Meritocracy Trap, Geschichte des Klangs, Bumblebee Drone, Katholiken & Krieg, KI-Literatur, unpolitisches BVerG, Haydn

An protestantische Arbeitsethik habe ich auch gedacht. Du schreibst “Sie haben nun mal auch keine Kontrolle über Produktionsmittel”, doch sie könnten mit ihren Gehältern Startkapital ansparen oder innerhalb ihres Netzwerkes Investoren ausfindig machen und unter die Entrepeneure gehen. Wenn diese Leute top ausgebildet sind (Ivy League Universitäten usw.) sollten sie sich auch zutrauen krisenresistent mit unternehmerischen Risiken umgehen zu können.

Für mich bleibt die Frage, warum sie a) nicht einfach weniger arbeiten oder b) den hohen Stundeneinsatz nicht als Investment in Richtung Unternehmertum/Kapitalistenklasse einsetzen, weiter offen.

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doch sie könnten mit ihren Gehältern Startkapital ansparen

Das ist richtig, aber das ist für sie ein schwerer identitätsstiftender Bruch. Dann treten sie nicht mehr als Angestellte auf, sondern als Kapitalisten, wodurch sich z.B. die marx. Analyse verändert. Meritokratische Karrieren selektieren gerade dahingehend, dass sie nicht als Unternehmer, Disruptoren oder Entrepreneure auftreten können, sondern als Personen, die Ordnungen stabilisieren und optimieren. Sie fallen aus ihren Netzwerken und haben keine Muster, die sie dafür bedienen können. Diese Handlungsmuster eines Meritokraten und die Werte dahinter entwertet für sie die Idee eines Unternehmers.

Wenn diese Leute top ausgebildet sind … sollten sie … krisenresistent mit unternehmerischen Risiken umgehen können.

Das ist eben die Frage, ob sie das wirklich können oder ob sie sich da überschätzen. Es gehört mit zu einem Meritokraten, dass sie etwas zu viel glauben, genug Kontrolle über ihr Leben zu haben. Das ist oft genug nur eine Illusion. Im Ernstfall kontrolliert niemand die Situation auf dem Markt. Davon handelt z.B. der Film “Margin Call”, wo plötzlich vorausgesagt wird, dass das eigene Unternehmen pleite gehen wird und dann alle hochausgebildet im Konferenzraum mitten in der Nacht sitzen und nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Das sind auch alles immer Möglichkeiten, aber keine Absicherung im Sinne von “sie werden das können”.

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Rational gesehen denke ich schon, dass sie das Zeug fürs Unternehmertum haben.

Im Ernstfall kontrolliert niemand die Situation auf dem Markt.

Das macht erstmal nichts. Startups werden auf den ersten großen Erfolg hin gegründet und dann wieder verkauft. Oder sie bleiben vorne, indem sie sich in die Konkurrenz einkaufen (Beispiel Facebook kauft Instagram und Whatsapp). Strategie können Meritokraten bestimmt auch.

Sie fallen aus ihren Netzwerken und haben keine Muster, die sie dafür bedienen könne

Ja, wahrscheinlich hat sich schon im Elite-Kindergarten die eigene Peer-Group gebildet und es wäre für sie unverstellbar sich nicht über das selbe Arbeitsleben(=Leben) mit ihren Peers unterhalten zu können.

Das macht erstmal nichts. Startups werden auf den ersten großen Erfolg hin gegründet und dann wieder verkauft.

Ich kann mit Startups nichts anfangen. Funktionierende Startups sind extrem selten und Einzelfälle. Allgemein gehen viele Unternehmen doch auch recht schnell pleite und das wird auch stark durch Strukturen bedingt sein.

Funktionierende Startups sind extrem selten und Einzelfälle.

Positionen an der Spitze als Top-Anwalt oder Top-Manager sind auch sehr selten und knapp, schwierig zu bekommen und schwierig zu halten. Darüberhinaus glauben sie daran, dass ihre Kinder aller Konkurrenz zum Trotz eine ebenso rare Position ergattern können und investieren hier entsprechend Geld und Zeit in einem für Normalos unproportionalen Maße.

Ich wollte noch einmal meine 2 Cents zum Thema Privatschulen in DE geben.

Ich bin selber im Studium viel durch Deutschland gereist, um Schulen mit besonderem Konzept (zumeist Reformdpädagogik in der ein oder anderen Form) zu besuchen. Wenngleich es in Jena natürlich eine staatliche Jenaplan Schule , so sind diese Schulen meist in privater Trägerschaft gewesen. Liegt vor allem an dem starren Korsett, welches die Schulämter vorgeben. Das spricht meiner Meinung nach gg eine ähnliche Elitisierung, wie sie bei Markovits beschrieben wird. Oft geht es mehr um eine am Kind orientierte Pädagogik, bei der der Leistungsgedanke weniger relevant ist (siehe IGS Süd oder Josephine Baker Schule in Ffm).

