Die Corona-Mathe war kaputt

Aus dem “Schmuddelkinder”-Thread:

Die Antwort wurde dann ein bisschen länger…

Die Corona-Mathe war kaputt

Was ich bereue ist, dass ich so leicht vertraut habe.” - Wolfgang M. Schmitt, Januar 2026

Ein Taschenrechner hätte geholfen.” - Claude AI, März 2026

Das Vertrauen auch kritischer Geister in Figuren wie Merkel, Spahn oder gar Bill Gates während „Corona“ war eines der erstaunlichen Phänomene dieser Zeit. Dabei gab es Grund zur Skepsis vom ersten deutschen Fall an: Für den von einer Kollegin aus China angesteckten Webasto-Mitarbeiter im Raum München war die scheinbare „Pandemie“ nämlich nur eine Erkältung. Ein früher Kritikpunkt aus Sicht eines Beobachters mit Taschenrechner konnte sein, dass kontinuierlich steigende Fallzahlen gemeldet wurden, nicht aber, wie oft getestet wurde. Dabei weiß doch jeder: Wer sucht, der findet. Und logisch: Wer mehr sucht, findet mehr.

Was man bislang nicht wusste: Die Anzahl der durchgeführten Tests in Deutschland betrug in KW 11 knapp 130.000, in KW 12 aber fast 350.000. Nicht nur die Zahl der positiv getesteten Fälle hat sich also ungefähr verdreifacht, sondern auch die Menge der Tests. Die tatsächliche Steigerung der Fälle, bezogen auf die Anzahl der Tests, beträgt lediglich einen (!) Prozentpunkt: In Kalenderwoche 11 wurden knapp 6 % der Untersuchten positiv getestet, in KW 12 hingegen 7 %.[1]

Das war schon im März 2020 auffällig. Auch dann, als im weiteren Verlauf der Ereignisse die Zahl der Tests in den RKI-Wochenberichten veröffentlicht wurde, hielt die Aversion der Pandemie-Erklärer in den Medien und der Verantwortlichen in den Institutionen gegen diesen nicht ganz unwichtigen Parameter an. Wer sich dafür interessierte, bekam ihn nicht in täglichen Corona-Updates unter die Nase gerieben, sondern musste selbst danach suchen. Mit der Folge: Die Corona-Mathe war für die allermeisten kaputt, für den Boomer vor der Glotze ebenso wie für so manchen „aufgewachten“ Podcaster.

1. Kaputte Fallzahlen und Inzidenzen

Wer erinnert sich nicht an die sogenannte 7-Tage-Inzidenz? Sie war ab Frühjahr 2020 bestimmend für unser aller Leben und wurde gebildet aus der Anzahl positiver PCR-Tests pro 100.000 Einwohner in einer Woche. Wer bis hier aufmerksam gelesen hat, kann sich denken, was in der Gleichung fehlte.

Die Politik legte Grenzwerte fest, ab welcher Inzidenz was zu tun sei. Problem dabei: Inzidenzwerte konnten steigen oder fallen, auch bei einem real gleichbleibenden Anteil PCR-Positiver – medizinisch inkorrekt oft auch als „Infizierte“ bezeichnet - wenn die Anzahl der PCR-Tests erhöht oder gesenkt wurde. Robert Rockenfeller (Prof. Dr.) von der Universität Koblenz formulierte es kürzlich so: „Der Sprung von einer halben Million zu zweieinhalb Millionen Tests pro Woche schafft allein durch die variierende Anzahl eine fünffach erhöhte Inzidenz — ohne, dass sich das tatsächliche Infektionsgeschehen ändern muss." [2]

Man musste aber wahrlich kein Professor sein, um zu einer solchen Einsicht zu kommen; der Dreisatz (Mathe 7. Klasse) reichte schon. Die sich durch eine simple Division – positive Testergebnisse durch Gesamtzahl der Tests - ergebende sogenannte „Positivrate“ liefert ein viel klareres Bild als die nackten Fallzahlen respektive Inzidenzen.

Die Einfachheit der Lösung legt eine Vermutung nahe: Die Corona-Mathe war nicht nur kaputt, wurde mit voller Absicht zerstört. Zumal es von offizieller Seite nie eine einleuchtende Erklärung für dieses schlampige Vorgehen gab.

