Hmm…
Eine gewisse Korrelation zwischen Alter und kognitiven Fähigkeiten wird durch dein Beispiel aber untermauert:
Ich glaube, ich klinke mich an dieser Stelle besser aus. Bin wohl zu alt für eine solche Diskussion… ![]()
Hmm…
Eine gewisse Korrelation zwischen Alter und kognitiven Fähigkeiten wird durch dein Beispiel aber untermauert:
Ich glaube, ich klinke mich an dieser Stelle besser aus. Bin wohl zu alt für eine solche Diskussion… ![]()
Sind “gewisse Korrelationen” ein geeignetes argumentativ es Fundament für die Verteilung von Grundrechten?
Haha, mit dem Trigger hast du mich zurück! ![]()
Hättest du diese Frage nämlich im Herbst/Winter 2021/2022 gestellt, dann hätte eine Mehrheit der Deutschen - und vermutlich auch der Foristen inklusive der Podcaster - mit einem klaren „Ja!“ geantwortet. Der Entzug von Grundrechten bei Fehlen eines Impfnachweises gegen „Corona“ war breiter Konsens und beruhte genau darauf: Auf der Erzählung, es gäbe eine gewisse Korrelation zwischen dem Impfstatus und der Infektiösität.
Ich war damals dagegen, aber nicht aus Prinzip, sondern weil mir klar war, dass diese angebliche Korrelation („Pandemie der Ungeimpften“) ein Märchen der Pharmaindustrie und der von ihr abhängigen Wissenschaften sowie des politischen-medialen Komplexes war. Hingegen lässt sich ein Fortschreiten der geistigen Entwicklung im Laufe der ersten 15, vielleicht auch 18 oder 25 Lebensjahre wohl kaum leugnen. Hier besteht eindeutig eine gewisse Korrelation.
Hehe. Zu der Zeit habe ich den Podcast noch gar nicht gehört, da hab ich mich gerade wegen genau dem Thema mit meiner Twitterbubble verkracht, weil ich selbstverständlich aus Prinzip gegen die staatliche Einschränkung von Grundrechten auf Basis '“gewisser Korrelationen” war.
Und dann haben wir noch nicht darüber geredet, dass man, anders als geistige Reife, Infektiösitat als Größe immerhin relativ gut hätte definieren, messen und beziffern können, wenn man denn gewollt hätte.
Dass Menschen im Laufe ihres Lebens kognitive Entwicklungsprozesse machen habe ich nie in Frage gestellt. Was ich in Frage stelle, ist Folgendes: Ist es sinnvoll und gerecht, bei der Organisation kollektiver Entscheidungsfindungsprozesse diesen Umstand so zu bewerten, dass Menschen allein aufgrund ihres Alters ein bestimmter Entwicklungsstand zu- oder abgesprochen wird und sie anhand dieser Messlatte von den Entscheidungsfindungsprozessen ein- oder ausgeschlossen werden? Und bisher hab ich noch kein Argument gehört, das mich überzeugen würde, diese Frage zu bejahen.
Vielleicht hörst du deswegen keine Argumente, weil die Fragestellung so absurd ist? Warum sollte man wahlberechtigt sein, wenn man - aus guten Gründen, siehe Piaget - noch nicht strafmündig ist? Nenne doch mal Argumente FÜR das von dir geforderte Wahlrecht ab Geburt und beschreibe dessen konkrete Ausgestaltung.
Meine bevorzugte, konkrete Ausgestaltung wäre, jetzt nur auf diese Frage bezogen: Wahlberechtigte, also alle Deutschen, kriegen vor einer Wahl eine Wahlbenachrichtigung, und entweder wählen sie dann oder nicht.
Positiv daran: Alle, die wünschen, an der Wahl teilzunehmen, werden vom Staat nicht daran gehindert. Egal, ob sie acht Jahre, 13 Jahre, 17 Jahre und 364 Tage oder 84 Jahre alt sind.
Alle, die das nicht wünschen, sei es aus Gründen mangelnder Reife, Politikverdrossenheit, weil die Wahl am gleichen Tag ist wie Tante Hildegards Goldhochzeit und man keinen Bock hat sich um Briefwahl zu kümmern oder Demenz im Endstadium, können es weiterhin sein lassen.
