Macht verstehen

Macht verstehen – ein Versuch

Alle Gedanken hier sind eigene Beobachtungen. Sie basieren auf keiner wissenschaftlichen Methodik, sind streitbar und sollen genauso begriffen werden.


I. Der Ausgangspunkt

Dieser Text entstand aus einer Diskussion hier im Forum – über Moral, System und die Frage warum politische Argumente so oft aneinander vorbeilaufen. Irgendwann in dieser Auseinandersetzung wurde mir klarer was mich eigentlich beschäftigt: nicht die Frage wer recht hat, sondern wie die Mechanismen funktionieren die bestimmen ob überhaupt geredet werden kann.

Das führte mich zur Thematik Macht. Nicht als abstraktem Begriff – sondern als etwas das ich in verschiedenen Kontexten direkt erlebt habe. In einer Institution die ihren Anspruch darin sah bessere Menschen für eine bessere Gesellschaft zu formen – und in der Machtgefälle wirkten die niemand benennen konnte weil das institutionelle Selbstbild keinen Raum dafür ließ. In Arbeitsverhältnissen wo Zwang als Eigenverantwortung erschien. In Diskussionen wo Begriffe bereits Urteile transportierten bevor jemand eine Position bezogen hatte.

Das ist kein Vorwurf an einzelne Personen. Es ist eine Beobachtung eines Musters. Und das Muster wiederholt sich – in kleinen Gemeinschaften genauso wie in großen Strukturen.

Die Frage die mich seither begleitet ist nicht: Wer ist schuld? Sondern: Wie funktioniert das? Und was verändert sich wenn ich es erkenne?


II. Macht als Grundprinzip

Macht ist kein Ausnahmezustand. Sie ist die Grundbedingung menschlichen Zusammenlebens – auf allen Ebenen gleichzeitig.

Auf der internationalen Ebene dominieren wenige Staaten globale Institutionen und setzen Regeln an die sich schwächere halten müssen ohne sie mitgestaltet zu haben. Auf der wirtschaftlichen Ebene akkumulieren Konzerne Einfluss der weit über Marktmechanismen hinausgeht. Auf der institutionellen Ebene – in Unternehmen, Schulen, Vereinen – wirkt Macht oft unsichtbar, getarnt als Zuständigkeit oder Expertise. Auf der sozialen Ebene strukturieren Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Herkunft den Zugang zu Ressourcen, Anerkennung und Entscheidungsmacht – patriarchale Strukturen sind dabei eines der ältesten und stabilsten Beispiele: historisch durchgesetzt, dann als natürliche Ordnung legitimiert, heute oft unsichtbar weil internalisiert. Und auf der interpersonalen Ebene entscheiden Fragen wie wer mehr liebt, wer mehr verdient, wer lauter spricht darüber wer gestaltet und wer sich besser anpasst.

Bis hinunter zur individuellen Ebene – zu den eigenen Impulsen, Ängsten, übernommenen Narrativen – ist Macht wirksam. Wo ich über mich selbst keine Macht habe werde ich zum Spielball äußerer Kräfte. Und wo ich innere Unsicherheit durch äußere Kontrolle kompensiere werde ich selbst zur Quelle von Machtausübung über andere.

Das klingt ernüchternd. Es soll ernüchternd klingen.

Denn solange wir Macht als Ausnahme behandeln – als etwas das böse Menschen ausüben und gute Menschen ablehnen – verstehen wir den Mechanismus nicht. Wir moralisieren ihn. Und damit entlasten wir genau die Strukturen die wir eigentlich hinterfragen wollten.

Macht funktioniert auf allen Ebenen nach derselben Logik: Sie akkumuliert sich. Sie reproduziert sich. Sie sucht Legitimation. Und sie instrumentalisiert alles was ihr dabei nützt – Begriffe, Emotionen, Institutionen, Menschen.

Die Ebenen sind dabei nur deskriptiv. Der Mechanismus ist derselbe. Was sich unterscheidet ist die Reichweite. Und die Konsequenzen für andere.


III. Ausgeliefertsein als Ausgangspunkt

Macht zu erkennen und den Mechanismus dahinter zu verstehen beginnt mit einer unbequemen Erkenntnis: Ich bin ausgeliefert.

Nicht nur als Ohnmächtiger. Auch als jemand der Macht ausüben kann – denn er muss damit rechnen, Macht zu verlieren. Je mehr Macht in einer Klasse akkumuliert werden kann, desto größer ist die Gefahr innerhalb dieser Klasse erpressbar zu werden. Machtkonzentration erzeugt nicht nur Instabilität nach außen – sie erzeugt Verletzlichkeit nach innen.

Das ist die Grundbedingung. Jeder bewegt sich gleichzeitig auf beiden Seiten – ausgeliefert dort wo die Reichweite anderer größer ist, wirkmächtig dort wo die eigene Reichweite reicht.

