Juli-Salon: How to Rule the World, Nolans Odyssee und die Romantik-Flaute

Neben der Replikationskrise (Naturwissenschaften, Psychologie) kann man sich (aktuell bei z.B. Jason Arday nicht Stanford, aber Cambridge ) auch noch die Sokal-Affäre und sokal-squared (Sozialwissenschaften) angucken. Aber abgesehen von “schlechtem wissenschaftlichen Verhalten” haben wir es genau wie in allen anderen Bereichen auch mit Patronage-Systemen, Zitierkartellen, Mikropolitik und Machtspielen zu tun.

Der Veröffentlichungs- und Drittmitteldruck führt gezwungenermaßen zu “Papiermühlen”, vielen aber dünnen Veröffentlichungen und Promotionen werden zu Durchlauferhitzern. Hochschulen werden nach Studierendenanzahl mit Geldern bedacht und erfinden Studiengänge mit attraktiven Namen, aber ohne berufliche Anschlussmöglichkeiten usw. usf…

“Der Markt wird das schon regeln” ist auch hier schon fast bis zum Ende durchgespielt (aktuell kann man sich den Kampf um die Bundeswehrmilliarden angucken, wo die Fachhochschulen die fehlende Zivilklausel gegenüber Universitäten zu Nutze machen und groß in Waffenforschung einsteigen, was sie diesen Umstand früher noch mal mehr mal weniger gut verdecken mussten.)

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Die Fauci-Tagebücher sind in dem Zusammenhang auch recht aufschlussreich. Ein Immunologe, der konsequent CFR und IFR durcheinanderbringt, wo gibt’s denn so was?

Wäre vielleicht auch mal ganz interessant, sich dessen wissenschaftliche Publikationen näher anzuschauen. Oder auch nicht - der Typ ist politisch und gesellschaftlich praktisch tot und taugt nur noch als Sündenbock für die Republikaner.

Drosten, so vermute ich, schläft zur Zeit nicht gut. Und das liegt nicht am warmen Wetter.

Ich hab neulich wieder eine Diskussion darüber gehabt. Bis runter in den Urschleim, gibt es Viren?
Interessant ist, das als Grundargument folgendes gemacht wird:

Die Behauptung es gäbe keine Viren kann bisher nicht nachgewiesen werden und so dreht man das um und sagt, nein es wurde nicht nachgewiesen dass es Viren gibt. Begründung dabei ist die Behauptung, die Existenz von Viren sei ein Axiom der heutigen Wissenschaft. Das wiederum speist sich aus einer Beurteilung einer Motivlage, wobei Politik, Ökonomie und Wissenschaft in einen Topf geworfen wird und das Etikett „Böse“ als Axiom dargestellt wird.
Erstaunlich ist dabei die akribische Arbeit, die noch so kleine Informationsfetzen zusammenträgt, und eine Legitimation über Zeit (man habe sich 6 Jahre ununterbrochen damit beschäftigt) herstellt - und damit es auch wirklich Sicher ist, die schiere Masse an Puzzleteilen als unfehlbar bezeichnet. Das reicht aber immer noch nicht - denn alles würde ohne Motiv in sich zusammenfallen.

Drosten und Fauci schlafen sehr gut, denn die Kosequenzen sind finanziell längst abgesichert

Der Urschleim interessiert mich nicht, sondern das, was öffentlich wider besseres Wissen kommuniziert wurde. Die Fauci-Tagebücher legen diesbezüglich eklatante Widersprüchliche zutage, wie auch schon die - leider zu wenig beachteten - RKI-Protokolle.

Bei Drosten verhält es sich ähnlich, wenn auch vielleicht nicht ganz so offensichtlich. Seine Interessenkonflikte werden hoffentlich in absehbarer Zeit vor einem Untersuchungsausschuss verhandelt.

Spätkapitalismus im Endstadium. Wieso sollte etwas, das unser aller täglich Handeln beinflusst, vor der Wissenschaft Halt machen?

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Zwangsläufig war das ja nicht, das musste schon aktiv eingeführt werden.

Bologna, Exzellenzinitiative etc. Man hat die Wissenschaft erst zu einem Markt gemacht und sieht jetzt die Ergebnisse.

