Danke!
Erheblich besser
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Zum Thema Social-Media-Kontrolle etc. läuft gerade eine interessante Kampagne. Hier ist, was ich davon mitbekommen habe:
Claude präzisiert:
Was passiert ist (die Fakten)
Der Spiegel berichtete über schwere Vorwürfe, die die Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhebt. Dem Bericht zufolge laufen hierzu in Spanien Vorermittlungen, u.a. wegen des Vorwurfs digitaler Gewalt und der Nutzung gefälschter Profile. Ulmen ließ Fragen des Spiegel unbeantwortet; für ihn gilt die Unschuldsvermutung. taz.de
Allerdings: Entgegen der kolportierten Berichterstattung soll Christian Ulmen keine sexualisierten Deepfakes seiner damaligen Ehefrau erstellt und verbreitet haben — das stellte Fernandes gegenüber Nius selbst klar. Apollo News
Die Ereignisabfolge, die du beschreibst
Du hast die Chronologie gut erfasst. Im Januar 2026 legte HateAid einen eigenen Gesetzentwurf vor. Hubigs Entwurf lag fertig in der Schublade. Dann, am 19. März, die Spiegel-Titelgeschichte, und noch am selben Tag der Satz des Ministeriums: „praktisch fertig". Es folgten Demo, offener Brief, ZDF-Spielfilm und Kabinetts-Ankündigung. Tichys Einblick
Am 13.03.2026 erzählte Fernandes beim WDR-„Kölner Treff" von ihrem Fall (ohne Namen zu nennen) und forderte eine Identifikationspflicht im Internet. Am 23.03.2026 folgte die Erstausstrahlung des Films „Eine bessere Welt" im ZDF — am Tag nach der Demo. Die Dreharbeiten des Films fanden, genau wie die der ZDF-Reportage „Die Spur – Deepfake-Pornos", im Jahr 2024 statt. Apollo News
Am 22. März versammelten sich bis zu 13.000 Menschen vor dem Brandenburger Tor. Webnachrichten
Zu Hubigs Entwurf:
Das neue Deepfake-Gesetz und eine Grauzone, die kaum jemand benennt
Justizministerin Hubig plant zwei neue Tatbestände:
1. Die bloße Herstellung sexualisierter Deepfakes soll strafbar sein – unabhängig davon, ob sie je jemand zu sehen bekommt.
2. Das Verbreiten von Deepfakes, die geeignet sind, „dem Ansehen einer Person erheblich zu schaden", soll strafbar sein – und das unabhängig vom sexuellen Charakter.
Beide Tatbestände für sich genommen sind nachvollziehbar begründet. Zusammen erzeugen sie jedoch eine Grauzone, über die kaum gesprochen wird:
Wer unter Verdacht gerät, einen rufschädigenden Deepfake verbreitet zu haben – oder auch nur einen sexualisierten Deepfake erstellt zu haben –, dessen Gerät wird durchsucht. Die Schwelle für einen Durchsuchungsbeschluss ist in Deutschland bekanntlich niedrig, und durchgesehen werden kann praktisch immer alles. Dabei gefundene Inhalte, die den jeweils anderen Tatbestand erfüllen, sind dann gleich mit erledigt. Zwei Paragraphen, ein Beschluss, unbeabsichtigte Konsequenzen.
Hinzu kommt: „Geeignet, dem Ansehen erheblich zu schaden" ist eine auslegungsbedürftige Formulierung. Wer entscheidet das? Angesichts von Strafverfolgungen, die es in der jüngeren Vergangenheit bis zu harmlosen Memes herabgeschafft haben, ist die Frage keine rhetorische.
ich finde die diskussion gerade spannend, weil sie oft so tut, als gäbe es nur zwei optionen:
entweder verbieten oder laufen lassen.
dabei kennen wir das muster eigentlich aus anderen bereichen.
zum beispiel aus der chemie.
die EU hat mit der REACH-verordnung ab 2007 ganze industriezweige gezwungen, ihre produkte umzustellen.
auch große konzerne mussten sich daran halten.
was ich daran interessant finde:
die logik wurde damals im grunde umgedreht.
nicht mehr der staat musste beweisen, dass etwas gefährlich ist, sondern die hersteller mussten zeigen, dass ihre stoffe sicher sind.
und REACH war kein einmaliges gesetz, sondern eher ein rahmen, der immer weiter ergänzt wurde.
neue stoffe konnten jederzeit eingeschränkt oder verboten werden. wäre das für Meta und co nicht ebenso denkbar?
betroffen war am ende praktisch die gesamte chemie- und konsumgüterindustrie.