Dabei ist wichtig zu sehen: Ausgeliefertsein ist nicht gleich verteilt. Patriarchale Strukturen, Klassenzugehörigkeit, Herkunft – sie alle verschieben die Topografie. Wer in mehrfach benachteiligten Positionen lebt hat strukturell weniger Wirkkreis. Das ist kein individuelles Versagen. Es ist der Mechanismus.

Ohnmacht und Macht sind keine Zustände. Sie sind Relationen. Vorzeichen auf derselben Achse.

Wenn ich das ernst nehme beginne ich die eigene Topografie zu kennen – wo bin ich ausgeliefert, wo kann ich gestalten. Das ist keine tröstliche Erkenntnis. Aber es ist eine reale. Und ein wichtiger Hinweis: Den Zwang zu akzeptieren bedeutet nicht ihn zu legitimieren. Ich erkenne was ist – um von dort aus bewusst zu handeln, nicht um mich damit abzufinden.


IV. Hegemonie – wenn Macht unsichtbar wird

Es gibt eine Form von Macht die besonders stabil ist weil sie sich selbst unsichtbar macht.

Antonio Gramsci nannte das Hegemonie – die Fähigkeit einer Ordnung ihre eigenen Wertvorstellungen als allgemeinen Menschenverstand erscheinen zu lassen. Als das was einfach so ist. Als Natur statt als Entscheidung.

Hegemonie braucht keine Gewalt. Sie braucht keine Drohung. Sie funktioniert weil die Beherrschten die Herrschaft selbst tragen – nicht weil sie gezwungen werden, sondern weil die Kategorien in denen sie denken bereits von der Machtstruktur geformt wurden.

Das zeigt sich in Begriffen. „Sachzwang” klingt nach Beschreibung – ist aber Bewertung. „Leistungsträger” klingt nach Deskription – transportiert aber eine Moral. „Chancengleichheit” verspricht Machtgleichheit am Startpunkt – und legitimiert damit jede Ungleichheit die danach entsteht. Diese Begriffe sind nicht neutral. Sie sind bereits die Vermischung.

Hegemonie erklärt auch warum der Wettbewerb als so natürlich gilt. Er ist anthropologisch real – Ressourcenknappheit erzeugt Konkurrenz. Aber er ist nicht das Fundament menschlichen Zusammenlebens. Das Fundament ist Kooperation. Wettbewerb ist ein Mechanismus innerhalb sozialer Strukturen – nicht ihr Grundprinzip. Die hegemoniale Erzählung dreht das Verhältnis um. Und wer in dieser Erzählung aufgewachsen ist merkt die Umkehrung nicht mehr.

Dasselbe gilt für patriarchale Strukturen – vielleicht das älteste und wirkmächtigste Beispiel für Hegemonie überhaupt. Jahrtausende lang als natürliche Ordnung beschrieben – als biologische Notwendigkeit, als göttlichen Willen, als kulturelle Selbstverständlichkeit. Was tatsächlich vorliegt ist eine historisch durchgesetzte Machtverteilung die sich so tief in Sprache, Institutionen und individuelle Selbstbilder eingeschrieben hat dass sie für viele aufgehört hat als Machtstruktur sichtbar zu sein. Das ist Hegemonie in ihrer effektivsten Form: wenn die Beherrschten die Herrschaft nicht nur tragen sondern verteidigen.

Gramsci wird heute von beiden Seiten rezipiert. Links als Kritikwerkzeug – zeige die verborgene Machtstruktur. Rechts als Strategie – baue eine konkurrierende Hegemonie. Das ist selbst ein Beleg dafür dass der Mechanismus neutral ist. Die Frage ist wer ihn mit welchem Bewusstsein einsetzt.


V. Angst als Werkzeug – nicht als Ursache

Herrschaftslogik funktioniert nicht durch rohe Gewalt allein. Gewalt ist teuer, sichtbar, delegitimierend. Je weniger direkte Gewalt eine Machtstruktur einsetzen kann, desto mehr muss sie über andere Mechanismen laufen.

Einer davon ist Angst.

Aber Angst ist nicht das Grundprinzip – sie ist ein Werkzeug. Ein Produkt der Machtstruktur, nicht ihre Ursache. Angst zur Ursache zu machen verwechselt Wirkung mit Mechanismus. Und landet damit in der nächsten Falle.

Herrschaftslogik erzeugt Angst, kanalisiert sie auf Feindbilder und Sündenböcke, und nutzt sie als Legitimation für weitere Machtkonzentration. Das Muster ist konstant – ob auf der staatlichen Ebene wo Bedrohungsszenarien innere Machtstrukturen zementieren, ob auf der wirtschaftlichen Ebene wo Prekarität Konkurrenz erzeugt die Konkurrenz verstärkt, ob auf der sozialen Ebene wo Zugehörigkeit durch Ausschluss definiert wird.

Aus Angst zu handeln bedeutet steuerbar zu sein. Nicht weil man dumm ist – sondern weil der Mechanismus nicht erkannt wird. Die Angst fühlt sich wie Realität an. Sie ist aber bereits das Ergebnis einer Struktur die sie erzeugt hat.

