Denkangebot: Was wenn der nächste Krieg nicht so aussieht wie der Letze?

@Kokosmilch, drei Dinge.

Erstens: Der Flugzeugträger. Frankreich baut für Milliarden ein Waffensystem, dessen strukturelle Logik gerade obsolet wird. Das ist kein Einzelfall — das ist Nokia, die 2010 noch Symbian-Phones bauen. Staaten investieren in die Verteidigung der letzten Epoche, weil die nächste in keinem Planungsdokument vorkommt.

Zweitens: Slaughterbots. Stuart Russells Warnung am Ende des Films — “we have an opportunity to prevent this” — ist gut gemeint, aber er fällt genau in den Frame zurück den wir gerade verlassen haben. “Prevent” setzt voraus, dass es einen Akteur gibt der verhindern kann. Einen Staat, eine Institution, eine Konvention. Die Analyse zeigt: Genau das ist die Voraussetzung die gerade wegbricht.

Drittens — und das ist der Grund warum ich so begeistert bin von deinem Mosaik-Vorschlag: Aus derselben Analyse die die Dystopie beschreibt, folgt auch die Utopie. Das ist selten. Meistens endet Strukturanalyse mit “es wird schlimm”. Hier nicht.

Warum nicht?

Die Dystopie-Version kennen wir jetzt: Gewalt wird billig, dezentral, unsichtbar. Jede Gruppe mit einer Werkstatt und Know-how kann Schaden anrichten der früher Staaten vorbehalten war. Kontrolle greift nicht mehr, weil es nichts Zentrales gibt das man kontrollieren könnte.

Aber dieselbe Transaktionskostenverschiebung die Gewalt demokratisiert, demokratisiert auch alles andere. Produktion, Koordination, Wissensteilung — die Kosten sinken überall. Und das öffnet einen strategischen Korridor, wenn man zwei Requirements gleichzeitig anlegt:

Requirement 1: Von der Transformation profitieren statt sie erleiden. Requirement 2: Den Fortschritt der Menschheit weiter ermöglichen — Wissenschaft, Technologie, steigender Lebensstandard.

Requirement 1 allein wäre Warlord-Logik. Requirement 2 allein wäre dein Happy Path — schöne Werte, unklare Überlebensfähigkeit. Zusammen definieren sie die Frage: Welche Organisationsformen sind bei niedrigen Transaktionskosten stabil UND ermöglichen Kooperation und Wissensproduktion?

Fortschritt braucht strukturell drei Dinge: Spezialisierung (Arbeitsteilung), Akkumulation (Wissen und Kapital über Zeit aufbauen) und Austausch (Ideen und Güter fließen). Alle drei setzen Stabilität und Vertrauen voraus. Du spezialisierst dich nicht, wenn morgen alles weg sein kann. Du akkumulierst nicht, wenn Raub billiger ist als Produktion.

Billige Gewalt bedroht also nicht primär Menschenleben — sie bedroht die Kooperationsgrundlage. Das ist der historische Default: Failed States, Dunkle Zeitalter, Regionen in denen niemand investiert weil nichts sicher ist.

Die Frage ist also: Geht Kooperation auch ohne staatliches Gewaltmonopol? Und hier wird es spannend — weil die Antwort vermutlich ja ist, unter drei Bedingungen:

1. Verteidigung muss billiger sein als Angriff.

Historisch war es meistens umgekehrt — deshalb brauchte es den Staat als Schutzinstanz. Aber die Drohnentechnologie könnte das invertieren: Schwarmbasierte Perimeter-Verteidigung ist potenziell billiger als Schwarm-Angriff, weil der Verteidiger kürzere Kommunikationswege hat und das Terrain kennt. Wenn das stimmt — und die ukrainischen Daten deuten darauf hin — können kleine Einheiten sich verteidigen ohne Staat. Das wäre die strukturelle Voraussetzung für alles Weitere.

