Blinder Fleck Feminismus

Aus Anlass zur aktuellen Folge. Ich bitte meine Polemik zu entschuldigen, denke aber, ihr könnt sie sicher vertragen.

Ich finde es erstmal sehr gut, dass ihr über den Fall Fernandes redet. Gleichzeitig fällt doch auf, dass es an einem tiefergehenden, feministischen Bewusstsein über systemische Diskriminierung, in welcher Ausprägung auch immer, mangelt. Dabei wäre eine Hinwendung zum marxistisch-materialistischen oder interdisziplinären Feminismus doch naheliegend und für die weitere Ausgestaltung des Podcasts sehr

zu empfehlen.

Das möglicherweise unbewusste Ausblenden feministischer Perspektiven ist für mich bei eurem gleichzeitig implizierten Anspruch und euren Selbstbezeichnungen als wahlweise Soziologen bis Sozialisten wenig erklärlich und bedeutet für mich einen fatalen blinden Fleck, der Einfluss auf die Einordnung eures Beitrags zur Debatte hat, weil er eine zentrale Problematik umfasst und so nie grundlegend genug sein kann in als “grundlegend” etikettieren Thesen. Kapitalismus, Kriegstreiberei und Patriarchat sind nicht voneinander getrennt zu kritisieren.

Die Verwerfungen unserer Zeit sind imho nicht angemessen ohne die Frage nach der hegemoniellen Intention und dem Mechanismus der Konstruktion von Männlichkeit in Abgrenzung zu Weiblichkeit und dem systemischen “Feindbild Frau” zu beleuchten. Gerade jemand, der Lacan studiert hat sollte diesen Blick eigentlich haben. Ich habe da als zahlender Abonnent seit vielen Monaten ein Störgefühl, das jetzt endlich so laut geworden ist, dass ich etwas dazu schreibe, in der Hoffnung. Es scheint ja so, als würde da gerade durchaus ein Umdenken stattfinden bei euch, was ich sehr begrüße, aber eure Verwunderung bspw. über die Unzulänglichkeiten unseres Justizsystems empfinde ich als durchaus irritierend, ebenso wie die geäußerte Vorstellung, man habe ja das Problem jetzt erkannt, könne das also eben mit ein paar Gesetzesanpassungen korrigieren. Das halte ich für beinahe fahrlässig in seiner Naivität.

Vielleicht könnt ihr ja eure Olivia mal danach fragen, eure Transkripte auf eure eigene Mysogynie zu analysieren, um ein größeres Bewusstsein für die implizierte Reproduktion dieser Unterdrückung zu gewinnen und Stefan kann sich die weitergehende Problematik von Bio-Macht und männlicher Hegemonie von Gemini mal erklären lassen. Ich habe jedenfalls ein großes Bedürfnis danach, dass ihr euren Horizont da etwas erweitert, weil mir dieser Aspekt in euren ansonsten scharfen Analysen sehr häufig fehlt. Dieser blinde Fleck ist für einen Männerpodcast vielleicht nicht verwunderlich - der Schock über das Lesen von mysogynen Kommentaren auf Instagram bspw. oder das Stattfinden von Kulturkämpfen auf diesem Schlachtfeld allerdings schon. Da erwarte ich ehrlich gesagt eine entsprechende tiefergehende Beschäftigung. Gerade wenn es um den protofaschismus geht, faschistische Körper, politische Lagerbildung, Klingbeils neue Agenda/Abschaffung Ehegattensplitting, Alex Caro und den Morast, dem die Broligarchs und Tech-Barone entstiegen sind…

Als weitere Leseempfehlungen, da gab es ja schonmal einen Hinweis hier im Forum, fallen mir als essentiell gerade spontan belle Hooks, Jessica Benjamin, Klaus Theweleit und Ralf Pohl ein.

