Falls jemand mal in die Situation kommt, einem „Corona-Schwurbler“ oder „Querdenker“ die beiden grundlegenden Begriffe aus Redeckers Buch, „Phantombesitz“ und „Verflixung“ erklären zu müssen, dann empfehle ich, das anhand dieses legendären Clips zu tun. Er zeigt Emilia Festers Redebeitrag im Bundestag zur Impfpflicht-Debatte. Soweit ich weiß war das Festers erste Rede vor dieser Kulisse überhaupt und ich finde ihre Performance echt genial. Jeder Querdenker wird sofort verstehen, was die beiden Begriffe meinen:
- Phantombesitz: Das Recht auf Unbeschwertheit, Partys, Auslandssemester und Clubbesuche wird als ein selbstverständlicher Besitz angesehen, der Fester und ihrer Generation zusteht. Fester schreit förmlich danach, diesen „Besitz“ wiederzuerlangen. Ob sie dabei auch mit dem Fuß aufstampft, müsste ich nochmal nachgucken.
- Verflixung: Anstatt die Einschränkungen als Resultat eines hochkomplexen, oft überforderten und „verflixten“ staatlichen Institutionengefüges und einer globalen biologischen Krise zu sehen, findet eine Personalisierung statt. Die Schuld am Verlust dieses „Besitzes“ wird auf eine greifbare Gruppe projiziert – die Ungeimpften.
Der Auftritt ist Legende! Aber die eigentliche Pointe kommt erst noch: Redecker selbst gehörte nämlich zu denen, die, ausgestattet mit akademischer Autorität, das geistig-moralische Fundament lieferten für die „Freiheitsberaubung“, die Fester beklagt: Redecker war Erstunterzeichnerin der Zero-Covid-Initiative. Diese Kampagne forderte bekanntlich einen radikalen, mehrwöchigen Total-Shutdown der gesamten Gesellschaft und Wirtschaft, um die Inzidenz auf Null zu drücken.
Der blinde Fleck „Corona“ in Redeckers Sicht erklärt sich damit von selbst. Dankenswerterweise hat ihn Wolfgang mal kurz erwähnt, knapp vor Stunde 2 (falls jemand die Stelle sucht). Es scheint nicht der einzige zu sein - dass Kriegspflicht im Buch nur in der Vergangenheitsform vorkommt, wurde im Podcast erwähnt. Überhaupt scheint Redeckers Analyse ziemlich rechtslastig zu sein und die sogenannte „Mitte“ zu verschonen.
Am Ende der Besprechung denke ich mir: Ist das Buch vielleicht nur „Another Brick in the Wall“ - nämlich der Brandmauer gegen die AfD?