2. Die Gemeinschaft muss wertvoller sein als ihre Einzelteile.

Netzwerkeffekte als Schutz. Wenn eine Gemeinschaft Wissen, Technologie, Handel produziert von dem alle Beteiligten profitieren, wird ihre Zerstörung zum Verlust für potenzielle Angreifer. Nicht “Wandel durch Handel” auf Staatsebene — das hat mit Russland nicht funktioniert, weil die Interdependenz nicht tief genug war. Sondern auf Gemeinschaftsebene: Spezialisierung so dicht, dass Zerstörung den Angreifer selbst ärmer macht.

3. Offene Protokolle statt geschlossener Plattformen.

GIS Arta, Palantir, Amazon — geschlossene Plattformen zentralisieren Macht. Wer die Plattform kontrolliert, kontrolliert die Nutzer. Offene Protokolle dagegen — wie TCP/IP, wie das Internet in seiner ursprünglichen Architektur — ermöglichen Koordination ohne zentralen Kontrollpunkt. Resilient gegen Enthauptungsschläge, weil es keinen Kopf gibt. Koordination ohne Hierarchie, Austausch ohne Gatekeeper.

Und hier kommt dein Mosaik zurück ins Spiel.

Rhizomatisch, lose verbunden, Wahlfamilien statt Nationalstaaten — das klingt erstmal nach Utopie. Aber wenn man die drei Prinzipien anlegt, ist es plötzlich keine Wunschvorstellung mehr, sondern eine Hypothese: Ist diese Organisationsform unter den neuen Transaktionskosten stabil?

Und ich glaube die Antwort ist ja. Nicht weil es moralisch schön wäre, sondern weil Kooperation und Wissensproduktion langfristig effizienter sind als Raub und Zerstörung. Gemeinschaften die spezialisiert, vernetzt und verteidigungsfähig sind, haben bei niedrigen Transaktionskosten einen höheren Fitness-Wert als Warlords. Raub ist ein Einmalertrag. Kooperation ist ein Dauerertrag. Bei sinkenden Koordinationskosten wird der Dauerertrag immer attraktiver.

Das ist die Pointe die mich ehrlich begeistert: Die Dystopie und die Utopie folgen aus derselben Strukturanalyse. Welche von beiden eintritt, hängt davon ab ob die Verteidigung billiger ist als der Angriff, ob Gemeinschaften genug Wert produzieren um schützenswert zu sein, und ob die Koordination über offene Protokolle statt geschlossene Plattformen läuft.

Das sind keine moralischen Forderungen. Das sind Designparameter. Und an Designparametern kann man arbeiten.

Der Flugzeugträger ist Nokia. Dein Mosaik könnte das iPhone sein — aber nur wenn es die Strukturbedingungen erfüllt. Nicht weil wir es uns wünschen, sondern weil die Transaktionskosten es erzwingen.

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Vielleicht spielt es eine Rolle aus welcher Perspektive man es sieht.

Frankreich (und auch andere europäische Staaten) verknüpfen Rüstung mit ökonomischen Zwängen. In der Logik, Rüstung schafft Arbeitsplätze und steigert das BIP. Gegen China ist in Europa kein Wachstum möglich, also - in guter alter Tradition schaffe ich zumindest während der Investition und Produktion ein Wachstum. Reflexartig sozusagen.

Das braucht das Narrativ der klassischen Bedrohung nur noch als Mittel zum Zweck, um einer überalterten Gesellschaft die nichts anderes kennt die Sehgewohnheiten zu bewahren.

Die andere Perspektive ist dann quasi die entstaatlichte Variante, jede Form ist dann denkbar, Städte gegen Städte, Konzern gegen Konzern, etc. etc.

Demokratisierungsbegriff wie zu den Anfängen des Internets. Mit anderen Worten, Freiheit, Entgrenzung für jeden.

Irre

Das ist wirklich die Vollendung. Die Überwindung der Sehgewohnheiten verursacht durch Narrative. Narrative sind obsolet, die Legitimierung erfolgt mathematisch.