Mein Gespräch mit Gemini dazu (wie von Stefan gewünscht hier) kann ich leider nicht teilen, bestätigte aber diese These. In „gestatten Elite“ sprach Julia Friedrichs auch davon, dass es in Deutschland erst ab der Universitäten Ebene es sich richtig lohne, insbesondere für den Blick in das Adressbuch, weniger für die „bessere“ Bildung.

Grüße (:

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Eigentlich ist es doch total egal, ob reiche Leute 80 oder 100 Stunden arbeiten, da nicht einer von denen auch nur eine Viertelstunde für gemeinnützige oder soziale Arbeit aufwendet.

Kann ich nur bestätigen. Zb habe ich mit KI Code herumgespielt in context PHP SQL. Und der erste Code hatte diese Lücken zb Injektions. Nur auf Nachfrage zu dem speziellen Thema kam eine Korrektur mit der üblichen Floskel, ja du hast Recht danke für den Hinweis.

Besonders bei docker , von dem ich nicht viel Ahnung 6, außer das ich immer wieder Meldungen zu Lücken sehe, musst du aufpassen.

Zu dem Thema 70 h arbeiten und warum tun die das, abgesehen von dem finanziellen Nutzen. Eigentlich beantwortet Wolfgang es ja indirekt. Bei vielen dieser Leistungsträger ist ein Großteil der Arbeit mit eigenen Interessen verbunden. Genauso wie Wolfgang sich für Kunst und deren Analyse und Gesellschaft usw interessiert, interessieren die sich für ihre Themen Gebiete.

Als Beispiel, ich bin Buchhalter, und ihr könnt mir glauben, dass die Wahl nicht aus Interesse fiel, sondern das Leben es so fügte. Aber wenn man eh drin hängt kommt irgendwann der Punkt an dem man sich anfängt für das Thema zu interessieren, allein um nicht aus Langeweile zu sterben.

Und wie bei allen Themen, finden sich neben den offensichtlichen Kernthemen immer Aspekte, die mit dem individuellen Interessenkomplex Überschneidungen haben. Bei der Buchhaltung zb , dank der Digitalisierung, besteht bei mir ein Großteil darin diverse Datenstrukturen die die Mandanten zur Verfügung stellen in regelkonforme Strukturen zu übersetzen.

Und ein wichtiger Aspekt der übersehen wird, die Definition des Selbstbildes. Selbst wenn wir eingestehen wollen, dass die Personen 90 h Plus nur damit verbringen der Tätigkeit nachzugehen , sind sie die ganze Zeit, die sie damit verbringen, in der Rolle des Machers und kriegen es in der Regel von den anderen gespiegelt, außer sie treffen auf einen der wenigen über sich, die es für nötig halten sie als Untergebene aufzuweisen.

Tldr

In der Regel entwickeln die Personen irgendwann einen Bezug zu noch so langweiligen Themen, selbst wenn das nicht vorher schon bestanden hatte. Darüber hinaus bezweifle ich dass sie gesamte Zeit aus aktiver Arbeit besteht.

Die Tätigkeit und die Umgebung konstruieren eine Person , und eine Relevanz der Person und der Tätigkeit.

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Das ist nachvollziehbar und eine Perspektive. Was ich mich frage, was mit den Leuten passiert, wenn diese Identitätskonstruktion brüchig wird, wie wenn ihnen 1) diese Macher-Mentalität nicht gespiegelt wird 2) sie zu viel langweiliges Busy-work bekommen oder 3) einen Vorgesetzten bekommen, der gegen sie arbeitet.

Es gibt da doch eine kleine Spannung und mögliche Grenzen der Identität. Wie übersetzt sich diese soziale Position denn politisch? Ist das sowas wie “privat geht es mir gut, aber politisch geht hier alles vor die Hunde”?

Ich würde sagen diese Fragen stellen sich ja nicht nur bei diesem Personen. Sie weisen eher ganz gut auf was ich etwas sperrig umschrieben habe. Am Ende gehen die halt auch morgens kacken. Und es riecht auch auf Marmor nicht besser.

Klar, letzten Endes haben ihre Handlungen eine größere gesellschaftliche Wirksamkeit . Aber auch begrenzt in dem jeweiligen Zustand des Systems.

Sieht man ja, dass selbst vermeintlich sichere Positionen wie Richter oder FBI Posten, ihre individuelle Wirksamkeit schnell verlieren können.

Ähnliches Thema… Hat jemand zufällig auch in diese Y-Kollektiv Doku über junge Erwachsene in der Finanzbranche hineingeschaut? Falls ja, was waren eure Gedanken?

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Statement einer Teilnehmerin

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