Musa Al-Gharbi - We have never been woke

Moin zusammen,

ich bin vor kurzen über diesen Buch gestolpert und finde, dass es einen guten Erklärungsrahmen für so etwas wie den Aufstieg Trumps oder der AfD bietet und dabei eine nachvollziehbare Erklärung für das Ressentiment gegenüber Eliten bereitstellt, welches aus meiner Sicht einer der Hauptgründe dafür ist, warum so viele Leute sich politisch in diese Richtung bewegen.

Da Ihr Euch ja zu genüge auch an dem linksliberalen Mainstream abarbeitet, denke ich dass das Buch eine gute Grundlage für eine auch zukünftige Kritik legen kann.

Am-Gharbi argumentiert in We Have Never Been Woke, dass sich eine hochgebildete, kulturell progressive Elite herausgebildet hat, die vor allem über Wissen, Sprache und gesellschaftlichen Status Macht ausübt. Ihre Politik konzentriert sich stark auf Identität, Repräsentation und diskriminierungsfreie Sprache, verändert aber materielle Ungleichheit, Vermögen und Klassenunterschiede oft nur wenig. Progressive Positionen können dabei selbst zu einem Statussymbol werden und die privilegierte Stellung dieser Elite sogar legitimieren. Al-Gharbi bestreitet Rassismus oder Sexismus nicht, kritisiert aber, dass Klassenfragen und die eigenen Interessen der progressiven Elite häufig ausgeblendet werden

Die Übertragung der amerikanischen Verhältnisse ins Deutsche geht natürlich nicht 1:1, aber nach dem lesen liegen die Parallelen nicht weit.

Ich bin beispielsweise mit etwas Transferleistung :wink: schnell bei unserer derzeitigen Ausgestaltung des CO2 Preises gelandet. Eine Massnahme, die ohne Klimageld zumindest zum Teil eine Unverteilung von unten nach oben ist, da die damit derzeit finanzierten Themen zu einem erheblichen Teil ja eher die oberen Einkommensschichten begünstigen (Förderung Elektroauto, Wärmepumpe etc.). Klimageld ist am Ende nicht gekommen aber die Kosten schon, die jetzt für den ärmeren teil der Bevölkerung einfach zu tragen sind. Und auch wenn es vielleicht nich ganz richtig ist, würde ich die Existenz des derzeitigen CO2 Preises jetzt eher einer grünen linksliberalen Elite zuschreiben als beispielsweise der CDU.

Das Beispiel soll auch zeigen, dass das Buch jetzt nicht eng um das Thema woke kreist, sondern aus meiner Sicht eher eine Fundamentalkritik der Eliten/ PMC liefert, die ich zumindest in dieser Form noch nicht gehört habe. Und der Autor selbst sieht sich auch klar dieser Elite zugehörig und weist wunderschön auf die ganzen Wiedersprüche hin.

Beste Güsse und vielen Dank für euren absolut fantastischen Podcast!

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Sehr spannend. Hat man auch nach black lives matter gesehen. Viele haben die Abschaffung der Polizei gefordert und aus schwarzen Milieus kam nur Fassungslosigkeit. In den armen und von hoher Kriminalität betroffenen Gebieten brauchen die Menschen die Polizei – egal welche Hautfarbe.

Auch die Me-Too Bewegung hat sich erstaunlich viel auf spektakuläre Fälle von berühmten Leuten fokussiert, manche haben sich als Falschbeschuldigungen herausgestellt. Erstaunlich wenig ist für Frauen passiert, die (in Amerika mit Sicherheit noch mehr als in Deutschland) wenig Zugang zu Gesundheitsversorgung, Rechtsschutz und psychologische Begleitung haben.

Die Body Positivity Bewegung hat sich von einer Akzeptanzbewegung zu einer Bewegung entwickelt, die medizinische und gesundheitliche Fakten leugnet. Dadurch wird vor allem denen, die faktenbasierte Informationen über Bewegung, Sport und Ernährung bräuchten, diese Informationen vorenthalten.

Die Diversity Bewegung in den Universitäten hat zur Verschlechterung der akademischen Bildung aller geführt. Jason Arday ist gerade ein sehr trauriges Beispiel.

Das Buch hört sich sehr spannend an, landet auf meiner viel zu langen Liste.