Macht verstehen

Ich sage nicht das Macht vermieden werden soll…

Was meinst du mit einhegen? Wie und auf welcher Ebene willst Du derartige Macht einhegen? Mit welchen Mitteln?

Die Elitenkritik die du ansprichst teile ich.

Mit Einhegen meine ich im Grunde Mechanismen, die Macht begrenzen oder regelmäßig wieder aufbrechen. Also Dinge wie Gewaltenteilung, Amtszeitbegrenzungen, Transparenz, institutionelle Kontrolle.

Ich bin mir aber gar nicht sicher, ob das Problem damit wirklich lösbar ist. Wenn Keltners Analyse stimmt und Macht Menschen tatsächlich verändert, entsteht ein Paradox: Gesellschaft braucht Macht, um zu funktionieren, aber genau diese Macht kann langfristig gesellschaftsschädlich wirken.

Einhegung wäre dann vielleicht weniger eine Lösung als ein Versuch, diesen Effekt zumindest zu bremsen.

Ich finde den Gedanken gut. Für mich ist es unabhängig ob ein Paradox entsteht was man durch die geistige Verelendung erklären könnte. Solange es dieses System gibt, besteht Stand jetzt keine Möglichkeit in der eigenen Reichweite etwas zu verändern. Wenn mehr Menschen so denken und den Mechanismus verstehen, könnte eine Macht aufgebaut werden die das ändert. Solange sie sich nicht wieder selbst korrumpiert.

Ich finde Stefans Verständnis für Kommunalpolitik deshalb ziemlich gut und schlüssig. Griffiges Thema, nachvollziehbar, umsetzbar im Kleinen sofort realisierbar.

Das steht da geschrieben.

Geht am ehesten vielleicht mit Musik. Ich erinnere mich, es ist vielleicht 100 Jahre her, da war ich musikalisch sprachlos und konnte nichts benennen, konnte beispielsweise nicht zuordnen, was beim langen Intro von „Shine On You Crazy Diamond“ Rick Wrights Synthesizer ist und was David Gilmours Gitarre.

Ich würde aber nicht behaupten, dass das ein erstrebenswerter Zustand ist. Falls es jemand tut, soll er dies bitte gut begründen.

Im „Machtverhältnisse“-Kontext: Ich war damals vollkommen „machtlos“, konnte Musik nur konsumieren. Erst nachdem ich die Sprache der Musik ein bisschen gelernt habe, hat sich das geändert. Ich gehöre, wenn man so will, zu den Mächtigen, die über Produktionsmittel (in dem Fall für Musik) verfügen, bin nicht nur Konsument.

Bei Sprache ist das vermutlich ähnlich. Derjenige, der gelernt hat sich so auszudrücken, dass ihn möglichst viele verstehen, ist klar im Vorteil. Wer anderes behauptet, möge dies bitte gut begründen.

Nebelkerze.

Nicht ihre Sprache festigt die Macht der „Eliten“, sondern die Besitzverhältnisse.

Ich hab Kunst bewusst als Antimacht beschrieben – nicht als Produktionsverhältnis.
Das Erleben von Musik – dein Beispiel mit dem Intro von Shine On You Crazy Diamond – hat für mich etwas damit zu tun von etwas Ungreifbarem ergriffen zu werden. Gewaltlos überwältigt zu sein. Das ist kein Machtvakuum das gefüllt werden muss. Es ist ein Moment wo die gewohnten Kategorien suspendiert sind – nicht weil man sie nicht kennt, sondern weil die Erfahrung größer ist als die Sprache.
Wenn Freiheit nur durch Produktionsmittel und Kompetenz definiert wird – dann wäre der Gitarrist immer freier als der Zuhörer. Aber das stimmt nicht mit der Erfahrung überein. Der Zuhörer der sprachlos ist kann in diesem Moment freier sein als der Musiker der technisch perfekt spielt aber nichts erlebt.
Eine Freiheit die nur durch Können und Produktion definiert wird ist selbst eine hegemoniale Kategorie. Das wäre dann kein Ausweg aus der Mechanik – sondern ihre Fortsetzung mit anderen Mitteln.

