Ich bin die letzten Jahre sehr pessimistisch, was die Zukunft linker Politik betrifft, vor allem vor dem Hintergrund des erdrückend stark werdenden Rechtsextremismus. Zigtausend Seiten geschriebener Bücher gibt es an Erklärungen, alle mit sehr unterschiedlichen Deutungsmustern, ob nun Eribon, Zizek, Mouffe, Heisterhagen, Fraser oder Crouch.
Am hartnäckigsten ist meines Erachtens die Lagerbildung auf kultureller Ebene, die es extrem schwierig macht, Rechtsaußen-Wählende für linke Politik zu gewinnen. Viele wählen die Linke nicht, weil sie inhaltlich völlig anderer Meinung wären, sondern weil sie in ganz bestimmten, ökonomisch weniger relevanten Punkten eine extrem starke Abneigung empfinden. Das ist unter anderem eines der Ergebnisse aus Triggerpunkte von Steffen Mau et al.
Es gibt Empfehlungen wie “wir müssen uns klar von Rechts abgrenzen”, “wir dürfen die Probleme mit der Migration nicht verschweigen”, “wir müssen mal was zum Islam sagen”, “wir müssen mal klare Kante zeigen”, “wir dürfen nicht mit Bürgerlichen koalieren”, “wir müssen mehr auf Grassroots setzen”, “wir müssen mehr Social Media wagen”, “wir müssen mehr die Intellektuellen wieder integrieren”, usw.
Dazu kommen absurde Debatten, in Deutschland wie anderswo, die Sozialdemokraten würden sich nur noch um Arbeitslose kümmern und nicht um Arbeiter, die sich ja angeblich so sehr “Zumutungen” und “Einschnitte” wünschen. Von solchen Narrativen lassen sich Parteien wie die SPD dann auch noch weiter in die Misere reiten. Was ich in den (ehemaligen) Massenparteien der (ehemaligen?) Linken sehe, ist vor allem eine große Ratlosigkeit über die Interpretation des eigenen Niedergangs. Und dann kommt so ein Katastrophen-Auftritt wie der von Klingbeil diese Woche dabei heraus. Erschwerend kommt eine mediale Landschaft hinzu, die längst nicht mehr nur national, sondern global funktioniert und sich den Oligarchien dieser Welt zunehmend unterwirft. Da können noch so viele Rot-Grün-Wähler unter den Journalisten sein, die meisten Medienmacher sind der Linken nicht wohlgesonnen.
Wir sehen Abstürze, Niederlagen und Desaster der Linken in der ganzen Welt, insbesondere aber in Europa. Und ich frage mich: Gibt es irgendwo noch Hoffnung für linke Politik? Das Einzige, das mich persönlich gerade irgendwie hoffen lässt, ist das Chaos, das Trump in den USA und außerhalb mit seiner Politik anrichtet. Wobei wir noch gar nicht wissen, wie sich das wirklich auf seine Zustimmung auswirkt.
Wie seht ihr das? Habt ihr andere Erklärungsmuster bzw. Lösungen als die anderen?
