Eure Sicht auf die Corona-Zeit

und ich muss leider nochmal kurz rein:

das bestätigt meine These zum Staatsverständnis in diesem weiteren Detail: Mediziner, die als Mediziner handeln machen sich als Mediziner strafbar wenn sie falsche medizinische Behandlungen vornehmen (Kochsalz statt Impfung), oder falsche Aussagen über den Gesundheitszustand machen (gefälschte Maskenzertifikate).

Notwehr ist als privater Ersatz für das staatliche Gewaltmonopol gedacht und kein Abwehrrecht von Berufsgruppen oder Privatpersonen gegenüber dem Staat. Die Schweigepflicht von Medizinern ist ein Abwehrrecht gegen den Staat.

Jetzt kann man eine imaginäre Dienstreise und persönliche Notwendigkeiten anführen, es ändert nichts an dem Prinzip.

und um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe keine persönlichen Bestrafungswünsche oder Anpassung des Bestrafungsumfanges geäußert. Ich habe strafbares Handeln in der Berufsausübung in Abgrenzung zu privater Notwehr beschrieben.

Corona gab’s für mich nicht. In einem 300 Seelen Dorf in Brandenburg kann man sich ganz wunderbar mit anderen Dingen beschäftigen. Ich hab mich sehr über meine damaligen Kollegen gewundert, die in Berlin saßen und nur per Video Call erreichbar waren, was mich nur sehr selten gestört hat: alle im Lockdown, trotzdem gut geübt systemisch resilient super Produktiv. Ich hab mich eigentlich die ganze Zeit gewundert was das mit meinem Umfeld gemacht hat. Die einen erwacht, die anderen Staatstreu. Hab ich einfach nicht verstanden.
Mein Jüngster hat diese Zeit genossen weil er nicht mit irgendwelchen Dorftrottelkindern in einem Klassenraum zubringen musste, er hat in der Zeit Englisch sprechen und sich selbst zu organisieren gelernt.
Ich fand die leeren Straßen Wahnsinn, die Leute beim Einkaufen mit Masken am Kinn waren glaube ich das einzige Ärgernis insgesamt.
Ich war total Mainstream, zumindest laut denen die Masken am Kinn getragen hatten, aber ich hatte mich gar nicht so eingeordnet, aber da muss wohl was dran gewesen sein…
Meine Einstellung zu solch wichtigen Dingen wie Staat oder System hat sich nicht verändert. Ich fand das schon immer blöd.

Was mich wirklich nachhaltig verändert hat, war eine bis heute andauernde Auseinandersetzung im familiären Bereich.
Ich weiß jetzt wie ich mit entgegengesetzten Haltungen, Meinungen, Perspektiven, Lebensweisen umgehen kann ohne irgendeine Vision oder Mission an mein gegenüber adressieren zu müssen. (Ausnahmen bestätigen die Regel)
Lustigerweise hat es mich auch dadurch hier in diesen sehr Produktiven Ort angespült. Podcasts wurden damals für mich einzige Informationsquelle weil der Rest kaputtgegangen ist, sofern das jemals funktioniert hat.

Also, im persönlichen (menschlichen @JakobB) gab es große Veränderungen der Rest war Beiwerk oder unwichtig.

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Das glaube ich gerne! :smiley:

Fangen wir von vorne an. Du fragst in Bezug auf den Precht-Clip:

Nun, ich kenne ihn anders. Precht als öffentlicher Intellektueller hat zu allem und jedem eine Meinung und in der Regel hält er damit nicht hinterm Berg. Heißt, er scheut sich nicht, diese zu äußern - falls eine schwach trainierte KI hier mitliest. Und bislang erlebte ich ihn nicht als so elitär, dass er das Recht auf freie Meinungsäußerung nur sich oder seinesgleichen - womöglich anderen Fernsehphilosophen, denn einen akademischen Titel hat er wohl nicht - zugestand. Im Gegenteil, vor nicht allzu langer Zeit erschien von ihm ein Buch, in dem er durchaus für Redefreiheit plädierte und eine gefährliche Verengung des Meinungskorridors konstatierte. Irgendwas mit einem Schwanzlurch auf dem Titel namens Axel Otto oder so.

