Wie sie uns beherrschen wollen – Uschis neue App

Der nächste Domino-Stein:

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Hast du’s inzwischen verdaut?

Ich muss zugeben, dass ich auch schwer zu schlucken hatte an dem Brocken - aus zwei Gründen:

  • Das Gespräch verläuft relativ unstrukturiert. Kein Vorwurf an die Podcaster - nur für einen, der relativ neu im Thema ist wie ich, sind die gedanklichen Sprünge manchmal Hürden.
  • Der Stoff ist echt harter Tobak. Keinerlei Entwarnung für den schwurbelnden Boomer mit Corona-Trauma hier.

Was bei mir vom Podcast zuerst hängenblieb, ist sinngemäß ungefähr dies: Die Tech-Konzerne haben Social Media „erfunden“, um uns besser kennenzulernen - d.h. unsere Daten zu bekommen. Der nächste Schritt war dann das „Log in with Google“ (oder Apple), welches dem jeweiligen Konzern einen privilegieren Einblick verschafft und gleichzeitig unsere Bindung an den Konzern erhöht. „Log in with EUDI“ setzt noch einen drauf, indem es unseren Personalausweis - bzw. die Bestätigung, dass es sich um eine echte, staatlich registrierte Identität handelt - obendrauf mitliefert.

Ich habe Claude ein bereinigtes Transkript des Podcasts erstellen lassen und mit ihm meine obige Erkenntnis sowie noch ein paar andere Dinge besprochen. Und dabei entdeckt, dass man Claude-Chats einfach teilen kann - dem genervten Smalltalk-Leser bleiben KI-Textwände von mir somit zukünftig erspart. Wen unsere kleine Konversation dennoch interessiert:

https://claude.ai/share/fc8cbe0f-d050-4944-8e43-9490e74e62d0

Man findet ungefähr in der Hälfte des Chats eine strukturierte Übersicht der wesentlichen Kritikpunkte von Lohninger und Neumann (Pritlove erscheint eher indifferent), grob nach Themenblöcken geordnet.

Ein Zitat von Lohninger möchte ich abschließend hervorheben, ziemlich genau bei 1:00:00:
“Und ich fand es immer schon dumm, hier „all-eggs-in-one-basket“ zu machen und diese Dinge nicht zu trennen, weil in Wirklichkeit hat ein Vorgang, sich bei einer Bank auszuweisen oder beim Finanzamt, wenn du deine Steuer machst, und ein Login bei Facebook oder ein Ticket für die Wiener Linien, halt einfach sehr wenig miteinander gemeinsam. Und wieso das alles in einer App sein muss, hat mir nie jemand erklären können.”

Das “Alle Eier in einen Korb”-Prinzip scheint
a) allen derartigen Apps gemein zu sein, auch in anderen Ländern und wird
b) jetzt noch verschärft - zumindest ist es so geplant - dadurch, dass einen die Altersverifikation dazu zwingt, die EUDI-Infrastruktur im Social Media-Kontext zu nutzen.

Fazit:

Die Altersverifikation schafft einen sozialen Zwang zur EUDI-Nutzung, ohne dass eine explizite (anfechtbare) politische Entscheidung fällt, man wolle Social-Media-Nutzung an die staatliche Identitätsinfrastruktur koppeln. Es passiert einfach – als Nebeneffekt eines scheinbar harmlosen Jugendschutzgesetzes.

Ein Alptraum:

Ich wünsche mir eine Art Drosten zurück. Oder Lauterbach. Jemand der sagt: Die App ist sicher und wirkungsvoll. Auch wenn ich Zweifel an dieser Aussage habe - vielleicht bin ich ja der Geisterfahrer, der Schwarzseher. Und diejenigen, die die App freudig installieren oder als geringes Übel ansehen, haben recht…

Stattdessen höre ich Merkel, irgendwann im ersten Quartal 2021, bei Anne Will: “Wer die App nicht installiert, der darf dann eben manche Dinge nicht mehr machen…”.


Lohningers Alptraum wurde übrigens mit der Türkei-App Realität. So weit sind wir hier noch nicht, das muss man fairerweise sagen. Noch nicht… Ich wünsche mir viel mehr Öffentlichkeit für das Thema.

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Alle diese Alpträume kannst du dir in Amerika live und in Farbe anschauen. Inklusive Network State, abgriff von Gesundheitsdaten, Ernährungsdaten und so weiter und so fort.

Das ist wirklich gruselig und ich glaube nicht dass das in der Öffentlichkeit jemals diskutiert wird. Diese Systeme zielen auf Bequemlichkeit ab und die wird niemand aufgeben.