Das zeigt sich auch an Bewegungen die Machtstrukturen kritisieren wollen – und dann aus der Angst heraus handeln statt den Mechanismus zu verstehen. Sie benennen reale Ungleichgewichte. Sie springen dann aber zur Verschwörung statt zum Mechanismus. Weil die Angst Handlungsanweisung wird statt Information. Das ist Herrschaftslogik von unten – dieselbe Struktur, umgekehrte Vorzeichen.


VI. Selbstlegitimation und Selbstermächtigung

Hier liegt das feinste aber wichtigste Missverständnis.

Selbstlegitimation bedeutet: Ich passe mich unbewusst an den Zwang an – und nenne es meine Entscheidung. Oder ich erkenne den Zwang, bilde mir aber ein mehr Reichweite zu haben als ich habe. Die Angst wird durch halbe Wahrheiten legitimiert. Die eigene Position wird zur einzig richtigen erklärt.

Das klingt nach Ausnahme. Es ist die Regel – auf allen Ebenen. Auf der institutionellen Ebene propagieren Organisationen Nähe und Wärme und erzeugen damit unsichtbare Machtgefälle die niemand mehr benennen kann. Wer die Asymmetrie leugnet macht sie gefährlicher – nicht harmloser. Auf der sozialen Ebene wird Gruppenidentität zur moralischen Überlegenheit. Auf der individuellen Ebene wird die übernommene Herrschaftslogik zur eigenen Überzeugung.

Selbstermächtigung beginnt genau dort wo dieser Mechanismus erkannt wird. Nicht mit der Überwindung des Zwangs – das wäre Utopie. Sondern mit dem Verstehen was er bedeutet und wie er wirkt.

Konkret bedeutet das drei Schritte: Den Zwang akzeptieren – die eigene Ausgeliefertheit anerkennen ohne sie zu dramatisieren oder zu verleugnen. Die eigene Topografie kennen – wissen wo die Reichweite endet und wo sie beginnt. Aus diesem Wissen heraus handeln – innerhalb des tatsächlichen Wirkkreises, bewusst und mit Blick auf die Konsequenzen für andere.

Das ist kein Ausweichmanöver. Der Unterschied zur Resignation liegt nicht im Handeln selbst – sondern im Bewusstsein über das Handeln. Und der Unterschied zur Selbstlegitimation liegt in einem einzigen Punkt: dem Rückbezug auf die eigene Ausgeliefertheit. Wenn ich sie vergesse gleite ich von Ermächtigung in Legitimation – ohne es zu merken.


VII. Eigenverantwortung richtig gedacht

Eigenverantwortung ist einer der am stärksten vergifteten Begriffe in diesem Zusammenhang.

Von rechts wird er als moralische Forderung eingesetzt: Du bist allein zuständig, das System ist neutral. Das individualisiert strukturelle Probleme und entlastet die Machtstruktur. Sie muss nichts tun – du machst ihre Arbeit selbst. Die Machtstruktur ist nicht nur stabil – sie ist auch bequem. Sie hat die Abkürzungen bereits gebaut. „Mach was draus” erledigt die Arbeit für sie.

Von links wird Eigenverantwortung deshalb fast reflexartig abgelehnt – weil er als Verschleierung von Systemzusammenhängen gelesen wird. Auch das ist verständlich.

Aber beides greift zu kurz.

Eigenverantwortung funktioniert nur innerhalb des eigenen Wirkkreises. Außerhalb beginnt Mitverantwortung – die Frage was andere mit ihrer Reichweite tun und wie ich mich dazu verhalte. Wer Eigenverantwortung auf Bereiche außerhalb seines Wirkkreises anwendet landet in Selbstüberschätzung. Wer sie innerhalb verweigert landet in Resignation.

Eigenverantwortung ohne Topografie ist Ideologie. Mit Topografie wird sie zur Praxis.


VIII. Die Arbeitswelt als Lehrstück

Nirgendwo wird Ausgeliefertsein so direkt erfahrbar wie in der Arbeitswelt. Und nirgendwo wird es so systematisch verschleiert.

Das Arbeitsverhältnis ist strukturell asymmetrisch – nicht zufällig, sondern konstitutiv. Wer Arbeit verkauft ist abhängig von denen die sie kaufen. Das ist keine Moralisierung. Es ist eine Beschreibung des Mechanismus.

Was die Hegemonie dabei leistet ist bemerkenswert: Sie übersetzt diese Asymmetrie in eine Sprache der Freiwilligkeit. „Flexibilität” klingt nach Freiheit – meint aber Schutzlosigkeit. „Eigeninitiative” klingt nach Ermächtigung – meint aber Risikoverlagerung auf den Einzelnen. „Leistungsträger” klingt nach Verdienst – legitimiert aber Ungleichheit als natürliches Ergebnis.