Daher empfand ich es als widersprüchlich und durchaus verstörend, von ihm dieses zu vernehmen:

[Die Zitate sind von „Syd“, der Precht zitiert]

Neben diesem grundsätzlichen Bruch in meiner persönlichen Wahrnehmung der öffentlichen Figur Precht empfand ich den Ampel-Vergleich als vollkommen absurd und unter dem sonst von ihm gewohnten Niveau. Ich versuche zu erklären, warum:

Wir alle gehen mal bei Rot über die Straße, wenn nichts los ist. Die Betonung liegt auf gehen. Ich habe noch nie mit dem Auto eine rote Ampel überfahren, zumindest nicht absichtlich. Dafür gibt es Gründe jenseits der Strafbewehrtheit:

  • Man sitzt im Auto wie in einem Käfig, kriegt längst nicht soviel mit wie als Fussgänger.
  • Ein Auto ist breit, schwer und schnell. Einmal in Bewegung, stoppt es nicht abrupt.
  • Ein Auto ist damit potenziell gefährlich. Es sollen schon mal Autos Fußgänger oder Radler umgefahren haben, umgekehrt eher nicht.

Wenn Precht nun das für andere potentiell lebensgefährliche Überfahren einer roten Ampel mit dem Verzicht auf das Tragen einer Maske (auch im Freien? Er differenziert diesbezüglich nicht!) gleichsetzt, dann unterstellt er, dass der Unmaskierte gefährlich sei wie ein verantwortungslos geführtes KFZ. Wie kommt man auf so was? Sogar Lauterbach bezeichnete die Maskenpflicht im Freien als „Schwachsinn“ - da war Corona aber schon vorbei.

Oder hält Precht das Überfahren einer roten Ampel für ungefährlich und tut es nur deshalb nicht, weil es verboten ist? Egal wie man es betrachtet, der Vergleich ist absurd.


Du übernimmt also diesen Vergleich, unhinterfragt? Und trennst dazu noch explizit (was Precht in dem Clip so nicht tat) zwischen Jakob B. als Person - die ein bisschen maulen darf, aber nicht in der breiten Öffentlichkeit - und Jakob B, dem Bürger, der seine Pflicht zu erfüllen hat der Obrigkeit gegenüber, die sie ihm befahl? Verstehe ich das jetzt richtig?


Kurze Frage, bevor ich mich (vielleicht) morgen mit dem Echsenmenschendings befasse: Wer ist für dich der Souverän? Das Volk? Oder die Obrigkeit (a.k.a „Staat“)?

Da ich selbst ein Stubenhocker bin hat mich das persönlich insgesamt nicht weiter eingeschränkt.

Im Gegenteil. Davor hatte ich über mehrere Jahre beim Mitarbeitergespräch statt einer Gehaltserhöhung immer Mal einen Tag mehr Home Office herausgearbeitet. Und durch Corona konnte ich dann direkt auf 5 Tage springen.

Gleichzeitig fand ich insgesamt erschreckend die Reaktionen, Hamsterkäufe, Hobby Stasi die mich mit dem Kind auf einem abgesperrten Kinderspielplatz angepöbelt hat, am Arsch der Welt, kein Mensch, auch vor Corona. Also die Live Vorführung der Leute die nur darauf warten dass es Restriktionen gibt die man überwachen kann.

Ich habe verstanden und angenommen, dass es keine großen Menschen Mengen geben sollte. Aber das stumpfe durchführen, das hat mich schon genervt. Nicht unbedingt wegen Einschränkung, sondern wegen der Dummheit und der offensichtliche Macht Verschiebung zu mindestens in den Köpfen der Hobby Wärter. Leute die Zählen, ob beim Nachbarn zu viele Menschen in die Wohnung kommen usw.

Man kann über die Regierung und ihre Entscheidung und Korruption denken was man will. Für mich war eher das Bild der Gesellschaft aussagekräftig.

