Falsch benannter Feiertag - Chance für regional ausgerichtete Kulturkämpfer?

Historisch gesehen ist die Bezeichnung „Tag der Deutschen Einheit“ falsch. Die DDR trat der BRD nach Artikel 23 des Grundgesetzes bei, es gab keine Neugründung nach Artikel 146, der genau für diesen Fall eine gemeinsame Verfassung vorsah.

Sachlich am saubersten wäre “Tag des Beitritts”. So steht es im Einigungsvertrag: Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes. Noch ehrlicher und völlig unfeierbar wäre “Tag des Inkrafttretens des Einigungsvertrags”. Das Datum selbst ist lediglich ein Verwaltungstermin: frühestmöglich nach Zwei-plus-Vier-Vertrag und rechtzeitig vor dem 41. DDR-Geburtstag am 7. Oktober.

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Ich sehe Chancen für Kulturkämpfe und gutes Potenzial zur emotionalen Mobilisierung je nach Variante:

  • “Tag des Beitritts”: Ost gegen West in Reinform. Die einen lesen es als endlich ausgesprochene Wahrheit (Oschmann, Kowalczuks “Übernahme”), die anderen als Undankbarkeit angesichts von zwei Billionen Transfer.
  • “Tag des Anschlusses”: Die Maximalprovokation. Sie liefert sofort einen Historikerstreit über die 1938-Konnotation, und die eigentliche Frage geht im Vergleichsverbot unter.
  • “Tag der friedlichen Revolution” (9. Oktober, Leipzig): Sympathisch, weil die Ostdeutschen hier Subjekt statt Objekt sind. Dafür streitet man, wem “Wir sind das Volk” gehört: den Bürgerrechtlern von damals oder denen, die den Satz heute auf Montagsdemos tragen.
  • 9. November: Mauerfall, aber auch 1918, 1923 und 1938. Das ergibt den Erinnerungskultur-Dauerbrenner, ob man an einem Pogromdatum feiern darf oder gerade die Ambivalenz deutsch wäre.
  • “Tag der Währungsunion” (1. Juli): Der zynisch korrekte Kandidat, denn da fiel die eigentliche Entscheidung. Das wäre ein schöner Aufhänger: “Ihr wolltet die D-Mark doch”.

Mein Favorit für maximalen Ertrag bei minimalem Aufwand ist die Rückkehr zum 17. Juni, der im Westen bis 1990 schon “Tag der deutschen Einheit” hieß. Dann streiten alle gleichzeitig: über Arbeiteraufstand oder Volksaufstand, über westliche Vereinnahmung und darüber, wer im Juni einen Feiertag braucht.

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Ich oute mich mal. Der 17. Juni ist mein Geburtstag. Ich nehme jeden Kampf gegen alle auf um „meinen“ Feiertag zurückzubekommen.

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Also ich bitte Euch! Den Sieg über einen diktatorischen Unrechtsstaat muss man doch als

Tag der Befreiung

feiern. Darunter ist nichts zu machen.

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„Tag der Befreiung" - ein wirklich eleganter Sprengsatz. So hieß in der DDR der 8. Mai, 1950 bis 1967 und noch einmal 1985 sogar als arbeitsfreier Feiertag. Den 3. Oktober so zu benennen, überschreibt den antifaschistischen Gründungsmythos der DDR mit ihrem Ende. Raffiniert! Außerdem: Befreit wurden die Ostdeutschen flächendeckend von Biografien.

Damit schlägt er sogar den 17. Juni: ‚Befreiung‘ - ein einziges Wort, und es streiten Ost gegen West, links gegen rechts und die Historiker untereinander.

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Die Ossis wurden auch von Arbeitsplätzen befreit und selbst Marxisten müssen dem “doppelt freien Lohnarbeiter” zustimmen.

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Okay, sie wurden von Arbeitsplätzen und Biografien befreit. Sie haben aber dafür im Handumdrehen neuen Eliten bekommen. Ich schlage deshalb den „Eliten-Austausch-Tag“ vor. Den könnte man am gleichen Datum separat in West und Ost begehen. Die einen haben neue Eliten zur Verfügung gestellt, die anderen haben sie erhalten.

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neinneinnein!

Sie wurden von ihren Eliten befreit und wie das nun mal so ist, kamen ihre Befreier und haben sie in blühende Landschaften geführt!

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… Und Westdeutschland wurde vom Beförderungsstau befreit - damit ist mit dem „Tag der Befreiung“ endlich ein würdiger gesamtdeutscher Feiertag gefunden.

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Wir wurden auch von einem “Geh doch nach drüben, wenn es dir hier nicht gefällt!” befreit und nach Fukuyama damals auch von “Geschichte”…

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