Drei Korrekturen/Präzisierungen, dann bin ich auch fertig mit dem Nebenschauplatz.
Zu Laschet/Merkel/Kohn: Du hast recht, “in dieselbe Richtung gedrängt” war falsch - Laschet wollte lockern, Merkel nicht, Kohn sowieso anders. Aber das ändert nichts an der These: Es geht nicht darum, wer gewann, sondern dass es überhaupt Konflikt gab, keinen einheitlichen Willen. Die restriktive Linie hat sich durchgesetzt, nicht weil alle dasselbe wollten, sondern weil eine Seite die andere überstimmt hat. Daraus lässt sich keine koordinierte Absicht ableiten, nur ein Machtkampf mit einem Ergebnis.
Zum “Beweis”: Ich muss keine Nichtexistenz belegen, weil ich inhaltlich gar nicht so weit von dir weg bin - deine neun Punkte halte ich in ihrer Schlussfolgerung fast alle für richtig. Was ich kritisiere, ist die Semantik: “fabriziert”, “gewollt”, als Adjektiv unter dem Stein, unter den man erst schauen müsste. Dabei liegt das Substantiv offen auf dem Stein: Macht. Man muss nichts entdecken, um zu erklären, was passiert ist - die bloße Existenz und Ausübung von Macht reicht, ohne dass irgendwer koordiniert hätte.
Zum Lobbyismus-Einwurf: Ja, bei Steuerreformen fur Besserverdiener vermute ich das eher - nicht aus Sympathie, sondern weil es dort oft den Beleg gibt, der hier fehlt: dokumentierte Lobbytreffen, Verbandsentwürfe, die eins zu eins ins Gesetz wandern, Drehtüren zwischen Ministerium und Industrie. Bei Corona fehlt dieser Beleg (das “Signal” bleibt undokumentiert) - deshalb ist die Erklärung dort dünner, nicht weil das Thema anders wäre, sondern weil die Beweislage anders ist.
Und dein Punkt macht das noch grundsätzlicher: Verabredungen außerhalb der Öffentlichkeit, Ergebnisse medial präsentiert - das ist normales Regierungshandeln, mit Pandemie oder ohne. Sachsen-Anhalt zeigt es gerade: Der Druck ist gestiegen (44% AfD), aber die Reaktion bleibt verhältnismäßig, keine Ausgangssperren. Es ist also nicht das Thema, das über die Schärfe der Reaktion entscheidet, sondern die wahrgenommene Dringlichkeit - bei Corona war sie hoch, deshalb wurde dramatisiert. Wenn dann Pflichten und Verbote obendrauf kommen kommt es zum Desaster. Es ist diese Dynamik, die mit Semantik und Narrativen, extremer Gegenposition und Kadavergehorsam in dieser Amplitudenstärke erst entsteht denn es werden die Adjektive unterm Stein hervorgeholt. Kein Komplott nötig, nur Macht, die unter dieser Dynamik reagiert.