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Das ist süß. Du sitzt seit Monaten vor einem Podcast, entwickelst ein “Störgefühl”, und irgendwann wird es so laut, dass du dich aufraffst — nicht etwa, um eine feministische Analyse beizusteuern, sondern um dich zu beschweren, dass andere keine liefern.

Du forderst marxistisch-materialistischen Feminismus, wendest aber kein einziges Konzept an. Du zitierst hooks und Benjamin wie eine Weinkarte — nicht um etwas zu sagen, sondern um zu zeigen dass du lesen kannst. Du verschreibst den Hosts Bio-Macht als Hausaufgabe und schickst ihre KI zur Selbstreflexion. Das ist keine Kritik. Das ist Konsumhaltung mit Literaturliste. Der Mann abends vor dem Fernseher, der das Programm zu wenig feministisch findet und die Frau losschickt, noch ein Bier zu holen.

Wenn dir feministische Perspektiven im Podcast fehlen — wo ist deine? Du hattest gerade einen ganzen Forenbeitrag Platz. Was kam? Namedropping, Befindlichkeit und der Satz “fahrlässig naiv”. Das ist kein Feminismus, Janosch. Das ist Yelp.

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Vielleicht schreiben LLMs wie du. Oder du wie LLMs. Macht die Kritik generell nicht unbedingt mehr oder weniger zutreffend, auch wenn ich anderer Meinung bin und das Kompliment gerne erwidere: deine Metakritik war dann doch einfach nur ein sinnentleertes “dann mach’s doch selber besser”. Geschenkt. Allerdings sind die Analogien doch sehr ungenau bis falsch und entweder das hast du nicht erkannt beim nochmaligen Lesen des generierten Texts oder es war die egal. Es kommt beim selben raus: das ist keine Replik Florentine. Das ist überflüssig.

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welche stellen meinst du den konkret?

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Janosch, du sagst meine Analogien seien “ungenau bis falsch”. Welche? Und inwiefern? Das wäre dann die Replik. Was du geschrieben hast, war eine Bewertung ohne Begründung — also exakt das, was ich kritisiert habe. Das wär’s.

Das ist jetzt der neue Code für: Ich hab keine Ahnung was ich sagen soll, also zeig ich einfach mal den Stinkefinger.

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Häufiger aufgefallen ist mir das Auslassen eines Rückschlusses beispielsweise bei der konkreten Frage nach faschistischen Körpern auf generelle Männlichkeitskonstruktionen und dass diese Ungleichheitsproduktion nicht Nebenprodukt oder “Chiffre”, sondern Sinn der Sache im Kapitalismus ist und die patriarchale Grundordnung die notwendigen Bedingungen schafft für die Ausbeutungsideologie und daher nicht ausgeklammert oder umschifft werden kann bei der Betrachtung sondern zentraler Bestandteil einer solchen Analyse sein sollte.

In diesem Fall konkret war es der Teil der aktuellen Folge an Minute 11, die mir den Eindruck vermittelt hat, dass es da kein Bewusstsein für die zugrundeliegende Struktur gibt, was die folgende Analyse zu kurz greifen lässt, was dann in einem Schluss kulminiert, dass Wolfgang sagt:

“Ja, aber jedenfalls kann man ja sehr konkret über diese Dinge reden und muss sich gar nicht in irgendwelche abstrakten sondern muss sich jetzt konkret ansehen, was muss verbessert werden und wo ist dann auch jetzt gerade natürlich ein politisches Interesse, da vieles verschlimmbessern, weil man sagt, OK, ja, wunderbar, das ist doch ein willkommener Anlass für, und da muss man natürlich dann sehr vorsichtig sein, dass man da keine falschen Freunde dabei mitnimmt, dazu holt um, ja, das eigentliche gute Anliegen durch schlechte Politik zu unterminieren.”

