Als braves Kind vom Niederrhein hör ich mich gerade mal wieder durch den Backlog vom WDR5-Tagesgespräch der letzten Wochen. Für alle die das Format nicht kennen: Moderation und Studiogast nehmen etwa eine Stunde lang Publikumsanrufe entgegen und diskutieren mit ihnen über eine konkrete, meistens tagespolitische Fragestellung. Quasi die extended version der letzten Viertelstunde vom Presseclub.
Empfehlen möchte ich die Folge “Merz-Rhetorik – Ehrlich oder gefährlich?” von 6. Mai, weniger wegen Erkenntnis- als wegen Unterhaltungswert. Studiogast Daniel Goffart, Co-Autor der Merz-Biografie “Der Unbeugsamen” gibt die ganze Sendung über alles, um Merz vor den zornigen Zurufen des Publikums zu schützen und versagt auf ganzer Linie. So sehr, dass er am Ende selbst in Kreuzfeuer gehört.
Ich hör dieses Format seit 15 Jahren und die altbewährte Formel ist bei solchen Themen eigentlich immer gewesen: emotionalisierte, unvorbereitete, nervöse Menschen ohne Medientraining rufen da spontan an und reden sich den Frust von der Seele, der sogenannte Experte ist ihnen rhetorisch haushoch überlegen, führt die Leute zwei Minuten lang durch die Manege und ruft dann zu Mäßigung, Vernunft und Verständnis für alle Seiten auf. Dass das Konzept beim Thema Merz wirklich gar nicht mehr aufgeht, find ich schon bemerkenswert und es lohnt sich meiner Meinung nach, sich das mal anzuhören.