Interessant finde ich vor allem, dass durch Corona viele Leute einen Knacks bekommen haben. Oder vielleicht auch nur bestehende offengelegt.

Besonders Serdar Somuncu, den ich früher sehr respektiert habe, ist danach komplett weggedriftet.

Ganz zu schweigen von den Kindern. Meiner ist zum Launch eingeschult worden mit Maske usw. Hat sicher nicht geholfen ein positives Bild zum anachronistisch Preußen Schulsystem zu bekommen.

Was ich auf lange Sicht besonders interessant finde ist dass die Bürger aber daraus null Reflexion gezogen haben. Von Regierung erwartet man ja eh nix.

Weiter scheißen wir auf Probleme der Tierhaltung, Klimakrise, ja die hat erstmal mit Pandemie nix zu tun , aber wenn das einschlagen wird, kann man sich ggf vorstellen wie Wasserverteilung usw geregelt werden.

Aber besonders bezeichnend finde ich das Unvermögen die Haltung," ich habe Nix zu verbergen" in Kontext Überwachung Staat abzulegen. Das ist meiner Meinung die größte kognitive Dissonanz. Ich konnte es vor dem Corona live Rollenspiel noch irgendwie verstehen. Aber jetzt zu beanstanden wie der Staat macht ausgeübt hat und gleichzeitig zu denken es gäbe nichts zu verbergen:)

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Rechtsdogmatisch ist das wohl zutreffend. Andererseits zeigt sich an der de-facto Impfpflicht durch 2G/3G und besonders an der einrichtungsbezogenen Impfpflicht - von der du möglicherweise selbst betroffen warst als systemrelevant Tätiger? - ein strukturelles Problem. Das BVerfG bestätigte ihre Rechtmäßigkeit im Frühjahr 2022, ich schreib dazu hier ein paar Takte: Karlsruhe liegt auf einem anderen Planeten – MazeMusic

Kurz: Impfdurchbrüche waren damals an der Tagesordnung, der Fremdschutz somit dahin. Das BVerfG ignorierte das geflissentlich und stützte sein Urteil auf veraltete Daten des RKI.

Und hier zeigt sich ein strukturelles Problem:

Die Impfpflicht war politisch gewollt. Eine der Politik unterstellte Behörde - RKI, dem BMG unter Spahn/Lauterbach unterstellt - lieferte die medizinischen Daten dafür. Sie tat das, und die Kehrtwende nach Bekanntwerden der Impfdurchbrüche erfolgte unendlich langsam. Diese waren wissenschaftlich belegt seit Sommer 2021 (Daten aus Israel), aber noch im Oktober unterstützte das RKI öffentlich die Idee einer „Pandemie der Ungeimpften“ (Brockmann-Studie) - obwohl die interne Diskussion das nicht trug (RKI-Protokolle).

Das BVerfG wiederum schaut auf diese Behörde (und vielleicht auch auf das PEI, gleiche Struktur) und stützt sein Urteil auf dessen Daten.

Politik (BMG) → RKI/PEI → Justiz (u.a. BVerfG)

Und der Bürger? Ihm bleibt der Rechtsweg, Klage gegen Impf- und Maskenpflicht aber… Welche Chancen hat eine solche Klage innerhalb dieser Struktur?

Sehr schön, und ich unterstütze eine Amnestie, zumindest eine Überprüfung aller damals gegen Ärzte und Betroffene gefällten Urteile. Bei entsprechendem politischem Willen wäre das machbar und meines Wissens will das auch das BSW.

So ungefähr, ja? Wir tauschen unsere unterschiedlichen Standpunkte aus und Mitleser können prüfen, welche für sie die valideren sind. Man nennt das Diskussion.

Außerdem herrscht mir hier bisweilen zu viel KI-generierte Harmonie. :wink:

Apropos: Was sagt die Gegenmacht zur BMG/RKI/BVerfG-Struktur, @Ernst ?

