April-Salon: Links/Deutsch, Das Knappe Gut Arbeit

Jetzt braucht man schon Handbücher für Wörterbücher und Wolfgang liest Caren Miosgas Fragen an Merz. :wink: Have fun!

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Zu den nicht gedachten Gedanken:

RJ Lifton interviewte in den 1950ern US-Soldaten, die Zeit in nordkoreanischer Kriegsgefangenenschaft verbracht hatten, und veröffentlichte 1963 Thought Reform And The Psychology of Totalism, in der er anhand dieser Gespräche acht Merkmale der “thought reform” (ungefähr mit “Gehirnwäsche” übersetzbar) identifizierte. Darunter die Language of Non-Thought, die sich durch thought-terminating clichés (Totschlagargumente) und loaded language (Rhetorik, die durch bestimmte Konnotationen emotionale Reaktionen evoziert) auszeichnet.

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Zur Frage, warum sich aus den eigentlich verschobenen Machtverhältnissen zwischen Arbeit und Kapital so wenig Revolutionäres entwickelt:

Da hatte @friendlynotes im “Wie wir uns selbst beherrschbar machen”-Thread letztens genau die richtige Lektüre geliefert:

https://smalltalk.neuezwanziger.de/t/wie-wir-uns-selbst-beherrschbar-machen-eine-ideologiekritik-am-beispiel-des-new-yorker-artikels-ueber-sam-altman/478/118?u=kompost

Deleuze beschrieb Anfang der 1990er eine allmähliche Veränderung der Herrschaftslogik, die ich mir damals nach der ersten Lektüre so verbildlicht habe:

Am Ende verweist er explizit auf die Gewerkschaften und macht die Frage auf, ob sie in der Lage sein werden, auf diese Entwicklung adäquat zu reagieren. 35 Jahre später darf man, glaub ich, festhalten: Bisher jedenfalls nicht.

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Zu Reichelts Gramsci-Verweis: ihr habt sicherlich Recht, dass er da nicht wirklich im Thema drin ist.

Wer allerdings sehr gut im Thema drin ist, ist Martin Sellner. Bleibt die Frage: Hat Reichelt an der Stelle verplappert, wen er eigentlich so liest, oder ist das schon absichtliche plausible deniability?

Ich finde interessant, dass sich die Vorstellung aufrecht erhält, die rationale und ethische Notwendigkeit echte Menschen in diesem und jenen Beruf zu besetzen, würde dazu führen dass sich das langfristig durchsetzen wird. Wenn auch schon vor LLM und Robotik sogar Intensivstationen unterbesetzt werden, obwohl klar ist dass das dazu führt dass Menschen sterben. Ich bin nicht ganz so optimistisch was den Fokus auf Menschen angeht.

Nur als biographische Anmerkung: Mariam Lau ist die Tochter des Iranisch-deutschen Publizisten Bahman Nirumand. Sie ist mit Jörg Lau verheiratet, beide waren Kulturredakteure der taz, bevor sie für die ZEIT schrieben. (Ich hatte nur überlegt, ob Stefan beim Aussprechen Ihres Vornamens Mariam nicht genau sein sollte, gerade weil seine Kritik an Laus Statement zu Merz trifft.)

Hier: https://www.uibk.ac.at/media/filer_public/76/ab/76abe167-80db-4aba-9bb1-dfc49051d331/diskurspiraterie_als_strategische_waffe.pdf

Gramsci wird auf Ideologie und Deutungshoheit verkürzt in der gesamten Neuen Rechten. Marx wird verkürzt auf Gemeinschaft und Lenin auf Globalisierungskritik.

Was fehlt ist z.B. die Organisation von Produktionsverhältnissen (oder im weitesten Sinne wie die Leute Geld verdienen) und die Lebensweisen aus diesen heraus.

Wobei man wiederum durchaus was bei Gramsci finden kann, wenn man will, aber diese einseitige Betonung ist sehr selektiv und wird nicht genug sein. Ich schätze, dass der Neuen Rechten die heutige Ökonomie auf langer Sicht ausreißen wird und sie eher auf immer neue Spektakel, Mobilisierungen, Events und scheinbare Ausnahmezustände setzen werden als Ablenkung.

