Abrecht von Lucke über das Medium Podcast & Debattenkultur

Meiner Meinung nach ein interessanter Gedanke von Albrecht von Lucke zum Thema Podcasting auf der republica. Er sieht im Medienwechsel von der Schrift zum Podcast als Medium öffentlicher Diskussion einen Rückschritt. Seine Sorge ist, dass dadurch Verbindlichkeit, Zitierbarkeit und argumentative Haftbarkeit geschwächt werden und populistische Strategien der Verkürzung und ‘flood the zone’ leichteres Spiel haben. Das Ganze endet mit dem Vorschlag, man solle die Vorträge der republica im Nachhinein als zitierfähigen Konferenzband publizieren, um wieder zu einer Höhe der Debattenkultur à la „Habermas gegen Nolte“ zurückzukommen.

Für mich fühlt sich das völlig falsch an. Ich musste dabei an die Podcasts von Stefan und Wolfgang denken, die ja eigentlich gut zeigen, wie man mit Audioausschnitte durchaus so etwas wie einen Diskurs starten kann (auch wenn keiner der Referenzierten bisher geantwortet hat?).

Ich frage mich außerdem, ob es nicht vor allem am Fehlen einfacher technischer Mittel liegt, Podcastausschnitte zu referenzieren. Das ließe sich ja beheben und ist mit AI und automatisierten Transkriptionen heutzutage schon deutlich einfacher.

Albrecht von Lucke hat viel zu verlieren, denke ich da spontan.

Die Veränderung macht natürlich etwas - und da hat er einen Punkt, die Konzentration etwas zu hören ist definitiv eine andere als wenn ein Text durchgearbeitet wird. Allerdings gibt es ja die Werkzeuge das nochmal auf anderer Ebene zu behandeln und zu bearbeiten.

Abseits von seinem Herrschaftsargument und dem Gegenargument der Demokratisierung eines Wissenszugangs auf unterschiedlichen Ebenen, frag ich mich die ganze Zeit, warum kritisches Denken von Links überhaupt keine Traktion entwickelt.

Spannend in diesem Kontext: Der Deutschlandfunk nutzt auch seit ein paar Wochen verstärkt Clips in den politischen Interviews um kurz vor 07:00 Uhr am morgen. Funktioniert nach meiner Wahrnehmung nach ziemlich gut, um Tatsächliches während des Interviews als genau dieses zu markieren und den Interviewenden zu entlasten, ständig Aussagen klarzustellen. Ich glaube hier ein Beispiel: https://www.deutschlandfunk.de/vor-fdp-bundesparteitag-interview-henning-hoene-kandidat-fuer-vize-vorsitz-100.html. Es fühlt sich übrigens vollkommen absurd an, dass hier eine quasi leere Website liegt und kein automatisches Transkript direkt dabei ist. Wenn das also heute morgen ein anderer Moment war, tut es mir Leid. Im Audio herumzustochern, war mir zu doof gerade. Stichwort: “Presseähnlichkeit” :zany_face:

Sehe nicht, dass Podcast / aufgezeichnete Vorträge hier anders funktionieren würden als ein Konferenzband. In richtigen wissenschaftlichen Arbeiten ist das vlt anders, aber selbst da gibt es Vorfälle von Leuten, die Werke nicht richtig verstanden haben und im Verstehen versagen wie Karl Poppers “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde”, wo er weder Platon, noch Hegel, noch Marx verstanden hatte.
Ich finde schon, dass manches als Buch da sein sollte und manches eher als Video und in Form von flüchtigen Worten veröffentlicht werden sollte. So nach McLuhan hat das ja eine andere Message dann. Anderes wie z.B. wo die Logik wichtig ist, ist Schrift besser, weil das besser zum Durchdenken ist.