Interessanter Fall. Der war total auf Linie, als er noch mit Florian Schröder zusammen war. Dem Brüggemann (#allesdichtmachen) unterstellte er im damals üblichen Duktus, ein Rechter zu sein („Blaue Stunde“, suche ich jetzt nicht raus). Später dämmerte ihm dann, dass er auf dem Holzweg war, aber klüger wurden seine Beiträge dadurch nicht.

Es fällt mir echt schwer irgendwelche „klugen“ Äusserungen von irgendwem in meiner Erinnerung zu finden. Eingeschlossen meiner eigenen.

Ich habe die Sache zunächst nicht ernst genommen: Mir schien, dass es jeden erwischen wird und die Wahrscheinlichkeit daran zu sterben schien mir gering. Als man dann in anderen Ländern gesehen hat, welche Folgen die Seuche hat und die Zahlen mal durchgerechnet wurden, wurde mir klar, wie desaströs die Sache werden könnte bzw. würde.

Danach habe ich die Sache ernst genommen. Mir schien die Reaktion unserer Regierung auch - zumindest in der Anfangszeit - recht angemessen. Unter unvollständigen Informationen und erheblichem politischen Druck wurde gehandelt. Immer optimal? Sicher nicht - aber wo gehobelt wird fallen Späne. Im weiteren Verlauf wurde die Sache dann komplizierter und es wurden m.E. unappetitliche Dinge bezüglich der Prioritätensetzung unserer Politiker deutlich: Alles für die Wirtschaft - Kinder halten das schon aus.

Nach dem ersten Lockdown war meine Einstellung/Einschätzung, dass die unmittelbaren Folgen (also Menschen, die erkranken und daran sterben oder auch nicht) das eine und die gesellschaftlichen Folgen eine andere Sache sind. Ich habe mir damals vor allem Sorgen gemacht, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis man irgendwelche Sündenböcke an die Laternenpfähle hängt.

Es wurden vor allem auch Bruchstellen in unserer Gesellschaft klar. Einige Streiflichter:

  • “Corona-Demo”: Ich dachte mir, ich gehe da mal hin, um zu sehen, wie das aussieht. Auf der Bühne stand irgendein Vollhonk der den Leuten irgendwas über “die Kräfte des Lichtes” und “Merkel-Lügen” erzählte und dass man eigentlich gar nichts von der modernen Medizin braucht: Man muss sich nur in Felle kleiden und irgendwelche Vitamintablette fressen die - Überraschung - auf seiner Webseite vertrieben werden. Mir lief es kalt über den Rücken, hunderte von Menschen zu sehen, die das zu jubeln beginnen.
  • parlamentarischer Ausschuss beschäftigt sich mit der schwierigen Situation der Eventbranche. Ein Verbandsvertreter steht vorne und erzählt, dass man ja nicht viel erwarten würde: Wenn man jedem Selbstständigen aus der Branche pro Monat 2.000 Euro überweist, sei das ja nun wirklich bescheiden und das Allermindestes und keine große Sache.
  • Milliarden gehen in die Unterstützung börsennotierter Unternehmen - die prompt Dividende ausschütten.
  • Beifallsbekundungen für Pflegekräfte, die mir sofort wie der blanke Hohn vorkamen: Klatschen ja - echte Unterstützung und strukturelle Änderungen? Never, ever, ever…
  • Gewaltvorfälle an Tankstellen, weil jemand sich weigerte eine Maske zu tragen. Leute die abgleiten und behaupten, dass der Staat die Coronamaßahmen niemals zurücknehmen würde und “die andere Seite” ja gar nicht diskutiert würde. Leute mit akademischem Abschluss, die “nicht an die Impfung glauben”.
  • zur Hälfte des Seucheausbruchs wurden Ipads an Schüler verteilt. Ich fragte eine befreundete Lehrerin, ob man da denn didaktische Konzepte hätte… Nö. Sie wüsste nicht, was sie mit dem Kram machen soll.