Der Zwang ist real. Wer den Arbeitsplatz verliert verliert Einkommen, soziale Einbindung, oft Identität. Diese Verlustangst ist der psychologische Hebel über den Herrschaftslogik im Alltag wirkt – ohne Gewalt, ohne Drohung, fast ohne Aufwand.

Was ich daran interessant finde: Das Arbeitsverhältnis macht den Unterschied zwischen Selbstlegitimation und Selbstermächtigung konkret erfahrbar. Wer den Zwang nicht erkennt passt sich an und nennt es Eigenverantwortung. Wer ihn erkennt kann entscheiden – innerhalb seiner tatsächlichen Reichweite – wie er sich dazu verhält. Das verändert nicht die Struktur. Aber es verändert die Deutung. Und damit was möglich wird.

Was dabei oft passiert wenn der Zwang ignoriert wird: Es entsteht zunächst ein diffuses Gefühl – irgendetwas stimmt nicht. Wird dieses Gefühl nicht ernst genommen oder kann es nicht eingeordnet werden, entwickelt es sich zur psychischen Belastung, dann zur Störung, zuletzt zum Trauma. Der Mechanismus bleibt dabei unsichtbar – und genau das macht ihn so wirksam.

Das gilt auf der institutionellen Ebene genauso wie auf der interpersonalen – wer im Unternehmen Budgets verwaltet oder Karrieren entscheidet hat strukturelle Macht die oft als bloße Zuständigkeit erscheint. Auch das ist Hegemonie: Macht die sich selbst als Expertise verkleidet.


IX. Warum linke Politik keine Traktion entwickelt

Das ist eine provokante These. Ich stelle sie trotzdem.

Rechte Politik folgt dem Machtmechanismus ohne Reibung. Wettbewerb, Verlustangst, Identität – das sind kognitiv niedrigschwellige Muster die an vorhandene psychologische Strukturen andocken. Sie nutzen die hegemoniale Erzählung – Wettbewerb als Natur, Erfolg als Verdienst, Verlust als Bedrohung. Die Abkürzung wurde nicht erfunden – sie wurde gefunden und genutzt.

Die Arbeitswelt ist dabei der effektivste Hebel. Prekarität erzeugt Konkurrenz – Konkurrenz erzeugt Prekarität. Wer den Arbeitsplatz verlieren könnte denkt nicht an Solidarität sondern an Selbsterhalt. Das ist kein Versagen des Individuums. Es ist der Mechanismus der greift. Und rechte Politik hat gelernt ihn anzusprechen ohne ihn zu benennen – durch Begriffe wie Leistung, Flexibilität, Eigenverantwortung die das Ausgeliefertsein als persönliche Entscheidung rahmen.

Linke Politik versucht den Mechanismus zu benennen – und moralisiert ihn dann. Damit verliert sie den Vorteil den sie hätte haben können. Intellektuelle Redlichkeit erzeugt Komplexität. Komplexität kostet Energie. Politische Traktion entsteht durch Verdichtung – nicht durch Komplexität.

Das eigentliche Dilemma ist tiefer: Wer auf Vernunft und Ausgleich setzt gibt strukturell Reichweite auf. Das ist kein Denkfehler. Es ist der Preis der bewussten Entscheidung gegen Rücksichtslosigkeit.

Menschen reduzieren Komplexität – das ist Kognition, keine Schwäche. Die Frage ist welche Abkürzung genommen wird und wer sie gebaut hat. Abkürzungen sind nicht der Feind der Komplexität. Sie sind ihr Werkzeug. Linke Politik könnte Traktion entwickeln wenn sie begreift dass eine redliche Abkürzung möglich ist – eine die verdichtet ohne zu verschleiern. Eine die an der Erfahrung von Ausgeliefertsein andockt – ohne sie zu instrumentalisieren.


X. Schule – wo Machtbewusstsein entsteht oder verhindert wird

Erfahrung mit Macht zu machen ist notwendig – nicht als Schaden sondern als Lernprozess. Wer nie gelernt hat mit Machtgefällen umzugehen, sie zu erkennen und zu benennen, steht später hilflos davor. Und man begegnet ihnen überall.

Schule wäre der naheliegende Ort wo dieser Lernprozess beginnen könnte. Sie ist der erste gesellschaftliche Raum außerhalb der Familie wo Machtstrukturen systematisch erlebt werden – in der Asymmetrie zwischen Lehrenden und Lernenden, in der Bewertungshoheit, in der Gestaltung von Wissen und Sprache.

Aber was dort oft passiert ist das Gegenteil: Die Asymmetrie wird nicht sichtbar gemacht – sie wird verschleiert. Manchmal durch Autorität die sich nicht reflektiert. Häufiger durch gut gemeinte Konzepte die Nähe mit Machtverzicht verwechseln. Eine Institution die sich als Familie versteht erzeugt keine Gleichheit – sie erzeugt ein Machtgefälle das sich niemand mehr benennen kann. Wer das Kind duzt und sich Lernbegleiter nennt übt trotzdem Macht aus. Nur jetzt ohne die Sprache die Grenzverletzungen beschreibbar machen würde. Unsichtbare Macht ist gefährlicher als sichtbare – weil sie nicht benannt, nicht angefochten, nicht kontrolliert werden kann.

