Eva von Redecker

@Syd

Die Veranstaltung war deutlich besser besucht, als ich erwartet habe, und ich war offen gestanden noch dabei, mir zu überlegen, wie ich deine Frage einigermaßen elegant mit dem Vortrag verknüpfe, als die Redeliste geschlossen wurde.

Ich glaube, auf Basis ihres Vortrags und der Diskussion kann ich trotzdem Mutmaßungen anstellen. Wenn sie ihre die Theorie, wie sie sie vorgestellt hat, ernst nimmt, würde sie anerkennen, dass vor faschistischem Begehren niemand gefeiht ist, auch nicht sie selbst, und ihre Unterstützung von Zero Covid rückblickend kritisieren.

Ihr Argument war im Kern, dass es keinen An/Aus-Schalter für Leben im Faschismus gibt, sondern die Gleichzeitigkeit ausgehalten werden muss, in der weiße Mittelstandsdeutsche nach wie vor die Annehmlichkeiten einer liberalen Demokratie genießen, während trans Personen, Muslim*innen oder Geflüchtete unter faschistischen Bedingungen leben.

Was mir nach dem Vortrag (und ohne das Buch gelesen zu haben) noch unklar ist, ob sie diese Gleichzeitigkeit auch für diejenigen annimmt, die die faschistischen Bedingungen schaffen. Es ist nie explizit geworden, aber es war schon auffällig, dass sie auf eine Publikumsfrage hin drei Lager unterschieden haben: Diejenigen, die faschistische Begehren zum politischen Projekt machen, diejenigen, die sich noch immer für den Liberalismus aufbäumen, und diejenigen, die daran glauben, dass weder das eine noch das andere der Weisheit letzter Schluss ist. Ob sie sich aber bewusst gemacht hat, dass Individuen je nach Fragestellung das Lager wechseln, hab ich nicht raushören können. Damit steht und fällt für mich, ob sie ZeroCovid rückblickend kritisch bewerten würde. Vielleicht findet sich im Buch eine Antwort.

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