Empfehlenswerter F.A.Z. Beitrag: Schwarz-blau – ist das Deutschlands Zukunft?
oder auch Precht im aktuellen Podcast, nur 2 von vielen Beispielen, auf ganz vielen Ebenen wird beschwichtigt und gesagt, ja ist halt Demokratie, noch haben sie ja nichts gemacht, und und und. Stimmt ja auch irgendwo. Also außer, das rassistische Reden eben auch schon “etwas” sind, dass als Gedankengut öffentlicher Personen vorgetragen wird, die Gesellschaft irgendwie beeinflusst. Denke ich jedenfalls.
Man erinnert sich an den Geschichtsunterricht und an die Fragen: wann war es eigentlich zu spät? Wann hätte man noch was unternehmen können?
Ich finde es schwer zu greifen, weil es zwar Anzeichen gibt für eine “sich reimende Geschichte”, es aber ja irgendwie zwangsläufig recht gefühlsmäßig ist.
Wie soll man feststellen welches Gramm die Waage zum Kippen bringt?
Vielleicht kann man hier im Thread ein bisschen was zu der Entwicklung sammeln, und so die neuen Zwanziger, die mit der Wahl einer “gesichert Rechtsextremen” Partei in Deutschland in eine neue Phase eintreten.
und ich muss schon lachen, ohne den Artikel zu lesen. Der Anreisser nennt Frage und Antwort gleich mit: “Welche wirtschaftspolitischen Schnittmengen gäbe es?”
und wieder sollen wir uns in den nationalen Erfolg hineindenken und Abstriche bei politischen Fragen machen.
Die Verwunderung des kritischen Bürgers ist doch nur der Wechsel in der Interessenbekundung. Erst sollte man sich Sorgen um die Demokratie machen und jetzt geht es um wirtschaftlichen Erfolg des Landes. Bei ersterem hätte die AfD gestört, bei zweiterem ist sie produktiver Teil… aha…
Da würde ich mir ja erstmal Gedanken über den ersten Schritt machen, bevor ich gedanklich in den zweiten gehe.
Alle Schweinereien bis hierher haben wir ganz alleine mit dieser wunderbaren und schützenswerten Demokratie hinbekommen, warum sollte die AfD bei der Fortsetzung dieser Schweinereien darauf verzichten?
Ich schrieb ja woanders “Wenn Timmy endlich tot ist, die Regierung also gebildet…” geht es einfach weiter, wir kommen jetzt wieder zu ganz normalen Fragen der Demokratie: “Wie kriegen wir die Gewinne der Wirtschaft gesteigert?”
Wir müssen den Gürtel enger schnallen, wir müssen wieder mehr arbeiten, wir müssen uns verteidigen, wir müssen kämpfen!
Zwischen “Deutschland erwache!” und “Deutschland packt an! (Machen statt Meckern!)” liegt vielleicht ein starker Kaffee und die Feststellung, dass man ja nicht immer übertreiben muss und “die Festung Europa” sich besser als “Gemeinschaftsprojekt” verkaufen lässt als das reine Militärprojekt…
Worauf will er denn mit dieser Feststellung hinaus? Soll uns das den Schrecken nehmen, in dem sich unser jetziger politischer Zustand in ein geschichtliches Kontinuum einer ewigen Wiederkehr des Gleichen oder so einordnen lässt? Und verwechselt er da nicht Emotionalisierung mit (inhaltlicher) Polarisierung?
Das müsste man ihn selber fragen. Als ich das vorhin beim Hören des Podcasts mal so eben hingetippt habe, wollte ich auf gar nichts raus. Ich fand es interessant im Sinne von: bemerkenswert.
Precht ist aus meiner Sicht aber durchaus bemüht, den Diskurs zu versachlichen und Emotionen rauszunehmen. Ein Anliegen, das ich im Prinzip teile - auch wenn mein stark zugespitzter Einstieg hier ins Thema dem ein bisschen widerspricht.
Die inhaltliche Polarisierung bestand damals wie heute. Und natürlich geht eine solche mit Emotionen einher.
Zitat der FAZken:
„Denn die alte Gewissheit, dass die Wahlen in der Mitte gewonnen werden, gilt nicht mehr. In dem ostdeutschen Bundesland haben fast 60 Prozent der Wähler für eine extreme Partei gestimmt.“
Genau das sagt ja auch Precht. FAZ:
„Wer in der Mitte steht, könnte bald ziemlich einsam sein“
Ja, irgendwie „emotional“ ist es damals wie heute. Trotzdem kann man das, finde ich, nicht so richtig vergleichen. Denn die gegenwärtige Emotionalität resultiert nicht aus einer großen inhaltlichen Polarisierung, was bedeuten würde, dass grundlegende Weichenstellungen zur Disposition stünden und die Emotionalität dementsprechend ein Spiegel des allgemeinen Bewusstseins der Wichtigkeit dessen wäre, was auf dem Spiel steht, und der Möglichkeit, es zu gestalten. Sie kommt doch vielmehr aus dem allgemeinen Gefühl einer Ohnmacht, die ihr Fanal permanent in Ersatzhandlungen und -vorstellungen sucht, da viele neoliberale Narrative im allgemeinen Bewusstsein zu einer unhintergehbaren Realität geworden sind. Im gesellschaftlichen Selbstverständnis hingegen herrscht anscheinend eine große Einigkeitseligkeit, und zwar über das gesamte politische Spektrum hinweg: Ulrich Siegmunds Aussagen, dass er auch mit Grünen und Linken ein Bier trinken kann und wir alle ein Volk sind, die Mitte-Parteien, die ihre Gemeinsamkeiten finden wollen und ihre Unterschiede vergessen, um der AfD entgegenzutreten, das linke Spektrum, bei dem das anscheinend größtenteils ähnlich ist, wie sich ja auch zum Beispiel an dem großen Gegenwind zeigt, den “Wohlstand für Alle” bei dem Danger Dan-Video bekommen hat. Es scheint zunehmend mehr um eine narrative Bewältigung der Probleme zu gehen, und die Emotionalität liegt darin begründet, dass bei jedem Trigger immer schon direkt das Luftschloss als Ganzes auf dem Spiel steht…
Würde ich so pauschal nicht sagen. Klar, es gibt Schwachsinns-Themen wie das Gendern, die von nützlichen Idioten emotional aufgeladen und gepusht werden. Andererseits gab/gibt es auch echte inhaltliche Gegensätze, ich denke dabei natürlich an mein Lieblingsthema, Corona.
