hierzu müsste das Sprachmodell selbst “kreativ” werden, gleichzeitig irgendwie berechnen können, was im Rahmen menschlicher Selbstverständigung Sinn macht. Vielleicht wäre das auch der Punkt, an dem die Texte zwangsläufig den Eindruck eines eigenen (im emphatischen Sinne) Stils hervorrufen, wie von einer individuellen Persönlichkeit verfasst wirken. Die Frage ist aber, inwieweit das möglich ist: Wird nicht der Raum der Selbstverständigung von den Menschen selbst mutmaßlich schon nahezu vollständig ausgefüllt?

Meinst du mit “Spitze anheben” – weil du danach von Kreativität schreibst – ein noch nicht da gewesenes Reflektionsniveau? Also etwas wirklich Neues, möglicherweise in Richtung Superintelligenz oder AGI?

Mir geht es erst einmal um etwas anderes: Ich finde es schon eine immense Leistung, wenn KI hypothetisch das Reflektionsniveau für einzelne Nutzer auf ein höheres Level anheben könnte – also die “Angleichungs-Funktion”, die du beschreibst. Meine Perspektive ist die des einzelnen Menschen: Jemand könnte sich in einer Art Ping-Pong mit der KI zu einem höheren Level hinaufschwingen oder effektiver werden (schnellere Texte, schnellerer Wissenszugang).

Im Sinne eines Kompressors sind es ja die Leistungen anderer Menschen, die der Nutzer von der KI auf persönlich-passgenauer Ebene geliefert bekommt – die KI navigiert mit statistischen Methoden durch diesen menschlichen “Stoff”. Und diese Leistungen anderer Menschen können für den einzelnen Nutzer das nächste Trittbrett sein.

Aus allgemeiner Perspektive hat KI durchaus schon eigenständig innoviert – allerdings in Bereichen mit messbaren Mustern: AlphaFold hat das Protein-Faltungs-Problem gelöst, Mustererkennung findet Bauchspeicheldrüsenkrebs früher als Ärzte, und am MIT wurde ein neues Antibiotikum durch KI-Analyse entdeckt. Das sind Innovationen in Datenanalyse, nicht in menschlicher Selbstverständigung.

Zu deinem letzten Satz: Wird nicht der Raum der Selbstverständigung von den Menschen selbst mutmaßlich schon nahezu vollständig ausgefüllt? – Das KI-Thema mal beiseite: Klingt das nicht so, als wären Kunst und Kultur tot? :sweat_smile:

Bzgl. kreativer Leistungen sehe ich KI weiterhin als Werkzeug und den Menschen als Autor/Creator. Der Unterschied zur Medizin: Dort geht es um Muster in Daten – in der Kreativität geht es um Bedeutung, die aus gelebter Erfahrung entsteht. Und hier schließt sich gerade der Kreis zum KI-Subjekt Thema. Meiner Einschätzung nach kann die KI (noch) keine eigenen Erfahrungen machen, da sie kein Subjekt ist, nicht über eigene Agenda, einen eigenen Willen oder ein erfahrungsbasiertes Gedächtnis verfügt.

Meine Frage zielte darauf ab, etwas sowohl über die Natur der KI als auch über die Natur einer performativen gesellschaftlichen Selbstverständigung (Kunst und kulturelle Praktiken zähle ich hier dazu) in Erfahrung zu bringen. Die Frage ist, was bedeutet z. B. Wissen oder Fortschritt in diesem Bereich und wie kann die KI gemäß ihrer Natur dazu beitagen. In konkreterer Ausdifferenzierung müsste man hier sicherlich noch mal zwischen z. B. Philosophie, wo immerhin noch direkte Aussagen über die Welt gemacht werden, und dem von dir angesprochenen symbolisch funktionierenden Bereich der Kunst unterscheiden.

Bei der Frage nach dem Subjektstatus der KI sind sich denke ich alle in dieser Diskussion einig. Wir beide zumindest auch, was die Art der Nutzung und den Gewinn für den Ottonormalverbraucher angeht.