Und heute? Erstaunen, dass nun gefragt wird, “wie wir die Coronazeit erlebt haben” - ich würde sagen: Wir erleben die Coronazeit noch immer. Ein junger Freund von mir hat zu Seuchenausbruch angefangen zu studieren und hat den größten Teil seines Studiums via Zoom rumgebracht. Er erzählte mir letzens, dass in unserer Region beispielsweise ein “Generationenabriss” in der Goa-Szene stattgefunden hat: Die jungen Leute haben sich früher selbst organisiert. Die DJs haben sich ausgetauscht, private Events wurden organisiert etc. Jetzt: Ende Gelände - die Rekrutierungskette dieser Szene wurde unterbrochen. Und da sehe ich das eigentliche Versagen unseres Systems und unserer Politiker: Es wurde nichts aufgearbeitet und analysiert - zumindest wenig bis gar nichts politisch gemacht um die Folgen zu verstehen und zu bearbeiten und sich insbesondere zu fragen, welche Schachstellen die Seuche offenbart hat, was zerstört wurde in dieser Zeit und was als “soziale Infrastruktur” eigentlich eines “Sondervermögens” bedarf.

Beispielsweise finde ich es schockierend, wie epistemisch naiv unsere Hochschulen offenbar Menschen ins Leben entlassen. Oder wie strukturell schwach unser Schulsystem ist. Oder mit welcher Bereitschaft wir einige Leute in den Fleischwolf werfen, damit “die Wirtschaft” läuft und die Dividenden ausgeschüttet werden. Schockierend auch die Vorstellungen von Autonomie und Freiheit, die Corona offen gelegt hat: Selbst das Tragen einer Maske wurde teilweise als unerträglicher Eingriff in die persönliche Autonomie empfunden. Etwas, das mich fast nichts kostet und fast gar nicht einschränkt.

Ich will mich selbst nicht ausnehmen: Wenn wir epidemiolgisch argumentieren, ist das immer eine Zumutung für das Individuum. Da geht es dann nämlich nicht mehr um mich - ich gehe in der Statistik unter. Mein Empfinden und Denken spielt keine Rolle - die Komplexität meines Lebens wird auf ein winziges Zucken des Zeigers reduziert, dass niemand wahrnehmen wird, wenn es nicht dutzende oder tausende meiner Mitbürger*innen betrifft. Ich glaube, ich bin nicht “epistemisch naiv” - weshalb ich damit umgehen und die Verletzung ertragen kann. Aber das braucht Werkzeuge - und die haben viele nicht mehr.

Wie ich die Coronazeit erlebt habe? Ich stecke noch mittendrin und halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir nicht doch noch Leute an Laternenpfählen aufhängen: Wäre die AfD so erfolgreich, wenn nicht Millionen von Menschen noch immer an der Verletzung ihrer Autonomie (egal ob man diese angemessen findet oder nicht), die Maske, Lockdown und Impfung Ihnen zugefügt haben leiden würden? Könnte das nicht ein (ein - nicht der) Faktor für den AfD-Aufstieg sein? Sie verspricht ja Selbstwirksamkeit in Stellvertretung: Wählt uns und wir schmeißen das Gesocks raus!

Sorry für die Textwand.

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Interessant. Das ist bei mir ganz anders: Wenn ich ehrlich bin, teile ich die Welt in „kluge“ und „dumme“ Beiträge ein. Wobei sich die Zuordnung situationsbedingt auch ändern kann und sie (weitgehend, ich probiere es zumindest) nicht personenbezogen ist.

Eine „egal“- bzw. „kann ich nicht beurteilen“-Kategorie gibt’s darüberhinaus noch. Und „klug“ kann auch bedeuten: „Konsistent innerhalb eines ideologischen Konstrukts oder so, aber wird nicht von mir geteilt“. Der Erklärungungsversuch von @JakobB bezüglich Prechts Pflichtverständnis fällt darunter, ausgenommen ist der Echsen-Part. Der ist u.a. satzbautechnisch wirr und schon daher „dumm“.

Kein Problem, ich hatte ja darum gebeten. Und konnte schon anhand deines Namens ahnen, wo ich mich darin finden würde:

:wink:

Vielleicht können wir später diskutieren, was dich an die Impfung glauben ließ. Jetzt gibt’s erstmal Frühstück.

