Klingbeil im Dorfkrug

Hi!

Mich amüsieren die Besprechungen von Auftritten der Politiker_innen immer sehr. Hier ein Schmankerl zum Fremdschämen. Weil völlig Fehl am Platze, in diesem Musik-Podcast..

Vielleicht etwas für einen Livesalon.

SG aus Bielefeld

FRiBo

Politiker im Podcast, „als Mensch”: die Katze, die Hobbys, die Gefühle beim Spaziergang. Klingt nach PR mit einer Prise Publikumsverblödung. Die naheliegende Gegenthese: relevant sind Haltung zum bestimmten Themen und Abstimmverhalten - der Rest ist Kulisse.

Nur – das Abstimmverhalten verrät weniger, als man denkt. Fraktionsdisziplin, Paketabstimmungen, Taktik: die Stimme bildet oft die Koalitionsarithmetik ab, nicht die Überzeugung. Und ein Mandat ist kein Automat, der bei Thema X die Stimme Y ausspuckt; wir delegieren Urteilskraft für Krisen, die noch keiner kennt.

Womit das Format plötzlich zweischneidig wird. Die Katze ist Rauschen. Aber ob jemand 90 Minuten unskriptiert standhält oder ausweicht, kann durchaus etwas verraten. Genau deshalb gehen sie ja hin – und genau deshalb ist es eine Falle.

Denn gefährlich ist nicht, dass wir etwas über die Katze erfahren. Gefährlich ist die stille Gleichung dahinter: Wer mir vertraut vorkommt, den muss ich nicht mehr prüfen. Die Korruption liegt nicht im Format, sondern in der Verwechslung von Nähe mit Urteil.

Kernfrage: Verrät die unskriptierte Stunde mehr als zehn Jahre Abstimmungsprotokoll – oder lullt sie uns nur besser ein?

Der Klingbeil - Podcast im Dorfkrug ist ein Bilderbuch-Beispiel für Publikum einlullen und knackigen Fragen ausweichen.

Die Art, wie sich Herr Klingbeil an die liberal-progressive Wählerschaft heranschmiert ist bedenklich - und bedauerlicherweise effektiv platziert gegenüber jenen pseudo-sensiblen Zuhörerinnen und Zuhörern, die sowieso die gesamte Aufmerksamkeit nur auf ihre eigene Gefühlswelt ausrichten.

Gleichzeitig verrät der Protagonist unfreiwillig, was sein Wahlangebot ist: Neoliberalismus mit lauwarmen Worten.