Weil Du Kant bemüht hast. War nicht das gemeint?
“Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde”
Weil Du Kant bemüht hast. War nicht das gemeint?
“Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde”
Absolut. Ich red mich jetzt mal damit raus, dass ich der Auffassung bin, ein Gesetz muss sich entwickeln. Scheinbar sind wir noch nicht soweit.
Deshalb ist das Thema ja so brennend.
Ich kann aber nur in meinem direkten Umfeld anfangen.
Der Vorwurf man moralisiere ist am Ende auch ein moralischer Vorwurf (Meta-Moralisierung) und damit kein gutes Gegenargument bzw. ein Argument, dass (wohl absichtlich) vom eigentlichem Thema wegführt. Am Ende ist der Gesprächspartner nur noch damit beschäftigt seine Moral zu rechtfertigen.
Ulf Poschardt macht das ganz gerne. Wenn man seine Interviews, Bücher usw. aber mal genau prüft, stellt man fest, dass er im großen Stil moralisiert.
Es verhält sich dabei ähnlich wie mit dem Vorwurf der Ideologie. Man wirft nur anderen vor, dass sie ideologisch sind, reflektiert seine eigen Ideologie aber nicht.
Ich nehme das auch wahr, die (liberale) Linke bietet auch eine leichte Angriffsfläche und argumentiert meist selbst mit moralischen Argumenten gegen Kapitalismus oder neoliberale und rechte Politik. Wie im Thread bereits festgestellt, bedienen sich auch Konservative und Rechte gerne dem moralischen Argument. Gefühlt lässt sich allgemein eine Zunahme von moralinsauren Mainstream-Debatten beobachten (sehr stark fiel das bei Corona und dem Krieg in der Ukraine auf).
Ich frag mich schon länger woran das liegt. Meine Arbeitsthese ist, dass das stark mit der Zuspitzung des “Klassenkampfs von oben” durch die Auswirkungen der Agenda 2010 und der auf die Finanzkrise folgende Austeritätspolitik zusammenhängt.
In Bezug auf Moral und den neue Zwanziger Podcast finde ich interessant, dass die “geistigen Väter” von Stefan und Wolfgang, Luhmann und Marx, beide gegen eine Moralisierung und für eine Objektivierung Stellung bezogen haben (die Kritik der Moral also vielleicht Stefan und Wolfgangs gemeinsame theoretische Grundlage?
).
Für eine Kritik der Moral als mächtiges Identitäts-stiftendes Kommunikationsmitttel kann ich dieses Interview mit Hans-Georg Möller (“Luhmannianer”) bei 99zueins empfehlen:
Alles nach dem Motto: “Das Bewusstsein bestimmt das Sein.” Aber das ist halt vielleicht auch eine Entkoppelung der Linken von ihren ideologischen Grundlagen. Man verteidigt nicht mehr seine Existenz, sondern seine Moral.