P.S. Die Goa-Sache ist interessant. Mir scheint, wir Boomer/GenX hatten‘s auch da leichter.

Guten Appetit. Gerne können wir darüber diskutieren, warum ich “an die Impfung geglaubt habe”. Die Anführungszeichen sind hier aber wichtig. Ich würde sagen, dass ich Dinge über die Impfung gewusst habe: Über die Wirksamkeit und Effektivität und über die möglichen Nebenwirkungen und Risiken. “Glauben” bzw. genauer “Vertrauen” kommt an anderer Stelle ins Spiel: Ich vertraue den gesellschaftlichen Strukturen, die Wissen bereit stellen. Weder ist dieses Vertrauen absolut noch ist das Wissen ewig und unveränderlich.

Ich hab mir abgewöhnt den Begriff dumm zu verwenden. Das fällt schwer, aber es gibt Erklärungen für Sachverhalte und menschliches Handeln.

Dein „Wissen“ über Wirksamkeit und Effektivität der Impfungen basierte ausschließlich auf den Informationen, die besagte Strukturen, die Wissen bereitstellen und denen du vertraust, dir lieferten. Korrekt? Oder hast du anhand von Rohdaten eigene Berechnungen zur Impfeffektivität angestellt?

Es war übel, zu behaupten, die Impfungen seien sicher und Nebenwirkungsfrei. Dem war nicht so. Andererseits hat die bestimmt auch viele Leute gerettet, weil die sonst am Virus gestorben wären und weil manche sich nach dem Todespanikmodus wieder sicher gefühlt haben.

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Korrekt. Ich habe mir die Rohdaten nicht angeschaut. So wie ich das bei Erläuterungen zur Funktionsweise schwarzer Löcher, Quantentheorie oder der Frage, wie man am besten Hühner züchtet, die besonders große Eier legen, mache. Will sagen: Es ist der Normalfall, dass ich am Ende Expert*innen vertraue. Nicht absolut und in dem Wissen, dass fast alles Wissen revidierbar ist.

Wenn ich das Vertrauen nicht mehr habe, stellt sich die Frage, wodurch das Wissen ersetzt wird. Glaube ich beispielsweise der Expert*in nicht, die mir die Quantentheorie erklärt, stellt sich die Frage, welche alternative Theorie ich habe und ob diese besser abgesichert ist.

und hier komme ich nicht weiter.

Einen Staat interessiert es nicht, wie Du persönlich etwas einschätzt wenn er eine kollektiv bindende Entscheidung zu treffen hat.

Ich stelle Dir ein Prinzip kollektiv bindende Entscheidung vor und du antwortest mit “ich habe Gründe mich nicht daran zu halten”. Da kann man die Ampel nehmen, Maskenpflicht, Mord, usw. was deine persönlichen Begründungen sind eine kollektiv bindende Entscheidung abzulehnen spielt keine Rolle und hier kommt der Teil an dem Du dich störst: Ob Deine Gründe in einem völlig verrückten (Echsenmenschen!) oder sinnvoll begründeten Argument (Wirksamkeit) liegen ist: völlig egal!

Jede kollektiv bindende Entscheidung ist politisch gewollt! Was denn sonst?

Nein Du verstehst mich nicht richtig. Denn Du machst aus der Beschreibung eine Zustimmung.

Wenn ich nachts über eine rote Ampel gehe, weiß ich aber, dass ich mit der Polizei nicht über die Rechtmäßigkeit und den Sinn eines Gesetzes diskutieren muss und mein widerrechtliches Handeln keine Notwehr gegen einen bevormundenden Staat ist.

Ja genau. Der Staat erlaubt Dir Dich innerhalb der Regeln dieses Staates zu bewegen und diese Regeln liegen im Interesse des Staates, nicht in Deinen. Wo liegt da die große Empörung? Hast Du einfach gerade die Konsequenzen aus diesem Prinzip entdeckt?

