Juli-Salon: How to Rule the World, Nolans Odyssee und die Romantik-Flaute

Na gut, wir bleiben also weiter im Vagen.
Ich lasse mal noch ein Beispiel da. Ein Artikel über Fauci im Rolling Stone, Aufhänger sind die Tagebücher - aber offenbar hat der Autor vergessen, da mal reinzuschauen. Über seine Motive mache ich mir erstmal keine Gedanken - es ist einfach nur eine schlechte Arbeit.

Eine schlechte Arbeit mit einem klar erkennbaren Bias, so wie der FAZ-Artikel über Wolodymyr Jermolenko und Habermas - um mal einen kleinen Schwenk zurück in Richtung Salon zu machen. Die FAZ hat fertig, oder?

Was können wir konkret tun, um Ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten?

Es gab dann noch ein FAZ-Statement, das sich relativierend hinter Martens stellte. Finde das gerade leider nicht.

All das wirft ja jeder zum umrühren in seinen “Topf”.

Jedenfalls funktionieren Denkprozesse so. Am Ende steht dann eine Entscheidung, ein Gerichtsurteil, ein Kauf, ein Kreuz auf dem Wahlzettel.

Größere Überschneidungen sind dann z.B. in gesellschaftlichen Strömungen sichtbar.

Inhaltlich hab ich nichts auszusetzen.

Das Thema kam auf, ich hab eine eigene Erfahrung berichtet und du hast darauf reagiert. Ich hab meine Sicht dargestellt ohne auf den Inhalt einzugehen denn da sind wir uns einig.
Ich bin weder vage noch habe ich an deiner Position Kritik geäußert.

Deshalb spreche ich das an. Ist ein bisschen zu meinem Thema geworden…

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Das ist ein Tropfen aus der Gießkanne im Kriegsberichterstattungkampf um Deutungshoheit.

Aber durch die Einordnung ein ganz guter Medienschlagabtausch.

Der Ausgangspunkt ist, wie ich finde, daß dieser Krieg von den Westmächten begrüßt wurde. Vermutlich haben die sich alle win-win Szenarien ausgemalt, da der Krieg ja wirklich total stümperhaft und offensichtlich begonnen hat. ( Corona das Gleiche)

Und bisher hat es ja auch funktioniert, für die entscheidenden Akteure, wenn man schaut, wer Milliarden eingeheimst hat.

Wie im Podcast schon gesagt: es geht ums Geld, für einige wenige. Alle anderen bekommen was zum Nachdenken.

Ja, gut. Wenn man sich ein bisschen damit auskennt, ist das klar - so meinte ich das natürlich.

Absichten anderer kann man nicht kennen, nur zuschreiben oder deren Selbstzuschreibung übernehmen. Interessenkonflikte lassen sich gleichwohl durchaus transparent machen, weil sie ohne zugeordnete Absicht auskommen können. Ein bestimmtes Interesse muss nicht behauptet werden - es genügt, das Konfliktpotenzial darzustellen. Die Frage ist dann aus meiner Sicht auch nicht, wie sich betroffene Personen zur Sache und zum Umgang mit den potentiellen Widersprüchen äußern, sondern wie man sie von vornherein vermeidet.

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Der Kern vom Krieg und Corona war die Aussage: Das konnten wir nicht vorhersehen.

Penetrant, auf quasi allen Kanälen. Bis keiner mehr widersprochen hat. Und dann wurde die quasi- Verwirrung ausgenutzt.

Erst versuchten alle Virologie- Experten zu werden. Dann Kriegstaktiker. War natürlich zum Scheitern verurteilt.

Die Taktik ist auch nicht wirklich neu.

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Hmmm, ich muss mich irgendwie doof ausdrücken.

Das Kriterium ist nicht ob ich mich damit auskenne oder nicht, ich kann die oben aufgeführten Fragen nicht beantworten. Das sind aber für mich die entscheidenden Fragen. Deshalb ist für mich der Inhalt als solcher weder richtig noch falsch. Er löst etwas aus, da liegen wir nicht weit auseinander. Ich mach nur keine inhaltliche Schlussfolgerung. Das ist alles. Und jeder kann das gerne machen wie er/sie Bock hat.

Genau das, und keiner saß mit am Tisch. Ich nenne das Bundestrainer Syndrom. Und damit meine ich ausdrücklich die öffentliche Debatte und nicht die hier diskutierenden Forumteilnehmer.

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Bundestrainer Syndrom? Schicker Begriff. Den merke ich mir.