V.l.n.r.: Wieler (damals RKI-Chef) Drosten (Pandemie-Erklärer und Lableak-Leugner), Masken-Spahn (heute CDU-Fraktionschef)

2. Alle wurden über einen Kamm geschert

Angenommen, ein Arzt verordnet einem Zwanzigjährigen und einem Achtzigjährigen dieselbe Behandlung – nicht, weil ihre Diagnosen übereinstimmen, sondern weil es einfacher zu handhaben ist. Kein Mensch würde das als wissenschaftlich fundierte Medizin durchgehen lassen. Trotzdem tat man genau das: Man scherte bei Lockdowns und Impfdruck alle über einen Kamm, obwohl die Altersabhängigkeit des Risikos einer schweren Erkrankung an Covid-19 schon früh bekannt war – unter anderem anhand von Daten aus China. [3]

Die ungefähre Tendenz – Alte haben ein erhöhtes Sterberisiko, Jüngere nicht – war schon früh klar. Später wurde sie anhand großer Datenmengen bestätigt: Eine meta-analytische Auswertung von 40 nationalen Seroprävalenzstudien aus 38 Ländern – ausschließlich Daten aus der Zeit vor der Impfung – ergab eine Infektionssterblichkeit von 0,002 Prozent für 20- bis 29-Jährige. Für 60- bis 69-Jährige lag sie bei 0,506 Prozent. Das ist ein Faktor von 250. [4]

Faktor Zweihundertfünfzig! Wer für beide dieselbe Impfempfehlung ausspricht, rechnet entweder nicht – oder will nicht rechnen. Und doch wurde ein enormer Impfdruck aufgebaut, auch auf junge, fitte Menschen; man denke nur an die unsägliche Diskussion um den Fußballer Josua Kimmich. Das führt uns zur kaputtesten Mathe in diesem Aufsatz und in die dunkelste Episode der Corona-Zeit:

3. Herbst 2021, die „Pandemie der Ungeimpften“

In den Protokollen des RKI-Krisenstabs findet sich mit Datum 5. November 2021 folgender Vermerk:

„In den Medien wird von einer Pandemie der Ungeimpfte gesprochen. Aus fachlicher Sicht nicht korrekt, Gesamtbevölkerung trägt bei. Und weiter: Dient als Appell an alle, die nicht geimpft sind, sich impfen zu lassen. Sagt Minister bei jeder Pressekonferenz, vermutlich bewusst, kann eher nicht korrigiert werden“.

Herbst 2021, ca. zwei Drittel der Deutschen waren geimpft. Trotzdem stiegen die Inzidenzen wieder an, höher als je zuvor. Irgendwas konnte da nicht stimmen, wirkte die Impfung etwa nicht? Für skrupellose Politiker wie Spahn und Söder war klar: Die Ungeimpften waren schuld. Oder sie mussten jedenfalls zu Schuldigen gemacht werden:

Aber wer glaubt schon einem Markus Söder…? Für mich war das damals Anlass für mehrere kleine Aufsätze, hier verlinkt…

…und nachstehend kurz zusammengefasst:

Teil 1 – Rechnen wie Söder: Der elende Populist behauptete, Ungeimpfte machten 90 % des Infektionsgeschehens aus. Die Wahrheit hingegen war, dass in der zugrundeliegenden Statistik von ~81.000 Fällen bei über 57.000 der Impfstatus schlicht nicht bekannt war. Söder und sein Landesamt für Gesundheit (LGL) hatten diese Unbekannten kurzerhand den Ungeimpften zugerechnet. Rechnete man sie hingegen den Geimpften zu – was wegen der Mehrheit Geimpfter in Bayern mindestens genauso plausibel war –, erhielt man das genaue Gegenteil: eine „Pandemie der Geimpften". Das zeigt, wie unseriös es war, aus solch lückenhaften Daten politische Schlüsse zu ziehen.