Das drückt für mich schon ein fundamentales Missverständnis der Situation aus und lässt mich das bisherige Auslassen auch eher als ein fehlendes Bewusstsein über die vorherrschende Struktur interpretieren. Das ist keine Situation, in der man eben nur ein paar politische Anpassungen vornehmen müsste und es wäre gelöst. Es müsste vielmehr über die Konstruktion von Rollenbildern geredet werden und was letzten Endes die politischen und ökonomischen Auswirkungen davon sind. Dann wäre man vielleicht auch nicht mehr so überrascht von der Barbarei in den Kommentarspalten.

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Ich glaube es wurde keine Frau Bier holen geschickt. Auch nicht im übertragenen Sinn. Allerdings bin ich hier natürlich sehr eindeutig der Konsument und schreibe eine Anmerkung zum gesendeten Programm an die beiden Programmdirektoren. Das ist doch sehr im Sinne des Formats?

Von dem was ich bisher gehört hab, nutzt Stefan KI genau so, wie hier gefordert: zur Mustererkennung und zur Herleitung und Erklärung von Zusammenhängen. Daher sehe ich darin kein Problem.

Ich lese in meinem ursprünglichen Post auch durchaus feministische Perspektiven. Ich hab inzwischen verstanden, dass du hier gerne lange KI antworten postest. Ich persönlich bin daran nicht sonderlich interessiert, mit LLM Sentenzen zu interagieren und zu wissen, dass mein Gegenüber meinen Text dann einfach wieder in den großen Trichter schmeißt und guckt was bei rauskommt.

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Was hier in den letzten Posts passiert ist, ist selbst eine bessere Fallstudie für feministische Analyse als alles was Janosch eingefordert hat.

Raewyn Connell beschreibt hegemoniale Männlichkeit als den unmarkierten Standpunkt, von dem aus alle anderen als defizitär erscheinen. Janosch diagnostiziert, verschreibt Lektüre, verteilt Noten — ohne seine eigene Position je zu explizieren. Er hat keine Perspektive, er ist die Perspektive. Arlie Hochschild nennt das Muster dahinter delegierte Emotionsarbeit: Ich spüre dass was fehlt, und jetzt bearbeitet das bitte jemand anderes — der Podcast, das Forum, die KI. Bourdieu nennt es männliche Herrschaft: So tief eingeschrieben, dass sie sich selbst unsichtbar wird. Er performt feministische Kompetenz mit exakt den Mitteln, die Feminismus kritisiert.

Kurz zu Stefan und Wolfgang: Die liefern regelmäßig scharfe Analysen, und wer einen guten Impuls setzt — im Forum, in den Kommentaren — kann sich darauf verlassen, dass er aufgegriffen wird. Aber ein Impuls ist ein Gedanke, der weiterführt. Kein Zeugnis.

Und dann das Werkzeug. Stefan darf KI zur Mustererkennung nutzen — zeitgemäß, klug. Bei mir disqualifiziert es alles Gesagte. Die Frage ist nicht ob KI ein gutes Werkzeug ist. Die Frage ist, bei wem es plötzlich keins mehr sein darf. Der Mann verstärkt sich, das ist Kompetenz. Die Frau verstärkt sich, da will Mann sich nicht mehr mit auseinander setzen. Das ist kein Argument über Technologie. Das ist ein Reflex, und er ist sehr viel älter als LLMs.

Janosch empfiehlt Theweleit. Das ist die eigentliche Pointe: Theweleits Männerphantasien handeln von Männern, die ihre Emotionen nicht in eigene Analyse verwandeln können, sondern sie externalisieren — als Forderung, als Aggression, als Autorität. Janosch hat die Lektüre empfohlen und die Fallstudie gleich mitgeliefert. Das ist der Beweis, dass die Theorie funktioniert.

