Mark Zuckerberg verspricht jedem einzelnen Menschen eine eigene Superintelligenz. Fast zeitgleich schreibt Evgeny Morozov, die KI sei für die Linke die größte Chance seit hundert Jahren und im selben Atemzug eine tödliche Bedrohung. Die beiden Texte kennen sich nicht und antworten trotzdem aufeinander.
Wenn KI der neue Buchdruck ist, warum sind dann Datencenter die neuen Klöster? Wurden Bücher denn in Klöstern gedruckt?
Nein, im Gegenteil - der Buchdruck beendete das Monopol der Pfaffen auf die Ressource „Wissen“. So wie KI… - ähm… na ja. Die Klugen werden klüger und die Dummen noch viel dümmer, vermutlich.
Das Kloster-Bild trägt also nicht ganz, aber ich bin trotzdem gespannt auf das neue Format!
Klöster waren die Orte, in denen die Potenziale der Schrift entfaltet wurden und das ist die Grundlage des Arguments. Andernfalls hätten wir ja von Gutenbergs Werkstatt gesprochen. Verstehste?
Beim Titel / Teasertext kommt mir direkt dieses Zitat in den Sinn (ohne die Textstelle selbst zur Hand zu haben - hoffe das stimmt so)
“Einst überließen die Menschen ihr Denken den Maschinen in der Hoffnung, dadurch frei zu werden. Doch das erlaubte nur anderen Menschen mit Maschinen, sie zu versklaven.”
ahja? Dann reformuliere mal mit deinen Worten. Ich seh doch, dass du auch zu denen gehörst, die das Mittelalter als die dumme Zeit ansehen, in der niemand forschte und handelte bis Gutenberg alle ins Licht holte.
Na, das würde ich so nicht sagen. In den Klöstern wurde durchaus geforscht – Heilkunde, Kalenderrechnung, Astronomie, später an den Unis auch Recht und Naturphilosophie (Stichwort Roger Bacon). Das Problem ist nicht “im Mittelalter geschah nichts”, sondern dass dieses Wissen bei einer kleinen schriftgelehrten Elite lag, die den Zugang kontrollierte. Genau das bricht der Buchdruck auf – nicht die Forschung selbst, sondern das Monopol darauf.
Und wenn “sozusagen die KI der neue Buchdruck ist” (Podcast ca. Minute 2), dann ist sie die Revolution, die die Wissens-Monopolisten – also die Klöster – vom Berg stürzt. Die Datencenter, als Werkzeuge dieser Disruption, können im Bild nicht gleichzeitig die Klöster sein.
Da ist ein kleiner Logikbruch in euren Bildern, mehr nicht. Peace.
… aber unsere Argumentation im Verlauf des Gesprächs ist doch, in diesem Bild, die ausdrücklich problematisierte und OFFENE Frage, wer die Bücher druckt. Das was du mitlaufen lässt ist nicht “Der Buchdruck”, sondern ein Zustand dann irgendwann Jahrhunderte später, nach unzähligen Bibeln und Hexenhammern.
Allmählich versehe ich. KI ist der neue Buchdruck, aber wohin das führt, was da in den “Klöstern” (Datencentern) bzw. unter dem Einfluss der Pfaffen (Tech-Konzerne) mit der neuen Technik passiert, das wird erst die Zukunft zeigen.
Okay, so macht die Analogie dann doch Sinn. Aber das hat nichts damit zu tun, ob im Mittelalter geforscht wurde oder nicht. Das fiel mir in den letzten Tagen oft auf: Warum “derailen” Leute ihren eigenen Punkt, anstatt ihn einfach sprachlich zu präzisieren?
Frage nach dem Hören: Also mit KI “endlich” in Habermas´ deliberative Demokratie? Dekolonisation der Lebenswelten mit der KI als Waffe gegen die Kolonialisten?
Im Podcast ist Hindsight immer 20/20. Man redet ja viel und hat dazwischen nur ein bisschen Zeit zum Nachdenken. Man will sich auch nicht so 100%ig vorbereiten, weil das dann Spontaneität und Authentizität kostet. Fehler gehören also irgendwie zum Charme des Mediums Podcast.
Wenn wir keine Fehler machen hast Du nichts zu korrigieren!
Mir ist auch im Nachhinein aufgefallen, dass die Mönche in den Klöstern eher so vorbuchdrucklich sind.
Der entscheidende Punkt von Stefan war aber ja dass das Mittelalter jetzt wieder kommt, nachdem der Buchdruck so eingeschoben wurde, lange Bedeutung hatte und diese jetzt wieder verliert.
Die Mönche kommen jetzt also zurück und sitzen wieder in den Klöstern.
Nach dem positiven Feedback zu einem Sci-Fi Zitat muss ich da noch was für euren Podcast rauskramen - wenn ihr Texte zu KI lest, können die alten Sci-Fi Perlen vlt echt noch einiges hergeben.
Hier:
Hatte ich schon mal auf das Nachwort des ersten Bandes des Kultur-Zyklus hingewiesen, das voll im Zusammenhang von KI als Ermöglicher von Planwirtschaft gelesen werden kann, und damit wirklich direkt im Zusammenhang mit den besprochenen Themen von Ausgabe 1 steht.
Die E-Books sind bei Interesse bestimmt verfügbar, wenns nicht eh im Regal steht.
Ich hab inzwischen beide Folgen KONTEXTFENSTER gehört und bin angenehm überrascht. Ich gebe zu, ich hatte ein wenig Sorge, dass Florentine mit KI-generierten Beiträgen aufwarten könnte, die zwar das Thema aufnehmen, aber dann inhaltlich dicht am dialogischen Kern vorbeischrammeln. So war es nicht. Kompliment - auf mich wirkte der Diskurs kompetent und kurzweilig. Ich freu mich auf die nächste Folge.
Die Mönch-Kloster-Analogie hattet ihr hier ohnehin schon geklärt. Damit konnte ich mich auf alles Folgende konzentrieren.
Podcast ist für mich definitiv ein besseres Format, weil ich zwar eine Schreibblockade habe (wo mir KI sehr gut hilft, diese zu überwinden), aber Reden kann ich.
Daher wird es von mir im Kontextfenster niemals KI generierte Inhalte geben.
Die KI übernimmt viel Recherche und das ganze Drumherum, aber der eigentliche Podcast wird von Stefan und mir immer von Hand geklöppelt.
Gerade erste Folge gehört, hat sehr viel Spaß gemacht. @fdoemges ist so eine krasse Aphorismenmaschine.
Hat jetzt natürlich auch meine Zuversicht wieder aufleben lassen, dass @Stefan vielleicht trotz allem doch noch mit dem Denkangebot des Hyper-, äh, Posthumanismus, oder so, warm werden könnte.
Ich find übrigens, dass die Kloster-Analogie gar nicht so sehr hinkt, wenn wir das wasserklauende Datencenter als Relikt der endenden Epoche verstehen und ihm die Idee einer Zukunft mit dezentral betriebenen Servern, versorgt über die PV-Dächer der Häuser, die wir uns angeeignet haben werden, entgegensetzen.