KI in Ehren, aber dieser Grundthese kann ich wirklich gar nichts abgewinnen. Sie negiert völlig, dass KI kein allgemein zugängliches Instrument ist, sondern eine ökonomische Hürde hat. Sie ist kein neutrales Instrument, sondern genauso ein Medium, das zur Profitmaximierung weniger Konzerne dient. In dieser Ausgestaltung wird KI nie ein Tool des Proletariats sein. Das kann man nicht einfach ausblenden.
Noch schlimmer finde ich, dass hier gerade der Code, der hier zum Thema gemacht wird, genau reproduziert, was kritisiert wird. Der Stil, der hier in den KI-generierten Texten gepflegt wird, erzeugt Autorität, eben weil man ihn von Chatbots kennt, denen man vertraut. Und weil er sehr ausführlich ist, was von Haus aus Substanz suggerieren soll. Inhaltliche und stilistische Kritik daran wird in diesem Forum sehr schnell gemutet. Da kommt entweder der Gatekeeping-Vorwurf oder der KI-Rasenmäher, der ein Gegenargument in vielen Worten aufbläst.
Wenn man gute Argumente hat, stellt sich die Frage, wieso man die KI für das Schreiben solcher Beiträge braucht.
Das ist ein Strohmann, denn das negiert hier niemand. Das Argument spielt auch keine Rolle, weil es nichts gibt, dass keine ökonomische Hürde hat. Mit dem Argument könntest Du also auch den Nutzen einer Brille wegargumentieren.
Du meinst der Stil von den Artikeln, die Du als KI zu erkennen meinst.
Die Artikel die mit KI geschrieben wurden, die Du nichtmal als solche erkennst, haben offensichtlich einen anderen Stil. Du verwechselt die Eigenschaft deiner Perspektive mit Eigenschaften von KI.
Wenn Du klug bist, wofür brauchst Du dann eine Brille?
Ich verstehe nicht welchen Sinn diese Frage in diesem Kontext hat. Ich habe ja klar beschrieben warum Habitus historisch ein Derivat des sozialen Status ist, aber dank KI nun nicht mehr. KI kann man benutzen, egal welchen Status man hat. Genau wie eine Brille.
Scheinbar willst Du auf irgendwas hinaus. Das könntest Du einfach explizieren.
Ganz einfach: Du stellst die KI als Mittel dar, der die Sichtbarkeit von Menschen mit anderem Habitus erhöhen soll, indem sie dem Code bestimmter anderer Menschen entsprechen. Ich zweifle an, dass dies der Fall ist, weil der Habitus sich eben aus dem sozialen Status ergibt und aus diesem heraus kommt man als Proletarier in der Regel nicht oder nicht so einfach in die Verlegenheit, KI zu seinen Gunsten in dem Umfang zu nutzen wie als Kapitalist.
Wir versuchen ja das Gegenteil, eine Stigmatisierung zu verhindern. Also weg von der Identität hin zur Gleichberechtigung, wissend das Code nicht den Kampf obsolet macht, sondern verschiebt.
Es soll Zugehörigkeit von außen betrachtet auflösen damit das Argument zählt.
Habitus ist ja zunächst mal nichts anderes als Code der sich in Verhalten ausdrückt . Bestimmte Kommunikationssignale die man imitieren können muss, wenn man den Habitus inne haben will.
Der Erwerb des Habitus passierte historisch meist durch sozialen Status, aber nicht nur.
Ein intelligenter Privatlehrer oder ein Kindermädchen war durchaus auch dazu in der Lage den Habitus zu imitieren.