Für diejenigen die das interessiert:

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Zusammenfassung und Herstellung des Kontexts mit Claude:

https://claude.ai/share/f3d3823d-232f-4902-8862-e928b379f0ba

Ja, Bequemlichkeit war auch ein tragendes Motiv für das Mitmachen während „Corona“. Ich glaube, im „Mathe kaputt“-Thread hat das jemand erwähnt.

Aber wie gesagt:

20 Prozent Nonkonformisten bekommt man immer, wenn ein Thema groß wird. Und das wird es, wenn der Kram zur Pflicht wird.

Auf der persönlichen Ebene ist es wohl so: Der Trend geht zum Zweit-Smartphone.

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Ja, wir kommen immer wieder zurück an den Punkt, welche Entscheidungen müssen in der eigenen Orientierung getroffen werden um erstens nicht verrückt zu werden :grinning_face: und zweitens Handlungen abzuleiten.

Es geht mir primär darum, aus der Beliebigkeit des Informationsangebot nicht selbst beliebig zu werden.

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Ich möchte nur kurz einwerfen, dass die gerade weltweit überall (koordiniert?) von der Politik ausgerollte sogenannte “Altersverifizierung” eine Mogelpackung ist, welche eigentlich die Implementierung der unpopulären Klarnamenpflicht meint.

Natürlich müssen mal wieder die Kinder als Rechtfertigung herhalten, um autoritäre Herrschafts-Werkzeuge einzuführen. Ausgerechnet diejenige Gruppe also, die von den gleichen Leuten, die jetzt mit diesem Argument auf Bauernfang gehen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor den Bus geschmissen wird und sich selbst nicht wehren kann.

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Danke für die Hörempfehlung, @Ermel. War wirklich erhellend, sowohl die Besprechung der konkreten netzpolitischen Entscheidungen, als auch der Einblick in die Lobbyarbeit auf EU-Ebene.

So informativ die Folge war und so effektiv in der Vermittlung von Problembewusstsein und Dringlichkeit, so sehr scheitert sie dann aber leider an der Frage, die @observer hier formuliert hatte:

was machen wir jetzt damit?

Lohningers Frust darüber, dass es so schwierig ist, bei dem Verbündete und Öffentlichkeit zu gewinnen, ist total nachvollziehbar. Aber ich hab auch einen Verdacht, woran das liegen könnte.

Als er am Ende erklärt hat, dass jetzt gerade noch zusätzlicher Mist in die Verwaltungsvorschriften zum Gesetzestext geschrieben wird, war ich komplett baff, dass darauf kein Call to Action folgte. Soll ich meine EU-Abgeordneten anrufen? Würde ich machen, aber selbst, wenn da jemand rangeht, der nur den Zuruf aus dem Elektorat gebraucht hat, um sich sofort engagiert da reinzuwerfen, wie viel Zugriff auf Verwaltungsverordnungen haben EU-Abgeordnete in diesem komischen Parlament überhaupt? Keine Ahnung. Da hätte mir die Einschätzung von jemandem, der die Strukturen ziemlich gut zu kennen scheint, doch immens weitergeholfen.

Genauso wenig, wie mir hier als Wähler*in mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt werden, gibt’s Ideen, was ich dem Ganzen als Consumer entgegensetzen kann. Der Hinweis auf who identifies me? ist wirklich am Ende nochmal Sinnbild für das ganze Problem. Eine Plattform, auf der nachvollzogen werden kann, wer zu welchem Zweck das eIDAS-Ökosystem nutzt, ist sicherlich ne gute Idee, und es war clever, die Punkte in das Gesetz reinzuberhandeln, die so eine Plattform ermöglichen. Aber zu welchem Zweck? Was soll ich mit diesen Informationen anfangen?

Vielleicht bin ich ja als Lai*in, sowohl was IT-Kram als auch legislative Prozesse der Europäischen Union angeht, einfach nicht die Zielgruppe, und die drei richten sich hier an ein Publikum, dem so klar ist , welche Handlungsempfehlung aus den bereitgestellten Informationen zu schlussfolgern ist, dass sie gar nicht ausgesprochen werden muss. Dann war es ein großes Unglück, dass ich zufällig drüber gestolpert bin, denn was bei mir hängen bleibt, ist das Gefühl, bedroht zu sein, kombiniert mit maximaler Ratlosigkeit, was ich dagegen unternehmen kann.

