Neusprech, Doppeldenk und die Große trans Schwester / Helen Joyce: Fakten über Transgender

8. Lehrmeinungen und Leermeinungen. Was denk ich und wenn ja wie viele?

Der Gish-Galopp ist eine Debattiermethode, bei der eine Person das Gegenüber mit einer massiven Flut aus schwachen, falschen oder unbelegten Argumenten in kurzer Zeit überfordert. Ziel ist es, den Diskurs zu dominieren und den Gegner handlungsunfähig zu machen, da eine vollständige Widerlegung aller Punkte zeitlich unmöglich ist. Auf konkrete inhaltliche Argumente wird weder eingegangen, noch werden eigene formuliert.

Doch wie kommt es, dass Menschen trotz Gegenteiliger Informationen an Überzeugungen festhalten?

„Die Weltanschauung der Partei übertrug sich gewissermaßen am erfolgreichsten auf Leute, die unfähig waren, sie zu begreifen. Diesen Menschen konnte man die offenkundigsten Verdrehungen der Wirklichkeit zumuten, weil sie nie ganz die Ungeheuerlichkeit dessen erfaßten, was man ihnen da abverlangte, und weil sie sich zu wenig für öffentliche Ereignisse interessierten, um zu merken, was gespielt wurde. Durch mangelnde Einsicht blieben sie bei gesundem Verstand.“ (Orwell: 200)

Ob Menschen an Überzeugungen festhalten oder nicht, hängt Kevin Simler zufolge vor allem davon ab, warum sie diese Überzeugungen in erster Linie gebildet haben. Er unterscheidet grob in zwei Gruppen von Überzeugungen:

1. »merit« (deutsch: Verdienst, Leistung, Wert): Es beschreibt eine Überzeugung, die auf Beweisen beruhen. Überzeugungen in dieser Kategorie werden angepasst, sobald sich die Beweislage ändert.

2. »crony« (deutsch: Vetternwirtschaft, Klüngelei): Überzeugungen in dieser Kategorie drehen sich ums Dazugehören. Wir passen uns an, um Verbündete zu gewinnen und den richtigen Eindruck zu hinterlassen. Ob eine Klüngelüberzeugung aufgegeben wird, hat wenig mit der Beweislage zu tun, sondern damit, was die Person denkt, was andere Leute glauben.

Das Festhalten an der Genderideologie, scheint bei vielen eine Überzeugung im Sinne der Klüngelei zu sein. Sie wird erst aufgegeben, wenn es sich nicht mehr lohnt, sie zu unterstützen.

„Dank wertbedingter Überzeugungen finden wir uns in der Welt zurecht und dank klüngelbasierter machen wir eine gute Figur.“ (Joyce: 287)

Auch wertbasierte Überzeugungen können falsch sein, doch sie passen sich der Realität an, sobald gegenteilige Beweise vorliegen. Die Klüngelüberzeugung tut dies nicht, da sie sich nie an der Realität orientiert hat.

Die meisten Menschen ahnen, dass ihre Klüngelüberzeugungen auf wackligem Grund stehen. Daher werden diese Überzeugungen selten geprüft. Stattdessen werden sie defensiv verteidigt, sobald sie infrage gestellt werden und es werden die fadenscheinigsten Argumente vorgebracht. Das, was uns wichtig ist, soll nicht vom Wahrheitsgehalt abhängig sein. Der Punkt ist lediglich zu zeigen, dass man eine Überzeugung vertritt, die die anderen auch vertreten. Wahrheit und Realität sind da unbedeutend. Das Risiko, etwas wahrzunehmen, das die eigene Überzeugung ins Wanken bringen könnte, muss minimiert werden. (vgl. Joyce: 286-289)

„Ob man eine Klüngelüberzeugung vertritt und wie lange man an ihr festhält, hängt weitgehend davon ab, wie sehr sie sich auszahlt.“ (Joyce: 289)