Vorab:

Ich bin von deiner klaren Kommunikationsweise sehr beeindruckt und freue mich, das meine Utopievorstellung damit auf produktiven Boden fällt!

Meine ich ja mit “LOL”

Das finde ich wirklich großartig. Danke!

Wobei es bei mir jetzt hapert ist, mir den Vektor der Entstehung vorzustellen. Schützenswertes finden wir hoffentlich alle (sogar noch im Nationalstaat, der mit BIP auch irgendeinen Wert produziert), Koordination über offene Protokolle wäre ja im Prinzip möglich. Aber über die Verteidigung muss ich noch nachdenken. Das Prinzip ist richtig, aber herrscht in Gemeinschaften mit nachhaltigen Werten überhaupt so viel Konkurrenz, das Raub und Angriff attraktive Alternativen sind?

Wenn wir das jetzt doch als Staat denken, klar, (echt schade um das schöne Geld für son paar Panzer und den Flugzeugträger), aber von einer kleinen wachsenden Gemeinschaft aus wäre die Frage: wann Verteidigungsfähigkeit eine Rolle spielt. Wir sind ja alle brav.

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Jetzt versuche ich die weniger quengelige Variante.
Was ich über Macht beschrieben habe ist im Kern – Macht ist nicht positiv oder negativ, wahr oder unwahr. Sie ist ein Mechanismus der funktioniert oder nicht funktioniert.
Die Chance liegt darin zu sagen: Macht anzuwenden ist teurer als Macht abzugeben.
Das klingt paradox. Aber es folgt direkt aus dem was der Text über Transaktionskosten beschreibt. Wenn die Kosten für Gewaltanwendung gegen Null gehen – wie bei der FPV-Drohne gegen den Panzer – dann verliert die klassische Machtstruktur ihre materielle Grundlage. Der Staat als Gewaltmonopolist war nie eine moralische Entscheidung. Er war das kosteneffizienteste Ergebnis gegebener Bedingungen.
Wenn diese Bedingungen erodieren stellt sich nicht die Frage wer die bessere Waffe hat. Sondern wer den Mechanismus versteht.
Aber der Mechanismus braucht einen Kompass. Machtbewusstsein allein gibt keine Richtung – es beschreibt wie etwas funktioniert, nicht wohin es führen soll. Dieser Kompass kann nicht Moral sein, nicht Utopie, nicht Ideologie. Er muss tiefer ansetzen.
Anthropologisch betrachtet ist Kooperation nicht die moralisch bessere Wahl – sie ist die kosteneffizientere. Der Mensch hat nicht wegen seiner Stärke überlebt sondern wegen seiner Fähigkeit zur sozialen Koordination. Wenn Gewalt billiger wird und Strukturen erodieren wird Kooperation nicht weniger relevant – sie wird überlebenswichtiger.
Aber der Mensch bleibt. Als Anwender der Mechanik. Wer die Parameter setzt, wer die Targets definiert, wer den Optimierungspunkt wählt – das ist immer ein Mensch. Mit einer bestimmten Topografie, einem bestimmten Wirkkreis, einer bestimmten internalisierten Herrschaftslogik. Und Macht verändert diesen Menschen – das ist kein moralisches Problem, es ist ein strukturelles.
Institutionelle Kontrolle dezentraler Gewalt stößt strukturell an ihre Grenzen. Was bleibt ist der einzelne Mensch der den Mechanismus kennt – und bewusst entscheidet wie er seinen Wirkkreis gestaltet.
Das ist wenig. Aber es ist das Einzige das nicht von der Erosion der großen Strukturen abhängt.

man könnte sich da mal Öcalan angucken und Rojava als Versuch Gesellschaft anders zu gestalten.