Die Alternative ist nicht Distanz als Kälte – sondern Distanz als Schutz. Klare Rollen haben klare Grenzen. Und klare Grenzen haben benennbare Verletzungen.

Das eigentliche Versäumnis liegt aber tiefer. Schule vermittelt kein Machtbewusstsein – nicht trotz guter Absichten, sondern wegen ihrer strukturellen Funktion. Sie reproduziert die Strukturen in denen sie operiert. Gehorsam, Leistungsbewertung, Wissenskanon – alles funktional für eine Gesellschaft die Wettbewerb als Grundmechanismus braucht. Dazu gehören auch patriarchale Strukturen die sich in Lehrplänen, Sprache, Rollenbildern und institutionellen Hierarchien fortschreiben – oft ohne dass es jemand bewusst entschieden hat. Machtbewusstsein zu vermitteln würde bedeuten all das sichtbar zu machen. Und damit die eigene Legitimationsgrundlage zu hinterfragen. Das ist strukturell nicht vorgesehen.

Was wäre die Alternative? Nicht Systemkritik als Lehrplan. Sondern Mechanismen sichtbar machen – im Geschichts-, Politik- und Philosophieunterricht. Nicht die Kälte mit Wärme überdecken sondern sie zum Gegenstand machen. Erst verstehen wie etwas funktioniert. Dann bewerten ob wir das wollen.

Machtausübung verursacht Traumata – auf allen Ebenen, vom interpersonalen bis zum gesellschaftlichen. Ein Trauma ist schwer überwindbar wenn die Zusammenhänge mit Machtausübung nicht erkannt werden können. Das ist kein pädagogisches Randthema. Es ist ein Kernproblem – weil es sich von der individuellen Ebene unbearbeitet durch alle anderen fortsetzt.


XI. Machtbewusstsein als Praxis

Was bleibt ist keine Lösung. Es ist eine Haltung.

Machtbewusstsein bedeutet nicht Systemanalyse. Nicht Theorie. Sondern die Fähigkeit die eigene Erfahrung von Macht realistisch zu deuten – weder zu dramatisieren noch zu verleugnen. Den Zwang erkennen. Die Ausgeliefertheit akzeptieren. Den eigenen Wirkkreis kennen.

Dieselbe Erfahrung – Ohnmacht, Zwang, Ausgeliefertsein – kann unterschiedlich gedeutet werden. Die unbewusste Deutung macht den Zwang zur Normalität. Die verzerrte Deutung macht ihn zur absoluten Ohnmacht oder zur überwindbaren Schranke. Die realistische Deutung akzeptiert ihn – und findet von dort den tatsächlichen Wirkkreis.

Wenn ich den inneren Machtkampf und den äußeren als denselben Mechanismus begreife – dann habe ich einen Ansatzpunkt der weder utopisch noch moralisierend ist. Und der an einer Stelle beginnt die ich kenne – im eigenen Erleben.


XII. Schluss

Machtgleichheit ist nicht das Ziel. Sie ist ein statisches Ideal das dem Mechanismus widerspricht. Macht ist kein Zustand – sie ist ein Prozess. Das realistischere Ziel ist Balance als Dynamik – ein System das Akkumulation erkennt und Ausgleichsmechanismen aktiviert bevor der Knall kommt. Nicht stabil. Aber resilient.

Ich habe keine große Lösung. Ich habe eine Beobachtung.

Ich erlebe es als Möglichkeit – nicht als Versprechen – den Mechanismus zu kennen. Nicht weil die Angst verschwindet – sondern weil ich sie als Information nutzen kann statt als Handlungsanweisung. Nicht weil ich keine Macht mehr ausübe – sondern weil ich versuche zu wissen was ich dabei tue und für wen. Nicht weil ich die Hegemonie überwunden habe – sondern weil ich ihre Kategorien bewusster wahrnehme.

Das beginnt im Kleinen. Im Innehalten bevor man urteilt. Im Fragen bevor man zuordnet. Im Erkennen der eigenen Ausgeliefertheit bevor man die der anderen benennt.

Macht zu verstehen bedeutet sich selbst als ausgeliefert zu erkennen.

Das ist kein tröstlicher Satz. Aber es ist ein ehrlicher.

Und vielleicht – wenn wir das öfter versuchen – wird aus Bewusstsein irgendwann Praxis. Nicht als Versprechen. Als Möglichkeit.


Dieser Text ist ein Entwurf. Er ist streitbar und soll es sein.

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Das ist viel Text. Hast du schon mal daran gedacht das auf Steady, Substack oder auf einer eigenen Website zu veröffentlichen und dann ein Link hier zu posten?

Wenn hier was von LLMs kopiert wurde, kannst du dann markieren wo?