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Also bitte!

Wie kann man die Walexperten dabei unterschlagen?

Aaaaber bevor wir hier das Kind mit dem Bad ausschütten und “öffentliche Meinung” mit “Massenpsychose” ausschütten:

es gibt dann schon einen Unterschied zu bedenken bei “Kriegstaktiker”, die ja sehr unterschiedlich zu Ukraine/Gaza läuft und verlief…

(Wenigstens sind zu zweiterem keine deutschen Politikerinnen mit Leoparden-Bluse im Bundestag aufgekreuzt, wohl in der Gewissheit, dass es keinen “Leo” zu befreien gäbe, weil die Geschäfte schon ganz gut laufen… die “Staatsräson”-Argumente aber schon fast an “Schwurbelei” grenzend gegen die offen sichtbare Realität immer wieder wiederholt werden…)

Was nicht stört kann bis in den Exzess getrieben werden, was passt wird in Politik übernommen, was nicht passt wird (mit steigender Härte) bearbeitet…

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War das so? Ich erinnere eher, dass alle Drosten nachplapperten und taten, was der sagte. Die Corona-Zeit im damaligen Aufwachen!-Podcast inklusive dessen Forum ist in meiner Erinnerung noch sehr präsent - und die Drosten-Hörigkeit zog sich ja dann durch bis in die Neuen Zwanziger (Dez. 2021, Ungeimpfte als Hindernis auf dem Weg in die Endemie etc.).

Von “Massenwahn” sprach Richard David Precht in Bezug auf die Angst vor Putins Russland. Während Corona hingegen schreib er ein Buch “Von der Pflicht” - hat das mal jemand von euch gelesen?

Hast du die Corona Demos vergessen?
Es gab breit diskutierte Gegenbewegungen die allerdings pauschal als rechter Abschaum mit Aluhut bezeichnet wurden. Die Diskussion war breit, aber sehr sehr zugespitzt. Daraus hatte sich ja auch eine neue „Friedensbewegung“ entwickelt. Fragt man heute danach, gerade im Linken Spektrum hört sich das garnicht an, weil keiner was sagt. Noch schlimmer im liberalen Spektrum, da hat man den Eindruck die waren gar nicht anwesend. Bis auf ein paar sehr verwirrte und umso lautere Stimmen, die Aufrüstung top notch finden. Die findet man jetzt allerdings auch bei den Linken wegen der Verantwortung dem Staate gegenüber. Also kein so einfaches Bild.

Unser Fernsehphilosoph wird halt nicht konfrontiert, wahrscheinlich weil es so beschämend ist eine Gegenfrage auszuhalten.

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Ich müsste das gelesen und vergessen haben. Ich glaube er hat da einfach kritisiert, dass Kinder instrumentalisiert werden und nicht als ein Zweck angesehen werden in der Krise. Sowas wie die Argumentation, dass Kinder sich nicht treffen dürften sei gegen Kant Würdekonzept und mache sie zu einem Mittel für die eigene Gesundheit oder sowas.

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Wie gesagt, versucht. Als ob sich vorher irgendwer auch nur am Rande mit dem Thema beschäftigt hätte. War doch alles voll jeden Tag, jede Nachrichtensendung, Extras, Talkshows, Bundespressekonferenz, Podcasts und alles in leichter Sprache.

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Lass Timmy/Hope hier raus, er hat sich das nicht ausgesucht!:upside_down_face:

