Das finde ich wirklich interessant. Kannst du neben Parlamenten noch weitere formelle oder informelle Instanzen konkretisieren, die im Machtapparat wirken und entsprechend einer paritätischen Geschlechterquote bedürfen, um das Dilemma der Perspektiven (Frau / Mann) aufzulösen?
Das würde bedeuten, dass die genannten weiblichen Beispiele sich einer arithmetischen männlichen Mehrheit bei der Ausrichtung ihrer ideologischen und realpolitischen Linie angepasst haben. Sind das Annahmen oder gibt es dafür Indikatoren?
Ändert es etwas, wenn ich Frau Thatcher den Beispielen hinzufüge oder Frau Meloni - anders gefragt: Fallen sie alle den gleichen männlich dominierten Strukturen zum Opfer? Sie würden mit Blick auf politische Entscheidungen gern mehr für Frauen tun, werden aber effektiv daran gehindert?
Dazu hat Karen Duve in dem lesenswerten Buch “Warum die Sache schief geht” argumentiert, dass Frauen in Führungspositionen finden, die die gleichen negativen Eigenschaften haben wie die Männer, die man nämlich braucht, um in diese Positionen zu kommen. Machtgier, Egoismus, Skrupellosigkeit.
Wie überall müsste man systemisch drangehen: was sind die Belohnungssysteme um in Führungspositionen zu kommen? Was sind die spezifischen Anreize in diesen Positionen?
Das müssen wir hinterfragen.
Viel entscheidender als die Geschlechtszugehörigkeit ist doch für dieses Thema die politische Positionierung im Rechts-Links-Schema. Eine “Linken-Quote” für den Bundestag wäre also so gesehen viel effektiver. Aber natürlich wäre das absurd aus dem gleichen Grund, aus dem ich auch eine paritätische Besetzung in demokratischen Institutionen bedenklich finde: es schränkt die Wahlfreiheit des Volkes ein.
Wie ist das Geschlechterverhältnis bei den Staatssekretären?
Schwierig zu finden.
Von Geschlechterverhältnis braucht man in einem System, das patriarchalisch organisiert ist eigentlich nicht nachdenken. @Kokosmilch hat schon angemerkt, es ist unabhängig vom Geschlecht wenn es um Macht in so einem System geht.
Es geht um die Eigenschaften
Die sind ungleich verteilt. Wollen wir, dass es gerechter zugeht?
Das ist ein beliebtes Argument, stimmt aber nicht, mMn.
Wie wäre es denn richtig?
So weit ich mich erinnern kann hat es noch nie eine auch nur einigermaßen ausgewogene Verteilung gegeben. Daher kann ein Einfluss auf frauenspezifische Themen überhaupt nicht beurteilt werden.
Guter Punkt, die Frage die ich implizit gestellt habe ist, woran liegt das…
Männer haben keine Lust auf unbezahlte Care- Arbeit oder ähnlich unglorioses.Darum ist es von Vorteil, Frauen, wo immer es geht, unten zu halten. Die Kirchen haben da auch fleißig mitgeholfen, z.B.
Die ganze Struktur kann ich Dir nicht präsentieren. Das sprengt den Rahmen.
Ja, Frau Merkel hat ja durchgesetzt dass jetzt alle Männer Care Arbeit leisten.
Island steht weltweit an der Spitze und ist beinahe das Musterbeispiel. Frauen haben gleiche Rechte und werden ebenso gleichberechtigt bei politischen Entscheidungen berücksichtigt, jedoch gibt es praktisch noch Unterschiede.
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Claude sagt dazu: „Ja, genau so lässt es sich zusammenfassen. Rechtlich und politisch ist Island weitgehend gleichgestellt, im Alltag gibt es aber noch messbare Unterschiede.
Wo Island Vorreiter ist:
- 1980 wurde mit Vigdís Finnbogadóttir weltweit erstmals eine Frau in direkter Wahl Staatsoberhaupt.
- Im Parlament liegt der Frauenanteil seit Jahren nahe 50 Prozent.
- Seit 2018 müssen größere Unternehmen per Gesetz nachweisen, dass sie gleiche Arbeit gleich bezahlen. Es reicht also nicht, Lohnungleichheit nur zu verbieten.
- Die Elternzeit ist weitgehend zwischen beiden Eltern aufgeteilt, und ein großer Teil ist nicht übertragbar. Dadurch nehmen auch Väter tatsächlich lange Elternzeit.