In Deutschland geht immer ein wenig unter, dass das ein theoretisch unterlegtes Projekt ist, welches versucht klassische “Staatsfallen” zu vermeiden. (auch ein Denkangebot und bitte keine PKK, Marxismus, etc. Derailing)

@fdoemges vielleicht habe ich es überlesen, aber Staaten haben ja auch immer noch Wege gefunden Waffen oder Waffeneinsatz zu reglementieren, wenn es “unfair” wurde. Bei Streumunition und Anti-Personenminen machen wir gerade einen Schritt zurück. Also Regulierung nach Innen (Verbot von Waffen, relativ einfach) und Regulierung nach Außen (nach Massensterben und extremer Reduzierung des eigenen “Menschenmaterials”).

und dann (aber vielleicht auch überlesen): Nur weil Waffen günstiger werden, wird der Preis nicht niedriger, denn im Zweifelsfall (und ich benutze es mit Absicht) geht das Menschenmaterial (als Grundlage) zu schnell aus und treibt die Gesamtrechnung nach Oben. (und genau da setzte die Regulierung ein: Giftgas im WK I erfolgreich, Repetierschrotflinte nicht erfolgreich)

Edit: “Unfaire Waffen” werden dann als “Terrorismus” adressiert und aus einem Kriegsgeschehen herausdefiniert.

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Staaten haben historisch Wege gefunden, “unfaire” Waffen zu regulieren. Stimmt — bei Giftgas, Streumunition, Antipersonenminen.

Kurze Frage: Wie läuft das gerade mit der Regulierung iranischer Drohnen?

Iran wird seit 20 Jahren sanktioniert, embargiert, UN-resolutioniert. Ergebnis: Seit drei Wochen feuert Teheran täglich hunderte Drohnen auf alle sechs Golfstaaten gleichzeitig. Auf Ölhäfen, Flughäfen, ein AWS-Datenzentrum, den Burj Al Arab. Die USA haben die größte Militärpräsenz seit 2003 vor Ort, zwei Carrier Strike Groups, F-35, das volle Programm. Die Drohnen fliegen trotzdem. Jeden Tag. Eine einzelne Shahed hat in Kuwait die komplette Luftabwehr umgangen und sechs Soldaten getötet, weil das Warnsystem sie nicht erkannt hat.

Die Shahed-136 kostet fünfstellig. Eine Patriot-Abfangrakete kostet siebenstellig. Iran kann schneller nachproduzieren als die Gegenseite intercepten kann. Das ist keine Regulierungsfrage mehr — das ist Arithmetik.

Und jetzt der Punkt: Iran ist ein Staat. Identifizierbar, adressierbar, sanktionierbar. Mit Flagge, UN-Sitz, Postanschrift. Wenn das gesamte westliche Sanktions- und Regulierungsregime nicht verhindern kann, dass ein identifizierbarer Staat hunderte Drohnen pro Tag feuert — was genau regulieren wir dann bei den fünfzig Leuten mit dem 3D-Drucker in der Scheune?

Regulierung unfairer Waffen funktioniert genau so gut wie Messer verbieten.

aber bei Drohnen sind wir ja noch nicht an den Punkt gekommen, dass einer “Halt, das ist unfair!” ruft, weil erstmal alle herausfinden wollen was herauszuholen ist. Der Rest sind dann Selbstverpflichtungen zwischen Staaten (Atomwaffensperrvertrag, Ächtung von Waffentypen), an die sich mal mehr, mal weniger gehalten wird.

Die Nicht-staatlichen-Akteure reguliert man wie gewohnt. Denn Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürtel sind ja jetzt auch schon “günstiger” als eine Drohne. (Sprengstoff: Überwachung der Grundbaustoffe und des Handels, Menschen: Überwachung von Radikalisierugsformaten, Razzien, Festnahmen).

Da haben wir mit Afghanistan/Irak schon das Beispiel für “aus dem Krieg herausdefinieren”: Soldaten wurden zu irregulären Kombattanten, aus Folter wurde “erweiterte Befragungstechniken”, etc.