Ich hab meine Probleme den Hegemoniebegriff so einfach anzuwenden, weil zum einen denkt Gramsci von einer zentralen Partei aus, die eine “führende Rolle” übernehmen soll mit “organischen Intellektuellen” als Interessenvertreter und Konsensformierern. Und zum anderen müsste imo dafür am Ende Staat, Zivilgesellschaft und Ökonomie zusammenfunktionieren. Momentan ist die Ökonomie eher losgelöst von allem und verbreitet Unbehagen. Das ist imo auch etwas, was die Rechten nicht verstehen, weswegen sie zu keinem Ergebnis oder Hegemonie kommen können, was standhaft sein könnte.

Ich verwende den Begriff Hegemonie funktional, weil ich zu entdecken glaube wie er sich auf verschiedenen Ebenen entfaltet hat. Gramsci hat ihn geprägt und deshalb findet er Erwähnung.

Ich hab tatsächlich überlegt sowas auf Substack oder ähnlichen Plattformen zu veröffentlichen.

Aber, ich bin Handwerker der sich versucht mit Fragen wie diesen auseinanderzusetzen. Ich hab auch gefragt ob es möglich wäre PDFs anzuhängen. Scheinbar geht das nicht.

Was die Methodik betrifft, ich erarbeite mir ein Gedankengerüst was ich mit Hilfe von KI ausformuliere.

Folgende Texte werden sicher kürzer werden. Da ich davon ausgehe, dass die Aufmerksamkeitsspanne hier in diesem Forum groß genug ist hoffe ich trotzdem niemand zusehr von anderem abzuhalten.

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Du verwendest den Hegemoniebegriff ja für mehrere Ebenen gleichzeitig.
Bei Gramsci liegt der Ausgangspunkt aber ziemlich stark in der Produktionsweise.
Er beschreibt zum Beispiel den amerikanischen Fordismus so:

Die Hegemonie entspringt in der Fabrik und braucht zu ihrer Ausübung nur eine minimale Menge professioneller Vermittler der Politik und der Ideologie.

Und an anderer Stelle geht es darum, wie daraus ein “way of life” für alle Schichten entsteht.

Hegemonie in diesem Zusammenhang fragt also danach, wie sich die neuen Anforderungen sowie Möglichkeiten der rationalisierten Massenproduktion zu einem umfassenden und tragfähigen geschichtlichen Block verallgemeinern lassen, zu einem für alle Schichten erneuerten way of life.

(Dieser zweite Satz ist nicht von Gramsci direkt, sondern von Thomas Barfuss/Peter Jehle und aus “Antonio Gramsci zur Einführung” kopiert)

Das klingt eigentlich ziemlich nah an dem, was du über Arbeitswelt und Begriffe wie “Eigenverantwortung” beschreibst.

Siehst du den Ursprung der Hegemonie auch eher in der Organisation von Arbeit und Produktion oder denkst du stärker diskursiv?

Mein Punkt geht eher in Richtung Mechanik. Was Du angemerkt hast, ist eigentlich Teil davon weshalb Macht nicht unbedingt vordergründig agieren muss, sondern eine Mechanik - sei es durch ein Narrativ oder auch ohne - so wenig Energie darauf verwendet als möglich um bestimmte Ziele zu erreichen. Ich löse das etwas weil ich zeigen will wie das auf anderen Ebenen durch Gewohnheit oder falscher Einsicht reproduziert wird. Durch ein Bewusstsein über die Funktion könnte dem etwas entgegengesetzt werden. Was sich aber unmittelbar auf den eigenen Wirkkreis bezieht. Wenn es gelingt diesen Wirkkreis für viele bewusst werden zu lassen entsteht Macht.

Es gab doch im Podcast mal eine Besprechung von Sloterdijks “ Kritik der zynischen Vernunft”.

Ein Buch über den Satz: Wissen ist Macht.

Da ging’s drum, daß sich zur Macht auch immer eine Gegenmacht formiert, die mehr oder weniger erfolgreich sein kann.

Ich würde sagen, daß eine Analyse der eigenen Bedürfnisse wichtiger ist, als eine der Machtverhältnisse.

Da ich gerade selber betroffen bin- ich brauch nen anderen job- war’s gut zu reflektieren, sich viel mit Freunden zu unterhalten usw. Schließlich fand sich eine gute Lösung.

Auch wenn noch nicht klar ist, ob das alles so aufgeht, bin ich doch sehr zufrieden damit, mein Leben nach meinen Wünschen umgestalten zu können.

Das erfordert Geldeinbußen und Zeit, lohnt sich aber, weil es zufrieden macht, etwas neues und interessantes im Leben anzufangen.
Meine Entscheidung hat gedauert, aber ich denke, man sollte sich mit Machtlosigkeit nicht abfinden, egal auf welcher Ebene.

Auf jeden Fall macht es Sinn, andere um Ratschläge für die persönliche Situation zu bitten, damit ist man man schon ein gutes Stück weg von der machtlosen Situation.