Wo es noch hakt:
- Es gibt weiterhin eine Lohnlücke, vor allem weil „typische Frauenberufe“ wie Pflege, Erziehung und Reinigung schlechter bezahlt werden.
- Geschlechtsspezifische Gewalt ist ein großes Thema. Auch deshalb gehen Isländerinnen bis heute zu Frauenstreiks auf die Straße, zuletzt 2023 in großem Stil, anknüpfend an den berühmten Streik von 1975.
- In Führungspositionen der Wirtschaft sind Frauen seltener vertreten als in der Politik.
Island zeigt also recht gut, dass gleiche Rechte und politische Teilhabe notwendig sind, aber nicht automatisch dazu führen, dass Rollenverteilungen und Bewertungen von Arbeit im Alltag verschwinden. Darüber, welche der verbleibenden Unterschiede noch Benachteiligung sind und welche Ausdruck freier Entscheidungen, wird auch dort diskutiert.“
Flo, das bezweifle ich.
Prostitution wird in Island und Deutschland rechtlich völlig unterschiedlich behandelt. Deshalb werden Zahlen unterschiedlich erfasst. Die Unterschiede im Umgang sind deutlich.
Deutschland: Prostitution ist legal und reguliert. Ende 2024 waren rund 32.300 Prostituierte nach dem Prostituiertenschutzgesetz angemeldet, 17 % davon mit deutscher Staatsangehörigkeit - die größte Gruppe stellten Rumäninnen mit 36 %, gefolgt von Bulgarinnen mit 11 %. Schätzungen gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl bis zu zehnmal so hoch liegt, wobei solche Schätzungen stark umstritten sind. Der Punkt der prekären Verhältnisse zeigt sich deutlich: Der Großteil Prostituierter kommt aus den ärmsten EU-Ländern, oft mit geringer Bildung und wenig Deutschkenntnissen. (Die ÖRR-Sendung kann helfen, hier endlich die Quote zugunsten der deutschen Staatsangehörigen zu steigern. Das wäre ein Riesenerfolg, oder?)
Island: Seit 2009 gilt das „nordische Modell“: Der Kauf sexueller Dienste ist strafbar, der Verkauf nicht. 2010 wurden zusätzlich Stripclubs verboten. Offizielle Zahlen gibt es aus Island nicht, weil es keine legale Szene gibt, die man erfassen könnte. Prostitution findet dort vor allem verdeckt statt, über Onlineanzeigen, oft durch Frauen aus dem Ausland, die kurzzeitig einreisen. Absolut ist das Phänomen wegen der kleinen Bevölkerung (rund 390.000 Menschen) sehr überschaubar. Island gilt jedenfalls nicht als prostitutionsfrei. (Der ÖRR könnte zumindest eine Folge produzieren, in der eine abenteuerlustige, emanzipierte deutsche Studentin sich ein paar Tage heimlich in Reykjavik prostituiert und dabei neue Erfahrungen macht.)
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Zum Zusammenhang mit Gleichberechtigung: Island zeigt vor allem, dass eine gleichgestellte Gesellschaft politisch eher dazu neigt, Sexkauf als unvereinbar mit Gleichstellung zu sehen. Ob das Modell die Prostitution tatsächlich reduziert oder nur in Unsichtbarkeit verdrängt, ist umstritten. Befürworterinnen wie die Aktivistin Huschke Mau sehen im Sexkaufverbot Schutz vor Ausbeutung. Sexarbeitsorganisationen kritisieren dagegen, dass Betroffene dadurch schwerer erreichbar und schlechter geschützt seien. Einig sind sich beide Seiten darin, dass Armut und fehlende Alternativen der stärkste Treiber sind, und zwar unabhängig vom Rechtsmodell.
Habe nicht die Zeit das alles zu prüfen (werde ich hoffentlich noch nachholen), aber wenn es stimmt würde es ja doch heißen, ohne diese ungleichheit und den druck der indirekt von den Kapitalhaltern auf diese frauen ausgeübt werden, würde das Problem nicht mehr existieren. Und dann auch ein klares versäumnis das klar zu benennen vom örr.
Aber bei dem Thema care-arbeit ist es eine andere Frage.
Unabhängig von der politischen orientierung, endet es in Partnerschaften, durch den gender pay gap, und ehegattensplitting und druck durch arbeitszwang, bei einer verteilung der care arbeit zu lasten der frauen.
Das war ironisch gemeint.
Ich bin seit 25 Jahren mit meiner Frau zusammen, hab drei erwachsene Kinder und musste sehr viel lernen.
Sorry, nicht despektierlich gemeint.
Bin manchmal immun gegen ironie