Der Staat wird immer auf sein Gewaltmonopol bestehen, ab und zu muss er dann eben erfinderisch werden.

Edit: Einschränkung meinerseits: Die “Produktion” von Selbstmordattentätern ist nicht in gleichem Maße rationalisierbar und eher “Manufaktur”-förmig.

Zwei Beispiele wie es funktioniert mit der “Regulierung nach Innen” aus der Ukraine:

von Oligarchen gegründete Privatarmeen, zweitere mit Techbro-Vibes (“Milliardärsbrigade”) und einem Drohnenfimmel.

Die politische Ausrichtung dieser Einheiten kann sich jeder selber angucken, aber: die Oligarchen wurden in die staatlichen Strukturen eingebettet und deren “Expertise” nutzbar gemacht (für die Freunde muss man dann ein wenig braunen Schmutz abkratzen, damit es herzeigbar wird).

Es mag jetzt vielleicht eine Transformation sein, aber selbst maschinell - ohne Menschen gedacht -wird es wieder zum bekannten Prinzip zurückkehren.

Der der den Vorteil hat kann es sich leisten Kosten über Interesse zu stellen, bis ein anderer nachzieht. Danach ist wieder das alte Prinzip, das Monopol kann sich neu bilden und Interessen über Kosten stellen.

Dann wäre die Frage was wäre wenn der übernächste Krieg wieder genauso aussieht wie die vorangegangenen.

Oder ich hab was nicht verstanden. Das kann gut sein, vielleicht kann es jemand erklären.

Zwei Gedanken, einer zu den ukrainischen Privatarmeen, einer zum Monopol.

Zur “Regulierung nach Innen”

Das Ajdar- und Khartiia-Beispiel zeigt, dass ein Staat private Gewaltakteure absorbieren kann. Stimmt — unter einer Bedingung: Der Staat muss der attraktivere Partner sein. In der Ukraine war das der Fall. Existenzkampf, klarer Feind, gemeinsames Ziel. Die Oligarchen wollten absorbiert werden, weil der Staat ihnen Legitimität und Logistik bot die sie allein nicht hatten.

Das ist aber nicht Regulierung. Das ist Kooptation bei aligned interests. Regulierung wird dort getestet wo die Interessen divergieren — wo eine Gruppe etwas anderes will als der Staat. Und genau dort zeigt das Beispiel seine eigenen Grenzen: Der “braune Schmutz” bei Ajdar kam mit. Der Staat hat die nicht reformiert, er hat sie geschluckt weil er die Gewaltkapazität brauchte. Das ist kein Regulierungserfolg, das ist ein Kompromiss aus Schwäche.

Die Frage ist: Was wenn die kleinen Akteure nicht absorbiert werden wollen? Ajdar brauchte den Staat für schwere Waffen und Nachschub. Eine Gruppe mit eigener Drohnenproduktion, Plattformkoordination und fünfstelligem Budget braucht nichts davon. Was genau bietet der Staat dann an?

Generell: Aus der Vergangenheit zu extrapolieren ist verlockend, aber die Datenbasis wird irrelevant wenn die Grundbedingung kippt. Statistisch wurden die meisten Kriege mit prähistorischen Waffen gewonnen.

Zum Monopol

Die These “irgendwer wird wieder dominant” setzt voraus, dass Größe einen militärischen Vorteil bringt. In der alten Welt stimmte das — wer größer war, konnte mehr Panzer, mehr Soldaten, mehr Logistik auffahren. Größe war militärische Stärke.

Bei commodifizierten Drohnen gilt das nicht mehr. Ein großer Staat mit tausendfachem Budget ist nicht tausendfach gefährlicher — er ist gleich gefährlich. Aber er ist tausendfach größere Zielscheibe, und er muss tausendfach öfter Erfolg haben als die tausend kleinen Entitäten die ihn einzeln herausfordern.

Warum sollte jemand so groß sein wollen, wenn es ihn nicht stärker macht?

