Antisemitismus in der Linkspartei

Ich fand den Vorfall mit Dahabflex ziemlich schlecht aufgearbeitet. Erklärt doch mal was das Problem mit dem Begriff Intifada ist. Sagt nicht nur, dass es falsch sei ihn zu benutzen, weil klar ist, dass es eine Gegenreaktion geben wird.

Wolfgang sagt, wenn man “death to the idf” sagt, verwandelt man sich in den Gegner. Was soll das heißen?, wessen Gegner und warum ist das schlecht?

Lustig dass die Pointe ist, dass die inhaltliche Tiefe im Politjournalismus gering ist.

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Das fand ich auch. Mutmaßung: Gab es Backclash nach Stefans “Solidarität mit dahabflex” Aussage beim Live Event?

Mir war auch unklar ob gemeint war, dass der Auftritt politisch unklug war, inhaltlich falsch oder antisemitisch. So jedenfalls kam es rüber als sei es antisemitisch. Man kann ja bewaffneten Widerstand falsch finden, aber dann muss man argumentieren, denn vom Völkerrecht ist er gedeckt. Einfach zu unterstellen dahabflex würde auch Kriegsverbrechen rechtfertigen reproduziert genau das Springer narrativ bei dem man Arabern (die auch noch arabisch reden oh No yallah böse böse) einfach unterstellt grundsätzlich irgendwie rückständig und böse zu sein. Dahinter steht dann irgendeine Vorstellung von religiösem Fundamentalismus, dahabflex ist nichtmal religiös.

Selbst die Hamas unterscheidet inzwischen zwischen Juden und Zionisten.

Währenddessen sprießt in den USA ein neuer rechter Antisemitismus friedlich vor sich hin (Nick Fuentes, Candace Owens, Tucker Carlsson, Kanye, Andrew Tate), die den westlichen Imperialismus irgendwie rechtfertigen wollen indem sie alles schlechte auf die Juden schieben. Auch vielleicht ein Auswuchs des medialen Schweigens zu Epstein. Das erreicht inzwischen Millionen und ist bis tief in die Popkultur vorgedrungen und mischt sich von rechts in die Nah Ost Auseinandersetzung (“good goy”, “goyslop”, “Well, Well, Well”, “:beverage_box:”) und hat sowohl das nicht unbedeutende Isolationstische maga Lager hinter sich, als auch eine Kapitalfraktion, der an Aufbau von Produktion in den USA gelegen ist.

Das ist eine echte faschistische Gefahr.

Ich bin wirklich viel in der palästina-bewegung unterwegs, sowohl in der bösen arabischen, als auch in der bösen linken und studentischen (ohne das so strikt trennen zu wollen). Es ist mir dort noch nie jemand mit antisemitischem Weltbild begegnet (!!), im Gegensatz zu bei gesprächen mit meinen cdu-wählenden Großeltern und rechten reel und memes auf meinem insta Feed weil ich ein junger Mann bin.

Eine Richtigstellung oder mal eine wirklich Auseinandersetzung mit dem Thema (zb. Ein oder zwei Staaten lösung) wäre wirklich cool.

Wie siehst du es mit dem Vorwurf der Gewaltverherrlichung, die von Wolfgang ja auch angesprochen wurde?

Und damit meine ich nicht Gewalt gegen Gegenstände, wie beim Ulm5 Fall (gruselig wie da die judikativ verfährt)

Sondern gegen personen und damit ja aufforderung zum mord, auch wenn es gegen mörder geht, die auch noch einen genozid begehen.

Ich finde, bei der Beurteilung von linken Perspektiven auf den Israel-Palästina-Konflikt kommt man mit dem Begriff “Antisemitismus” ohnehin nicht weiter, denn deren Agitation gegen Israel ist ja von postkolonialen Diskursen und nicht von ethnischen geprägt; von daher sollte man vielleicht eher zwischen gewalttätigen und friedlichen Lösungsansätzen unterscheiden. Natürlich betreibt manch einer Antisemitismus unter postkolonialem Deckmantel und das eine kann sicher auch de facto in das andere umschlagen, z. B. wenn Linke in Berlin dort ansässige Juden für die israelischen Kriegsverbrechen in Mitschuld nehmen und daraus entsprechende Konsequenzen ziehen wollen. Dieser Transfer scheint mir das entscheidendste Differenzierungsmerkmal zu sein, denn wenn man ihn nicht leistet und das jüdische Leben in Berlin genauso wie anderes schützen will, kann man noch so bescheuerte Ansichten zu diesem Konflikt haben, das hat ja erstmal keine Folgen.