Ich mein bei Deleuze in den 90ern wird über dieses Unternehmertum geredet, was er eher mit einem “Gas” und eine “Seele” beschrieb. Reicht es da immer nur den Migranten als Sündenbock herzunehmen, um diese Kontrollkonstellationen politisch aufzufangen?

  • äh was war denn nu mit dem nosthoff buch?:grinning_face:

  • kennt jemand die autorin und hat eine einschätzung, ob das buch ergiebig ist? → https://joannastern.com/

  • der chef von forensic architecture hat ein buch zum gaza-krieg geschrieben: Ungrounding

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Stefan verkennt in seinem KI Enthusiasmus leider die Situation der unselbstständigen Beschäftigten.

  • Menschen haben Berufe in Buchhaltung, Juristerei, Übersetzung, Programmierung etc etc auch bewusst gewählt. Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Diesen Leuten jetzt zu sagen, kein Problem, ihr könnt ja in die Pflege gehen ist empathielos. Verschiedene Berufe, verschiedene Persönlichkeiten.
  • Für den unselbstständig Beschäftigten gibt es kein Infermezzo in dem man sich dann mit netter Lektüre beschäftigen kann. Der Unternehmer und Chef werden fordern dass diese Zeit zwischen den Prompts auch produktiv genutzt wird. Das bedeutet mehr Stress als zuvor.

Mag sein dass Stefan das nicht sieht weil er als Selbstständiger direkt von Produktivitätssteigerungen profitiert. Für die Mehrheit die unselbstständig beschäftigt ist bedeutet KI fast ausschließlich einen Nachteil.

Das soll ein Zitat von mir sein?

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Kommt schon noch, ist sehr lang

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Korrekt, aber das hat Stefan auch genau so gesagt, er hat deutlich unterschieden zwischen ihm und Lohnabhängigen.

Diese werden denselben Effekt zu spüren bekommen wie beim Übergang zum Maschinenzeitalter. Sie werden die gleiche Zeit arbeiten, aber weniger mit Routinearbeiten.

Vermutlich wird es mit der KI sogar schlimmer, denn bei der 1. industriellen Revolution wurde zumindest die körperliche Arbeit leichter, jetzt wird die geistige Arbeit eher schwerer, denn die KI wird zunächst bei den leichteren Tätigkeiten helfen. Es verbleibt dann mehr Zeit in der Lohnarbeit für echte geistige Herausforderungen. Was einerseits ja gut ist, wer mag schon langweilige Aufgaben, aber es ensteht auch viel mehr Belastung.

Zumindest nicht wenn sich die Wochenarbeitszeiten nicht reduziert werden. Und da habe ich null Hoffnung drauf (siehe Aussagen unseres Bundeskanzlers und quasi unserer gesamten Wirtschaft).

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Sorry, nein, vielleicht bin ich zu sehr in die Haustür eingebrochen. Entschuldigung dafür.

Ich wundere mich einfach über die Begeisterung das jetzt potentiell mehr Resourcen für soziale Felder offen stehen. Das ist auf dem Papier gut, das ist vermutlich insgesamt gut, aber ich kenne einfach viele Leute die nicht für soziale Berufe gemacht sind. Für diese ist das ein Verlust. Was gesellschaftlich gut ist kann für das Indivduum eine harte Veränderung, Verschlechterung sein.

Man merkt, das Thema ist emotiontal für mich. Offensichtlich bin ich selbst betroffen.

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Claude bringt seine Funktionen so schnell raus, dass selbst das Infermezzo-Problem schon keines mehr ist.

du meinst wegen der /btw Sache? Das hilft da wenig

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Inwiefern denn nicht? Während Claude denkt, kommen mir neue (kleinere) Ideen die sofort mit umgesetzt werden.

Es ist für jeden eine Verschlechterung

/btw übernimmt keine Aufgaben. Du hast es noch gar nicht genutzt.

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Gegen Infermezzo hilft zuverlässig das richtige Framework.

Ich habe ja GSD bereits erwähtn gehabt. Nachdem ich 2 Monate Erfahrung damit gesammelt habe mache ich gar nichts mehr ohne mein GSD und ich erreiche in der Regel Laufzeiten von bis zu 2 Stunden in denen die Agenten sauber durcharbeiten ohne Unterbrechung

Danke für den spannenden Podcast :slight_smile:
Kann mir irgendjemand kurz die Kritik an Armin Nassehi erklären? (Habe noch nicht so viel von ihm gelesen).