Weil es vom militärisch strategischen Standpunkt aus gesehen, eine Frage der Überlegenheit des Waffensystems ist. Die Atomwaffen verschwinden ja nicht einfach.

Wenn der dezentrale Akteur merkt, es gibt ein größeres Risiko, wird er aus strategischen Gründen sich dem anschließen der die stärksten Waffen besitzt. Also werden sich aus meiner Sicht zwar dezentrale Strukturen bilden können, aber nur bis einer sagt, schaut her, das droht wenn ihr nicht zu meinem Monopol gehört.

Selbst dann, wenn das Monopol nicht staatlich ist. Wenn der Staat als zentraler monopolistischer Akteur wegfällt, sind Atomwaffen noch da.

@fdoemges

Du fragtest ja, was wir für möglich halten und da bleibt ja nur die Extrapolation aus der Vergangenheit, sonst sage ich einfach “Snowcrash” (oder wenn es Bro-iger sein soll “The Network State”) und das Gespräch ist vorbei :wink: und Dein Ausgangspunkt war der Ukrainekrieg für technologischen Bruch im bekannten Ablauf. Ich dachte, vielleicht finden wir da noch eine weitere Abweichung (vielleicht ist das aber auch unproduktiv).

zur Regulierung nach Innen: Ich sehe da noch die Eingliederung in staatliche Strukturen und die “Durchmischung” mit über den Staat organisierten Rekruten. Da versuchte man den “Rechten Sektor” etwas aufzuweichen. In der deutschen Presse geht das ein wenig unter, weil man die Nähe zu Putins “Entnazifizierung” vermeiden will (die Liste wäre ja noch länger Azov, Tornado, Dnepr, S-14, Sich, etc.). Wie sich das nach Kriegsende weiterentwickelt bleibt abzuwarten.

Auf russischer Seite könnte man sich noch "Wagner” angucken, da wurde etwas robuster Exklusion und Inklusion praktiziert.

zum Monopol: Könnte doch auch sein, dass beides geht und wir es nur als Doktrinwechsel sehen. Das wäre ja nichts ungewöhnliches. Von der großen Panzerarmee zu kleinen Kampfverbänden mit eigener Waffenproduktion etc. (und dann haben wir immer noch das Monopol auf Sprengstoff, der ja nicht aus dem 3d-Drucker kommt)

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Dann noch ein Gedanke:

Internet als Demokratisierungsidee entspringt aus der dezentralen Hoffnung, endet aber beim Monopol was die technischen Mittel hat.

Wer Kapital akkumulieren kann, hat die technischen Mittel, der macht eine Investition um Teilnehmer der dezentralen Idee kontrollieren zu können, erstens um die Investition abzusichern, zweitens um ein Monopol zu schaffen um dann letztlich hegemoniale Macht zu erhalten.

Und noch einer.

Die Frage wer gestaltet, welche gesellschaftliche Veränderung schafft die Transformation kann nicht durch politische Haltungen einer bestimmten verknüpften Ideologie beantwortet werden.

Meiner Ansicht nach ist die zentrale Frage: wie kann Macht dezentral gedacht werden und welche Schritte sind notwendig um Repräsentanz (abgeben von Verantwortung) in etwas umzuwandeln was den Mechanismus als solchen akzeptiert und aus dieser Akzeptanz strukturell ungleiche Machtverhältnisse versucht auszugleichen.

In der Akzeptanz der Existenz kann eine Erfahrung anders gedacht werden. Aktive Verhinderung von Monopolen oder Hegemonie wäre ein Bewusstseinssprung der aus einer erlittenen negativen Machterfahrung aus dumpfen Fühlen Verstehen erzeugt.

Weniger im Sinne von: wie bauen wir den Staat um - das muss scheitern weil nicht verstanden wurde was Reproduktion von Macht bedeutet. Ein Umbau bedeutet Reproduktion.