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@Flo

Schöne Replik. Sie hat sicher Bestand, wenn das Ziel tatsächlich ist, einen „Ausweg aus der Mechanik“ zu finden. Aber nicht, wenn wir - und so hatte ich die ursprüngliche Intention (möglicherweise falsch) verstanden - innerhalb des gegebenen Rahmens (der „Mechanik“ - Welcome to the Machine!) selbst wirkmächtig werden wollen.

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Mein Gedanke betrachtet das genau anders herum.

An deinem Beispiel: du hast Musiktheorie gelernt, und das wahrscheinlich am Beispiel westlicher Musik, das heißt bestimmte Intervalle Harmonien, Quintenzirkel etc pp … diese Sprache bestimmt nun dein Denken über Musik, so dass du selbst beim Musizieren wahrscheinlich kaum aus diesen gelernten Grenzen ausbrechen kannst.(du bist hier nur repräsentativ, wir kennen uns ja nicht).

Darum ging es nicht. Es geht darum, wo Glaubenssätze bzw. überhaupt Alles was Du, Ich, Wir über die Welt denken herkommt. Und das ein Abstand dazu (Reiz-Reaktion-Verzögerung) nötig ist, um es überhaupt hinterfragen zu können. Weil sonst die erlernte Sprache schon Macht über dich ausübt. Daher lasse ich mich von

nicht in eine typische Forendiskussion reintriggern.

Das Wort suggeriert für mich bewusste Manipulation durch Verschleierung. Aber davon mal abgesehen, ob das so gemeint ist:

Meinst du wirklich, das Elite ohne Sprache nur durch Besitz funktioniert und sich nur dadurch reproduziert? Das gehört definitiv dazu, aber ich behaupte die Sprache, die den Glauben der Menschen an bestimmte Machtverhältnisse manifestiert, gehört dazu. Sonst hätte Adel, Gott …nie funktioniert, aber auch das wir uns an Gesetze halten und zur Wahl gehen.

Da bin ich mir nicht sicher, ob die Kausalitätskette wirklich so funktioniert. Man könnte es auch anders herum betonen: Erst ist eine bestimmte Lebensweise da, daraus entstehen Narrative, und diese können dann von politischen Systemen aufgenommen und zu einer “Machtlogik” verdichtet werden.

Außerdem wäre es vielleicht zu kurz gegriffen, Macht nur als etwas Unterdrückerisches zu sehen oder die Menschen nur als Opfer. Viele dieser Dinge funktionieren gerade deshalb stabil, weil sie bereits als Normal gelten oder man sich in eine Lebensweise einlebt und sie im Alltag als selbstverständlich erfährt.

Ich würde sagen, das ist nicht esoterisch, aber etwas zugespitzt formuliert. Sprache strukturiert Wahrnehmung und Denken, aber “Diktatur” klingt nach einer Totalität, die so nicht ganz passt. (Es gibt ein altes Buch, was “Die Herrschaft des Wortes” heißt und wo es darum geht, wie Wörter speziell in der VWL einen verwirren und Denken vorstrukturiert. Es ist etwas umständlich geschrieben, aber die Phrase könnte passen.)

Der Punkt ist schon richtig, aber mit “Betriebssystem” tue ich mich etwas schwer. In der Informatik hat das eine ziemlich klare Funktion als Ressourcenorganisator. Dafür gibt es dort aber auch eigene Sprachen, nämlich Programmiersprachen, die genau deshalb so strikt definiert sind, damit Maschinen damit umgehen können. (In der Informatik ist der Zweck der Programmiersprache wichtiger als z.B. der Wahrheitsgehalt oder Form wie in der Poetik)

Natürliche Sprache funktioniert anders. Sie ist viel offener, Bedeutungen verschieben sich, und man kann auch gegen bestehende Begriffe denken oder neue schaffen. In dem Sinne ist sie eher ein Spielfeld als ein festes System, mit Regeln, aber auch mit Spielraum. Das geht ein Stück in die Richtung von Wittgenstein, wo Bedeutung stark über Gebrauch entsteht.

Vielleicht liegt das Problem deshalb auch weniger in einer “Diktatur der Sprache”, sondern eher in zwei gegenläufigen Tendenzen: Einerseits sehr starre Sprachformen, etwa in bestimmten akademischen oder institutionellen Kontexten, die Verständlichkeit einschränken. Andererseits ein Überfluss an Bedeutungen und Deutungen, also so etwas wie “flooding the zone” mit KI-Slop und Dauernachrichten-Sensation, wo alles gleichzeitig gesagt wird und dadurch an Klarheit verliert.