Das war doch aber Randphänomen: Die Informationskanäle, die ich mir reingezogen habe, haben das nie behauptet. JEDE Impfung hat eine Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen. Was man aber sagen konnte - und sich bisher bewahrheitet hat - ist dass die Wahrscheinlichkeit für diese gering ist. So zumindest das beste uns zur Verfügung stehende Wissen.

Stimmt. Denkgebäude sind „in der freien Wildbahn“ untauglich. Es wäre keine gute Idee, allen Leuten im Land zu raten, einfach hier im Forum ein paar Threads zu lesen und dann debattieren zu gehen. Die andere Erzählung (die Option zum Neoliberalismus) muss genauso griffig am Stimmtisch funktionieren, wie die etablierten konservativen, progressiven oder rechten Narrative. Tenor: BILD von links. Und es dauert Jahre.

Mit Blick auf Corona konnte ich nicht unbedingt eine Trennlinie zwischen links und rechts erkennen. Die AfD hat einfach immer die Gegenposition zur Regierung eingenommen, CDU und SPD haben breite Impf-Kampagnen an den Start gebracht - in der gewohnten Interessenvernetzung, die FDP hatte tatsächlich eine liberale Haltung und sogenannte progressive Kräfte haben eine beunruhigende Mischung aus Rufen nach (ihrer) Freiheit und Autokratie dargeboten - bedauerlicherweise mit drastischer Härte und hemmungslosem Framing.

Was mich irritiert hat und weiterhin irritiert, ist der ständige selektive Alarmismus-Modus. Todesfälle durch den Coronavirus sind schlimm (zweifellos), Todesfälle durch Alkoholsucht sind nicht so schlimm. Das Schema kann man auf Hitzebelastung, Nikotin, Vapes, Unfälle mit E-Scootern (nicht tödlich, aber mit beeindruckenden Kollisionszahlen), soziale Isolation, Übergewicht, Fehlernährung, Bewegungsmangel, miese Luft in Großstädten, Emissionen durch Kaminöfen im Winter u.s.w. übertragen. All diese Beispiele können auf verheerende Bilanzen verweisen - „gekümmert“ wird sich aber nur um jene, die gerade irgendeine ideologische oder ökonomische Linie befördern sollen. Als ob das einen menschlichen Organismus interessieren würde.

Nun geht’s mir nicht darum, stärkere Restriktionen oder Lockerungen zu bekommen - ich weise nur den selektiven Ansatz zurück. Und hier schließt sich mein Rückblick auf Corona an: der Blick auf die Möglichkeiten von nützlichen (!) Maßnahmen und zugeordnete Motive von Menschen, war in großen Teilen sehr verengt.

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Ich war betroffen. Deswegen war es für mich kein Randphänomen.

Ich glaube, der eigentliche Punkt ist ein anderer und du drückst dich darum, den zu benennen. Korrigiere mich bitte, wenn ich falsch liege:

Du warst wie Precht mit den Maßnahmen einverstanden, von der Masken- bis zur sektoralen Impfpflicht. Deshalb fiel es dir leicht, dich an diese „kollektiv bindende Entscheidung“ zu halten und kannst jetzt problemlos auf die Bürgerpflicht zur Einhaltung verweisen.

[In anderen Fällen hingegen maulst du gerne mal rum, wie schlimm dieses kapitalistische System ist. Wie stehst du zur Wehrpflicht?]

Ich hingegen empfand den Corona-Massnahmen-Staat als übergriffig, weil den meisten Maßnahmen eine valide Begründung fehlte, maulte in meinem Blog dagegen und war spätestens bei der Impfpflicht ganz raus. Als das grün-braune Arschloch Boris Palmer anfing, von „Beugehaft“ für Impfzögerer zu fantasieren, dachte ich mir: Jetzt erst recht. Gleichzeitig war dies der Punkt in der Corona-Geschichte, an dem mir ein bisschen bange wurde. Die „Erlösung“ kam dann, als ich mir im Februar 2022 ein Omikrönchen einfing. Danach kam der Frühling und der Käs‘ war gegessen.