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Erstmal: nach dem ersten Lesen - starker Text! Eine schöne Fortentwicklung der letzten Diskussion.

Ich schau mal, ob ich noch inhaltlich einsteige. Dazu will ich den Text aber nochmal in Ruhe lesen.

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Bei dem Punkt:

frage ich mich, ob Hegemonie, Macht usw. wirklich so stark über richtig oder falsch läuft.

Bei Gramsci, wie in den Zitaten angedeutet, wirkt es eher so, als ob hegemoniale Ordnung dadurch stabil wird, dass Menschen sich in einen bestimmten “way of life” einleben können, also in einer Lebensform, die für sie funktioniert.

Es wäre dann weniger ein Irrtum als eine Integration in eine bestimmte Lebensweise (so etwas wie das, was man oft “common sense” nennt).

Würdest du sagen, dass deine “Mechanik” eher auf dieser Integration beruht oder denkst du stärker in Kategorien von falschem Bewusstsein?

Mir erscheint “falsches Bewusstsein” etwas zu kurz gegriffen, weil solche Lebensweisen nicht einfach Illusionen sind, die man nur aufdecken müsste.

Richtig und falsch sind keine Kategorien die man mit Macht beschreiben könnte. Es gibt sie einfach als soziale Interaktion. Ich sage, wenn ich den Mechanismus kenne, und das auf meinen unmittelbaren Wirkreis anwende macht mich das in der moralischen Kategorie nicht besser oder schlechter. Das wird mir mein direktes Gegenüber auf jeden Fall klar machen.

Wo würdest du Widersprüche im Text sehen? Und was würdest du darauf bezogen anders denken/formulieren?

  1. Widersprüche zu suchen ist hier etwas müßig. Der Text ist bewusst als breite Sammlung angelegt. Man wird etwas finden, wenn man die Annahmen betont. Bspw. ist Angst etwas, was in Situationen bestimmt hilft, aber im Alltag wiederum mehr unangenehm sein kann und zu Instabilität führen kann. Direkter gefragt: Du spielst auf viele Denker an, aber wie weit gehst du bei deren Perspektiven wirklich mit?

  2. Ich meinte “richtig und falsch” als Wahrheitsanspruch. Vielleicht hätte ich besser “wahr oder unwahr” sagen sollen. Neoliberalismus ist zum Beispiel auch ein Erkenntnissystem mit eigener Logik: Im Alltag denken wir automatisch in Marktbegriffen und setzen Gegebenheiten dazu in Relation. Das ist keine bloße Illusion, die man einfach aufdecken könnte. Es ist eine eingeübte Lebensweise. Das war mein Punkt.

Das sehe ich ein. Das war nicht spitzfindig gemeint.

Ich glaube ich habe nur Gramsci explizit genannt. Ich glaube seinen Namen hätte ich auch weglassen können oder vielleicht sogar sollen. Man kann sicher viele Denker in dem Text wiedererkennen, ich könnte dir jetzt aber nicht bewusst sagen welche und in wie weit ich einzelne Perspektiven mitgehe. Ich bin nicht methodisch vorgegangen sondern habe meine Gedanken aus dem was ich zu wissen glaube formuliert.

Die Frage die ich mir gestellt habe war, wie funktioniert das. Neoliberalismus als Erkenntnissystem ist in diesem Kontext ein System mit einer bestimmten Machtlogik. Die alltägliche verinnerlichte Lebensweise entspringt dieser Machtlogik. Die Logik isoliert, ist gewissermaßen ein Gerüst aus übernommenen oder reproduzierten Selbstverständlichkeiten die aus einem Narrativ stammen was sehr niederschwellig ansetzt. Das eingeübte oder die Gewohnheit kann dadurch durchbrochen werden, wenn man die Machtmechanik dahinter versteht. Was für manchen selbstverständlich sein mag weil er andere Narrative kennt, folgt er dann eben einer anderen Machtdynamik. Macht bleibt Macht und die Bewertung ist der Streitpunkt. Das lässt sich auch auf Wahr/Unwahr beziehen. Macht ist aus meiner Perspektive nicht wahr oder unwahr.

Ich finde das Thema Macht super spannend.

Ganz spontan kam mir beim Nachdenken über deinen Text folgende These:

Die erste Diktatur ist die Grammatik.

​Macht beginnt nicht beim Gesetz oder beim Staat. Die erste Machtstruktur, der wir uns alle unterwerfen, ist die Sprache.

Bevor wir lernen zu rebellieren, lernen wir Vokabeln. Sprache ist kein neutrales Werkzeug; sie ist ein „Betriebssystem“, das festlegt, was wir überhaupt denken können. Sie presst das wilde, grenzenlose Erleben eines Babys in enge, bewertende Kategorien (Gut/Böse, Mein/Dein, Erfolg/Scheitern).