Negativ daran: Es müssten deutlich mehr Briefe verschickt werden.
Nochmal die Frage: Welches Problem soll damit gelöst werden?
Die Befürworter vermuten irgendeinen Zukunftsbezug bei den Interessen von Kindern und hier wurde ja auch schon beschrieben, dass vermutlich die Grünen davon profitieren würden.
Diese Zukunftsrhetorik taugt ja aber nichts, weil jeder daraus machen kann, was er will. Dann wählt der geneigte Familienvater die Grünen “weil Klima für meine Kinder wichtig ist” und bekommt statt “Klima” eben Aufrüstung und die Kinder den Kriegsdienst… Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen meinen Zukunftshoffnungen und Realpolitik. Die geneigte Mutter wählt dann die AfD, damit die eigenen Kinder nicht von der “Umvolkung” betroffen sind und so weiter und so fort…
Wer jetzt warum von welcher Wahl ausgeschlossen wird ist dabei doch nur zweitrangig, wenn Du doch z.B. an der fehlenden Mindestwahlbeteiligung erkennen kannst, dass es Deinen persönlichen Wunsch zur Verwaltung dieses Landes gar nicht braucht.
Eine Wahl ist doch viel weniger Interessenbekundung als Legitimationsbasis. Du wählst dann schön die Grünen und die entscheiden dann, was sie für wichtig halten (Regierungsbeteiligung, Wirtschaftswachstum, Aufrüstung) unabhängig von Deiner privaten Meinung zu der Zukunft Deiner Kinder.
Ergebnis wären dann eben ein paar Wahlplakate, die irgendwelche “Kinderthemen” in genau der bestehenden Qualität vorhandener Wahlplakate haben, oder Reden wie von Baerbock („Wenn wir keine europäische Rüstungskooperation haben, dann müssen wir alles doppelt und dreifach finanzieren – und dann fehlt das Geld am Ende auch für die Kindergrundsicherung.“), oder die Absage der CDU an Investitionen mit dem Verweis auf “Verschuldung der zukünftigen Generation”…
Da gibt’s von mir kaum Gegenrede, außer: Die Frage, wer wie politisch partizipieren darf, dahingehend zu diskutieren, welcher Partei das am Ende nützt, finde ich gelinde gesagt unvorsichtig. Ist bestimmt auch wieder idealistisch, aber wohin das führen kann, sieht man ja in den USA.
Eine Wahl ist doch viel weniger Interessenbekundung als Legitimationsbasis.
Warum nicht beides? Klar sind die meisten Wahlen bei uns politische Legitimationsrituale. Sie sind gleichzeitig ein logistischer und organisatorischer Prozess der kollektiven Willensbildung. Ich persönlich finde es produktiv, sich die Prozesse, die wir haben und kennen, anzuschauen, wenn ich darüber nachdenke, welche ich gerne hätte.
Befürworter*innen des Familienwahlrecht machen dahingehend einen Vorschlag, den ich mir wie erwähnt, gar nicht zu eigen machen. Trotzdem finde ich gut, dass sie überhaupt darüber nachdenken, und, dass es verdient, ernst genommen zu werden. Ernst nehmen bedeutet für mich unter anderem, nachzuhaken, wie sie sich die praktische Umsetzung ihres Vorschlags vorstellen.
Darauf wollte ich mit dem Thread eigentlich hinaus, auch wenn ich gerne zugeben, dass ich zum Abdriften in die Grundsatzdiskussion ordentlich beigetragen habe.
Das habe ich ja nicht gemacht.
Bei einem Familienwahlrecht wird jede Partei sich darauf ausrichten und versuchen diese “neuen Stimmen im Pott” zu adressieren.
Mit “Willensbildung” betreten wir aber wieder romantisches Gelände, wo ich in der Tat eine Grundsatzdiskussion für heilsam hielte.
Wir können die Grundsatzdiskussion gerne führen. Welche konkrete Fragestellung schwebt dir denn vor?
Ich habe keine Fragestellung.