@emi Deine Frage ist berechtigt, aber du stellst sie auf eine Weise die das Problem reproduziert.
Schau mal was du machst: Du schreibst “Das verunsichert mich” und fragst “Schreiben Frauen zu wenig lesenwerte Bücher?”
Du hast ein strukturelles Problem erkannt (der Diskurs ist männerdominiert), aber formulierst deine Kritik so, dass sie im Rahmen bleibt. Du pathologisierst dich selbst (“verunsichert mich”) statt das System zu kritisieren. Du akzeptierst “lesenswert” als neutrale Kategorie, obwohl das eine männlich codierte Bewertung ist.
Warum machst du das? Nicht weil du dumm bist, sondern weil du antizipierst was hier als “vernünftige Kritik” akzeptiert wird. Würdest du schreiben “Der epistemische Rahmen dieses Podcasts ist patriarchal strukturiert”, würde das als “identitätspolitisch” markiert und nicht ernst genommen. Diese Markierung muss nicht mal ausgesprochen werden - die Antizipation reicht.
Das ist Macht: Nicht dass jemand dir sagt was du denken sollst, sondern dass du selbst antizipierst was akzeptiert wird und dich entsprechend anpasst. Stefan und Wolfgang müssen dich nicht zensieren - du zensierst dich selbst präventiv.
Das Problem mit “mehr Frauen”:
Eine Frau im Podcast würde dieselbe Antizipation durchlaufen. Sie würde lernen welche Fragen als “vernünftig” gelten und welche als “identitätspolitisch”. Sie würde den Rahmen reproduzieren müssen um dort zu funktionieren. Das ändert die Struktur nicht.
Was bräuchte man stattdessen?
Systematische Analyse die zeigt: Mit welchen Unterscheidungen wird hier Politik beobachtet? Was landet strukturell auf der “unpolitisch”-Seite? Nicht weil jemand das böse will, sondern weil die Operationslogik des Diskurses so funktioniert.
Konkret: Wenn Die Neuen Zwanziger über Ukraine reden - Geopolitik, Militärstrategie, Wirtschaft gelten als neutral/politisch. Care-Arbeit, Vergewaltigungen als Kriegswaffe, Reproduktion unter Kriegsbedingungen - entweder absent oder “speziell”. Das ist keine böse Absicht. Das ist strukturelle Codierung.
Die Ironie: Ein Podcast der Machtkritik übt, reproduziert Macht durch die Struktur seines eigenen Diskurses. Und kann das nicht sehen - nicht weil Stefan und Wolfgang blöd sind, sondern weil man den Rahmen nicht sehen kann während man ihn benutzt.
Mein Vorschlag: Nicht mehr Frauen im Podcast, sondern systematische Beobachtung des Podcasts. Reviews die nicht fragen “Stimmt das?” sondern “Welche Fragen werden hier strukturell nicht gestellt? Was kann mit diesem Rahmen nicht gedacht werden?”