Die von Stefan vorgetragene Kritik an Christopher Nolans Odyssee bietet einige interessante Aspekte, kann aber wegen der fehlenden Methodik kaum als besonders fundiert gelten. Eine solche sollte bei der Makro-Ebene anfangen und sich von da aus stückweise ins Detail, die Ästhetik etc. verästeln. Der Film steht hier erstmal für sich, und für die Beurteilung des Films ist es nicht relevant, wie nah sie an dem Epos von Homer, der historischen Zeit etc. bleibt. Dementsprechend ist die Kritik der einen Übersetzerin in der Art, wie sie vorgebracht wird, relativ nichtig. Es ist auch meiner Meinung nach offensichtlich nicht so, dass es in dem Film um Technik geht. Das Trojanische Pferd ist in dem Film keine Technologie (übrigens wird das Schiff der Phaeaken von Poseidon versteinert und diese auf ihrer Insel isoliert, nachdem sie Odysseus mit den selbstnavigierenden Schiffen geholfen haben). Wenn man nicht in freischwebender Assoziation dieses und jenes im Film mit diesem und jenem assoziiert, ist der Grundriss des Films, finde ich, relativ klar. Es soll der Untergang einer Zivilisation gezeichnet werden, der in einer Entgrenzung der ethischen Maßstäbe und der auf ihnen beruhenden kooperativen Normen beruht. Die düstere Grundstimmung entspricht dem durchaus mehr als eine heitere, farbenfrohe Antike. Dieser konservative Grundgedanke an sich ist sicher als etwas oberflächlich zu kritisieren, ebenso, dass Nolan hier nicht wie zum Beispiel in den Batman-Filmen mit vielschichtige Symbolisierungen arbeitet, die eine komplexe Textur ergeben, sondern dem Zuschauer anhand von Odysseus’ Erkenntnisweg seinen eigenen vorzeichnet. Dass der Film in dieser Hinsicht eher an ein Lehrstück erinnert, lässt die in Hollywood-Semantik inszenierte Tragik des Films als falsch erscheinen. Zu loben ist meiner Meinung nach, wie er seinen Grundgedanken mit einer vielschichtigen Motivstruktur in vielen Aspekten beleuchtet und plastisch ausarbeitet. In dieser Hinsicht ist der Film sehr dicht gestrickt in seinem artistischen Bemühen, die Mannigfaltigkeit des Epos zu strukturieren. Allerdings wirkt dieses Bemühen für mich in dem Film etwas gewaltsam, und man kann sich die Frage stellen, ob die Grundkonzeption der Odyssee, die gerade eben auch auf der Vielfältigkeit der verschiedenen Episoden beruht, so dafür geeignet ist, stramm auf eine Linie gebracht zu werden.

Für die Beschäftigung mit dem Mythos der Odyssee, ihrer Historicität und der dazu einnehmbaren (filmischen) Verhältnisse finde ich Jean-Luc Godards “Die Verachtung” weitaus lohnender als das allermeiste an Texten, was zum Film von Nolan geschrieben wurde.

Find ich nicht, bzw. “relativ nichtig” ist etwas zu extrem. Es ist ja so, dass Nolan den Namen “The Odyssee” benutzt und sich relativ gut an die Vorlage hält bis zu bestimmten Punkten. Die Frage ist, warum er sich hier und da von dem Werk entfernt wie dieses “Niemand”-Wortspiel und warum er dafür anderes wie das trojanische Pferd mit hineinnimmt (was eben nicht Teil des Epos für sich ist) und dann trotzdem den Namen “Odyssee” benutzt.

Die Übersetzer und Philologen fragen sich seit je her, was es mit den Werk auf sich hat und dann bietet Nolan eine Interpretation an, die vielleicht oder vielleicht auch nicht passend sein kann. Da kann eine Übersetzerin auch mal eine Meinung haben. Um da auch ein altes Thema wieder mit zu erwähnen: man muss schon in Dialog mit den Werk und manchen Autoren treten, wenn man diese großen Namen bearbeitet. Man steht so oder so in einer Linie mit den anderen. Ich denke nicht, dass man das in einer Gesamtbetrachtung einfach so ausklammern kann.

Ja, und dieser Frage lässt sich auf die Spur kommen, indem man die einzelnen Episoden in Relation zu der Gesamtkonzeption des Films sieht. Was den Zyklopen angeht, würde ich Wolfgang zustimmen, dass dieser hier als leidende Kreatur erscheint, was er weniger tun würde, wenn wir als Zuschauer amüsiert rezipieren würden, wie er auf das Niemand-Wortspiel reinfällt. Natürlich kann man sich viele verschiedene Verfilmungen der Odyssee vorstellen und vielleicht auch einige noch gelungenere, in denen einiges anders ist und sich darüber Gedanken zu machen, ist zweifellos sehr interessant. Nicht schlüssig ist es allerdings, die eigenen liebgewonnenen Aspekte zu totalisieren und zum Maßstab einer Kritik zu machen, deren Referenzobjekt der Film in seiner rekonstruierten Ganzheit sein sollte, aber nicht das Epos von Homer oder die eigenen Assoziationen zu diesem oder jenem.

Im Dialog mit dem Epos von Homer steht der Film so oder so, getreu des Mottos: „Man kann nicht kommunizieren“. Interessant wird der Dialog, wenn er das Spannungsverhältnis, das durch den zeitlichen Abstand entsteht, mitreflektiert, wie es sich unter anderem in den Neuinterpretationen einzelne Episoden durch Nolan niederschlägt.