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Man muss doch unterscheiden zwischen Gewaltverherrlichung und Gewaltaufrufen.

Selbstverständlich sind IDF Soldaten wenn sie im Einsatz sind, legitime Ziele des Widerstands. Nicht nur die Institution als Abstraktes. Das gilt auch für Siedler, wenn sie sich an Angriffen beteiligen und für militärische Infrastruktur innerhalb von Israel und in den besetzten Gebieten sowieso.

Ich verstehe wirklich absolut nicht, was daran kontrovers sein soll.

Ich glaube es ist ein anderes Problem.

Das Problem heißt auf welcher Seite stehe ich.

Letztlich steht Grausamkeit gegen Grausamkeit, und nur die guten dürfen schießen. Die guten sind die mit der besseren Moral.

Strukturell bleibt es Gewalt. Ausgeübt, aufgefordert, rhetorisch, gerechtfertigt, ungerechtfertigt, völkerrechtlich, erklärt… die Liste lässt sich endlos fortführen.

Und in diesem Sinne hat sich Wolfgang sehr klug ausgedrückt.

und das ist nicht, was Dahabflex gesagt hat. “Death to the IDF” in Anschluss an “Kneecap”, meint die Institution und nicht den einzelnen Soldaten. Das ist zwar eine Feinheit, die in der Tagesschau nicht vermittelbar ist, aber hier kann man sie sich leisten.

Kann man rufen, Wolfgangs Position ist dann dazu: Damit macht man sich aber zum Spiegelbild von “Death to Hamas”, und ob man das will kann man sich ja auch überlegen.

Aus der Position eines Künstlers: Völlig In Ordnung.

Aus der Position einer Partei in politischer Kommunikation im Wahlkampf: Tödlich. Da könnte man auch “Tod der Bundeswehr!”, “Nieder mit der Nato!”, “Soldaten sind Mörder!” oder sonstwas von der Bühne rufen. Denn jetzt muss “Partei” sich verhalten: Will sie sagen: “Alles was hier in diesem Land unter “Staatsräson” verkauft wird ist Müll, hier wird jetzt radikal verändert!” Oder: “So radikal sind wir gar nicht, wir sind für Mehrheiten wählbar.” Ersteres schreckt potentielle WählerInnen ab, zweiteres schreckt WählerInnen ab.

Zu glauben, dass die Berliner Linke das Vorgehen der IDF in irgendeiner Art und Weise beeinflussen kann ist naiv, zu glauben, dass man mit Verzicht auf radikale Forderungen Mehrheiten gewinnen kann aber auch…

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Jaa da muss ich dir recht geben, habe es auch falsch verstanden mit dem “death to the idf”

Und das man will das eine institution stirbt die einen genozid mitzuverantworten hat, kann man ja schlecht gegen sein.

Und ich halte es auch nicht für eine sehr radikale position. Das problem ist ja eher das die faktenlage da so verschleiert wird von den medien bei dem thema und die meisten nicht weiter als zur tagesschau gucken (= sold erfüllt als mündiger bürger).

Wenn ich jetzt in diesen Gebieten leben würde, sehe ich es auch als Notwehr klar. Nur hier in deutschland macht es ja eher sinn für waffenexportstop und gelderstop nach israel zu sein. Zudem finde ich gewaltaufruf gegen gegenstände ok, gegen Menschen niemals, denn gewalt an menschen führt zu mehr gewalt und zur abkehr von den meisten leuten von einer bewegung, bis nur noch ein radikaler kern überbleibt, außer die leute (also hier bspw. Menschen in deutschland) befinden sich in akuter gefahr, dann ist Notwehr.

@Flo Und bzgl. dem auf eine Seite stellen, ist auch ein guter Punkt, nur weil die eine Seite Kriegsverbrechen begeht, ist die andere seite nicht heilig zu sprechen.

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