Ich habe ja nicht auf das Problem selbst referiert, sondern auf deine Darstellung desselben und ihre Implikationen. Meiner Meinung nach macht also die Art, wie du das Problem aufziehst, dieses unnötig kompliziert - was dann wiederum in Widerspruch zu deinen einfachen Lösungsvorschlägen steht.
Zu Beginn hat doch der Diskussionseröffner genau das gemacht, was du in deinem letzten Beitrag unkompliziert gefordert hast. Dies hast du abgelehnt, weil er in seinem Beitag angeblich sexistische Machtverhältnisse reproduziert. Entgegen deiner Behauptung, dass Wolfgang und Stefan patriarchale Strukturen deshalb reproduzieren, weil sie selbst Männer sind, ist deiner Meinung nach auch die Beteiligung einer Frau kein Ausweg, da sie deiner Meinung nach dieselben Strukturen zwangsläufig reproduzieren würde. In diesem Kontext verstehe ich deine Behauptung, es gebe nur männliche Perspektiven, die den Verblendungszusammenhang als universell erscheinen lässt. Damit dreht sich außerdem m. E. das Verhältnis von Subjekt/Gesellschaft und Sprache um. Statt dass diese von uns Menschen als Medium einer zweckgericheten Interaktion verwendet wird, meinen wir (z. B. deiner Meinung nach ich) nur frei zu agieren, während wir in Wirklichkeit nur die Eigendynamik von Begriffen verwirklichen, aus deren Verblendungszusammenhang wir nicht ausbrechen können (deswegen “Fatalismus”). Die Implikation dessen muss meiner Meinung nach eine Entmündigung des Subjektes und der Öffentlichkeit sein. Hier stellt sich für mich die Frage, wie du vor dem Hintergrund dieser Vorannahmen deine eigene Sprechposition legitimierst, wenn du gleichzeitig Werte eines im besten Sinne verstandenen Liberalismus als Erfüllungsgehilfen bestehender Machtverhältnisse ansiehst. Dass es nur männliche Perspektiven gibt, scheint nicht für dich selbst zu gelten, der durch die Kritik daran bei anderen den impliziten Anspruch erhebt, von außen auf den Verblendungszusammenhang zu blicken…
Der Fehler liegt für mich in der Zwangsehe von männlicher Geschlechtszugehörigkeit und “männlicher Perspektive”, die oft dazu tendiert, von einer Mutmaßung über die Gründe einer Meinungsäußerung zu ihrem entscheidenden Wesensmerkmal gemacht zu werden. Ich möchte auch Frauen dazu ermutigen, wenn sie ihre Meinung kundtun, nicht verschämt relativierend von ihrer “weiblichen Pespektive” zu sprechen, sondern sie allgemeingültig einzufordern.
Hierzu habe ich eine pragmatische Herangehensweise vorgeschlagen, um von mystischen abstrakten wesenhaften Entitäten wegzukommen, nämlich: wie macht es Sinn, über das Problem zu diskutieren, dass dabei etwas konstruktives erwächst? Hier zeigt sich schon, dass eine Naturalisierung von “männlicher” und “weiblicher Perspektive” nicht sinnvoll ist, da damit eine intersubjektive Verhandlungsmöglichkeit untergraben wird. Entscheidend ist vor allem, ob eine Position gut begründet ist oder nicht, worüber mit für allen zugänglichen Vernunftgründen diskutiert werden kann, nicht ob sie mutmaßlich im “Männlichen” oder “Weiblichen” ihren Ursprung hat…