Der Gegenstandpunkt hat Ende 2023 einen Artikel über KI herausgebracht, der mir sehr im Gedächtnis geblieben ist, weil er die Funktionsweise fachlich sehr gut beschreibt. Auch da ging es schon um das Thema KI (bzw. konkret LLMs) als Subjekt. Das wird dort auch klar verneint.
Die Frage, ob diesen Programmen Intelligenz innewohnt, spielt für ihre Entwicklung und praktische Tauglichkeit keine Rolle. An den staatlichen Fördergeldern und den privaten Investitionen, die zunehmend in diese Technik fließen, kann man sehen: Sie taugt offenbar sehr viel für die gesellschaftlichen und politischen Interessen und Zwecke, die wirklich ‚unser Leben‘ bestimmen.
Indem sie aus dem Fundus früherer Zuordnungen neue extrapoliert und damit anwendbar ist auf Handel und Produktion, Verkehrswesen, Auskunfteien aller Art, Medizin, Finanzwesen, Staatsverwaltung, Rechtsprechung und Kriegführung, zeigt die KI-Software, aus wie viel Schematismus, stumpfsinniger Regelbefolgung und routinemäßigem Einsortieren von Fällen in fertige Schubladen die intelligenten Tätigkeiten bestehen, auf denen die Leistungsfähigkeit einer modernen Nation beruht – von der Produktivität ihrer Wirtschaft über die Effizienz ihrer staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen bis hin zu ihrer militärischen Potenz.
Wer das Begreifen und Zwecke-Setzen von vornherein nur als geschickten Umgang mit Umweltbedingungen kennt, der traut umgekehrt der „Superintelligenz“ der Maschinen eben auch Subjekteigenschaften zu, vor denen er sich gruselt.
Was ich interessant finde, ist dass sie mit ihrer Analyse sehr schlüssig und früh zu Aussagen gekommen sind, die jetzt dem Papst (zurecht) hoch gehalten werden.
Mich würde sehr interessieren, ob die Autoren irgendwo mal sagen, was denn ihrer Meinung nach menschliches Denken ist, wenn nicht Problemlösung. Das Problem mit der Subjektivierung der KI ist nicht, dass Denken als instrumentell angesehen wird (was es ist), sondern dass man davon ausgeht, eine LLM-Architektur, basierend rein auf geschriebenem Text, wäre in der Lage menschenähnliche Subjekteigenschaften auszubilden. Nebenbei ist das Problem mit der Problemlösung da, wo nicht über das Problem selber nachgedacht wird, wo das Problem als absolut gegeben angenommen wird: Ob wir KIs als Subjekte erschaffen ist immer noch eine Designentscheidung, sie sind keine Subjekte im relevanten Sinne wenn wir das nicht zulassen, und solche anthromorphisierenden Annahmen fühlender KIs soll letztlich nur davon ablenken, dass die Designentscheidungen bei übermächtigen CEOs liegt, die damit die Verantwortung von sich wenden. Abgesehen davon würde ich gerne mal konkrete Argumente hören, warum Denken nicht auf tiefster Ebene etwas sein soll, was einen Zweck erfüllt.
Ich habe den Text nicht gelesen, sondern nur die Kontexte der zitierten Stellen mir angeschaut – entschuldigt also, falls der Punkt irgendwo adressiert wurde.
ganz interessanter text, gut ausgearbeitet. vielleicht sogar zu gut. kapitalverwertung, staatsmacht, großkonzerne — die argumente kennen wir, und das ist eigentlich das problem. nicht weil sie falsch wären, sondern weil sie so durchdekliniert sind, dass ich mich frage: ist da noch raum für irgendwas anderes? der rahmen ist gesetzt, und was sich nicht darin bewegt, kommt gar nicht erst vor.
der text fragt: wem nützt KI? und antwortet: dem kapital, dem staat.
der text fragt: wer rettet uns vor KI? und antwortet: niemand, die warner sind teil desselben systems.
ich frag mich: verändert KI wirklich nur bestehende machtverhältnisse — oder verschiebt sie sie auch? was wird möglich für leute, die vorher keinen zugang hatten? und warum kommt diese frage im text gar nicht vor?