Juli-Salon: How to Rule the World, Nolans Odyssee und die Romantik-Flaute

Ein Student nimmt die Universität auseinander, die ihn ausbildet — und nennt Namen, Summen, Firmen. Danach fragen wir uns die ganze Folge, wer eigentlich im Trojanischen Pferd sitzt. Viel Spaß!

https://steady.page/de/neuezwanziger/posts/adb24889-d501-458f-85d5-fbd807c3cba5

Die Lektüren im Juli

:open_book: Theo Baker — How to Rule the World. An Education in Power at Stanford University (Penguin Press 2026)
Theo Baker begann schon im Alter von 17 Jahren sein Studium in Stanford, gleich im ersten Semester deckt er am Campus einen großen Skandal auf. Er schildert, wie die Elite, die das Silicon Valley prägt, denkt und handelt: https://www.penguinrandomhouse.com/books/760317/how-to-rule-the-world-by-theo-baker/

:clapper_board: Nolans Odyssee — drei Lesarten
Technikkritik, Wertechaos, Beichte. Streitpunkt: das Trojanische Pferd.

:broken_heart: Faith Hill — Die große Romantik-Flaute (The Atlantic)
Warum Beziehungen nicht mehr anfangen. Und was an die Stelle der Kernfamilie tritt: Netzwerke, die noch nicht tragen.

:studio_microphone: Wolodymyr Jermolenko — „Habermas dachte, wir hätten den Krieg überwunden" (FAZ)
Ein Kiewer Philosoph wirft dem Westen vor, das Kämpfen verlernt zu haben. Und warnt sein eigenes Land vor dem Gegenteil.

:books: Alex Reisner — Are AI Companies Really Destroying Books? (The Atlantic)
Faktenprüfung eines Empörungssturms. Ergebnis: Das Bild stimmt nicht, der Schaden schon — nur an anderer Stelle.

Ruth-Maria Thomas — Die zweitgrößte Liebe
Ruth-Maria Thomas legt mit „Die zweitgrößte Liebe" einen berührenden und intelligenten Liebesroman vor, in dem zwischen den Verliebten die kapitalistischen Verhältnisse stehen. Die zweitgrößte Liebe von Ruth-Maria Thomas - Hardcover | dtv Verlag

Thomas Fuchs / Thomas Arnold — Das unersättliche Selbst
Leben wir in einem Zeitalter des Narzissmus? Um das zu beantworten, müssen wir zunächst klären, was Narzissten eigentlich sind: In „Das unersättliche Selbst" definieren und analysieren Thomas Fuchs und Thomas Arnold das Phänomen. Das unersättliche Selbst. Buch von Thomas Arnold, Thomas Fuchs (Suhrkamp Verlag)

Lukas Mi-Sa Nguyễn Egger — Vielleicht im Sommer
Zwei Jungs hauen ab und brechen auf ans Meer: Die Geschichte ist nicht neu, aber der Ton, den Debütautor Lukas Mi-Sa Nguyễn Egger in seinem Roman „Vielleicht im Sommer" anschlägt, ist es. Vielleicht im Sommer von Lukas Mi-Sa Nguyễn Egger | PIPER

Sonja Zekri — Concept-Stores der ukrainischen Militärverbände
In der „Süddeutschen Zeitung" berichtet Sonja Zekri über die Concept-Stores der ukrainischen Militärverbände: Ukraine-Krieg: Die Marketing-Offensive des ukrainischen Militärs - SZ.de

Samuel Hasselhorn / Ammiel Bushakevitz — Hoffnung
Samuel Hasselhorn setzt seine Aufnahmen von Schubert-Liedern unter dem Titel „Hoffnung" fort, begleitet wird er dabei am Klavier von Ammiel Bushakevitz: Franz Schubert, Samuel Hasselhorn, Ammiel Bushakevitz - Schubert: Hoffnung

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also mein absolutes highlight ist definitiv ab minute 18 wolfgangs rettungsversuch von stefans, “body positivity” analogie. :joy:

sehr amüsant, auch wenn ich zugeben muss, dass ich die parallele nicht zusammen bekomme.

ob das “PC” konform ist oder nicht überlass ich dem publikum, aber ich konnte wolfgangs schweißperlen auf der stirn hören
sweating-nervous

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Gute Besprechung über Stanfords wohlstandsverwahrloste Elitehochstapler.

Ist halt die Frage, ob Leute, die heute noch ein Buch lesen, das so kritisch sehen.

Pre-Idea Funding ist doch super

Demnächst gibt’s dann pre-birth employment für die meritokratische Klasse, und für alle anderen sowieso.