Wahre Aufklärung (was nötig ist) beginnt nicht mit dem Lesen von Büchern, sondern mit der individuellen Dekonstruktion der eigenen Sprache. Erst wenn wir den Filter der Worte durchbrechen, begegnen wir der ungeschminkten Realität – und damit letztlich auch bei sehr viel arbeit an uns selbst.

Ist euch das zu esoterisch?

Interessante Ergänzung.

Um das einzuordnen, die erste Trotzphase findet im Kleinkindalter statt. Kommt in etwa zeitgleich mit der Sprache.

Ich glaube man könnte es so fassen, mit bewusster Sprache, erlernt von den Eltern reproduzieren sich Machtmechanismen die dann durch Nachahmung entsprechend aufgenommen werden. Das führt zum Verhalten.

Meinst du das so?

Ja, auch, ich habe aber noch einen für mich grade noch schwer zu fassenden Ansatz zusätzlich.

Das Eltern-Kind Verhältnis ist ja auf jeden Fall das erste Machtverhältnis, das man erlebt.

Aber das zieht sich ja weiter, Leistung, Gesellschaft, Beziehung, wenn wir jetzt nur mal die Worte mit ihrer Bedeutung nehmen, dann setzt das ja schon gewisse Grenzen im Denken und Fühlen, und auch im Wahrnehmen selbst. Man lernt in der Schule: es gibt halt einen Kanzler, der “bestimmt”, und “so ist das halt" obwohl in Graebers (und der andere David) Menschheit gezeigt wurde: es gab ganz ganz viele unterschiedliche Gesellschaftsformen. Aber können wir in diesen Kategorien heute überhaupt noch Denken?

Wenn Sprache Macht über unsere Wahrnehmung ausübt:

Es gibt wohl im Kunstbereich die Übung etwas zu betrachten, ohne es zu benennen. Das ist unfassbar schwer, das Gehirn will alles direkt benennen.

Und das neu zu erlernen, nicht alles direkt zu benennen ist eigentlich die basalste Form von Reiz-Reaktion Trennung, was eigentlich etwas ist, das ich aus esoterischen Bereichen kenne aber wo ich hier sehe:

die Macht über das innere Narrativ zurückerlangen Ist vielleicht der wichtigste Schritt zur Freiheit

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Ist doch gar nicht so esoterisch…:wink:

Ich glaube du machst etwas was ich mir erhofft habe.

Die Kunst könnte man in diesem Zusammenhang als Antimacht begreifen. Sie kann das Narrativ was den Machtmechanismus reproduziert auflösen.

So könnte man dann schlussfolgern nirgendwo sonst ist der eigene Wirkreis freier.

Dekonstruktivismus?

Wo erkennst du Dekonstruktivismus?

Ich habe keinen grundsätzlichen Einwand gegen die Analyse. Mir fehlt nur etwas die andere Seite. Gesellschaft entsteht ja überhaupt erst dadurch, dass Menschen einander beeinflussen und Entscheidungen durchsetzen. In diesem Sinne gehört Machtausübung auch zur sozialen Infrastruktur.

Wenn man das ernst nimmt, stellt sich für mich weniger die Frage, wie man Macht vermeidet (nicht dass das deine Frage gewesen wäre), sondern wie man sie möglichst schadensarm einhegt.

In dem Zusammenhang finde ich die alte Bregman-These nach wie vor interessant, dass Politiker oft deutlich soziopathische Züge zeigen. Er beschreibt das eher als Beobachtung und lässt die Ursache offen.

Genau deshalb finde ich Keltners Analyse spannend. Er zeigt, dass Macht das Verhalten von Menschen verändert und Empathie tendenziell abnimmt. Wenn das stimmt, wäre das zumindest eine mögliche Erklärung für genau dieses Phänomen.

Dann entsteht allerdings ein echtes Paradox. Gesellschaft braucht Macht, um überhaupt handlungsfähig zu sein. Gleichzeitig scheint Macht das Verhalten von Menschen so zu verändern, dass genau diese Macht langfristig gesellschaftsschädlich wirkt.

Ich bin mir deshalb gar nicht sicher, ob sich dieses Problem überhaupt vollständig institutionell einhegen lässt. Wenn Keltners Analyse stimmt, könnte das bedeuten, dass Gesellschaften strukturell immer wieder an ihren eigenen Eliten scheitern. Nicht unbedingt aus Bosheit, sondern weil Macht Menschen verändert.

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Finde ich super schlüssig. Das scheitern an den eigenen Eliten.

Bei Graeber in Anfänge das Beispiel im Kontext von Macht: der „Häuptling ohne Befehlsgewalt“ (oft am Beispiel nordamerikanischer indigener Völker oder Gruppen im Amazonastiefland)

Und zurück zu meiner Fixierung auf Sprache:

Wenn Elite mit einer elitären, ausschließenden, abwertenden Sprache aufwächst, lernt, arbeitet, lebt, dann gibt sie das noch weiter verstärkt weiter an die Kinder, sie reproduziert sich und drückt sich damit auch in einer anwachsenden empathielosigkeit aus…klingt für mich erstmal logisch.