1. Trans ist ein Chamäleon. Worüber sprechen wir?
In der identitätsorientierten Politik werden Menschen und Ideen von Aktivisten nicht mehr aufgrund von Beweisen beurteilt, sondern anhand einer spezifischen Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit. (Joyce: 60) Man könnte es als Versuch verstehen „die Logik gegen die Logik ins Feld zu führen, die Moral abzulehnen und sie für sich in Anspruch zu nehmen“ (Orwell: 56).
Mit einer „nicht nachlassenden Flexibilität im Umgang mit Tatsachen“ (Orwell: 265) hat die angewandte Postmoderne der Objektivität abgeschworen. Logik und Vernunft sind nicht länger Ideale, sondern sie werden genutzt, um Privilegien zu festigen. „Sprache dient [dieser Logik zufolge] dazu, die Realität zu gestalten, nicht sie zu beschreiben.“ (Joyce: 71) „Diese Technik heißt in Altsprech ganz unverblümt »Realitätskontrolle«. In Neusprech heißt sie Doppeldenk“. (Orwell: 267)
„Doppeldenk bedeutet die Fähigkeit, gleichzeitig zwei einander widersprechende Überzeugungen zu hegen und beide gelten zu lassen.“ (Orwell: 268) Welche Überzeugungen sind das?
Beginnen wir mit einer Definition von Geschlecht (sex): Die Evolutionstheorie ist Grundlage moderner Medizin und Biologie. Geschlechter werden als zwei urzeitliche Kategorien verstanden, die sich anhand ihrer reproduktiven Rollen definieren. „Männliche Körperteile sind auf die Produktion von kleinen, beweglichen Gameten (bei Säugetieren Spermien genannt) ausgerichtet, weibliche auf die Produktion von großen, unbeweglichen Gameten (bei Säugetieren Eizelle genannt).“ (Joyce: 26f) Definitionen des biologischen Geschlechts, die sich nicht in Evolution und Fortpflanzung begründen, laufen nach Darwin ins Leere.
„Reproduktionsorgane können sich wie jedes andere Körperteil anormal entwickeln.“ (Joyce: 74) Bekannt sind beispielsweise Sechsfingrigkeit und eine Vielzahl weiterer Anomalien. „Damit es drei biologische Geschlechter geben kann, müsste es eine dritte Art von Keimzelle geben, und die gibt es nicht.“ (Joyce: 74)
Doch die Transideologie denkt dualistisch: es gibt eine immaterielle Psyche und einen Körper, dem diese innewohnt. (Joyce: 67)
Innerhalb der Psyche offenbart sich dem Individuum das angeborene und unbeschreibliche Gender: „so etwas wie eine geschlechtsbestimmte Seele.“ (Joyce: 16) Das Gendergefühl ist „eine Art Amalgam aus Gefühlen, Einstellungen, Wünschen und Selbstidentifikation“. (Joyce: 37)
Der Ruf der Transaktivisten nach Selbstbestimmung ist bei näherer Betrachtung irreführend. Tatsächlich fordern sie die Validierung durch andere. (Joyce: 17f) Sie fordern, als das Geschlechts gesehen zu werden, als das sie sich fühlen.
„Wenn Sie sich der Illusion hingeben, etwas zu sehen, nehmen Sie an, daß alle anderen das gleiche sehen wie Sie. Aber ich sage Ihnen, Winston, daß Realität nichts Äußeres ist. […] Was immer die Partei für Wahrheit erachtet, ist Wahrheit.“ (Orwell: 310)
Wer annimmt, sehen zu können, welchem Geschlecht das gegenüber angehört, der kennt die Wahrheit der Partei einfach nicht.
Und wer auch immer in Diskussionen „mit »trans Frauen sind Frauen« antwortet, macht kein Argument, sondern eine politische Positionierung, die wie ein religiöses Bekenntnis wirkt.“ (Joyce: 160)
Was würde Orwell sagen?: „Das Schlüsselwort lautet hier: Schwarzweiß. Es besitzt, wie so viele Neusprechwörter, zwei einander widersprechende Bedeutungen. Einem Gegner gegenüber gebraucht, meint es die Angewohnheit, im Widerspruch zu den offenkundigsten Tatsachen impertinent zu behaupten, Schwarz sei Weiß.“ (Orwell: 265)
Erinnert sein soll daran, dass die Risiken im Leben von Transfrauen und -männern eben nicht im Geschlechtseintrag liegen, sondern darin, dass das Gegenüber einen Unterschied zwischen Auftreten und biologischem Geschlecht wahrnimmt. Es wäre sinnvoller gesehen, nicht über einen Geschlechtseintrag zu diskutieren, sondern darüber zu diskutieren, wie man Transpersonen durch den Erlass von Gesetzen vor Gewalt, Belästigung und Diskriminierung schützt. (Joyce: 240)
2. Begehren oder sein? Das, was nicht gesagt werden darf.
Ist die Transidentität nicht nur losgelöst vom Körper, sondern auch losgelöst von der Sexualität?