Hier n netter comic der beim zuende denken hilft

https://www.reddit.com/r/LateStageCapitalism/s/HoZmuWNdqP

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Du meinst “Familienunternehmen”?

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Bei der Besprechung von “Effekive Altruism” ist mir eine Parallele aufgefallen. Ich habe vor einiger Zeit mal in einem Forum von speziellen Anthroposophen mitgelesen. Die waren wie folgt drauf: sie halten sich ganz ernsthaft für erleuchtet und zeigten eine deutliche Nähe zur identitären Bewegung. Jedenfalls kam es auf das Leiden in der Welt. Da war ihr klarer Standpunkt: nix machen, Altruismus ist wenn überhaupt sowieso immer egoistisch. Wenn man erleuchtet ist, dann durchschaut man ja die Maja, die Scheinwelt und stellt dann fest, dass das unnötig ist. Eine ganz erstaunliche Parallele: wir sind auserwählt (ruler hier- erleuchtet da) und finden praktischen Altruismus unnötig.

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Die sind auch von einer höheren Macht berufen. Das ist die Parallele aus meiner Sicht.

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Nett, aber zu zahm.

Die kinder von “Familienunternehmern” haben viel zu leistungsfähiges Erbgut. Das ist ein investable-asset, in deren potenzielles Unternehmertum, da gehe ich mit ner Mio schon vor Empfängnis rein.

Heute back ich, morgen brau ich, und übermorgen hol ich der Königin ihr Kind.

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Man muss die Rück-Entwicklung zu den Ursprüngen ja nicht für eine Weiter-Entwicklung halten…

Parallelen, die exakt zusammenfallen - deshalb sogar identisch.

Zwei Dinge haben mich nach dem Stanford-Beitrag beschäftigt:

  • Inwieweit finden sich die Prinzipien „Geld sucht Zugang zu Kandidaten für zukünftige Zugriffe auf institutionelle Macht“ (der Begriff der angesprochenen Marionetten) auch in Europa? Das Young-Global-Leaders-Programm des World Economic Forum verfolgt welchen Zweck? Wohltätigkeit für die Gesellschaften? Polemik, ich weiß, aber was genau soll sowas?
  • Wie wird das geschilderte Prinzip der enthemmten schieren Kapitalakkumulation beendet werden? Ich meine nicht, wie könnte es beendet werden, sondern wirklich wie wird. Niemand kann das voraussagen, klar. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie das glimpflich über die Bühne gehen soll. Sicher ist allerdings, dass nichts ewig währt.

Zu beiden Punkten - Elitenpersonal selektieren und Kapital akkumulieren - passt auch sehr schön die Frage „WOZU?“. Wenn die führende Politik das nicht einzudämmen gedenkt, müsste sie die Frage beantworten, welchen Nutzen das für Gesellschaften hat. Ich meine nicht die üblichen neoliberalen Stammeleien über Leistungsträger - die finden sich auch abseits dieses Irrsinns in ausreichender Anzahl, um einen Niedergang durch Stagnationen zu vermeiden.

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Body positivity im Sinne von Wolfgang mit meinen 1,72 cm und Halbglatze finde ich gut.

Als ich vor 10 Jahren allerdings 42kg mehr gewogen habe hätte mir in Stefans Sinne bei den 30 Tage über 30°C in diesem Jahr der Begriff genau nichts gebracht. Ich weiß nicht, wie ich diese Temperaturen am Tag und in der Nacht überstanden hätte.

Bin ich der einzige hier, der sich erst ab 25 Grad (im Schatten) richtig lebendig fühlt?

Ich hege große Sympathie für Wolfgangs „uralte Menschen“, die unter „zu kleinen Sonnenschirmen“, gemütlich Flammkuchen mampfen und Weißwein schlürfen. Wahrscheinlich freuen sie sich mit mir (und Rudi Carell), dass endlich „mal wieder richtig Sommer“ ist.

Eine Lehre (nicht nur) aus Corona könnte sein: Nicht jeder teilt die eigenen Befindlichkeiten.

35 Grad im Schatten und nachts im Schlafzimmer sind eher ein Befindlichkeitsproblem. Dann stimmt auch der Corona- Vergleich.

