Das Buch ist von 1979 und in der deutschen Übersetzung von 1985. Ein über 50 Jahre altes Buch also, dass ich tatsächlich als Salon-Lektüre empfehlen möchte. Es ist ein Kultbuch für Computernerds und behandelte schon damals ausführlich das KI-Thema. Allerdings war das noch eine Zeit, als die Szene nicht nach rechts abgedriftet war und - von Wissenschaftlern wie Einstein inspiriert - eher links war.
(Interessant wäre hier übrigens auch wenn man mal den Weg nachzeichnet, ähnlich bedeutende Bücher für die Tech-Szene rezipiert und vielleicht anhand der Literatur feststellt, wann die Szene so sehr abgedriftet ist.)
@Stefan und Wolfgang waren damals begeistert von diesem einfachen logischen Rätsel der Glasflasche, die mit Kronkorken 1,10€ kostet, wobei die Flasche eine Euro mehr kostet als der Korken. “Gödel, Escher, Bach” ist eine riesige Sammlung solcher und noch viel tieferer Gedankenexperimente.
Natürlich geht es aber nicht nur darum. Hofstadter versucht zu erklären was Intelligenz ist und ob es auch ein Denken außerhalb des menschlichen Denkens geben kann (insofern auch eine Empfehlung an Markus Gabriel ).
Es ist aber ein echtes Arbeitsbuch. Man muss da mitmachen, nicht einfach schmökern. Wäre es ein Film, so müsste ich sagen, dass man es sehen und nicht nur schauen sollte.
Gibt es hier jemanden im Forum, der das Buch auch gelesen hat?
Hab’s mal angefangen, Escher hab ich verstanden, Bach auch, ist allerdings nicht wirklich rekursiv. Bei Gödel hörts bei mir auf, deswegen bin ich auch nicht weit gekommen.
Deswegen halte ich es auch nicht für geeignet. Einfach zu schwierig.
Das Lügner-Paradox sagt: “Dieser Satz ist falsch.” — und dreht sich im Kreis, weil beides gleichzeitig stimmen und nicht stimmen müsste.
Gödel hat genau diesen Trick in Mathematik übersetzt: “Dieser Satz ist nicht beweisbar.” Kann das System ihn beweisen, beweist es etwas Falsches. Kann es ihn nicht beweisen, ist er wahr — aber unerreichbar.
Fertig. Das ist der ganze Satz. Jedes System, das mächtig genug ist, um über sich selbst zu reden, produziert Aussagen, die es nicht entscheiden kann.
Die Formeln sind nicht der Beweis — sie sind die Übersetzung. Gödel musste dem Lügner-Paradox einen Anzug anziehen, damit die Mathematiker es ernst nehmen. Die Idee selbst passt in drei Sätze.
Silicon Valley liebt dieses Buch: Für Tech-Eliten ist GEB eine Offenbarung, weil es suggeriert:
Bewusstsein ≈ Software
Menschen ≈ formale Systeme
Intelligenz ≈ skalierbar
Sinn ≈ emergent, nicht gegeben
Wenn man es bauen kann, kann man es beherrschen.
Es geht indirekt auch darum das subjektive Erleben zu nivellieren oder eher: man kann es so lesen. Das Bewusstsein wird dann auf einmal zu einer Illusion und die Ebene der Bedeutung wird wegdefiniert. Das passt zu: KI-Optimismus, Transhumanismus, Posthumanismus, Accelerationism
Aber es basiert im Großen und Ganzen auf ästhetische Ausführungen und Vergleiche. Die Argumente sind nicht wirklich tiefgreifend. Wobei hier gemeint ist, dass nicht wirklich beantwortet wird, ob das eine Bewusstseinstheorie ist oder nicht eher eine Metaphernsammlung. Man könnte sich immer noch querstellen und fragen, wo da die Instanz ist, die das alles erleben soll. Für wen oder was sind die strange loops da?
Jetzt hat @fdoemges mir tatsächlich beide Antworten schon vorweggenommen. Aber tatsächlich sieht alles komplizierter (und intellektueller) aus, wenn man es in stylische Formel verpackt
Die Interpretation kommt mir etwas weit hergeholt vor. Technik Manifest ist es definitiv nicht. Womöglich lassen sich aber solche Schlüsse durch retroperspektives Hineinlesen ziehen. Davor muss man sich dann in Acht nehmen, wenn man - wie ich in der Klammer vorschlage - das Abdriften nachvollziehen möchte.
Tatsächlich habe ich mir aber gestern “Survival of the Richest” von Douglas Rushkoff (nochn Douglas) ausgeliehen. Im zweiten Kapitel (Fusionen und Übernahmen: Hab immer eine Exit-Stategie) gibt es zumindest eine zeitliche Einordnung des Abdriftens. Rushkoff glaubt, dass es um den Zeitraum als die Dotcom-Blase geplatzt ist passierte.