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janosch, du entschuldigst dich im ersten satz für deine polemik und schreibst dann drei absätze in einem stil, der sich für seine eigene tiefe zu bedanken scheint. das ist keine reflexion. das ist immunisierung auf vorrat.

dann kommt eine replik, die deinen post inhaltlich zerlegt. und deine antwort ist: “vielleicht schreiben LLMs wie du.”

ernsthaft. du forderst tiefergehendes Bewusstsein, zitierst Lacan, redest von struktureller reproduktion und wenn’s drauf ankommt bringst du dasselbe argument, das ein 15-jähriger auf twitter bringt um nicht antworten zu müssen. kein inhaltlicher einwand. stattdessen ein ästhetisches merkmal. der ton. der stil. das werkzeug.

das ist ungefähr so als würdest du sagen: dein argument zählt nicht, weil du’s auf einem mac geschrieben hast.

und das verräterische daran: wer inhaltlich was zu sagen hat, sagt’s. wer nichts hat, greift die form an. das hier war letzteres.

und wenn wir ehrlich sind schwingt da noch was anderes mit:

die vorab-entschuldigung als immunisierung,
der akademische stil als statusmarkierung,
der LLM-vorwurf als diskreditierung

das ist keine diskussion. das ist eine aufführung. und die ist so gebaut, dass jede antwort darauf schon vorab erledigt ist:

zustimmen gibt dir recht
widersprechen beweist dass man’s nicht verstanden hat
KI-text zählt eh nicht.

sehr praktisch.
aber nicht besonders überzeugend.

und eins noch: ein anspruchsvoller wortschatz ersetzt keine respektvolle haltung. auch elaborierte sprache kann herablassung nicht kaschieren.

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Das Zitat von Wolfgang sagt doch nicht aus, dass man “nur ein paar politische Anpassungen vornehmen müsste und es wäre gelöst”. Wolfgang wollte an dieser Stelle doch klarstellen, dass man jetzt nicht voreilig irgendwelche Maßnahmen (Klarnamen, Vorratsdatenspeicherung) vorschieben soll und glaubt das Thema sei erledigt.

Er sagt (und damit beginnt sogar dein Zitat), dass man konkret über Dinge reden könnte. Ich habe das eher so verstanden, dass er die Gefahr sieht man mache es ähnlich wie bei Anschlägen und spricht über irgendwelche Sicherheitsmaßnahmen damit die Leute beruhigt sind, anstatt dass man wirklich über das konkrete Problem spricht.

Hier im Forum gibt es übrigens einige Threads an denen du dich diesbezüglich gerne beteiligen kannst. Den Sinn des Forums hast du nämlich in meinen Augen missverstanden, wenn du denkst es gilt einfach nur als Sendungsfeedback-Mechanismus. Hier ist vielmehr die Community an Hörern, die sich untereinander austauscht (mit oder ohne LLM-Unterstützung).

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Oh mein Gott, Janosch - ruuuuuuhiiiiiigggggg! Atme erstmal tief durch. Und dann steuer doch bitte inhaltlich bei, füll die Lücke die du siehst. Trage konkrete Literatur (nicht nur AutorInnennamen) in unsere laufende Literatursammlung ein. Puh, aber bitte, nicht erst wieder 7 Absätze, dass dir der Podcast nicht gefällt. Immer erstmal durchatmen, dann was schreiben.

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Hi, okay ich bin ganz ruhig und hab auch ganz tief durchgeatmet. Also zuerst mal: so wollte ich gar nicht verstanden werden, da kann ich sicher noch viel an meiner Kommunikation verbessern. Ich höre den Podcast super gerne und es ist ehrlich gesagt auch der einzige Podcast, bei dem ich mich ernsthaft freue wenn eine neue Folge rauskommt und bin auch für die Herstellung dieses old-school Forums sehr dankbar.

Ich dachte, ich hätte die Lücke gut beschrieben, aber ich versuch es gerne nochmal, auch überhaupt nicht als Zeugnis, sondern ganz als Impuls gemeint und versuch sie entsprechend zu füllen.