Teil 2 – Rechnen wie die DIVI: Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hatte öffentlich behauptet, Intensivstationen seien überwiegend mit Ungeimpften belegt – hatte aber, wie ihr eigener Präsident Gernot Marx im Bundestag einräumte, gar keine entsprechenden Daten erhoben. Auf Nachfrage antwortete die DIVI-Pressestelle (die interessanterweise an eine externe Consulting-Firma ausgelagert war), man erhebe den Impfstatus noch nicht im Intensivregister, habe das aber zukünftig vor. Hierbei stellte sich die Frage, nach welchem Kriterium man künftig als „geimpft" gezählt werden sollte – etwa ob ein Achtzigjähriger, der vor knapp einem Jahr geimpft worden war und wegen nachlassender Impfwirkung wieder niedrige Antikörperwerte hatte, als „ungeimpft" gelten sollte, wie eine Äußerung des wissenschaftlichen Leiters der DIVI nahelegte.

Teil 3 – Rechnen wie das RKI: Auf Basis des RKI-Wochenberichts vom 2. Dezember 2021 wurde gezeigt, dass auch dort eine massive Dunkelziffer bestand: Die nach Impfstatus aufgeschlüsselten Intensivpatienten (rund 1.700) deckten nur etwa die Hälfte der tatsächlich erfassten Intensivpatienten ab (~3.250). Je nachdem, welcher Gruppe man die Unbekannten zurechnete, schwankte der berechnete Anteil der Impfdurchbrüche zwischen 18 und 65 Prozent – und damit die rechnerische Impfwirksamkeit nach der vom RKI verwendeten Farrington-Formel zwischen 7 und 89 %. Ein solches Ergebnis ist wertlos. Das RKI verschwieg diese Unsicherheit in seinen Berichten und präsentiere stattdessen Wirksamkeitswerte von über 80 %. Kaputte Mathe im Endstadium!

4. Brockmanns Modelle – kaputte Mathe rein, Müll raus

Erinnert sich jemand an den Physiker Dirk Brockmann? Der tingelte damals mit seinen Modellierungen durch die Talkshows, war auch zweimal bei „Jung & Naiv“ zu Gast. Im Herbst/Winter 2021 hatte er die Mission, der „Pandemie der Ungeimpften“ einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Über das für diesen Zweck erschienene Paper berichtete er bei J&N wie folgt:

https://www.youtube.com/watch?v=TH5I_6cQF8g

[1:08:20] Also, wenn man zwei Gruppen hat von Menschen, Geimpfte und Ungeimpfte, dann können ja Geimpfte Ungeimpfte anstecken, Geimpfte können Geimpfte anstecken, Ungeimpfte können Geimpfte anstecken und Ungeimpfte können Ungeimpfte anstecken. Es gibt sozusagen eine Torte mit diesen Möglichkeiten.

[1:14:16] Und man kann diese Zahlen, aus diesen vier Tortenstücken verschiedene Dinge sagen, also zum Beispiel, dass [bei] 80 bis 90 Prozent aller Ansteckungen ist eine ungeimpfte Person involviert, entweder als Ansteckende oder als Angesteckte.

Diese 80 bis 90 Prozent wurden damals auch von der Presse eifrig kolportiert. [5]

Ein wissenschaftlicher Beweis für die Pandemie der Ungeimpften? Schauen wir uns das mal genauer an.

Zunächst ein Gedankenexperiment. Die Hälfte der Bevölkerung sei geimpft, die Impfung sei aber völlig wirkungslos. Dann lässt sich anhand von Brockmanns Tortendiagramm intuitiv sagen: An 75 Prozent, also 7 bis 8 von 10 Übertragungsvorgängen, ist mindestens ein Ungeimpfter beteiligt.

Das Gleiche ließe sich natürlich auch über die Geimpften sagen, alle Tortenstücke sind ja gleich groß. Die manipulative Absicht der Formulierung “ist beteiligt” ist in diesem Beispiel unmittelbar ersichtlich.

Erhöht man jetzt die Impfwirkung, dann verändert sich das Bild zu Ungunsten der Ungeimpften. Verringert man deren relative Anzahl (mehr Menschen sind geimpft), dann wird ihr Anteil am Infektionsgeschehen wieder kleiner. Problem: Die Impfwirkung war unbekannt. Im vorigen Kapitel hatten wir ermittelt, dass sie irgendwo zwischen „fast wirkungslos“ (7 %) und „super effektiv“ (89 %) lag. Natürlich musste Brockmann sein Modell mit einer sehr guten Impfwirkung füttern, um auf sein oben zitiertes Ergebnis zu kommen.

