Ich versuche meinen oberen Beitrag nochmal zu verkürzen auf meinem essentiellen punkt den ich bringen möchte.
Sind nicht frauen in der gesellschaft von 2 aspekten gleichzeitig unterdrückt, also einmal durch den kapitalismus und zweitens durch die männliche machtelite, die für frauen dadurch ein blindes auge hat. Und so frauen mehr ausgebeutet werden als männer, die zumindest ihre arbeitskraft für einen besseren preis verkaufen können.
In der Prostitution, verkaufen frauen sich teilweise für sehr wenig ohne schutz, weil sie keine gewerkschaft oder ähnliches haben.
Was ist mit legaler prostitution, ist es dann auch ne menschenrechtsverletzung? Oder sex arbeit, wie bei only fans oder Escortservice oder Pornoindustrie oder laufhäusern.
Also ich denke es greift zu kurz, wenn man nur den illegalen teil betrachtet. Da ist ja immer der tatbestand menschenhandel (wie auch bei manchen nagelstudios bspw.) Und das ist dann ein sehr gutes argument gegen den kapitalismus, weil der ja erst solche verbrechen belohnt.
Ja, sicher sollte man nicht vulgärmarxistisch alles auf den ökonomischen Unterbau schieben. Und da eine Verschiebung hin zu sozialistischem Wirtschaften ja auch nicht gerade vor der Tür steht, scheint es auch nicht geboten, bis dahin Däumchen zu drehen. Entscheidend scheint mir nur, dass man bei feministischen Bestrebungen die Eigendynamik der Machtverhältnisse der kapitalistischen Wirtschaftsform mitbedenkt, man vor diesem erweiterten Horizont agiert, in dem unabhängig von der geschlechtlichen Besetzung bestimmte machtrelationale Positionen bestehen. Tut man dies nicht und sieht stattdessen den Geschlechterkampf demgegenüber als grundlegend an, kommt man womöglich zu solchen Thesen wie z. B., dass Frauen mit ihrem empathischen Wesen in Führungspositionen für eine friedliche Welt sorgen würden. Oder wenn man die Eigendynamik ideologisch ins Positive gewendet als Paradigma der Selbstermächtigung völlig verinnerlicht hat, erscheint einem Prostitution, wie vermutlich in dieser Serie, als Urform der Emanzipation.
Ich hab mich mal mit jemandem unterhalten, der in der Sozialarbeit am Straßenstrich arbeitet. Keine der Frauen hat einen Zuhälter, aber ausnahmslos alle sind abhängig von harten Drogen.
Die Ansicht, dass ein anderer ökonomischer Unterbau die Geschlechterbeziehungen plötzlich verbessern würde, vertrete ich nicht - deswegen schreibe ich von Gesellschafts- und Wirtschaftssystem. Es stecken kulturelle Faktoren mit drin. Eine Frage ist deshalb, ob gegeneinander oder miteinander agiert wird (Subjekte, soziokulturelle Gruppen, …). Das ist keine Kleinigkeit. (Ich meine nicht: „alle haben sich jetzt bitte lieb“ oder „bitte alle mal gegen den Feind zusammenhalten“, ich meine so etwas, wie das Gegenteil von Konkurrenzdruck.) Welche kulturellen Prägungen hat unsere Gesellschaft aufzuweisen, die in der Breite maßgebend sind? Neoliberalismus. Was sonst noch?
Deine Ansicht mit Blick auf die Machteliten teile ich nicht. Weder Frau Merkel noch Frau von der Leyen sind dafür bekannt, den Blick besonders auf die Lebensverhältnisse von Frauen zu richten. Nur zwei Beispiele, das ist klar, aber zwei, die sehr gut zeigen, dass Machteliten vor allem nach Machtausweitung streben und nicht nach der Modifikation kultureller Standards - selbst wenn Frauen an der Spitze stehen.
Spätestens bei der 63-jährigen Frau mit Berufsabschluss und Berufserfahrung, die zwei erwachsene Kinder und eine Enkelin hat, alle ökonomisch unter Druck, sehe ich die These von Emanzipation und Selbstermächtigung durch gewerkschaftlich behütete Prostitution vollkommen scheitern. Was empfehlen wir ihr?
Kulturkämpfe halte ich weitgehend für Energieverschwendung. Änderungen sind nur über Klassenkampf zu bewältigen und der trägt selbstverständlich ebenso kulturelle Veränderungen - nicht daran geknüpft, sondern als integraler Bestandteil. Nur ist sowas mit einer fragmentierten Gesellschaft nicht zu schaffen. Insofern kann man den neoliberalen Transatlantikern zu ihrem Erfolg gratulieren.
Kein Ahnung, das meine ich übrigens nicht. Mir geht es um die emanzipatorische Rahmung, die ich für fehlgeleitet halte. Keine moralische Frage.
Kennst du ein System, welches danach aussieht? Ich denke, man wird immer Selbstzerstörung beobachten können - die Frage ist doch, inwieweit ein Gesellschaftskonzept allgemein verträglich für jeweils das einzelne Menschlein ist, und in welchem Ausmaß strukturelle Bedingungen selbstzerstörerisches Verhalten zusätzlich befördern.