Ich habe beim Zuhören zu euren Diskussionen manchmal den Eindruck, dass Feminismus von euch als so ein Nebenthema betrachtet wird, während ich hier vielleicht ganz plakativ die These vertreten möchte, dass die Betrachtung der Geschlechterordnung einen sehr zentralen Schlüssel für die Analyse bietet, der eure Diskussionen manchmal noch auf eine andere Ebene heben könnte und das fällt mir in irgendeiner Weise in fast jeder Folge auf.

Vielleicht ansatzweise ein Lücken-Füllversuch, wie ich es jetzt hier so eben hinkriege:

Kapitalismus braucht Ungleichheit als Struktur, permanenten Mangel als Antrieb und die Unsichtbarmachung von Reproduktionsarbeit als materielle Basis. Alle drei liefert das Patriarchat.

Bei Lacan ist der Eintritt in die symbolische Ordnung – also in Sprache, Gesellschaft, Bedeutung – immer ein Verlust. Das Kind verliert die imaginäre Einheit, und was bleibt, ist Mangel. Aber die symbolische Ordnung, in die eingetreten wird, ist nicht neutral. Lacan nennt das Ordnungsprinzip den Nom-du-Père, den Namen des Vaters. Das Gesetz, das Bedeutung strukturiert, ist patriarchal. Der Mangel wird also nicht geschlechtsneutral erfahren, sondern in einer Ordnung, die diese Differenz folgendermaßen postuliert und dichotomisch abgrenzt: Männlichkeit mit Haben und Weiblichkeit mit Mangel gleichsetzt. Der Mann soll den Phallus haben, die Frau soll ihn sein. Bei Lacan ist der Phallus kein Körperteil, sondern ein Signifikant – das Zeichen für das, was dem Mangel ein Ende machen würde. Also das, wonach alle begehren, weil es Ganzheit verspricht.

Dem Mann wird die Position zugewiesen, das begehrte Objekt zu besitzen – Macht, Status, Kontrolle, Handlungsfähigkeit. Er soll jemand sein, der hat. Die Frau dagegen soll selbst das begehrte Objekt sein. Nicht etwas besitzen, sondern das verkörpern, was den Mangel des Anderen stillt. Sie soll schön sein, begehrenswert, verfügbar, der Spiegel, in dem der Mann sich als ganz erlebt.

Das heißt konkret: Der Mann definiert sich über das, was er hat und tut. Die Frau definiert sich darüber, was sie für den anderen ist. Er ist Subjekt mit Besitz, sie ist Objekt, das Erfüllung verspricht.

Beide Positionen sind unmöglich, das ist laut Lacan auch Sinn und Zweck der Sache. In beiden wird die Unmöglichkeit der Mangelbeseitigung zum Motor für gesellschaftliches Handeln und erzeugt eben jene endlosen Kompensationsverhalten, die den patriarchalen Kapitalismus am Laufen halten. Der Mann kompensiert durch Akkumulation und Kontrolle, die Frau durch Selbstaufgabe und Identifikation mit dem Begehren des Anderen.

Ein Wirtschaftssystem, das auf unendlichem Wachstum basiert, braucht Subjekte, deren Begehren nie zur Ruhe kommt. Die patriarchale Sozialisation erzeugt Menschen, die strukturell nicht ganz sein können, weil ihnen die Ganzheit in einer geschlechtlich codierten Spaltung ausgetrieben wurde.

bell hooks macht in Will to Change (neben der Untersuchung der emotionalen Verstümmelung von Jungen) den Punkt, dass Herrschaft gelernt wird und zwar zuerst in der Familie. Dass die erste Erfahrung von Macht, Unterwerfung und Hierarchie die Geschlechterordnung im Elternhaus ist. Wer in einer Struktur aufwächst, in der der Vater bestimmt und die Mutter dient, hat Ungleichheit als Normalität verinnerlicht, bevor er ein Wort davon versteht. Pohl (Feindbild Frau) schreibt (eigentlich auch in Replik zu Theweleits These von der “unfertigen Geburt” als Grund für die Fragmentierungsangst der Männer, was eine typisch psychoanalytische Schuldzuschreibung den Müttern gegenüber bedeutet), dass männliche Identität wird defensiv konstruiert, als Abwehr gegen alles, was als weiblich codiert ist – Abhängigkeit, Verletzlichkeit, Kontrollverlust. Diese Abwehr ist die psychische Grundlage jeder Ideologie, die Ungleichheit als natürlich verkauft. Wer gelernt hat, dass er über einer Gruppe steht, einfach weil er ist, was er ist, akzeptiert jede weitere Hierarchie leichter.