Eine solche Modellierung ist genauso wertlos wie die Impfeffektivitäten des RKI und nur geeignet, auf Basis passend gemachter Annahmen Stimmung zu erzeugen. Populismus pur mit wissenschaftlichem Anstrich.


Der Aufsatz ist schon viel zu lang. Was noch fehlt ist die DIVI-Betten-Arithmetik (Spoiler: Es gab immer freie Betten) und ein Kapitel über das Versagen des PEI (Paul-Ehrlich-Institut, verantwortlich für Impfstoffsicherheit) bei der Nachverfolgung der Impf-Nebenwirkungen. Eine Auswertung der SaveVac-App liegt bis heute nicht vor, was die Frage aufwirft: Wirklich fehlende Kapazitäten, wie vom PEI behauptet, oder passen die Ergebnisse nicht?

Persönliche Schlussbemerkung:

Jeder hat die Corona-Zeit anders erlebt. Wer einen Angehörigen an oder mit Corona verloren hat, der hatte eine andere Sichtweise als ich, der das alles beobachtete, aber den es real kaum tangiert hat. Ein bisschen mulmig wurde mir erst, als der Tübinger Faschist Boris Palmer offen eine „Beugehaft“ für Impfzögerer in die Diskussion einbrachte und das keinen veritablen Shitstorm auslöste. Kurz darauf bekam ich aber glücklicherweise (?!) einen positiven PCR-Test und damit den Genesenen-Status für 3 Monate. Dann kam der Frühling und der Spuk war vorbei – ein Jahr später als in den meisten anderen Ländern.

Sicher ist: Die Dunkelziffer gehört zur Statistik wie das Amen in die Kirche. Sie ist kein Problem, wenn sie offen kommuniziert wird – aber das geschah nicht. Oder hat jemand jemals Spahn, Merkel, Lauterbach – oder Drosten! – über die Dunkelziffer bei der Erfassung des Impfstatus reden hören? Wohl kaum. Stattdessen wurde sie genutzt, um die Deltawelle möglichst schlimm aussehen zu lassen, einen „Lockdown für Ungeimpfte“ zu fordern und den Impfdruck zu erhöhen bis hin zur einrichtungsbezogenen und - um ein Haar eingeführten - allgemeinen Impfpflicht. Über die Motive mag ich hier nicht spekulieren; Bill Gates hat wohl einen ganz guten Schnitt gemacht mit BioNtech/Pfizer Aktien.

Apropos Bill Gates: Mit seinem Auftauchen in den Epstein-Files im Januar dieses Jahres schloss sich für mich ein Kreis, der am Ostermontag 2020 mit seinem bizarren Auftritt in den Tagesthemen begann. [6]

Quellen und Links:

[1] https://multipolar-magazin.de/artikel/coronavirus-irrefuhrung-fallzahlen

[2] https://www.uni-koblenz.de/de/mathematik-naturwissenschaften/mathe/aktuellesnachrichten/meldungen/studie_corona_infektionshaeufigkeit

[3] https://weekly.chinacdc.cn/en/article/id/e53946e2-c6c4-41e9-9a9b-fea8db1a8f51

[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36341800/

[5] https://www.spektrum.de/news/simulation-drei-viertel-aller-infektionen-gehen-von-ungeimpften-aus/1955194
[6]

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@tillsc, du hast mir ein paar Links gegeben, um dein eingangs zitiertes Statement zu untermauern:

Von Holland nach Deutschland verlegte Patienten taugen schlecht als Beweis für eine Überlastung hierzulande, im Gegenteil. Und eine Schlagzeile von einer „drohenden Überlastung“ ist noch keine Überlastung. Tatsächlich gab es hier immer freie Betten, sowohl echte als auch die sogenannte „Notreserve“. Was allerdings fehlte war Personal; das wurde tatsächlich weniger im Verlauf des Jahres 2021. Aber das ist in erster Linie eine Frage der Gesundheitspolitik, vielleicht auch eine Folge der sektoralen Impfpflicht, und weniger der Epidemiologie.

Daten: RKI via GitHub, Grafik: Claude AI

Die Behauptungen bezüglich einer “Pandemie der Ungeimpften” haben wir oben abgehandelt. Und Jüngere auf Intensiv in der vierten Welle? So etwas wurde bereits in der dritten herbeifantasiert: https://mazemusic.de/?p=317

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Mir kamen die Zahlen damals auch fishy vor. Ich hab trotzdem mitgemacht.

