Diffamieren Lanz und Precht die junge Generation und merken es selber nicht? Oder kommt das nur bei mir so an?
Das erste Mal übel aufgestoßen ist es mir in der Episode 226 Wintergespräch mit Florence Gaub, es ging um Zukunftsperspektiven.
Precht: “Ok, wir haben jetzt im jetzt im Augenblick in der Welt tatsächlich riesige Probleme und so weiter, und die haben wir auch, und die sollten wir auch überhaupt nicht verkleinern oder kleinreden. Aber wenn man sich die Geschichte der Menschheit anguckt, dann kann man nicht sagen, das ist einfach immer alles schlimmer geworden, also wenn jede Generation denkt, es wird immer alles schlimmer, muss man sich fragen, wann soll denn der Zeitpunkt in der Geschichte gewesen sein, wo mal früher alles ganz, ganz toll war […]. Also vielleicht gucken wir auch deswegen so drüber in die Zukunft, weil unser Anspruch an die Zukunft, unser Glücksanspruch an die Zukunft viel, viel höher ist als bei allen früheren Generationen. Das heißt, wir sind also viel enttäuschungsanfälliger als frühere Generationen das waren, weil es uns eben so dermaßen gut geht […]
und wenn sie ehrlich sind, auch zugeben müssen, dass sie kein schlechtes Leben haben. Wir haben so viel Angst zu verlieren und ich ich glaube, dass es diese typische deutsche Angst ist.”
Precht (über seinen Vater): “und dass der Kapitalismus siegt und dass der Kapitalismus sich irgendwann tot siegen wird, das heißt, dass er irgendwann auch unsere Seelen aufzehren wird und dass er irgendwann zu dysfunktionalen Gesellschaften führt. […] Ich konnte mit diesem Pessimismus nicht gut umgehen. […] Er sagt unser […] ganzer Wohlstand basiert auf Ausbeutung der dritten Welt, und ich sag den Ländern der dritten Welt geht es heute aber nicht schlechter, unterm Strich sogar besser […]”
Florence Gaub: “Ich sag Zukunft ist ein Gefühl eigentlich”
Lanz: “…dass mit der Miete und alles andere, das krieg ich schon irgendwie hin, aber das selber wirklich tief in dir zu fühlen, ist noch mal ne ganz andere Kiste.”
Precht: “Also wir reden vom Untergang des Übermorgenlandes […], aber in den Köpfen nach dem Motto ist es ne Frage der Zeit bis alles den Bach runtergeht und der (Untergang) stimmt uns jetzt schon pessimistisch.”
Lanz: “…aber ich höre immer nur diese unmittelbare Klage und man muss das natürlich ernst nehmen, ja und Leuten helfen, die dann nicht mehr in der Lage sind, die Strompreise zu bezahlen. Aber das große inspirierende Bild, das sagt, Pass auf, da gibt es die Idee […] wir machen irgendwann Stromenergie, die nicht nur relativ wenig kosten, sondern die vor allen Dingen absolut sauber ist. Das hör ich nie.”
Precht: “Meine Frage ist nur, […] wenn die Leute ganz viel Zeit haben, das zu tun, was sie wirklich tun wollen, es aber auf das, was sie tun jetzt nicht mehr so ganz groß ankommt, weil die KI sowieso alles besser kann, dann könnte es sein, dass ganz viele Leute keine guten Ideen für den Tag haben. So und dann werden die noch unzufriedener sein als sie jetzt sind.”
Und in der jetzigen Episode 229 (Oben und Unten) wurde mein Eindruck nochmal expliziter. Es wird Hanno Sauers Buch “Klasse”, welches bereits ausführlich in Wohlstand für Alle analysiert wurde, angerissen:
Precht: “…sozusagen als Träger von Anstand und Fleiß und so weiter […]. Warum hat er (Friedrich Merz) nicht gesagt, dass das, was man quasi als deutsche Tugenden klassischer Weise versteht, […] diese klassischen Tugenden, die dieses Land zusammengehalten werden (haben), die auch soziale Tugenden sind, dass diese sozialen Tugenden heute ein großes Problem haben […]. Wir […] erleben […] auf der einen Seite zelebrieren junge Leute gerne wieder die Ästhetik der bürgerlichen Welt, ne man richtet sich dann ein […] und versucht sozusagen ja so gemütlich ist das […]. Das heißt also der Traum, ist das schnelle Geld, der Traum ist nicht, dieser Aufbau einer Mittelschichtskarriere, dieses langsame und zähe, ja geduldige, sich hocharbeiten, das sind ja keine gesellschaftlichen Werte mehr”
Lanz: “… wenn du sagst, dass dieser Spirit, das ist ja eine Haltung zum Leben, wenn das weg ist. Also wenn du wirklich nur noch auf der Jagd nach der schnellen Kohle bist und es gibt nicht mehr dieses beharrliche, langsam sich von unten nach immer weiter oben arbeiten, sich vielleicht auch mal so anstrengen, wie man sich überhaupt nicht vorstellen konnte, dass man sich anstrengen kann und dann am Ende auch etwas zu kriegen, was für Geld letzten Endes nicht zu kaufen ist, nämlich das unglaublich gute Gefühl, diese tiefe innere Befriedung (bei Lanz scheinen die Gefühle immer tief zu sein, siehe Zitat oben), die dir sagt, du hast jetzt wirklich was gepackt, du meinst, das gibts nicht mehr?!”
Precht: “Der Grund ist, dass die jungen Menschen sich sagen, das kostet alles viel zu viel Zeit und Lebensenergie […] und wenn man dann daran denkt, dass man irgendwie so ein Karriereweg macht, wo man sich über Jahre langsam hocharbeitet, ist das sehr, sehr, sehr unsexy, weil man denkt, man muss relativ viel Leiden und Langeweile in Kauf nehmen, um irgendwann einmal möglicherweise in einen glücklichen Status zu kommen.”
Im Verlauf der Folge fällt es ihnen dann selber auf und Lanz rudert zurück:
Lanz: “…würde trotzdem immer noch mal gerne einmal wirklich in die Widerrede gehen, insbesondere wenn es um die jungen Leute geht […]. Ich erlebe ganz häufig junge Menschen, die mit einer großen Ernsthaftigkeit […], gehen mit großer Ernsthaftigkeit ihrem Beruf nach. Die machen sich Gedanken über die Gesellschaft. Die sind nicht nur sich selbst die nächsten […] Gerade junge Menschen haben ein Interesse am Gemeinwohl […] Die engagieren sich sozial, viel mehr als wir das in unserer Generation getan haben […]”