Juli-Salon: How to Rule the World, Nolans Odyssee und die Romantik-Flaute

Ja in der Odyssee ist der Zyklop auch eine leidende Kreatur, aber auch eine sehr rücksichtslose und grobe. Das wird sogar im Film gezeigt, wie er einen Soldaten aufhebt und dann einmal den Oberkörper abbeißt. Da ist jede Menge rohe Gewalt im Spiel und die gesamte Sequenz hat was von einem Monsterhorror-Film, was dem Orginal auch, find ich, mehr näher kommt. Immerhin fängt er eigentlich an sie nach und nach aufzuessen. Das Niemand-Wortspiel macht ihn nicht unbedingt zu jemand naiven, sondern das Thema ist hier auch der Betrug und die Kränkung. Der Zyklop ist ja eine Kreatur von Poseidon. Das hätte zum Beispiel Teil eines Hybris-Themas sein können.

Naja es kann schlüssig sein, wenn man es auf den Film zurückbindet. Wobei ich das auch etwas müßig finde, weil ich finde nicht, dass der Film besonders gut seine Ideen kommunizieren kann. Wenn ich die Sequenz mit den Zyklopen auf den Film zurückbinde, dann würde ich behaupten, ist der Film etwas ungeschickt diese Idee von der untergehenden Zivilisation zu etablieren. Am Ende schießt Odyseus einfach ein Pfeil in die Höhle. Ich denk dass da durchaus an den falschen Stellen gekürzt wurde.

Sicher ist der Zyklop nach ethischen Maßstäben rücksichtslos und grob, aber ich finde, dadurch, dass er sehr kreatürlich dargestellt wird, misst man sein Verhalten nicht an menschlichen Maßstäben. Vielmehr erscheint sein Wesen als eine rohe ungebändigte Naturgewalt, die gleichgültig gegen die zivilisierte Welt ist und der die Vorstellung völlig fremd ist, diese ameisenartigen Tiere könnten für sich aufgrund ihrer verfeinerten Umgangsformen Vorrechte beanspruchen, die sie beispielsweise über sein Vieh hinausheben. Letztlich ist er aber der zivilisierenden, instrumentellen Verschlagenheit von Odysseus unterlegen, musste sich wahrscheinlich auch noch nie gegen derartige Täuschungen behaupten. Diese Hilflosigkeit ist es meiner Meinung nach, die unser Mitleid erregt. Hätte man stattdessen nach der Vorstellung dieser Übersetzerin daraus ein Duell zweier Schachspieler gemacht, indem man den Zyklopen zu einem großen, einäugigen Menschen “emanzipiert” hätte, dessen Bauernschläue keinen Kontrast zu Odysseus’ Verschlagenheit gibt, sondern lediglich eine Vorstufe davon ist, hätte der Episode diese Dimension, die durchaus an Horkheimer und Adornos Odysseus-Interpretation erinnert, gefehlt, und man hätte ebenso wenig Mitleid empfunden, da der Zyklop dann ja mit den selben gezinkten, nur längst nicht so guten Karten gespielt hätte. Um seine Kreatürlichkeit zu unterstreichen, war es meiner Meinung nach auch notwendig, ihn als Solitär darzustellen, der nicht in einer halbwegs zivilisierten Gemeinschaft mit anderen Zyklopen lebt, die sich wechselseitig helfen und füreinander da sind und an die sich seine Niemand-Rufe hätten richten können.