Ein Anfang könnte in Stefans Plädoyer, der Bundeskanzler erhält eine Audienz bei der Stadtverwaltung und nicht umgekehrt, liegen. Die Stadtverwaltung erkennt ihren Wirkkreis und kann gezielt durch Kosten/Nutzen Argumente sagen, ab jetzt wird es teurer für euch eine zentralistische Position einzunehmen.

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und dann kann man noch das gute Wort des “Humankapital” dazu nehmen.

Es war in der Ukraine auch ein Konflikt um die Akkumulation von Humankapital, denn Asov hatte mit eigenen Ferienlagern etc. ja eigene Strukturen geschaffen.

hier gab es zwei Möglichkeiten der Regulierung:

  1. Herausdefinition als “Terrorismus”: Ferienlager=Radikalisierungszentren und staatliche Repression
  2. Eingliederung der Akkumulationsprozesse in die staatlichen Akkumulationsprozesse.
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Vielleicht bekomme ich’s jetzt zusammen.

Wenn kleinere Akteure dezentral eine Bedrohung werden, macht es keinen Sinn eine Atombombe auf die draufzuschmeißen. Die kollateralen Schäden sind zu groß. Es gibt auch keinen Gegner im klassischen Sinn mehr.

So, Abschreckung verliert seine Wirkung weil die Selbstzerstörung droht und gleichzeitig ein valides Target durch Dezentralisierung nicht mehr existiert, verhindert ein neues Monopol als Machtkonzentration.

Hab ich’s jetzt endlich?

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mmmhhh bin ich mir nicht so sicher. “Überlegenheit” bleibt ja immer noch der Punkt. Natürlich kann man über Netzwerkstrukturen nachdenken, aber dann geht es immer noch darum, welches Netzwerk ist größer, kann mehr Ressourcen sammeln und distribuieren.

Ich könnte also sagen: Ja, EINE Atombombe macht keinen Sinn, 300 aber schon, denn ich kann damit drohen alle Deine Netzwerkknoten zu zerstören und in der zynischen Betrachtung von Hardlinern werden Kinder zu einem legitimen Kriegsziel, weil die könnten ja später mal zu legitimen Zielen heranwachsen…

Vielleicht bei Interesse: “Soziale Verteidigung” entstand im Kalten Krieg als Gegenkonzept zur Atombombe. Hatte ein paar interessante Gedanken, ist aber nicht über den Nationalstaat hinausgekommen und bedeutet in letzter Konsequenz “totalen Krieg” nur ohne Waffen.

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Es stellt sich nur die Frage was man mit dem Abwurf von 300 Atombomben erreichen kann, das man danach noch irgendwie verbuchen kann. Ein Staat der nur noch negativ wirken kann, der verliert automatisch seine Macht weil er ja seine immensen Kosten nicht wieder reinholen kann.

Dann hast Du deine 300 Atombomben geschmissen? Und was dann? Du hast nur massenweise neue Probleme geschaffen und kein einziges gelöst.

Wenn Du für den gleichen Betrag Drohnen kaufst, den die Amerikaner Jahr für Jahr nur in die Instandhaltung ihrer Atomwaffen ausgeben, dann kannst Du davon mehr als 5 Mio. Drohnen kaufen, Tendenz steigend.

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Na klar, da ist ja die Aufrüstung an sich selbst gescheitert. Aber siehst Du da nicht einfach die nächste Rüstungsspirale? Wir können jetzt also nur nochmal das Spiel “Kalter Krieg” wiederholen, bloß eben mit Drohnen? Wir ziehen das jetzt 30 Jahre durch, bauen die Luftwaffe auf Drohen um, ergänzen das Heer und die Marine durch Land- und Wasserdrohnen… der “Terrorismus” wird das selbe spielen…

Das ist ja meine Frage (zu Deiner Ausgangsfrage): Natürlich wird der nächste Krieg nicht wie der letzte aussehen, aber ist das nicht nur ein Wechsel in der Doktrin?