Stefan hat in Salon angeregt, dass alle eine persönliche Website haben sollten. Ich bin ein Fan dieser Idee und von Digital Gardening im Allgemeinen. Also dachte ich mir, es wäre doch lustig, wenn es einen Thread gäbe, in dem alle ihre persönlichen Websites zeigen.
Ich mache mal den Anfang: strahlenkeller.de ist die Seite der besten Post-Internet-Hyperpunk-Band der Welt. Viel Spaß und vergesst nicht, im Endlager auf “Effekte” zu klicken.
Du meinst Neocities? Das ist in erster Linie wirklich nur ein Hoster für selbstgebaute Seiten. Da kann man auch einfach sein KI-Ergebnis hinpacken, bspw. mit Claude Code + deren Kommandozeilentool. Die präsentieren sich selbst und die Projekte ihrer User nur etwas schicker als Strato, 1&1 und Co.
Und wie gesagt: Support für eigene Domains gibt’s da auch. Klar, die sind amerikanisch. Aber man kann seine Website auch jederzeit von deren Servern auf einen anderen ziehen, seine Domain woanders hinzeigen lassen und fertig. Also zum ausprobieren und entscheiden ob eine eigene Website was für einen ist eigentlich ziemlich gut.
Ernst gemeinte Frage, aber mir erschließt sich der Sinn hinter Digital Gardening und ‚Jeder hat jetzt seine eigene Webseite‘ nicht wirklich.
Was ist der Vorteil darin? Worauf läuft das hinaus? Was ist der Return-on-Invest?
Eine der wenigen tollen Eigenheiten des digitalen Fortschritts ist doch eben, dass ich eben nichtmehr mit einem ganzen Telefonbuch an Internetadressen rumrennen muss, sondern gewisse Dinge geclustert werden und diese Dinge an meine Haustür geliefert werden, wenn ich das möchte. Die Idee der Dezentralisierung ist zwar ganz nett, aber nicht nur gegen den allgemeinen Trend sondern auch aufgrund mangelnder Convenience (die Stefan selbst ja immer hoch hält) im vorhinein zum Scheitern verurteilt? Oder sehe ich da irgendwas nicht?
Mir bereitet es in erster Linie Freude und ich habe in all den Jahren einiges gelernt, was ich inzwischen auch beruflich einsetze. Davon abgesehen bedarf es ja keines Telefonbuchs, sondern die Inhalte z.B. meiner Seite (wie auch der meisten Wordpress-Seiten) können schon out of the box mittels RSS abonniert werden und auch im FediVerse gelesen werden (allerdings nicht out of the box). Da findet eben jenes Clustering also statt. Dezentralisierung und Rezentralisierung stehen also in einem gewissen Wechselspiel. Zum Scheitern verurteilt ist das Ansinnen aber ganz sicher, das sehe ich auch so
Das Problem ist, wenn der Betreiber des “Clusters” die Lieferung einstellt bzw verändert, aus welchen Gründen auch immer.
Es hängt eben klar davon ab, wie wichtig einem die eigene Präsenz im Internet ist. Für jemanden wie Stefan sicherlich deutlich wichtiger, weil Teil seines Geschäftsmodels, als das der meisten anderen hier. Das muss jeder für sich selbst entscheiden, auch ob es den Preis wert ist.
es macht/wird fraglos mehr spass machen, wenn es leute um einen hat, die das gleiche machen und man sich gegenseitig befruchten/anstacheln kann, die eigene webseite zu pflegen. mit den hier geteilten webseiten wäre ja schon einmal ein guter anfang gemacht, ein eigenes kleines webseiten-netzwerk zu starten…
An sich macht es mir einfach Spaß. Ich kann mich auf meinen Websites einfach kreativ ausleben, wie ich es will. Ich fühle mich da frei.
Was Konsum&Convenience des ganzen angeht: es kann auch bei dezentralen Technologien Inhalte kuratieren und verbreiten, ohne, dass man alle Websites immer einzeln abklappern muss. Podcasts basieren zB auf RSS Feeds und funktionieren ganz ohne Spotify & Co. Trotzdem gibt es mit Apple Podcasts oder ähnlichen Diensten zentrale Kataloge, in denen man Podcasts entdecken kann. Wenn man aus dem Katalog fliegt ist der Podcast aber immernoch da. Ein Plus für die Redefreiheit. Auch Links zu setzen hilft. Dass Nachrichtenmedien keine Links mehr setzen ist ein Unding, das daher kommt, dass sie einen auf der eigenen Seite halten wollen um Werbegeld zu kassieren. Das gleiche gilt für Plattformen wie Instagram, die einem zB nur einen einzelnen Link erlauben oder Facebook, das Posts abwertet, die ausgehende Links enthalten.
Was Plattformen daneben noch populär gemacht hat sind ja neben Features wie schicken Filtern auch die Vernetzungsmöglichkeiten und direkter Kontakt. Aber auch hier gibt’s inzwischen dezentrale Alternativen, die einem trotzdem Kataloge und Kuratierung von Inhalten bieten, wenn man das will. Deren Problem ist vor allem, dass sie deutlich später als ihre Vorbilder in Erscheinung getreten sind und darum bisher die Netzwerkeffekte der großen Plattformen zu ihrem Nachteil wurden.
Jedenfalls würde ich sagen: die Nachteile, die man beim Digital Gardening bisher erfährt sind ausnahmsweise mal tatsächlich alles technische Probleme, die lösbar sind. Nur war es bisher ökonomisch nicht lukrativ sie zu lösen. Darum hat das Silicon Valley sehr viel Arbeitskraft von Entwickler:innen mit diese anderen “Lösungen” verbraten.
Zusammengefasst: Spaß, Freiheit, Kreative Reichhaltigkeit, Stärkung der Redefreiheit, Reduktion von Werbung, keine Macht den Monopolen & Oligarchen
Ich verstehe damit eine Rückeroberung des Internets. Zu Beginn des Internetzeitalters hatte sich doch jeder irgendwas eigenes gebaut. Da ging es (und die meisten scheinen das auch zu bestätigen) nicht unbedingt um einen messbaren Sinn, Wirtschaftlichkeit oder ein persönliches Vorteil.
Nun haben einige wenige die Macht über das Netz erobert und ich denke wir sind uns alle darin einig, dass das sehr zweifelhafte Persönlichkeiten sind. Clustering mag zwar ganz bequem sein, doch gibt man damit auch denjenigen, der das in der Hand hat, sehr viel Macht.