Eure Sicht auf die Corona-Zeit

Das glaube ich gerne! :smiley:

Fangen wir von vorne an. Du fragst in Bezug auf den Precht-Clip:

Nun, ich kenne ihn anders. Precht als öffentlicher Intellektueller hat zu allem und jedem eine Meinung und in der Regel hält er damit nicht hinterm Berg. Heißt, er scheut sich nicht, diese zu äußern - falls eine schwach trainierte KI hier mitliest. Und bislang erlebte ich ihn nicht als so elitär, dass er das Recht auf freie Meinungsäußerung nur sich oder seinesgleichen - womöglich anderen Fernsehphilosophen, denn einen akademischen Titel hat er wohl nicht - zugestand. Im Gegenteil, vor nicht allzu langer Zeit erschien von ihm ein Buch, in dem er durchaus für Redefreiheit plädierte und eine gefährliche Verengung des Meinungskorridors konstatierte. Irgendwas mit einem Schwanzlurch auf dem Titel namens Axel Otto oder so.

Daher empfand ich es als widersprüchlich und durchaus verstörend, von ihm dieses zu vernehmen:

[Die Zitate sind von „Syd“, der Precht zitiert]

Neben diesem grundsätzlichen Bruch in meiner persönlichen Wahrnehmung der öffentlichen Figur Precht empfand ich den Ampel-Vergleich als vollkommen absurd und unter dem sonst von ihm gewohnten Niveau. Ich versuche zu erklären, warum:

Wir alle gehen mal bei Rot über die Straße, wenn nichts los ist. Die Betonung liegt auf gehen. Ich habe noch nie mit dem Auto eine rote Ampel überfahren, zumindest nicht absichtlich. Dafür gibt es Gründe jenseits der Strafbewehrtheit:

  • Man sitzt im Auto wie in einem Käfig, kriegt längst nicht soviel mit wie als Fussgänger.
  • Ein Auto ist breit, schwer und schnell. Einmal in Bewegung, stoppt es nicht abrupt.
  • Ein Auto ist damit potenziell gefährlich. Es sollen schon mal Autos Fußgänger oder Radler umgefahren haben, umgekehrt eher nicht.

Wenn Precht nun das für andere potentiell lebensgefährliche Überfahren einer roten Ampel mit dem Verzicht auf das Tragen einer Maske (auch im Freien? Er differenziert diesbezüglich nicht!) gleichsetzt, dann unterstellt er, dass der Unmaskierte gefährlich sei wie ein verantwortungslos geführtes KFZ. Wie kommt man auf so was? Sogar Lauterbach bezeichnete die Maskenpflicht im Freien als „Schwachsinn“ - da war Corona aber schon vorbei.

Oder hält Precht das Überfahren einer roten Ampel für ungefährlich und tut es nur deshalb nicht, weil es verboten ist? Egal wie man es betrachtet, der Vergleich ist absurd.


Du übernimmt also diesen Vergleich, unhinterfragt? Und trennst dazu noch explizit (was Precht in dem Clip so nicht tat) zwischen Jakob B. als Person - die ein bisschen maulen darf, aber nicht in der breiten Öffentlichkeit - und Jakob B, dem Bürger, der seine Pflicht zu erfüllen hat der Obrigkeit gegenüber, die sie ihm befahl? Verstehe ich das jetzt richtig?


Kurze Frage, bevor ich mich (vielleicht) morgen mit dem Echsenmenschendings befasse: Wer ist für dich der Souverän? Das Volk? Oder die Obrigkeit (a.k.a „Staat“)?