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ich denke jetzt sind wir ja kollektiv genau an dem punkt den ich triggern wollte, als du oben nochmal nachgehakt hattest

weil genau das wollte ich eben nicht sagen. sondern wie du es jetzt präzisier getroffen hast:

darin hat sich unsere diskussion entwickelt und ich sehe genau dort jetzt potenzial. aber nicht eins, sondern mehrere. denn:

bewusstsein und problembeschreibung haben wir inzwischen genug.
was fehlt, ist die übersetzung in handlung.

für mich ist das die eigentliche herausforderung:
nicht verrückt zu werden vor lauter information
und gleichzeitig nicht in passivität zu fallen.

vielleicht müssen wir die frage kleiner machen.

nicht:
wie stoppen wir das system.

sondern:
welche konkreten handlungen stehen uns heute tatsächlich offen?

als bürger
als nutzer
als wähler
als teil einer gemeinschaft

erst wenn diese optionen sichtbar werden,
verwandelt sich ratlosigkeit wieder in handlungsfähigkeit.

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Unterschreib ich komplett. Was machen wir also? Ich denke eh schon länger drüber nach, mal auf GrapheneOS umzusteigen. Vielleicht wär das jetzt endlich mal der Moment. Wenn tatsächlich nur Versionen der Wallet für iOS und Android geplant sind, wäre das eventuell ein Weg, ab und zu für Reibung im Betriebsablauf zu sorgen. Aber vielleicht schieß ich mir auch nur selbst ins Bein. Keine Ahnung.

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wolfgang hat das in der aktuellen folge klar benannt: wenn man plattformen wie redaktionen zur haftung zwingt, trifft das nicht meta. die können sich das leisten. es trifft dieses forum hier. sein punkt:

„für die, die das freie internet machen, also die kleine dinge tun — für die bedeutet das eine einschränkung."

und genau da liegt das problem: wir greifen zu werkzeugen, die wir kennen — und übersehen, wen wir damit treffen.

ich sehe das internet als infrastruktur, ähnlich dem straßenverkehr. wenn jemand sein auto so tuned, dass es gefährlich wird, würden wir nicht den hersteller sperren — wir würden den eingriff regulieren, nicht das system. aber genau das passiert gerade: pauschal, ohne zu unterscheiden, was das problem eigentlich ist.

bevor wir fragen „was machen wir" — müssen wir erstmal klären: was regulieren wir eigentlich genau?

Ich überlege grade, ob das Autobahn / Straßenverkehr Bild so wirklich funktioniert.

Autotuning: okay, übertrieben, nicht mehr sicher zu fahren, wird ausser Betrieb gesetzt - aber wie übersetzen wir das in Internet? Schreibt ständig Hass Kommentare, Facebook account wird gesperrt?

Meta gehört ja sagen wir der halbe Internet Werbemarkt (geht jetzt nicht um prozentwerte).

Also sagen wir Im Bild: die Hälfte der Raststätten…und dort herrscht free speech, was dazu führt das Motorradgangs oder so sich auf denen breit machen und alle verkleiden die da ankommen und ihnen nicht passen. Wäre jetzt erstmal ein fall für die Polizei mit den Individuen, oder?

Hier könnte man jetzt sagen Meta wird dem Auftrag die Plattform zu betreiben nicht gerecht, aber das ist ja kein öffentlicher Auftrag, das ist nur der billige Laden den die meisten nutzen.

Hm. Ich meine Mike Tyson hat mal gesagt dass problem mit dem internet sei, dass leute nun einem alles ins Gesicht sagen, ohne dafür ggfls auch mal eine zu kassieren. Ich meine den letzten Teil kann man schon streichen, aber im Internet beleidigt es sich leichter würde ich nicht leugnen.

Daher wäre meine erste Annäherung an “Was machen wir?” jetzt schon: Beleidigungen und co. sollten halt auch irgendwie geahndet werden.

Vielleicht haben wir unterschiedliche Wirs im Kopf. Ich betreibe jedenfalls weder eine Plattform noch arbeite ich auf irgendeiner Ebene an Gesetzen mit. Zu regulieren gibt’s für jedes Uns, das ein Mich enthält, also eher wenig, aus mich selbst.

An guten Tagen krieg ich’s noch hin, meinen Opa darauf hinzuweisen, dass er mir aus Versehen die ganze Zeit Tiktoks vom neuen Hähnchenimbiss um die Ecke schickt, und dass das ein bisschen nervt. Aber damit bin ich, was meine Regulierungsmöglichkeiten angeht, schon ziemlich gut ausgelastet.

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Das kommt dann allerdings drauf, über welche Ausprägung wir reden. Geht es “nur” um Alterverifikation (nicht falsch verstehen, ist schon schlimm genug), dann tifft es natürlich Foren wie dieses nicht. Sollte sich das allerdings dazu auswachsen, dass mein sich überall offiziell ausweisen muss, dann sieht die Sache natürlich völlig anders aus. Wehret den Anfängen.