Weil es die bequeme Position war. Und weil nach Monaten Lockdown, Maske, Kontaktbeschränkungen und diesem permanenten Grundrauschen aus Angst und Genervtheit mehr als bequem einfach nicht mehr drin war.

Kritisches Denken ist nicht kostenlos. Es verbraucht Energie, erzeugt sozialen Konflikt, und es hatte 2021 keinen erkennbaren Payoff. Selbst wenn ich die Inzidenz-Mathe zerlegt hätte — was dann? Ich hätte mich nicht aus dem Lockdown rausrechnen können. Die Regeln wären dieselben geblieben. Ich hätte nur gewusst, dass sie auf wackliger Basis stehen, und das hätte den Alltag nicht leichter gemacht, sondern schwerer.

Also hab ich in den Nachrichten gesehen: OK, es wird sich nicht geimpft, dauert also noch länger. Und war entsprechend genervt von den letzten gallischen Dörfern. Ohne das hinterfragt zu haben. Der Lockdown hat Erschöpfung produziert. Und Erschöpfung erzeugt Compliance zuverlässiger als jedes Argument.

Meine Wut auf die Ungeimpften war, rückblickend betrachtet, umgeleiteter Lockdown-Frust. Der Druck kam von oben — Regierung, Verordnungen, Polizeikontrollen — aber die Wut ging nach unten, auf die Leute, die angeblich schuld waren, dass der Druck nicht aufhört. Klassische Dynamik: Bloss tun was die Mächtigen verlangen, damit es vorbei ist.

Wer monatelang compliant war, erlebt Dissidenz als Entwertung des eigenen Opfers. Ich hab das alles mitgemacht, und du machst es kaputt. Sunk-Cost-Logik, emotional aufgeladen. Am extremsten bei den Pflegekräften, die ihre schweißtreibende Arbeit im Raumanzug verrichten durften: Die hatten den höchsten Preis gezahlt und entsprechend die geringste Toleranz für Widerspruch. Weil Widerspruch ihre Opfer entwertet hätte.

Danach ist nichts passiert. Keine Konsequenzen. Spahn ist Fraktionschef. Die kaputte Inzidenz-Kommunikation hatte keine Kosten. Die DIVI hat ohne Daten Behauptungen aufgestellt und niemand hat nachgehakt. Die Lektion für jeden, der Macht ausübt: Es geht. Die Bevölkerung pocht nicht auf saubere Zahlen, sie pocht auf ein Ende des Drucks.

Institutionen und Akteure lernen empirisch, was funktioniert. Und drei Dinge haben funktioniert: Compliance durch Erschöpfung erzeugen. Die Wut der Erschöpften auf eine Minderheit umlenken. Mit defekten Daten Politik machen, ohne dass es Konsequenzen hat.

Die fossile Industrie arbeitet seit Jahrzehnten mit derselben Struktur wie die kaputte Corona-Mathe: Du brauchst keine Lüge, du brauchst nur genug Rauschen in den Daten, damit die bequeme Interpretation plausibel bleibt.

Trump hat die Ebene verschoben. Merz profitiert von derselben Dynamik: Nach Jahren Krisenmodus ist der Typ im Anzug, der sagt er macht das schon, die pflegeleichteste Option. Das ist Erschöpfungskapitulation.

Und die demographische Dimension: Die politische Infrastruktur, die zum Schutz der Alten aufgebaut wurde, hat die Jungen überproportional belastet. Blockierte Bildung, blockierte Sozialisation, blockiertes Leben. Jetzt nutzt dieselbe demographische Mehrheit ihre Wahlmacht für Klimablock und Besitzstandswahrung. Die Jungen zahlen wieder. Andere Krise, selbes Playbook.

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Danke, Du hast tatsächlich genau das in Worte gepackt, was ich mitlerweile rückwirkend an mir beobachtet habe. Ich wollte, dass das alles ein Ende hat, das ich mein Leben wieder leben durfte anstatt eingesperrt zu sein. Und da bot man mir einen einfachen Ausweg. Natürlich habe ich auch damals nach Fakten gesucht, Statistiken gewälzt so die denn verfügbar waren, aber entweder habe ich vieles einfach übersehen oder die Daten waren noch nicht öffentlich bekannt und danach habe ich dann vieles für bare Münze genommen.

