August-Salon: Kapital und Krise, Sanyals Nein und PISA 2025

Tom Krebs rechnet ab, mit der Ampel und mit der Koalition danach, und wir rechnen mit ihm nach. Dazu Mithu Sanyals Nein, der PISA-Band, Rachel Cusks M und ein Freizeitpark, in dem Zeit Geld ist. Viel Spaß!

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Die Lektüren im August

Tom Krebs — Kapital und Krise. Wie Deutschland aus der Wirtschaftskrise findet – und wie nicht (oekom)
Der Ökonom Tom Krebs rechnet mit der Politik der Ampel-Regierung und mit der aktuellen Koalition ab und zeigt konkrete Auswege aus der Misere.

Mithu Sanyal — Nein. Gegen die Militarisierung der Gegenwart (Hanser)
Die Schriftstellerin und Essayistin Mithu Sanyal legt mit „Nein" ein mutiges und wichtiges Buch gegen Aufrüstung und Bellizismus vor.

ZIB (Hrsg.) — PISA 2025. Nationaler Berichtsband (Waxmann)
Was sagt der neue PISA-Band über Deutschlands Schulen? Weniger die Mittelwerte als die Ränder: wer die Grundkompetenz verfehlt, wie stark die Herkunft entscheidet und was die Eltern-Debatte daran ändert.

Rachel Cusk — Das Leben der M (Suhrkamp)
Hat die Schriftstellerin Rachel Cusk ihre Freundin Natalie Portman in dem Roman „Das Leben der M" porträtiert? Egal, das Buch über das Dasein als Star und als gewöhnlicher Mensch ist genial.

Martin Bujard u. a. — Geburtentief und sinkende Kinderwünsche (BiB, FReDA-Policy-Brief)
Zwei Kinder bleiben das Ideal, doch der realistische Kinderwunsch der 18- bis 39-Jährigen sinkt erstmals messbar. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung nennt Zukunftssorgen und regionale Bedingungen als Gründe.

Anna Mayr — Warum wählen Menschen die AfD? (ZEIT)
Warum wählen Menschen die AfD? An der Wirtschaft liegt es gar nicht, glaubt fälschlicherweise Anna Mayr in der „Zeit".

AfD Sachsen-Anhalt — Regierungsprogramm zur Landtagswahl 2026 (afd-regierungsprogramm.de)
Was steht drin, wenn die AfD erstmals als Regierungspartei antritt? Ein Landesprogramm, das an vielen Stellen Bundespolitik im Landesgewand betreibt.

Élisa Perrigueur — Vordrängeln gegen Geld (Le Monde diplomatique)
Zeit ist Geld, das gilt auch im Freizeitpark, erklärt Élisa Perrigueur in „Le Monde diplomatique".

Hanna Jacobs — Schafft den Gottesdienst am Sonntag ab! (ZEIT, Mai 2024)
Ist der Sonntagsgottesdienst um zehn Uhr noch das Kernangebot der Kirche oder ein Relikt? Die ehemalige Gemeindepfarrerin Hanna Jacobs plädiert dafür, Personal und Geld in weniger, aber profilierte Angebote zu stecken.

Théotime Langlois de Swarte, William Christie — Le Violon de Rameau (harmonia mundi)
Ein ungewöhnliches Album: William Christie und Théotime Langlois de Swarte spielen Violinsonaten von Rameau.

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Pisa analysiert u. A. den Einfluss von Zuwanderung auf schulische Leistungsfähigkeit von 15 jährigen. Wer mit 11 Jahren oder später kommt hat einen Rückstand von 125 Punkten. Dieser Teil lässt quasi keine Rückschlüsse zu. Natürlich hat jemand der im Alter von 14 gekommen ist im Alter von 15 noch massive Defizite. Aber wie sieht es aus, wenn die Person 18 ist? Der Migrationsteil gibt in der Form, in der im Podcast dargestellt wurde, nicht viel her. Nur als Einschub Pisa insgesamt natürlich erschreckend. 20% in allen 3 Bereichen unter 20% heißt 20% safe für die AgD die nächsten 70 Jahre.

wer konnte damit rechnen, dass wenn wir ein System was zu schlechten Ergebnissen und dem ersten “Pisa-Schock” geführt hat weiter ausdehnen (Ganztagsschule etc.), die Ergebnisse schlechter werden? Nein? Doch! Oh!

Ist die Ganztagsschule wirklich etwas Schlechtes und mit Schuld an schlechten Pisa-Ergebnissen? Höre ich jetzt das erste Mal.
Ich würde ja eher vermuten, dass Ablenkung während des Unterrichts, Unterrichtsformen quasi aus der 80ern, unmotivierte und in Korsetts gepresste Lehrer und sprchliche Probleme die Hauptgründe sind. Aber ich arbeite nicht im Bildungssektor, lasse mich also gerne eines Besseren belehren.

Also ohne Einblick in die tatsächliche Umsetzung der Ganztagsschule kann man spekulieren, wie die Ausweitung von pädagogischen Sonderumwelten sich auf “Aufwachsen” auswirkt. Die Sportvereine, leere Jugendtreffs und social-media-Konsum nach “Feierabend” können ein Lied davon singen, aber die Schule beobachtet dann ja mangelndes Sozialverhalten und steuert mit “Sozialtraining” dagegen etc., was passiert mit Kindern, die einen 8-9 Stunden Arbeitstag haben (wie auch immer man den dann mit “Angeboten” garniert)?

Mit Einblick in die tatsächliche Umsetzung kann man sich dann fragen, was die Erfüllung der Aufsichtspflicht durch häufig unqualifiziertes Personal in Zwangsgemeinschaften für positive Effekte haben sollten.

Aber gut, solange man “Bildung” als Zielerreichung in das Schaufenster stellt, ist wahrscheinlich viel Unsinn möglich, selbst wenn wir wissen dass höchstens der sozioökonomische Stand der Herkunftsfamilie reproduziert wird (hupsi! Der Ursprungsgedanke von Schule wird ja zuverlässig erfüllt! Vielleicht gibt es deswegen gar nicht die Notwendigkeit der Änderung, obwohl seit über 50 Jahren regalmeterweise Text produziert wurde zur Notwendigkeit der Änderung, wenn man “Bildung” adressieren möchte…)

Die Pisa-Studie ist eigentlich jedes Jahr eine Erfolgsmeldung und die Empörung nur eine “siehst Du, Du musst Dich nur anstrengen, dann klappt das auch.”, Priens Kritik an der Aspirationslosigkeit der Eltern als Ursache ist in der Logik nämlich die korrekte Schlussfolgerung.

Es gibt in der Ganztagsschule keine Möglichkeit Spiele und Tätigkeiten und deren Dauer selbst zu bestimmen. Und alles wird beaufsichtigt.

Entweder gibt es AGs, und das macht kein Lehrer, die sind mittags raus oder es wird jedes Mal abgesprochen, was man machen will und wie das organisiert wird und wie lange.

Sich hinsetzen und dann irgendwann etwas machen und anfangen, so wie es früher mal üblich war, als viele nach der 6. Stunde zu Hause waren, das gibt es im Ganztag nicht.

Andererseits können viele Kinder nicht mehr zum Mittagessen nach Hause, weil da keiner zum Aufpassen ist, oder niemand, der geeignet wäre.

Wobei Bildschirmzeiten das größere Problem beim Pisa-Schock sind oder es greift ineinander.

Höre gerade Pisa. Danke fürBesprechen und Einordnen.