(Da werden sich noch alle umgucken, die so moralisch aufgeladen für die “Anerkennung” von “Care-Arbeit” als Arbeit engagieren… mit Spahns Reproduktions"arbeit" und dem zarten Hinweis im Podcast, dass die Frau in dem “Arbeitsprozess” wegindustrialisiert werden soll kratzen wir ja ein wenig an der Oberfläche… mach es zu einem Markt und “der Markt regelt das schon”

Aber hey! Wer jetzt schnell ist und aus der Argumentation der “altruistischen Mutterschaft” Innovationspotential ableiten will kann ja Schwangerschafts-Uber gründen, oder Deliveroo (see what i did there?) diversifiziert sich…)

Die Sokal-Affäre ist keine Affäre, sondern Sokal versucht das als Affäre darzustellen, dass er schöngeistige Essays in schöngeistigen Magazinen neben Sci-Fi Geschichten und andere “Gedankenanstößen” veröffentlichen konnte. Bei sokal-squared kommt dann auch wieder das mit den ausgedachten Daten hinzu.

man kann sich ja die verlinkten Wikiseiten und Sokals Argumentation zur Wissenschaftlichkeit von z.B. Peer-reviewverfahren (im LLM-Thread gibt es die aktuelle Variante der damals kritisierten Umstände) angucken.

Wo entstehen die Widersprüche, wissenschaftliche gegen politische oder wissenschaftlich intern.

Innerhalb einer Institution? Die Institution in Verbindung mit politischen Entscheidungen? Oder gegen die Wissenschaft?

Der Urschleim ist uninteressant - die Fragen der Interaktion zwischen Politik Wissenschaft und Institution in Verbindung mit einem ökonomischen Interesse dagegen nicht.

Diese Fragen konnten noch nicht umfassend geklärt werden, auch von den RKI Files nicht, weil diese Fragen garnicht erst gestellt werden.

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All das zusammen. Am auffälligsten wird es natürlich dann, wenn einer das eine aufschreibt und öffentlich das Gegenteil propagiert (Fauci, dazu später vielleicht mehr).


Zunächst muss anerkannt werden, dass es diese Widersprüche gibt. Wie gesagt, die RKI-Files fanden viel zu wenig Aufmerksamkeit - die SZ (Christina Berndt) titelte beispielsweise nach dem Leak: „Es gibt da nichts zu verbergen“ und „Wo ist jetzt der Skandal“?

Wenn wir darüber Klarheit haben - Wielers öffentliche Kommunikation vs. das, was intern diskutiert wurde - und anerkennen, dass beides oft nicht zusammenpasste, können wir tiefer graben. Die Weisungsgebundenheit des RKI als dem BMG unterstellte Behörde ist natürlich ein Problem - und vermutlich nicht das einzige.

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die Argumentation tut nichts zur Sache, wenn der Versuchsaufbau nichts aussagt.

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Es gibt einfach noch keine Methodik auf die man sich geeinigt hat unter welchen Umständen, aus welchem Zweckgedanken, in welchem Kontext, an wen gerichtet, usw usw diese Krise damals akut „bearbeitet“ wurde.
Die einen raunen, ja woher sollte man das denn wissen, die anderen raunen was anderes. Total beliebig.

Eine saubere Methodik wäre aus meiner Sicht eine Grundlage um das aufzuarbeiten.

Das Fehlen dieser Methodik kann selbst schon als „beabsichtigt“ gelesen werden.

Man kommt in Teufels Küche und nichts ist geklärt außer: es gibt Widersprüche.

Diese Erkenntnis alleine hilft nicht weiter.

Das sehe ich überhaupt nicht so.

Natürlich muss man diese Widersprüche, jeden für sich, recherchieren und benennen. Dann zeigen sich schon gewisse Muster.

Aber das bedeutet viel Arbeit - die aus naheliegenden Gründen nicht von denen geleistet wird (siehe beispielsweise SZ, C. Berndt), die sich damit möglicherweise selbst belasten würden.

worum geht es Dir?

Habe ich gesagt: “Sokal hat ein Experiment gemacht und nachgewiesen…”? nein. Ich habe den Titel des Wikiartikels “Sokal-Affäre” eingefügt und verlinkt.