Vorschlag zur Güte: Wir gehen uns alle prostituieren (sind sowieso schon nah dran, oder, @JakobB ?). Wir machen das aber organisatorisch gut geschützt durch Institutionen. Keiner von uns verschleudert die Einnahmen für harte Drogen. Auch keinen Alkohol!. In der Freizeit sind wir alle fröhlich, ausgeglichen und freundlich gegenüber anderen.
@Ernst ich finde Prostitution ist absolut selbstzerstörerisch. Egal welche Art. Und da könnte man schon über Emanzipation nachdenken. Deswegen kam mir der Widerspruch zwischen Emanzipation und System in den Sinn. Das Fass wollte ich aber eigentlich gar nicht aufmachen.
Wenn du den Klassenunterschied als Argument nimmst, stelle ich eben die Frage ob es wirklich einen ursächlichen Unterschied macht. Ich bin mir nicht sicher, ob Ausbeutung an sich an einem Klassenunterschied festzumachen ist.
Es ist auch keine moralische Frage die ich gestellt habe.
Deine Ansicht mit Blick auf die Machteliten teile ich nicht. Weder Frau Merkel noch Frau von der Leyen sind dafür bekannt, den Blick besonders auf die Lebensverhältnisse von Frauen zu richten. Nur zwei Beispiele, das ist klar, aber zwei, die sehr gut zeigen, dass Machteliten vor allem nach Machtausweitung streben und nicht nach der Modifikation kultureller Standards - selbst wenn Frauen an der Spitze stehen.
Also das Argument finde ich schwach, den Rest deiner Nachricht sehr überzeugend.
Weil die Frage ist ja eher, würde es einen Unterschied machen, ob 90% männer im parlament sitzen und gesetze machen oder 50/50 Männer/frauen. Vielleicht hätten wir dann schon lange eine frauenfreundlichere Gesellschaft, aber halt immer noch eine schere zwischen arm und reich. Also der geschlechterkonflikt aufgelöst, löst nicht den verteilungskonflikt auf.
Ixh würde es aufjedenfall nochmal hinterfragen und empfehle als lektüre
Invisible woman von caroline criado perez, besonders dazu das kapitel 14, welches genau das thema aufgreift.
joa und da müsste man doch mal zur Kenntnis nehmen, dass sich nur bestimmte gesellschaftliche Klassen oder Schichten prostituieren. Da kann der ÖRR noch 5 mal “Studentin” und “Escort-Service” sagen, der Straßenstrich, die Laufhäuser, die “double-penetration-rough-sex”-Videos scheinen jetzt nicht durch die akademisch-bürgerliche Mittelschicht bevölkert zu sein.
“Legal” ist kein Argument bei der Frage, die der ÖRR aufstellt.
Aber hey! Wenn man sich deren Argument anschließt, ist ja jeder Mann der mit einer drogenabhängigen Frau um 10€ Nachlass für das Ausleben der eigenen Phantasien feilscht ein progressiver Feminist und gehört unterstützt, er macht ja die Emanzipation der Frau in seiner Rolle als Freier erst möglich! Hurra!
Du hast recht, wenn man sich vorstellen würde, drogensucht und prekärer status von frauen auszunutzen wäre legal, würde es ja nicht das problem beheben. Aber auch nicht es illegal zu machen. Weil illegalität ja vorallem die frauen trifft, die auf geld angewiesen sind, weil sie ja meistens kein soziales umfeld mehr haben und durch ihre drogensucht auch oft obdachlos sind (aufm straßenstrich zumindest) plus psychische krankheiten entweder schon vor der drogensucht oder durch die erlebnisse danach, ptbs und sowas.
Und da ist dann der Örr beitrag ja auch kontraproduktiv weil dann ja auch noch die verantwortung für die lage der frau auf sie selbst abschiebt in der Art: Man muss nur deren Selbstständigkeit fördern, dann schaffen sie es, als selfmade woman oder was auch immer. Anstatt es strukturell anzugehen, in denen man ihnen wohnungen verschafft, sozial arbeiter hilfe, und möglichkeit für soziale kontakte, plus einkommensquelle, die nicht so unischer ist und dann klappt es auch vielleicht mit drogenentzug.
Sehr gut! Das ist für mich das schlagende Argument: Das, über ökonomische Konzepte erreichbare, Minimum ist jene Quote, die sich in den oberen Klassen findet - dort, wo keine finanziellen Zwänge herrschen. Diese Beispiele muss man mit der Lupe suchen und medial werden sie allenfalls in Arthouse-Filmen aufgenommen.
Ja, aus der 40 Jährigen Drogenabhängigen mit ausgemergeltem Körper und 25 Jahren Prostitutionsgeschichte muss nur eine 20 jährige attraktive Studentin werden, die sich auf eine “Entdeckungsreise” im “Escort-Service” begibt.
“Go Girl!” und weil wir ja keine Zuhälter haben kann sie ihr eigener “Girl-Boss” werden. Ist das nicht alles herrlich?
Schwach, weil 2 Frauen die sich gegen den Rest aus größtenteils Männer durchgesetzt haben, wahrscheinlich die vorhandene Denkweise und Priorisierung von Problemen adaptiert haben.
Und das kann meiner meinung nach erst durch eine größere Mehrheit von Frauen durchbrochen werden.
Sorry, damit meinte ich 50/50 verteilung im machtzentrum, also ja auch im Bundestag. Aber halt auch im ganzen Apparat, bspw. Auch in der judikative usw.