Spaß mit Markus Gabriel

Es gab mal eine Zeit, da saßt ihr bekifft in der WG-Küche und hattet Spaß daran, diese sinnlosen Gedankenexperimente immer wieder durchzuexerzieren. Gibt es zum Beispiel wirklich die Welt? Wobei mit „die Welt“ einfach alles gemeint ist – und dieses „alles“ dann alles ist, was du dir vorstellen kannst. Natürlich nicht, denn da wird noch was sein, das du vergessen hast. Und dein „alles“ und das „Nochwas“, die werden dann zum richtigen Alles. Zumindest so lange, bis es wieder etwas Neues gibt, das ein neues „Alles“ macht. Und so weiter.

Doch gibt es andererseits ein rosa Einhorn? Ja, wirklich. Denn du kannst dir ja ein rosa Einhorn vorstellen. Ein Bild vom rosa Einhorn ist in deinem Kopf, und der existiert – und damit existiert dann auch das rosa Einhorn. Nächtelang habt ihr euch diesen Quatsch um die Ohren gehauen.

Doch da war dann noch dieser eine Typ, der gar nicht mitgeraucht hat und den Quatsch trotzdem erzählte. Und heute schickt der dir immer noch seine Manuskripte zu. Du schreibst ja auch. Da kann man doch mal den einen oder anderen Austausch unter Kollegen wagen. Doch immer wieder, wenn du seine Texte liest, stellst du erstaunt fest, dass er tatsächlich noch in dieser Zeit, für die du dich heute schämst, hängen geblieben ist. Da spinnt er sich in die wirrsten Theorien hinein, behandelt sie ganz unironisch und ernsthaft, als wäre irgendein tiefer Sinn dahinter, ejakuliert seine spießbürgerischen und vollkommen berechenbaren Gedankengänge darauf und präsentiert das Ganze voller Stolz als das nächste große Ding.

Was würdest du mit Baby-Hitler tun? Ernsthaft? Und genau wie damals ist der Typ noch nicht mal bekifft.

Du kannst ihm das natürlich nicht ins Gesicht sagen. Etwas Höflichkeit muss gewahrt werden. Schließlich seid ihr beide erwachsene Männer und mindestens einer von euch ist vernünftig. Also versuchst du, ihn ganz subtil auf seine Spinnerei aufmerksam zu machen.

Da gibt es doch diese sogenannte KI, die jetzt jeder nutzt. Irgendwelche Algorithmen schaffen es doch tatsächlich, Daten so zu verarbeiten, dass ganz vernünftige Sätze herauskommen. Ein nützliches Tool für deine Arbeit, doch am Ende kommt dabei auch nicht viel mehr heraus als das, was man hineingibt. Wie sollte es auch? Es kann dir einen Text zusammenfassen oder wahnsinnigerweise sogar so umschreiben, dass vollkommen neue Worte denselben Sinn wiedergeben. Mehr nicht.

Das müsste doch auch der Typ verstehen. Schließlich gibt es Menschen, die ihn ein Wunderkind nennen. Du schickst ihm also einen KI-generierten Fake-Podcast über sein Manuskript zu, damit er bemerkt, dass selbst die KI ähnlich hochtrabende Spinnereien wie er fabrizieren kann. Er wird doch sicher niemals auf die Idee kommen, dass die KI nun tatsächlich eine echte Intelligenz ist.

Markus Gabriel scheint ein neues Buch geschrieben zu haben, denn er taucht in einigen Podcasts auf:

Markus Gabriel: Ethik der KI - WDR 5 Das philosophische Radio - WDR 5 - Podcasts und Audios - Mediathek - WDR

Interviewpodcast: Markus Gabriel, warum gibt es die Welt nicht? | DIE ZEIT

Alles gesagt habe ich mir übrigens noch nicht gegeben können und das ist natürlich auch keine Empfehlung im herkömmlichen Sinn. Macht euch einfach so einen Spaß wie ich ihn dabei hatte aber gebt auf euren Denkschleim Acht.

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Genau für Küchengedankenspiele werden doch Podcasts hergestellt. Neue Zwanziger oder das philosophische Radio oder oder.

Für alles andere kann man ein Buch lesen.

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Ich würde da keine so klare Linie ziehen. Es gibt Podcasts, die geben mir sehr viel, und Bücher, die sich am Ende als überflüssige Zeitverschwendung entpuppen. Und umgekehrt.

Im Übrigen ist das Küchentischphilosophieren doch nur schön, weil man daran teilnimmt. Traurig also, wenn man sich das nun passiv im Podcast-Format antun muss. Zumal Gras doch mittlerweile erlaubt ist.

Schrecklich wiederum ist, dass Markus Gabriel in all den Formaten stattfindet.

Natürlich macht das jeder anders.

Du könntest ja auch ein paar Freunde zum Podcast hören in Deine Küche einladen.

Jeder bringt was zu essen mit und ein paar Lieblingspodcastschnipsel oder so.

Fertig ist das lustige Küchengespräch.

Markus Gabriel kannst Du doch leicht aus dem Weg gehen.

Ich hab von ihm auch schon Vorlesungen gehört, die ich sehr interessant fand.

Philosophie ist aber auch nicht mein Schwerpunkt, aber für den eigenen Horizont mag ich mich schon mal damit beschäftigen.

Enttäuschende Bücher oder Podcasts kommen notgedrungen vor, aber meistens breche ich die dann rechtzeitig ab.