Schauen wir uns das mal an.
Ich werde nun zwei Wege aufzeigen, wie Menschen zu ihrer Transidentität kommen können.
Geschlechtsdysphorie im Kindesalter tritt für gewöhnlich bei Kindern auf, die geschlechtlich nicht konform sind: Jungs, die mit Puppen spielen und Mädchen, die Spielzeugtraktoren sammeln.
Die Dysphorie tritt bei diesen Kindern für gewöhnlich auf, sobald sie von außen gespiegelt bekommen, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist. (Joyce: 48)
Bevor Pubertätsblocker in großem Ausmaß eingesetzt wurden, haben die allermeisten Kinder die Geschlechtsdysphorie spätestens zum Eintritt ins Erwachsenenalter verloren. Doch nicht nur das, es stellte sich heraus: die meisten Kinder waren homosexuell. Es gibt zahlreiche Belege, dass Homosexuelle häufig bereits früh im Kindesalter geschlechtlich nonkonformes Verhalten zeigen. (Joyce: 21)
Was machen wir mit diesen Kindern, wenn wir ihnen Pubertätsblocker geben und ihnen noch vor Eintritt ins Erwachsenenalter die Geschlechtsorgane irreversibel verändern? Was machen wir da? Ist das Motto: besser trans und hetero, als cis und homo?
Kommen wir zur zweiten Gruppe: Autogynophilie beschreibt die Neigung eines Mannes, sexuelle Erregung zu verspüren, indem der eigene Körper als Frau vorgestellt wird. (Joyce: 50)
Ein Mann mit Autogynophilie beschreibt es selbst wie folgt: „Hättest du mich gefragt: ›Bist du innerlich eine Frau?‹ hätte ich geantwortet: ›Ich glaube nicht‹. Ich wusste aber immer, dass ich den Körper einer Frau haben wollte. Ich habe den Penis gehasst, ich habe die Erektionen gehasst; dass alles musste ich ändern.“ (Joyce: 54)
Der Beschreibung gemäß scheint der Slogan, trans Frauen seinen Frauen im Körper eines Mannes irreführend. Wie wäre es mit: „Männer, die in Männerkörpern gefangen sind“? (Joyce: 55)
Eine andere autogynophile Transfrau beschreibt ihr Erleben so, dass: „fast alles, was weiblich oder feminin codiert sei, eine intensive, verwirrende, schamauslösende erotische Erregung hervorrufen könne, was den Wunsch nach einem weiblichen Körper gleichzeitig zu beleben und zu diskreditieren scheine.“ (Joyce: 55)
Die Autogynophilie ist „vielleicht am besten als Liebe zu verstehen, eine Liebe, der es wirklich lieber wäre, wenn wir ihren Namen nicht aussprechen würden.“ (Joyce: 60)
Männer mit Autogynophilie erleben viel Scham, Frust und Unverständnis. Deshalb sollte der Neigung mit Respekt begegnet werden. Es ist vollkommen verständlich, dass eine Transfrau, die unter Autogynophilie gelitten hat, nach ihrer Transition behauptet, sie hätte sich schon immer wie eine Frau gefühlt. Die Wahrheit wäre in dem Fall einfach zu schambehaftet: „Früher habe ich in Frauenkleidern masturbiert und jetzt bin ich dazu übergegangen, die Kleider die ganze Zeit zu tragen.“ (Joyce: 60)
Doch mit der Erfindung der Transidentiät haben Transaktivisten jegliche Formen der Autogynophilie tabuisiert. Mit Folgen für junge Betroffene: „Wie kann sich ein Betroffener mit anderen identifizieren oder zu anderen aufschauen, wenn Ältere mit Autogynophilie das, was sie antreibt, leugnen?“ (Joyce: 61f)
Sowohl die Kinder mit nonkonformen Verhalten als auch die Männer mit Autogynophilie zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Trans und Sexualität, der im Konzept der Identität verloren geht.
„Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß die subtilsten Benutzer von Doppeldenk diejenigen sind, die es erfunden haben und wissen, daß es ein gigantisches geistiges Betrugsmanöver ist. In unserer Gesellschaft sind diejenigen, die am besten wissen, was passiert, auch am weitesten davon entfernt, die Welt so zu sehen, wie sie tatsächlich ist.“ (Orwell: 269)
3. Pipi, Kacka, Obermacker. Schon wieder Weiber?
Ja, ich weiß, wir nerven. Aber hey, wir haben Brüste, ist dann nicht toll!
„In dem Maße, in dem die Klasse der Frauen bedeutungslos wird, wird es auch der Feminismus. […] Wenn Frauen grenzenlos und formlos sind, können sie keine politischen Forderungen stellen.“ (Joyce: 144)
Es nervt!, denkt ihr euch? Und wie es das tut!
Nur ein Quicky, versprochen!
Jede Forderung, Transfrauen müssten auf Frauentoiletten, erkennt immerhin an: mit Männern auf Toilette gehen ist gefährlich. (Joyce: 163)
In öffentlichen Schwimmbädern fanden neunzig Prozent der Fälle von sexuellen Übergriffen und Belästigungen in als »unisex« ausgewiesenen Umkleiden statt. Nur zu Erinnerung: die meisten Umkleiden sind getrenntgeschlechtlich. (Joyce: 165)
Lasst uns eine Umfrage machen. Stimmen Sie folgender Aussage zu: „Sind Sie der Meinung, dass eine Person, die sich als Frau identifiziert, bei der Geburt jedoch als männlich registriert wurde und männliche Genitalien hat, die Möglichkeit haben sollte, Frauenumkleiden zu benutzen, in denen sich Frauen und Mädchen ausziehen und duschen, selbst wenn diese Frauen dagegen sind?“ (Joyce: 227)
Wer dagegen ist, dem habe ich nur eins zu sagen: „Wenn du ein intolerantes Vergewaltigungsopfer bist, dann verpiss dich bitte.“ (Joyce: 176)
Naja, Frauen hatten leider in den vergangenen Jahrhunderten zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit, ein diffuses Gefühl anzugeben, um sich damit die Privilegien männlicher Vorherrschaft anzueignen. (Joyce: 174) Blöd gelaufen.
Und endlich kommt der Quicky zum Höhepunkt: Die Genitalbesessenheit von TERFs.
Ein bisschen Neusprech der letzten Jahre: Menstruierende, Abtreibungssuchende, austragender oder gebärender Elternteil, Menschen mit Vagina, Menschen mit Gebärmutterhals, Menschen die bluten, Oberkörper gebende, Humanmilch Fütternde. Frauen werden in Teile zerlegt, die für sexuelle und reproduktive Dienstleistungen eingesetzt werden können. (Joyce: 145)
Und Männer? Gibt es sie, die: Penisbesitzenden, Spermienproduzierenden, Menschen mit Hoden, Menschen mit Prostata?
Es liegt auf der Hand, dass inklusive Sprache nur in eine Richtung gefordert wird. (Joyce: 146f)
4. Zweifarbiger Regenbogen: die Rückkehr von blau und rosa.
Stereotype, von der manch eine naive Feministin hoffte, sie in der Vergangenheit lassen zu können, sind im fortschrittlichen Gewand zurückgekehrt.
Der Widerspruch ist eine ganz besondere Form des Doppeldenk: „Geschlechtsidentität ist ein angeborenes, unbeschreibliches Gefühl, das nichts mit Körper, Verhalten oder Auftreten zu tun hat. Aber: Diese innere Wahrheit wird durch Stereotype manifestiert.“ (Joyce: 122)
So merkte die Transfrau in der Kindheit schon, dass sie lieber mit Puppen spielte und der Transmann, wollte schon immer kurze Haare tragen. Diese Geschichte in unendlich vielen Varianten erzählen Transpersonen tagtäglich.
Eine Frage: „Wenn sich Erwachsene nicht mehr um die »richtigen« Aktivitäten für Jungen und Mädchen scheren würden, wie könnte ein Kind dann in der Praxis seine Transidentität zum Ausdruck bringen? Wenn es keine Verhaltensweisen gäbe, die für das eine oder das andere Geschlecht tabu sind, wie könnte ein Kind dann das Gefühl haben oder der Welt zeigen, dass es sich nicht mit seinem biologischen Geschlecht identifiziert?“ (Joyce: 124)
Gender wird auf der einen Seite im Bewusstsein definiert, aber es scheint sich in stereotypischen Äußerlichkeiten zu offenbaren. (Joyce: 124) Was ein Fortschritt.