Dann sieh es nicht so. Ich find das total in Ordnung. Ich greife nicht deine Position an, wir sind uns weitgehend einig. Sieh es als Vorschlag, eine durchdachte und konsequent angewandte Methode kann helfen etwas zu klären.

Heißt konkret…?

[Lückenfüller für 20 Zeichen Mindestbeitragslänge]

Ich kann dir das ausarbeiten. Dauert ein bisschen. Muss gerade arbeiten.

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Ich hab’s doch gleich erledigt:

Eine seriöse Methodik für so ein Vorhaben muss vor allem eine Falle vermeiden: dass Aufarbeitung zur Motivsuche wird (“wer wollte was”) statt zur Mechanismusrekonstruktion (“wie war X möglich, was war das Ergebnis”). Motivunterstellungen sind unfalsifizierbar und politisch sofort besetzbar — Mechanismen sind dokumentierbar.

Ebenentrennung**: Individuum / Institution / System getrennt analysieren. Sonst passiert genau das, was bei Fehlern typisch ist: Institutionen immunisieren sich, indem sie einzelne Personen herausstellen (Sündenbock), während die eigentliche Motivlage — institutionelle Selbsterhaltung — unsichtbar bleibt. Der Rahmen kippt je nach Bedarf zwischen “Struktur, kein Individualmotiv zählt” und “individuelles Fehlverhalten”.

Primärquellen statt Rückblick-Narrativen**: Aktenanalyse (Protokolle, interne Mails, Zeitstempel, Entscheidungsvorlagen) vor nachträglichen Interviews/Erinnerungen — letztere sind durch Plausibilität und Selbstbild verzerrt.

Interne vs. externe Kommunikation als eigener Datenpunkt**: Die Differenz zwischen dem, was intern beraten/gewusst wurde, und dem, was extern kommuniziert wurde, ist selbst der Befund — nicht nur Kontext. Genau das lässt sich dokumentenbasiert rekonstruieren, ohne Motive zu unterstellen.

Systemtheoretischer Zugang**: Wissenschaft, Politik, Ökonomie, Bevölkerung operieren auf unterschiedlichen Codes (Wahrheit / Macht-Mehrheit / Profit / Sicherheit-Anerkennung). Aufarbeitung sollte zeigen, wo diese Codes sich vermischt oder gegenseitig instrumentalisiert haben (z. B. wissenschaftliche Aussagen unter politischem Entscheidungsdruck), statt eine Sphäre pauschal der anderen vorzuwerfen.

Netzwerk-/Interessenanalyse**: strukturell (Beratungsgremien, Finanzierung, Doppelrollen) statt anklagend — wer saß wo, mit welcher Verflechtung zu welchem Interesse.

Prinzipal-Agent-Rekonstruktion**: Entscheidungsketten — wer entschied auf Basis welcher Information, wer trug welche Konsequenz.

Komparativer Ansatz**: Länder-/Regionenvergleich, um systemischen Mechanismus von kontingenter Einzelentscheidung zu trennen.

Institutioneller Rahmen**: unabhängige Kommission mit echtem Akteneinsichtsrecht (Modell Enquete-/Untersuchungsausschuss), zeitlich und personell von den untersuchten Institutionen getrennt — sonst untersucht sich das System selbst.

Der entscheidende Kipppunkt bleibt derselbe wie bei jeder Aufarbeitung: sobald die Warum-Frage nicht mehr über Mechanismus, sondern über unterstellte Absicht beantwortet wird, kippt die Methode in Parteinahme.

Ich werde es später nochmal besser formatieren.

Interessant. Irgendwann probiert das wer aus, aber ich denke, mittlerweile interessiert sich kaum noch jemand dafür, aus Gründen.

Ich hab tatsächlich alles in einen Topf (wer wollte was?) geworfen , also Politik- Medien-Gesellschaft- Wissenschaft- Pharmaunternehmen- Kulturszene- etc.- Wechselwirkung und dann extrapoliert. Was für die persönliche Einschätzung auch total ausreicht.

Na ja. Wenn man Akteure als absichtslos Handelnde und nur vom System Getriebene sieht, unterschlägt man aber einen Aspekt. So funktioniert vielleicht eine KI, aber kein Mensch.

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