Video-Empfehlung: "Conspiracy on the Left"

Angesichts der Diskussionen um den Saloneinstieg und Wolfgang und Stefans Internvention vom Wochenende scheint es mir, als würde viel daran scheitern, dass die Verständigung nicht nur, aber auch am Mangel eines Konzepts davon scheitert, was Verschwörungstheorien eigentlich ausmacht und warum sie ein Problem darstellen.

Darum möchte ich sehr gerne auf Sophie McAllisters Video-Essay “Conspiracy on the Left” hinweisen. Die erste Stunde bietet einen sehr guten Einstieg ins Thema, vor allem, weil genau die Störgefühle, die Wolfgang und Stefan angesichts des öffentlichen Diskurses formulieren, aufgegriffen und produktiv bearbeitet werden. Bonuspunkte für großen Unterhaltungswert.

Die zweite Hälfte ist sehenswert, wenn man sich für nischiges Internet-Drama begeistern kann, für die aktuelle Debatte aber nicht so wichtig.

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Ich sehe überhaupt kein Problem in Verschwörungstheorien, wenn man definieren kann was eine ist. Wovon man bisher ausgehen konnte, wir wissen wie das funktioniert und können definieren. Manchmal ist es vielleicht ein bisschen unklar und es gibt so ne Tendenz die aber eher mit Zugehörigkeit einer Gruppe oder Sympathie zu einer Position zusammenhängt.

Ich weiß, das will jetzt wieder niemand hören, aber damit ist es jetzt vorbei. Es ist vorbei weil es methodisch so angelegt ist. Nicht von denen oder jenen, sondern es liegt im System. Die schnellen Medien, die langsamen Medien, die Ungeduld, die Ratlosigkeit, die Unfähigkeit und nicht zuletzt der Wahnsinn der jetzt in diesem Fall zu Tage tritt.

Jetzt betrifft das Phänomen Verschwörungstheorie nicht mehr irgendwelche durchgeknallten Spinner die die Orientierung verloren haben, sondern es betrifft plötzlich alle gesellschaftlichen Schichten. Man kann nicht mehr auf „die“ verweisen, man steckt mittendrin. Überall Geraune, selbst im seriösen Journalismus werden Überlegungen angestellt, warum erst jetzt, warum soviel ungeordneter Datenmüll zwischen den relevanten Daten, was ist überhaupt relevant, wie stell ich die Relevanz her, wie kann ich das verifizieren etc. etc.
Hajo Schumacher ist genauso überfordert und muss sich ein Krankheitsbild aufrufen um irgendwie so halbwegs einen Bezug zur Wirklichkeit herzustellen. Weil dem auch dämmert, das könnte jetzt richtig schief gehen.

Verschwörungstheorien gab es schon immer, es war irgendwie beruhigend. Was mich beunruhigt ist nicht das es sie gibt, mich beunruhigt das es ein Instrument geworden ist Mehrheiten zu schaffen die unter Umständen die daraus resultierenden Machtkonstellationen irreversibel installiert. Und da wird es zum globalen Problem und das leider für alle Menschen auf diesem Planeten. Ich will ausdrücklich betonen dass ich nicht daran glaube dass ein Steve Bannon oder irgendwer sonst einen Plan hatte. Er hatte aber eine Idee die sich auf diese Art sehr gut verwirklichen lässt.

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