Neue Kolumne von Ezra Klein, die gut an einige Diskussionen hier im Forum anknüpft. Im Kern steht eine Beobachtung, die gegen Ende von Marshall McLuhan (in den Worten von John Culkin) zitiert wird:
The environments set up by different media are not just containers for people; they are processes which shape people.
Der Culkin-Satz ist gut gewählt, aber Klein wendet ihn nicht konsequent an. Was er tatsächlich liefert: wie er persönlich durch Claude verunsichert wird. Sein Kernkapital als Autor ist die Fähigkeit, aus diffusen Intuitionen kohärente Prosa zu bauen – genau das übernimmt das Tool für ihn. Valide persönliche Erfahrung. Keine Medienkritik.
Das Kernproblem ist Sachkenntnis. Klein nutzt Claude als Cloud-Chatbot und beschreibt das als das Medium KI. Wer den Markt kennt, weiß: OpenClaw – das er selbst erwähnt, offensichtlich ohne zu verstehen was es ist – läuft lokal, open-source, auf eigener Hardware, gehört keinem Konzern. Die „Abhängigkeit von Korporationen” die er als strukturelle Eigenschaft von KI behandelt, ist einfach eine Beschreibung seines eigenen Nutzungsverhaltens. Ein Journalist der über Druckerpressen schreibt, dabei nur die NYT-Druckerei kennt, und daraus schließt Drucken bedeute Abhängigkeit von Medienkonzernen – das wäre dasselbe Niveau.
McLuhan würde vermutlich fragen: Welches Medium formt hier wen? Der NYT-Opinion-Slot formt den Autor mindestens so stark wie Claude es tut.
Hier ein, wie ich finde, interessantes Gespräch zu KI und Faschismus (wobei man auch sagen könnte KI und Kapitalismus, der Techno-Faschismus in den USA ist da dann erst der nächste Schritt).
Wo es IMHO ein bisschen schwächer wird ist bei den Vorhersagemodellen:
Es ist vollkommen egal für einen faschistischen Staat, wie gut er irgendwas vorhersagen kann. Es reicht vollkommen wenn er auf einen beliebigen opaken Kasten zeigen kann und Techno-Babble absondern kann, das erstmal so schnell keiner widerlegen kann.
Und dann sagt der faschistische Staat einfach: Hier! Unser Supercomputer hat herausgefunden, dass alle Antifas Terroristen sind, weswegen wir die jetzt mal abholen lassen. Und die Begründung muss nicht mal besonders glaubwürdig sein. Weil es einfach nur nötig ist, dass es gerade eben genug glaubwürdig ist, dass diejenigen, die zuhören eine Ausrede haben, das nicht anzweifeln zu müssen.
Das ist ja was Macht ausmachst: Du musst nicht recht haben, Du musst nur deine Macht einsetzen dafür zu sorgen, dass keiner widerspricht.