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In meinem Kopf ist beim Zuhören auch alles was wir geschrieben hatten durch den Kopf gegangen.
Findet sich sehr viel wieder ist mein Eindruck.
Was mir erstmal aufgefallen ist, eigentlich ist die Perversion, dass man im Grunde die gleichen Ansätze auf niedriger Ebene hernehmen könnte und sagen könnte, ja, das will ich für meine Kinder auch. Abgesehen von der kapitalistischen irrsinnigen Logik die da drin steckt, könnte vieles die heutige Bildungsmisere lösen.
Aber, und da fühl ich mich schon etwas bestätigt, es ist einfach Irrational nur auf anderer Ebene und mit mehr Geld.
Im Grunde ist das was Theo da macht, sich etwas bewusst zu machen und am Ende einzusehen, dass er als profitierender niemals den Ast absägen würde, auf dem er sitzt. Rationalität ist eben nicht gleich richtig oder falsch. Für ihn muss es unplausibel sein - zwingend - sich aus der Elite zurückzuziehen die er durchschaut hat.

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Unter diesen Umständen würde ich mir auch so‘n Klimadingens holen.

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In “American Psycho” kommt Stanford auch direkt auf der ersten Seite vor.

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Die armen Leute in den nichtbegrünten Stadtvierteln haben dafür kein Geld, denk ich.

Ich mach so ne Hitzewelle jedenfalls nicht mehr mit und bei mir hatte es nur 30 Grad in der Nacht. Klimadings muss her.

Das Thema Dürre hier und im Alias Podcast erinnert mich sehr an mein Jahr in Indien (2011). Was bei uns gerade wie ein drohendes Krisenszenario wirkt, war dort zur heißesten Sommerzeit schlichtweg der durchgetaktete Alltag:

Weil die Kraftwerke mangels Wasser/Kapazitäten nicht genug Strom liefern konnten, gab es jeden Tag ganz offiziell zweimal zwei Stunden geplanten Stromausfall. Die Lösung vor Ort? Pragmatismus. Jeder PC hatte eine kleine Notfall-Batterie (USV), um schnell abzuspeichern. Wenn man der Hitze entfliehen wollte, ging es ins klimatisierte Kino. Erinnere mich an Nächte (und Tage…) abliegen auf den halbwegs kühlen Marmorboden und warten, bis der Deckenventilator wieder anspringt.

Schon verrückt zu sehen, wie Systeme, die wir in Deutschland immer für unumstößlich hielten, bei extremem Wetter an genau denselben physikalischen Grenzen kratzen.

Hunger, Hitze, das trifft immer als erstes die Schwächsten, das war da natürlich auch so, und wir waren als Volontär auch noch sehr privilegiert.

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Es gibt in der Wissenschaft seit mindestens 10 Jahren eine Replikationskrise Replication crisis - Wikipedia Die Wissenschaftler wollen das selbst natürlich nicht so offen ansprechen oder sagen, dass sie Systeme hätten, die sowas verhindern, aber es gibt Fälle, wo Studienmacher sich einfach Zahlen ausdenken und die dann publizieren mit Tabelle, Diagrammen und Statistik. Ein Problem ist durchaus, dieser Anspruch was Positives zu finden, was es wert sei zu veröffentlichen, denk ich mal. Ist das nicht schon eine Idee von Positivismus? Aber dementsprechend sollte man immer mal wieder Zusammenhänge durchdenken bevor man sie übernimmt. Bspw. wurde gesagt, dass wenn man lächelt, man dadurch automatisch mehr fröhlicher wird. Ich hab das mal als Gebot im Call Center gesehen: man soll am Telefon lächeln auch wenn es der Gesprächspartner nicht sieht. Das ist für mich ein typischer Zusammenhang, der sich selbst untergräbt, sobald er einen bewusst wird. Aber so oder so ist der nicht reproduzierbar.

Woanders habe ich auch mal einen Beitrag über eine Studie in der Astronomie gesehen, die einen Zusammenhang zwischen Lichtintensität und Größe eines Sternensytems auf Teleskopfotos herausgefunden haben will. Das sei aber, stellte sich heraus, eine Tautologie, weil man die Größe von Sternensystemen schon zuvor genau über die Lichtintensität gemessen hat. Also es ist eine Nonsens-Aussage. Aber es wurde immerhin was publiziert.

Dann zum Thema sexuelle Energie würde ich fragen, woher das kommt, weil ich dachte das sei entweder der amerikanischer Puritanismus, der quasi auch die individuelle Sexualität beherrschen will und Mythen darüber erzählt oder radikaler Konservatismus, der noch Otto Weiniger liest und glaubt. Es kann aber auch sein, dass das Werbung ist für die Männlichkeitsprodukte und Supplements, die sich in solchen Kreisen verselbstständigt.

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Das fände ich ja einen super coolen KI Anwendungsfall. Studien nehmen, abwandeln, variieren, wiederholen.