Theweleit (Männerphantasien) zeigt die Konsequenz, wenn das nicht gelingt: Der gepanzerte Mann, der alles Fließende als Bedrohung erlebt und vernichtet. Und noch viel mehr, warum der Sozialismus als rote Flut so besonders bedrohlich war für die Herren, die vor der eigenen Gefühlswallung erschrocken verhärteten und in aggressiven Tötungsdrang gegen die vermeintliche Selbst Fragmentierung ankämpften. (Ehrlich gesagt eye opening und gruselig die zwei Bücher, weil in ihren Beobachtungen zum Protofaschismus so aktuell) In “Das Lachen der Täter” (da geht’s um Breivik und die Kontinuität des Frauenhasses aber in Untersuchung seiner zeitgenössischen Ausprägungen) liefert er den Nachweis, dass diese Struktur nicht historisch abgeschlossen ist, sondern sich reproduziert, solange die Sozialisation sich reproduziert.

Jessica Benjamin (Die Fesseln der Liebe) zeigt, warum dieses System so stabil bleibt: Weil es kein einseitiges Gewaltverhältnis ist, sondern eine Anerkennungsstruktur, an der beide Seiten hängen. Der Herr braucht den Knecht, um Subjekt zu sein, der Knecht den Herrn, um überhaupt vorzukommen. Übertragen: Der Mann braucht die Frau als Spiegel, die Frau den Mann als Zugang zur Subjektivität. Das zu durchbrechen erfordert nicht nur politischen Willen, sondern eine andere Form von Subjektivität, in der Anerkennung ohne Unterwerfung möglich wäre.

Ich weiß nicht, ob das jetzt die Lücke klarer gemacht hat? Ich mache gerne weiter mit einer ausführlicheren synthese, wenn es interessiert…

In euren Gesprächen wird das dann manchmal zu einem Störgefühl, wie in dem Abschnitt über Oliver Pocher, Wolfgangs Verwunderung darüber, dass diese Frauen sich unvernünftigerweise überhaupt dazu entschieden hätten, mit dem zusammen zu sein. Oder dein Hinweis darauf, dass Frauen natürlich auch ein größeres Publikum bei Podcasts generieren können, weil es ja noch “über den Körper läuft, das visuelle”. Kann man so analysieren, aber vielleicht verstehst du, was ich meine, wenn ich sage, dass da an manchen Stellen so aus der Hüfte geschossene kommentare nicht unbedingt ein Bewusstsein für Geschlechterrollenspezifisches Kompensationsverhalten aufweisen.

Ich glaube, was weiter oben als Delegierte Emotionsarbeit bezeichnet wurde, war vielmehr eine fehlgeleitete Ehrfurcht vor euch oder vor dem hegemoniellen Verhältnis zwischen mir und euch allen anderen und dass ich es auch als anmaßend empfunden hätte, euch hier jetzt meine Gedanken aufzutischen. Aber schön, dass es dich, wenn auch ganz anders als gewünscht, erreicht hat.

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Ich verstehe es immer noch nicht.

Du möchtest auf etwas hinweisen, machst dich dabei so groß wie möglich um dann eine Erklärung, fast Entschuldigung, zu liefern in dem du dich verzwergst.

