Buchtitel: Hat China schon gewonnen? Chinas Aufstieg zur neuen Supermacht.
Autor: Kishore Mahbubani (ehemaliger Außenpolitiker für Singapur)
(Politik und Zeitgeschehen, erschienen im September 2021, 384 Seiten)
Vom Herausgeber: Sie beobachten sich gegenseitig über den Pazifik hinweg mit Argusaugen und reden übereinander statt miteinander: Längst hat der entscheidende geopolitische Wettstreit des 21. Jahrhunderts zwischen China und den USA begonnen - beides Weltmächte ohne ernsthafte Rivalen. Kishore Mahbubani, renommierter und hervorragend vernetzter Diplomat und Gelehrter, analysiert die tiefen Verwerfungen in den Beziehungen zwischen Peking und Washington.
Mit unverstelltem Blick erläutert er die Stärken, Schwächen, Fehler und Eigenheiten Chinas und der USA. In Zeiten schwelender Handelskriege und ständiger politischer Konflikte ist sein Buch ein unverzichtbarer Leitfaden für ein besseres Verständnis der beiden Supermächte - insbesondere des unaufhaltsamen Aufsteigers China.
Ich hatte vermutet, dass dieses Buch als Auflage aus dem Jahr 2021 inhaltlich fast obsolet sein könnte - immerhin gab es seit dem eine Menge geopolitischer Ereignisse und Entwicklungen. Also habe ich erstmal die kostenlose Leseprobe geladen - und bei der Lektüre festgestellt, dass Mahbubani sehr stark kulturelle und strategische Aspekte thematisiert, die an Relevanz nicht verloren haben. Für mich interessant, weil die Betrachtungen zur Abwechslung mal aus den Augen eines hochrangigen südostasiatischen Diplomaten nachvollziehbar werden - ein geopolitischer Raum, der in der westlichen Medienwelt chronisch unterbelichtet ist und öffentlich völlig unterschätzt wird. Allein wenn man sieht, welche Allianzen sich in Asien bilden und welches Potenzial sie haben, mache ich mir echte Gedanken, ob die aktuelle Außenpolitik Deutschlands und der EU uns nicht so ins Schleudern bringt, dass wir von der Piste rutschen und im Unterholz steckenbleiben.
Ich find‘s schon am Anfang interessant, als darauf eingegangen wurde, dass die USA einfach ihre Prämissen und Vorlieben auf andere übertragen. Also so, als könne jede andere Großmacht nichts anderes wollen, als das, was die USA wollen. Und dass auch der Weg zur Großmacht nicht anders aussehen könne, als ihn die USA nehmen. Wege freischießen und in innere Angelegenheiten anderer Staaten einmischen, um auch dort die Geschicke zu bestimmen. Mahbubani erklärt das zur falschen Prämisse. Im letzten DNZ - Podcast musste ich im Kapitel „China und das Öl“ daran denken.
Dazu Stefans trockener Kommentar „Wohin man doch kommen kann, wenn man so‘n ganz bisschen politische Planung einfach macht.“ Und Wolfgang „Hmm, is enorm.“
Mir drängt sich die Frage auf, ob die Unterschiede in der Führung zumindest zwischen China und Deutschland daher rühren könnten, dass im Bundesparlament die größte Berufsgruppe Rechtsanwälte sind und im chinesischen Führungskader Ingenieure. Das sind ja doch zwei sehr verschiedene Denkwelten.
Man muss ja vorsichtig sein mit Lob an China, aber es ist einfach so viel konsistenter was da abgeht. Nun ja, ich denke die nächste Hegemonie ist ziemlich sicher eher dort anzutreffen. Mal was Neues, am Ende sind es „nur“ andere Repressalien.
Bin gespannt. Ich fand die These ihres Buches nicht wirklich schlüssig. Weiß jetzt auch nicht genau wo Deutschland oder Österreich so viel für den Binnenmarkt tut.
Vielleicht greift China Taiwan an, da würde ich aber eher die Gelegenheit sehen die aus USA auf dem Silbertablett dargereicht wird, als eine wilde Konstruktion der Ablenkung von internen Problemen von China. Bisschen dünn.