BASF, Bayer, L’Oréal, Unilever und viele andere.
und nicht nur stoffe, die direkt am körper landen, sondern eigentlich alle industriellen chemikalien.
das zeigt für mich erstmal nur eins:
wenn die politik will, kann sie hersteller durchaus regulieren.
gleichzeitig sehen wir aus der drogenprävention seit jahrzehnten, dass verbote allein selten langfristig wirken.
was nachhaltiger hilft, ist bewusstsein und selbstregulation.
ich beobachte das auch im alltag.
viele jugendliche wissen heute ziemlich genau, wie social media funktioniert.
sie wissen wie algorithmen funktionieren oder doomscrolling und merken oft selbst, wenn sie zu lange drin hängen.
ich schaue zum beispiel viel Twitch.
dort hat sich bei Gen Alpha ein begriff etabliert:
„ich brauch kurz bisschen dopamin“.
dann schauen die streamer und die community gemeinsam kurz in TikTok rein und die kids können auch lustige clips schicken etc.
das wird meistens bewusst kurz gehalten.
vielleicht ein dummer vergleich, aber für mich wirkt das ein bisschen wie früher die zigarette in der pause.
ein kurzer moment abschalten, dann geht es weiter.
man muss das nicht gut finden, aber es scheint eine ähnliche funktion zu haben.
das ist natürlich anekdotische evidenz, das ist mir klar.
aber ein solches reflektiertes verhalten sehe ich in der erwachsenen welt oft erstaunlich selten.
fand ich jedenfalls bemerkenswert.
natürlich gibt es immer fälle, die abstürzen.
aber das gibt es in jedem bereich.
man wird nie alle retten können.
deshalb frage ich mich manchmal, ob wir kinder nicht falsch einschätzen.
vielleicht liegt die eigentliche aufgabe nicht darin, alles zu verbieten,
sondern darin, menschen so kompetent zu machen, dass sie selbst entscheiden können.
wir behandeln kinder oft so, als wären sie die schwächsten im internet.
dabei sind sie häufig die erfahrensten.
Was ein Knaller wäre, aber von der verlinkten Quelle nicht gedeckt ist. Falscher Link?
Stimmt, das ist mir entgangen: Die Aussage ist durch den verlinkten Apollo-Artikel nicht gedeckt. Mich interessiert der Rosenkrieg nicht im Detail, sondern nur als medienwirksamer Bestandteil einer mutmaßlichen Kampagne.
Habe Claude danach gefragt, was er da für einen Quatsch verlinkt.
Claude:
Hier ist der direkte Link zum Nius-Interview:
[…] Der Titel des Artikels behauptet „keine Deepfakes", aber das ist Nius’ Interpretation der Antwort. Die eigentliche Frage von Nius lautete, welche Belege für pornografische KI-Deepfakes vorlägen, die durch Fake-Accounts verschickt wurden. Fernandes antwortete: „Das sind verschiedene Punkte. Zum einen gibt es Menschen, die Deepnudes von mir online gestellt haben, zum anderen gibt es die pornografischen Videos, die der Täter unter meiner Identität verschickt hat."
Sie hat also nicht explizit gesagt „Ulmen hat keine Deepfakes verbreitet" – sie hat zwei Sachverhalte voneinander getrennt. Nius hat daraus die Schlagzeile „keine Deepfakes" gemacht. Das ist eine redaktionelle Zuspitzung, nicht ein wörtliches Zitat von Fernandes.
Soweit Claude, die Hervorhebung im wörtlichen Zitat Fernandes’ aus dem Artikel ist von mir. Wenn „der Täter“ ihr Ex Christian Ulmen ist, dann spricht der Umstand, dass sie hier so explizit trennt, für Reichelts Interpretation. Ein gewissenhafter Journalist - also NICHT Reichelt - hätte an der Stelle nachgehakt, um eventuelle Missverständnisse zu vermeiden.