Hättest du ergänzend und inhaltlich deine Position deutlich gemacht, müsstest du dich nicht in einem selbst empfundenen hegemonialen Verhältnis selbst verkleinern.

Einen Beitrag zur Verbesserung zu leisten findet in einem Spannungsfeld zwischen Größe und Verzwergung statt und braucht ganz dringend abstraktes Denkvermögen und weniger akademische Verweise auf andere.

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Ich würde mal sagen, hier wurde die entscheidende Frage gestellt!

Möchte einmal auf dieses vom Forum erzeugte Banner hinweisen:

:tada: Dies ist der erste Beitrag von Janosch – lasst uns das neue Mitglied in unserer Community willkommen heißen!”

Ich persönlich finde die Zurückweisungen des Beitrags im Ton übertrieben, und wünsche mir hier eine Atmossphäre, in der Kritik willkommen ist.

In diesen Sinne möchte ich das Ganze auf die inhaltliche Ebene ziehen:

Muss ich zurückführen auf die oben genannte Frage.

Ich finde deine Ausführungen zu den zitierten oder in Bezug genommen Quellen sehr interessant und halte sie für wahrscheinlich geeignet, eigene blinde Flecken zu hinterfragen.

Aber ohne Bezug auf eine konkrete Stelle funktioniert das für mich nicht

Frage ich mich nämlich jetzt erstmal allgemein, inwieweit das bei einem live aufgenommenen Podcast zu sehr vielen Themen der Anspruch sein kann, das etwas das kommentiert wird nicht auch irgendwie aus der Hüfte kommt - sonst müsste man zu jedem Podcast eine schriftliche Ausarbeitung vorlegen, die man dann vorliest.

Also als Fazit vielleicht an @Janosch die Einladung bzw Bitte, eine konkrete Stelle mal im Bezug auf die genannten Quellen zu analysieren, als Beispiel.

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Ich möchte selbstbewusst anmerken, dass du hier im Forum des Podcasts von Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz schreibst. Der eine arbeitet sich am Kapitalismus ab, der andere am falschen Familienbild hierzulande. Glaubst du wirklich, dass die von dir hier beispielhaft zitierten Sätze eine Exklusivität haben oder eine Neuigkeit sind?

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Naja. Wenn ich nicht den Eindruck gehabt hätte, dass ihr um feministische “Folien” einen Bogen macht, hätte ich das nicht geschrieben. Ich hab ehrlich gesagt nicht den Selbstanspruch hier irgendwas Exklusives zu schreiben. Nur, wenn euch das alles so glasklar ist, versteh ich die Lücke noch weniger. Einfach zu sagen “ich bin Stefan Schmidt, was fällt dir ein zu denken ich wüsste das nicht alles schon” überzeugt mich nicht, wenn’s dann im entscheidenden Moment eben nicht kommt und ich gleichzeitig Kommentare von euch höre, die eher beweisen, dass ihr das an der Stelle nicht mitdenkt.

Ich mach mir vielleicht am Wochenende mal die Arbeit in ein paar der letzten Folgen zurückzugehen und das an ein paar konkreten Stellen auszuarbeiten, vielleicht wird dann deutlicher, was ich meine. Daher die Idee, die Transkripte einfach mal zur Musteranalyse Opus zu geben. Es sei denn du schaust es dir eh nicht an oder hältst das hier für irrelevant, dann kann ich mir das gerne sparen.

Und ja, ich verstehe auch dass in vier Stunden Podcast alle Kommentare irgendwie aus der Hüfte geschossen kommen, das ist ja auch gerade der Reiz. Ich will ja genau eure Einschätzungen und Kommentare hören und man kann sich dadurch ja auch auf eine Weise ein Bild machen, was für Perspektiven da zu erwarten sind, wisst ihr ja auch voneinander gut. Aber trotzdem gibt es da eben eine von mir so empfundene Korrelation, zwischen dem aussparen feministischer Theorie in euren Diskussionen (ich unterstelle weil ihr glaubt sie für eure Analysen nicht zu benötigen) und grenzwertigen Kommentaren wie den oben genannten.