Oder Russland: Unser Feind auf Jahrzehnte hinaus, oder angesichts einer katastrophalen Gasmangellage vielleicht bald wieder ein unverzichtbarer Lieferant, den wir auf Knien anbetteln, damit er die letzte Röhre aufdreht?
Apropos (off topic, aber wichtig): Kurzfristig ist das wahrscheinlich die größte Gefahr.
Wenn im Winter Betriebe schließen, weil das Gas knapp ist oder unbezahlbar, dann hat die AfD demnächst wirklich die absolute Mehrheit, überall.
Zur Grafik: Wir sind im letzten Winter knapp an der 20-Prozent-Marke vorbeigeschrammt, an der genau das passiert: Verbrauchsintensive Betriebe machen Zwangspause. Und jetzt guckt mal, um wieviel tiefer wir in den Herbst starten. Absoluter Wahnsinn.
Inwieweit widerspricht Corona deiner Meinung nach meiner These? Klar war es sehr emotional, aber ich finde, auf eine Weise, die eher zu meiner Trigger-Beschreibung passt. Man hat jetzt auch nicht gerade den Eindruck, dass da öffentlich viel aufgearbeitet wurde, dahingehend, dass die Konflikte, die dort auf aufschienen, auf einer grundsätzlicheren Ebene vertieft wurden. Als der Trigger nicht mehr da war, ist man doch sehr schnell zur Normalität wieder zurückgekehrt.
Du sprichst von einer fehlenden inhaltlichen Polarisierung. Die gab’s während der „Pandemie“ aber durchaus. Sie gibt es auch weiterhin, bei der Aufarbeitung in Enquette-Kommissionen und Landes-Untersuchungsausschüssen. Die finden aber leider wenig öffentliches Interesse…
Es mag einst demokratische Regierungen gegeben haben, die es sich zur Aufgabe machten, die ökonomische Organisation nach den Bedürfnissen ihrer Gesellschaft auszurichten. Eine Regierung à la Merz, Reiche & Co sieht ihre Aufgabe darin, die Gesellschaft nach den Bedürfnissen der Wirtschaftsbosse auszurichten. Das kann nicht gutgehen: Der Neoliberalismus braucht die Demokratie nicht mehr.
Da wundert sich selbst die TAZ, dass “Staaträson” mehr ist als Israelsolidarität und fragt: Was macht das mit dem Land?
Ich habe nur die TAZ-Kolumne zitiert, die sind immer so putzig. @Lymi ja, er weicht schon von der Blattlinie ab, deswegen ist es ganz witzig.
Ich zitiere mal in Länge was anderes
Demokratische wie faschistische Retter der Nation warten umgekehrt mit der Belehrung auf, daß die schlechten Erfahrungen so vieler Zeugnis ablegen vom Verfall der Nation: Sie seien Zeichen für den allgemeinen Notstand, der vor allem Staat und Wirtschaft betreffe; die Heilung dieser leidenden Instanzen, d.h. ihre Stärkung sei vonnöten; dabei dürfe ihnen niemand zur Last fallen. Mit dem billigen Verweis auf “rote Zahlen” in Konzernbilanzen und wachsende “Löcher” im Staathaushalt, und das bei ständig wachsenden “Aufgaben” daheim und in der Welt, werden die “eigentlichen” Probleme definiert. […] In solcher Lage beweist das Volk durch die Solidarität im Opfer, daß es begriffen hat, wie sehr es auf die ihm aufgemachte “Allgemeinheit” angewiesen ist. Die Kritik am Volk wird […] in Form einer Klärung der Schuldfrage abgewickelt.
[aus: Der Faschismus und seine demokratische Bewältigung]
Hier soll es ja um Parallelen gehen, ohne das wir es einem mysteriösem “autoritären Charakter” in die Schuhe schieben müssen…
mmmhhh Rostock Lichtenhagen, Hoyerswerda, Mölln etc. hatten als Ergebnis die ganz demokratische Verschärfung des Asylrechts (auch da musste man schon auf den “besorgten Bürger” hören)… warum sollten jetzt Brände gelegt werden, wenn man mit Grünen, SPD, CDU, AfD schon bekommt, was man will?
gibt aber eine 2025 aktualisierte Auflage. Da ist der Merz schon drin.
Die “Brände” im Osten, sind ja nur die “geschmacklose” Variante, der edle Demokrat richtet “Return Hubs” außerhalb der eigenen Grenzen ein. Da kann man dann in Ruhe nach Nützlichkeit sortieren und muss es nicht zu Hause tun und selbst die AfD schreibt sich “Ordnung und Sicherheit” auf die Fahnen und hat Interesse an geregelten Abläufen, darf Selbstjustiz also nicht dulden (und will ja nur “bestimmte” und nicht “alle” loswerden, die “Bestimmung” überlassen sie auch nicht dem Pöbel.)