Als Hybris wird das Ganze doch durchaus thematisiert, allerdings weniger als eine, die sich gegen die Götter als Autoritäten auflehnt, denen man eigentlich blind gehorchen sollte. Odysseus wirft dieses Athene gerade vor, dass die Götter keine zweifellose Autorität darstellen, deren klar kommunizierte Befehle man nur noch blind umsetzen muss, wie es in seine Vorstellungswelt passen würde, da er anscheinend verlernt hat, in etwas anderem als instrumentalisierenden Machtrelationen zu denken. Worauf diese sinngemäß erwidert, dass die Dinge doch für sich sprechen, wenn man sie als sie selbst belässt. Es geht also um eine natürliche Ordnung, die auf vielen Ebenen verletzt wird, welche Verletzung in vielfältigen Aspekten sehr gut beleuchtet wird. Trotzdem bleibt diese ihrer Natur nach etwas schwammig, wenn dies den zivilisatorischen Rückschritt am Ende der Bronzezeit erklären soll. Konsequenterweise müsste man sagen, dass sich Kultur generell nur auf Kosten der Dialektik des dargestellten Prozesses erreichen lässt. Man kann dementsprechend auch nicht wirklich innerhalb des dargestellten Kulturraumes von einer natürlichen Ordnung des wechselseitigen Umgangs nach Zeus’ Gesetz und einer unnatürlichen Abwendung davon sprechen. Hier könnte man mal wieder gut Bertolt Brechts „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ entgegenhalten: auch der zivilisatorische Rückschritt am Ende der Bronzezeit hatte seine Ursachen nicht in der plötzlichen, ursachenlosen Verschiebung irgendwelcher Vorstellungswelten, sondern in Hungersnöten, die zu Völkerwanderungen führten.

Beim Narzissmus die gaming Passage. Wolfgang leitet die Ausführungen mit einem , " nicht bloß Kulturpessimismus" ein, und rattert die Aussagen dann ab ohne weitere Gedanken. So wird nahegelegt, dass sie Aussagen Sinn machen. Kann verstehen dass ihm die Rezeption von den doofen Gamern egal ist und er da nicht weiter Gedanken verschwendet, aber da wird wieder so ein Klischee von Affen am PC bedient. Als würde jeder Zocker sich in den Avatar hinein reflektieren und durch das Spielen in dem Spielecharakter verharren oder sonst was und zwar um der unkontrollierbarkeit des physischen Körper zu entrinnen..

Und natürlich sind alle Spiele kompetetiv.

Und die erhabenen Literatur Konsumenten sitzen immer reflektiert nach jedem Wort in ihre körperliche Grenze zurück reflektiert. Weder beim lesen noch Film schauen vergisst man seine Körperlichkeit. Oder Musik hören. Oder oder

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@HarmloserName … Oder um zu zeigen, dass er in überhaupt keiner zivilisierten Welt lebt - jedenfalls liegt tatsächlich in diesem Bild einer Kreatur das Mitleid Erregende.

Allerdings lässt Nolan einen großen Teil der vorgeblich zivilisieren Menschen immer wieder alles andere als zivilisiert aussehen, und zeigt in aller Drastik, zu welchen Verheerungen der Mensch auf allen möglichen Ebenen im Stande ist. Auf mich wirkt der Film weniger so, dass Nolan unbedingt die Odyssee erzählen wollte - eher, dass er sie als Grundlage nutzt, um etwas über unsere Gegenwart, Metaphysik und eine Hoffnung auf Zukunft nach dem derzeit laufenden unermesslichen zivilisatorischen Dilemma zu zeigen. Gleichzeitig erfolgt mit der ausführlichen Thematisierung Trojas ein Rückgriff: die Ereignisse wiederholen sich, Zivilisationsentwicklung, unmenschliche Aggression, Zivilisationsentwicklung, unmenschliche Aggression, … es wird eine Kontinuität angedeutet, zivilisatorische Verlässlichkeit ist eine Utopie. Ob er es so intendiert hat oder nicht, kann ich selbstverständlich nicht sagen - ich interpretiere allerdings die Besetzung der Rollen und einige sprachliche Anklänge als deutliche Verweise auf unsere aktuelle Zeit.

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Einen Zukunftsbezug kann man auch aufmachen: Odysseus hadert, wie durch seine List das Tor überhaupt erst geöffnet werden konnte, und sich Wut, Zorn und enthemmte Gewalt entlud.

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Versteh ich das eigentlich richtig, dass die alle von dieser Meritokratie besessen können und lieber Impost-Syndrom haben anstatt, weiß auch nicht, organisierter Betrug oder so wie Slavoj Zizek meinte, dass alle mit 1,0 bestehen lässt?