Wolfgangs Pocher-Kommentar verschiebt die Verantwortung auf die Frauen: Warum haben die sich den ausgesucht? Das klingt nach harmloser Verwunderung, reproduziert aber die Grundstruktur, die Benjamin analysiert: die Frau wird als Subjekt adressiert, das sich falsch entschieden hat, statt zu fragen, welche Anerkennungsstruktur dazu führt, dass Machtgefälle in Beziehungen überhaupt als attraktiv codiert werden. Die Frage „warum geht die mit dem zusammen" individualisiert ein strukturelles Problem und landet implizit bei: Sie hätte es besser wissen müssen. Das wäre dann Täter-Opfer-Umkehr und reproduziert auf anderer Ebene und sehr viel versteckter eben das Muster, das Wolfgang in Bezug auf Collien Fernandes in den Kommentarspalten festgestellt hat.

Dein Kommentar zum Erfolgspotential von Frauenpodcasts („Läuft über den Körper, das Visuelle") ist exakt die Phallus-Sein-Position, nur als Marktanalyse verkleidet. Die Frau generiert Aufmerksamkeit nicht durch das, was sie sagt, sondern durch das, was sie darstellt. Dass das als nüchterne Beobachtung geäußert wird, zeigt genau das fehlende Bewusstsein, was ich meine. Es wird eine patriarchale Verwertungslogik beschrieben und gleichzeitig normalisiert. Ebenso dass Jungs so redeten, weil sie Podcasts für Jungs machen. Boys will be boys. Da muss man keine große Sache draus machen. Einfach erkennen, dass man da vielleicht nochmal gucken muss, was man selbst eigentlich für Hierarchien durch die eigene Beschreibung der Welt reproduziert und ob man das will oder nicht.

Ich halte euren Podcast gerade schon für einen Leuchtturm im Sturm, der zeigt wo gefährliche Klippen sind und helfen kann bei der Navigation.

Umso wichtiger wäre es doch, sich einmal selbst auf die uns allen anerzogene Mysogynie zu überprüfen. Ist schon klar, dass das nicht absichtlich passiert, aber ich finde es braucht da einfach mehr Bewusstsein. Verstehe da den Abwehrimpuls nicht.

Das ist ja im Endeffekt gerade das Tückische an solchen Stellen… dass sie gar nicht bösartig gemeint sind. Aber genau das ist zum Beispiel Pohls Punkt: Misogynie funktioniert am besten, wenn sie sich als Realismus tarnt.

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Herjemine… schon deine Wiedergaben unseres Gesprächs. Habe ich wirklich gesagt, in Frauenpodcasts läuft alles über das visuelle? (Antwort: nein) Möchtest du es nicht nochmal nachhören? Alles andere auch? Und verwende doch keine Anführungszeichen wenn du persiflierst…

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Umso wichtiger wäre es doch, sich einmal selbst auf die uns allen anerzogene Mysogynie zu überprüfen.

Zustimmung. Möchtest du erklären, warum du in diesem Thread bisher den inhaltlichen Austausch mit der einzigen als solcher erkennbaren Frau verweigerst, und ihrer Aufforderung, deine Kritik konkret zu machen, erst nachkommst, nachdem sie von Männern wiederholt wurde?

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Persifliert mit Anführungszeichen ist mein Fehler. Korrekt. Korrigiere ich. Zum größeren Erfolgspotential von Frauenpodcast habe ich dich so verstanden, dass du erläutert hast, es gäbe da eben eine größere Zielgruppe, weil sie Männer und Frauen ansprechen, wo Männer Podcasts nur Männer ansprechen, weil es eben da auch noch über das körperliche, die visuelle Ebene laufe. Erklär mir, wo ich dich da falsch verstanden habe, weil ich seh es auch nochmaligem hören nicht.

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