Doch daraus folgt: Wenn du nicht den Sterotypen entsprichst, muss dein Körper entsprechend verändert werden. (Joyce: 125)
5. Rechts, links, rechts, links, stillgestanden! Was sind noch mal Nazis?
Politisch linke Feministinnen haben ein Problem: entweder, sie suchen bei den Rechten nach Verbündeten und machen sich in den Augen der anderen zu Verrätern, oder sie finden sich damit ab, kein Gehör zu finden. (Joyce: 245)
„Entweder man spricht sich gegen Self-ID aus und wird als Sprachrohr der Rechten bezeichnet, oder man schweigt und muss sich anhören, wie andere Linke behaupten, nur die Rechten seien dagegen.“ (Joyce: 247)
Ich habe keine Lust auf rechts links Diskussionen. Ich halte jeden, der sich für egal welche Seite entscheidet, für zumindest in Teilen verblendet. Meinungen sollten sich an einer Sachlage orientieren und nicht an einer Gruppenzugehörigkeit.
Aber trotzdem muss man sich als cis Frau leider eingestehen, dass man zwar Frau ist, aber immer noch cis Frau und deshalb ist trans noch mal unter cis und daraus folgt dann: „Sich gegen die geschlechtliche Selbstbestimmung zu stellen, ist also per Definition ein intoleranter Akt.“ (Joyce: 254)
„Wer den Diskurs kontrolliert, kontrolliert auch die Realität.“ (Joyce: 255)
„Es gibt nur eine endlose Gegenwart, in der die Partei immer recht hat.“
(Orwell: 199)
Und wenn links progressiven freiheitsliebenden Menschenfreunden mal
langweilig ist, dann schreiben sie folgendes in Foren: „IchwilleinpaarTERFszusammenschlagen. Die sind
nicht besser als Faschos.“ (Joyce: 270)
6. Raum 101: Detransition. Man sieht, wen man des Blickes würdigt.
Das Leid aller Menschen soll gehört, gesehen und verstanden werden. Nur die Detransitioner passen nicht so gut in die Erzählung.
Als würde jemand leichtsinnig solche Dinge mit seinem Körper tun, wird dann behauptet.
Wann habt ihr zuletzt mit Jugendlichen Kontakt gehabt?
„»Auf Tumblr wird man als unterdrückter Mensch angehimmelt«, erklärt Kay.“ (Joyce: 114)
Die wilden Jugendjahre scheinen lang vergessen. Doch für manche Jugendliche bedeutet die Ignoranz, dass sie mit Eintritt ins Erwachsenleben ihre Geschlechtsorgane unwiederbringlich verändert haben, sie keine Kinder mehr zeugen oder gebären können, ihnen die Möglichkeit einer erfüllenden Sexualität genommen wurde, und das noch bevor sie Zeit hatten, ihre Sexualität zu entdecken.
„Wenn Identität alles ist und ein Mann oder eine Frau jede Art von Körper haben kann, warum macht man sich dann die Mühe, den eigenen Körper medikamentös oder chirurgisch anzugleichen?“ (Joyce: 69)
Traurig zu lesen, von jemandem, der sein Leben lang unter der Verstümmelung leiden muss: „Es hat mir nie jemand gesagt, dass ich mich selbst lieben soll und dass ich so, wie ich bin, in Ordnung bin. Es hieß nur: ›Ändere dich und es wird dir besser gehen.‹“ (Joyce: 100)
7. Jens, wer brütet dir das Zweite aus? Ein Gedankenexperiment.
Stell dir einen schwulen Politiker vor. Er besteht darauf, dass Frauen in jedem Kontext Frauen sind. Wenn Transfrauen Verbrechen begehen, kommen sie ins Frauengefängnis, beim Sport in Frauenteams. Wenn sie sich zu Frauen hingezogen fühlen, müssen Lesben diese Frauen als potenzielle Partnerinnen betrachten. Für diesen Politiker gibt es keinen Unterschied zwischen biologischem und sozialem Geschlecht. Transfrauen unterscheiden sich lediglich dadurch von Frauen, dass ihnen bei der Geburt fälschlich das Geschlecht als männlich zugewiesen wurde.
Was macht dieser Politiker, wenn er eine Leihmutter sucht? (Joyce: 288f)
„Das Gebot der alten Despotien lautete: ›Du sollst nicht.‹ Das Gebot der totalitären Regime lautete: »Du sollst.‹ (sic!) Unser Gebot lautet: ›Du hast zu sein.‹“ (Orwell: 317)
Literatur:
Helen Joyce: Fakten über Transgender. Deutsche Erstausgabe 2024 Magas Verlag.
George Orwell: 1984. Deutsche Übersetzung Michael Walter. Heyne Verlag. 11. Auflage.