Heute kann jeder eine KI dafür nutzen wodurch die Koppelung an den Sozialen Status wegfällt
Sicher gehört es zur Nützlichkeit der KI, dass sie die intellektuellen Hürden komplexer Alltagssituationen herabsetzt, sodass sie auch für Leute mit geringerer Bildung ohne Angewiesensein auf fremde Hilfe bewältigbar sind. Hier kann sie tatsächlich eine partizipative Wirkung haben. Dass man für Beiträge in diesem Forum (oder irgendeinem anderen) einen gewissen Habitus braucht, halte ich jedoch für an den Haaren herbeigezogen; dann schon eher, dass durch die KI-generierten Texte ein pseudo-professioneller Habitus zur Norm wird, dem manche vielleicht nur meinen entsprechen zu können, indem sie mit KI-generierten Texten antworten.
Wo siehst du denn konkret die diskursiven Kontexte, an denen man nur mit einem bestimmten Habitus partizipieren kann und wo die KI-Imitationen Leuten mit geringerem sozialen Status eine Einflugschneise ermöglicht?
Abgesehen davon, dass man die habituelle Distinktion wohl eher selbst überwinden sollte, anstatt dass sie nun durch alle Klassen hinweg durch KI-Imitate gestärkt wird…
Juristische Kommunikation
Widersprüche, Klagen, Behördenschreiben, DSGVO-Anfragen. Der Habitus ist: formale Registerkontrolle, implizite Droharchitektur, Kenntnis der richtigen Paragraphen. Ohne Anwalt oder akademischen Hintergrund scheitern Leute nicht am Recht, sondern am Register. KI demokratisiert hier am stärksten, weil die Gegenseite (Versicherung, Behörde, Vermieter) den Brief nicht von einem Anwaltsbrief unterscheiden kann.
Akademischer Diskurs
Peer-Review-Sprache, Abstract-Konventionen, die richtige Art “Einschränkungen” zu formulieren ohne die eigene These zu untergraben. Der Habitus ist Sozialisierung im akademischen Betrieb — wer ihn nicht hat, wird inhaltlich ignoriert, egal wie valide der Punkt ist.
Bewerbungen & professionelle Selbstdarstellung
Anschreiben, LinkedIn-Profile, Executive Summaries. Der Code ist: Understatement das Kompetenz signalisiert, die richtige Granularität von Erfolgsnarrativen. Arbeiterkinder schreiben entweder zu wenig oder zu viel.
Politische Meinungsäußerung in Qualitätsmedien
Leserbriefe, Op-Eds, Gastbeiträge. Gatekeeping läuft über Tonfall, nicht Inhalt. Wer “zu emotional” oder “zu direkt” schreibt, wird als unseriös codiert.
Geschäftliche Verhandlungskommunikation
Angebote, Vertragsverhandlungen, Preiserhöhungs-Mails, Investor-Decks. Der Habitus ist: kühle Sachlichkeit die Macht signalisiert ohne sie auszusprechen. Freelancer aus nicht-akademischen Milieus unterbewerten sich systematisch auch sprachlich.
Medizinische Selbstadvokatur
Widersprüche gegen Krankenkassen, Arztbriefe hinterfragen, Zweitmeinungen einfordern. Der Habitus ist: medizinische Fachsprache + Anspruchshaltung. Wer “bitte” sagt und unsicher klingt, bekommt weniger.
Bürokratische Navigation
Anträge auf Sozialleistungen, Wohngeld, BAföG-Widersprüche. Der Habitus ist nicht nur sprachlich — es ist das Wissen, dass man überhaupt widersprechen kann und darf, plus die Fähigkeit, den richtigen Ton zu treffen der signalisiert: “Ich kenne meine Rechte.”
Bildungsinstitutionen
Elternbriefe an Schulen, Beschwerden über Diskriminierung, Anträge auf Nachteilsausgleich. Akademiker-Eltern formulieren Forderungen als “Vorschläge” mit impliziter Eskalationsdrohung. Nicht-Akademiker formulieren Bitten, die ignoriert werden.
Ok, das sind viele und gute Beispiele, die für mich nicht unbedingt hauptsächlich unter Habitus fallen, aber inhaltlich meinen wir denke ich ungefähr dasselbe…