Die Diskussion zu Hito Steyerls Medium Hot und dem Phänomen der „gemeinen Bilder“ hat mich an einen aktuellen Text von Ted Gioia erinnert („The Return of the Weirdo“), der die These zur KI-Ästhetik anknüpfend an Byung Chul Han auf die gesamte Gesellschaftsebene hebt. https://www.honest-broker.com/p/the-return-of-the-weirdo
Steyerl beschreibt ja scheinbar, wie KI-Modelle durch statistische Mittelwerte eine normierte, oft koloniale oder prüde Ästhetik zementieren. Gioia argumentiert, dass wir längst in einer „Smoothness Society“ (siehe Byung Chul Han) leben, die jedes visuelle und kulturelle Reibungsmoment eliminiert. Er untermauert das mit einer faszinierenden (und erschreckenden) Datenanalyse zur „Vergrauung“ unserer Welt: Pixelanalysen von Alltagsgegenständen zeigen, dass kräftige Farben fast vollständig verschwunden sind. Das deckt sich exakt mit dem, was ihr über die uninteressanten, durchschnittlichen KI-Bilder besprochen habt. Gioia nennt das einen „Endless Information Loop“ – eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, weil Algorithmen nur noch die Vergangenheit wiederkäuen, um Vorhersehbarkeit (und damit Profit) zu garantieren. Gioia prophezeit für 2026 den „Widerstand des Seltsamen“. Wenn die Glätte der „mean images“ unerträglich wird, schlägt die Stunde der „Weirdos“, die sich der algorithmischen Vorhersehbarkeit verweigern. Mal sehen ob er damit Recht hat, ich bin da skeptisch.