Das ist der Punkt. Wer will es sicher wissen? „Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“ (Mark Twain)
Die Betrachtungen bedeuten keinesfalls, dass man China ausdrücklich loben muss. Sie bedeuten aber auch nicht, dass man China fürchten muss. Wir können nur Beobachtungen machen und die kann jeder für sich einordnen. Wer betreibt Einmischung in innere Angelegenheiten und wer nicht? Bei wem verbessert sich der durchschnittliche Lebensstandard und bei wem nicht? Wer betreibt kulturellen Imperialismus und wer nicht? Wer setzt seine Interessen grundsätzlich gewaltsam durch und wer nicht? Wie steht es mit der demokratischen Praxis? Welchen Trend zeigen Autokratie-Parameter? Wie sieht die Sozialpolitik aus? Wie sieht die Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit aus? Das alles kann helfen, sich ein eigenes Bild zu machen. Trotzdem wird niemand deshalb die Zukunft vorhersagen können. Vielleicht ist das auch überhaupt nicht nötig. Wichtig wäre erstmal, die großen geopolitischen Brandherde zu befrieden. Aber genau das ist die Schwierigkeit. Sobald einer dabei ist, der Interesse an den Konflikten hat, wird das nix.
Ah so, China kauft das iranische Öl nicht, um die Investitionsquote zu senken und Trump dafür die Schuld zu geben. Wäre ja eine gute Gelegenheit.Plus Malakka.
Wer weiß - sie lassen sich nicht einfach in die Karten schauen. Ich tippe aber auf eine Mischung von Gründen - im Podcast wurden einige angesprochen - bin mir aber sicher, dass die Demontage des Dollar als Welt-Handels-Währung mit dabei ist, um die US-Hegemonie auf ökonomischem Wege abzubauen. Es ist eine Recherche wert, ob es dazu offizielle Verlautbarungen gibt. Vielleicht finde ich demnächst Zeit dafür.
Nein, ich hab kein’ Plan von China. Das spukt aber schon lange rum. Ich kann mich noch erinnern, daß vor vielen Jahren schon die Elite Kindergärten Chinesisch - Kurse angeboten haben, damit reiche Kinder einen “Vorsprung” haben. ( Die übliche Vorgehensweise) Es hieß, wir würden in 10 Jahren zwar nicht Drittweltland sein, aber ökonomisch abgehängt und nur noch von touristischem Interesse. Tja, das Schreckensszenario der Oberschicht.
Das fand ich ziemlich witzig.
Der Podcast war aber auch interessant. Über die wichtige Meerenge und so…
Kurz zurück zur Frage, ob China (samt BRICS) den Dollar offiziell abschaffen möchte: Nein. Und das ist der interessante Teil, finde ich.
Klopft man Quellen zu China ab, wird da nichts vom Dach gerufen. Kein „wir stürzen den Greenback”. Stattdessen wickeln China und Russland inzwischen den Löwenanteil ihres Handels kurzerhand in Yuan und Rubel ab, es gibt CIPS als SWIFT-Alternative, BRICS Pay wird zusammengestöpselt. Alles sehr leise, sehr technisch, sehr wenig Pathos.
Und wenn man Statements der Regierungschefs direkt durchgeht, rudern die sogar zurück. Putin hat 2024 gesagt, man habe gar nicht vor, den Dollar aufzugeben. Indiens Außenminister Jaishankar legte noch einen drauf und nannte den Dollar als Reservewährung eine „Quelle globaler Stabilität”. Das ist ungefähr das Gegenteil einer Kampferklärung.
Die offiziellen Gipfeldokumente reden auch nicht von Bruch, sondern von „finanzieller Resilienz” und „inklusiver Governance”. Übersetzt: Wir bauen uns nebenher ein paar Rohre, durch die kein Dollar fließen muss, aber ausgesprochen wird das nicht.
Warum so zahm, lässt sich nur vermuten. Trump hat den BRICS 100 % Zölle angedroht, falls sie zu laut entdollarisieren. Da hält man den Mund und werkelt weiter im Keller.
Fazit: Es gibt keine Verlautbarung „wir bauen den Dollar zurück”. Es gibt eine ganze Menge Infrastruktur, die genau das tut, ohne dass es jemand so nennt. Fachleute reden von „praktischem Gradualismus”. Ich würde sagen, dass sie den Dollar nicht rauswerfen, sondern ihm langsam die Türklinken abschrauben.