Was mich, wie Dich ja auch anscheinend, aufregt, ist, dass es null Konsequenzen für die politisch Verantwortlichen hatte. Und ich bin mir relativ sicher, sollte es ein ähnliches Szenario wieder geben, wird sich alles wiederholen. Es gibt keine Aufarbeitung und Erkenntnisse in der breiten Öffentlichkeit.

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Ich war, obwohl geimpft, nie sauer auf Ungeimpfte. Nur, daß die Kunst geschreddert wurde.

Vielleicht sind manche beim nächsten Lockdown besser vorbereitet, was Geselligkeit und so angeht.

Es war jedenfalls ein Fehler, die Livestreams kostenlos anzubieten, oder?

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Ich war, obwohl ungeimpft, auch nie sauer auf Geimpfte. Wäre auch ganz schön dämlich: Frau, Familie, Band, 3/4 der Arbeitskollegen - alle geimpft. Gerade fällt mir ein: Irgendein Ausspruch meines Vaters, meine fehlende Impfung betreffend, hat mich damals sehr geärgert. Ich weiß aber nicht mehr, was es war. Gut so. Weg damit.

Zu den Live-Streams kann ich wenig sagen. Vielleicht lag der Fokus darauf, mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben? Man müsste Leute fragen, die das praktiziert haben, ob es sich für sie gelohnt hat.

Hast du noch deine Les Paul? Goldtop, richtig?

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@Syd Jo

Aber ich spiele wenig. Hat sich auch zu Coronazeiten geändert, leider. Die Les Paul hatten zwischendurch die Neffen. Vielleicht haben die ein bisschen was gelernt. Ich hab ja noch die Fender.

Gerade mach ich nur Kirchenmusik. Neuestes Steckenpferd.

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@fdoemges , @Ermel

Danke für euer Feedback! Das ist schon irgendwie nachvollziehbar, endlich Ruhe haben wollen, zurück zur Normalität. Zumal ich die Diskussion ja auch kenne: Können wir jetzt WEGEN MIR keine Auftritte mehr spielen? Der Vorwurf stand mal im Raum. Ironie des Schicksals: Der ihn geäußert hatte, fing sich ein paar Wochen später das Virus ein, wir mussten deswegen einen unserer ohnehin seltenen Gigs absagen. Kurz darauf war dann eh alles wieder dicht.

Die Ironie geht weiter, jetzt gar nicht mehr lustig: Zwei Wochen nach dem Infekt, der für ihn kaum mehr war als eine Erkältung, ging es mit dem doppelt geimpften Kollegen bergab. „Brainfog“, Wortfindungsstörungen, andauernde Müdigkeit. Ärzte diagnostizierten eine frühzeitige Demenz. Was macht das mit einem, Ende Vierzig, wenn der eigene Vater tatsächlich an/mit Demenz gestorben ist? Erst nach Monaten kamen sie auf „Long Covid“. Wie gesagt, ein paar Monate vorher 2 x geimpft… Inzwischen geht es ihm aber wieder gut.

Was mich sauer machte: Das nahezu vollständige Versagen der Medien, große und kleine.

Die wenigen Ausnahmen sind dadurch umso wertvoller.

Übrigens schaltet der gute Claude, wenn ich ihm meinen Text zum Lesen gebe, voll in den Debunking-Mode. :smiley:

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Kann auch von der Impfung sein.

Hatte ich auch, wenn auch nicht so heftig.

@Lymi

Post Vac.

Auch so ein Versagen der Mediziner: Das mit Long Covid in einen Topf geworfen zu haben. Ich erinnere mich noch an einem Talk im SWR, da riet der damalige Stiko-Chef (!) Mertens einer jungen Frau mit Impfschaden, sich als Long-Covid-Fall auszugeben, damit ihre Behandlungskosten von der Krankenkasse übernommen werden.

Nachtrag: Claude fand die Sendung und korrigierte mich: Der Ratschlag erfolgt nicht so explizit wie von mir suggeriert, sondern mehr durch die Blume:

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Ich bin gar nicht erst beim Arzt gewesen. Die Impfung war ja ne heilige Kuh.

Im Nachhinein war das dumm, aber ich war so sauer.

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