Die Schwierigkeit ist dann, Begriffe zu finden, mit denen man Ungerechtigkeiten überhaupt benennen kann, ohne entweder in unverständliche Spezialsprachen abzurutschen oder im Bedeutungsrauschen unterzugehen.

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Ja, du hast Recht, Betriebssystem passt nicht.

Eher: Sprache selbst ist schon ein Filter für unsere Wahrnehmung.

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@Kokosmilch

Ich blicke bei dir nicht durch. Findest du unseren Drang, alles zu benennen, an sich schon problematisch, oder nur, dass dies oft auf eine nicht neutrale, sondern wertende Weise geschieht?

Für Ersteres habe ich gar kein Verständnis, ich halte das Benennen der Dinge im Gegenteil für vollkommen natürlich und sehe es als Voraussetzung, nicht völlig verblödet durch die Welt zu laufen. Wir können nämlich nur Dinge, für die wir Begriffe haben, überhaupt denken.

So gesehen ist der Musik- bzw. Kunst-Vergleich unpassend. In diesem Bereich ist der reine Genuss ohne das geringste Verständnis nämlich durchaus möglich.

Wo ich hingegen mitgehe ist der Punkt, dass mit Begriffen oft eine Wertung einhergeht und dass dies als Machtmittel gebraucht werden kann. Gerade fällt mir dazu der Begriff „Querdenker“ ein: Bis 2020 war der positiv konnotiert. Dann kam eine Gruppe von Leuten, die übrigens den eingeschlagenen Kurs der Eliten kritisierten, auf die Idee, sich so zu nennen - und es ist sicher kein Zufall, dass der Begriff seither ein negatives Framing hat. Ähnliche verhält es sich wohl mit „Verschwörungstheorie“. Ursprünglich ein neutraler Begriff für einen Ermittlungsansatz, bekam er der Legende nach sein abwertendes Framing im Kontext der Kennedy-Ermordung verpasst, um vom offiziellen Narrativ abweichende Deutungen der Ereignisse zu diskreditieren.

Mir geht es nur um die Wertungen. Die Vorstellung völlig debil ohne Worte…okay das ist witzig, aber das hab ich ja nicht gemeint. Es ging um eine konkrete Übung: kannst du etwas anschauen

:heart:

… ohne das dein Kopf sofort sagt: “Herz"

Und bei der Übung geht es darum, das die Sprache, erlernte Muster replizieren kann und so gesehen unsere Wahrnehmung beeinflussen kann.

Das Musikbeispiel fand ich ganz passend. Du hast ja recht, genuss ist ohne Wissen möglich, aber Kreativität ist in gewissen Bereichen vielleicht ohne Wissen sogar besser möglich.

Und ein hinterfragen von Machtstrukturen ist mM, und das war die ursprüngliche Motivation, erst möglich wenn man sich der Wahrnehmungsfilter, die uns alle beeinflussen, bewusst wird.

Video was das mit der Sprache verdeutlicht und wie ich drauf gekommen bin:

Na, dann hätten wir das ja geklärt. :slightly_smiling_face::+1:

Zu dem verlinkten Video: Es geht darin um die Entwicklung unserer psycho-sozialen Identität. Der Vortragende verwechselt dabei den Einfluss von Sprache mit dem Einfluss unseres kulturellen Umfeld bzw. er setzt beides gleich - ein Fehler, den wir ihm nicht nachmachen sollten. Danach versucht er dann, ein Buch zu verkaufen.

Was Sprache und Macht(verhältnisse) angeht: Die allermeisten Wörter und Begriffe sind diesbezüglich völlig neutral. Es hat gute Gründe, dass mir bei :heart: sofort „Herz“ einfällt und bei einem Dreieck (ein Beispiel aus dem Clip) „Dreieck“. Derlei im Kontext „Macht“ zu diskutieren ist wenig zielführend und ich bleibe dabei: eine Nebelkerze.

Lass uns stattdessen die politisch aufgeladenen oder sonstwie tendenziösen Begriffe identifizieren und hinterfragen!

Mein ganzer Punkt ist ja, dass ich finde, dass das reine diskutieren es sich zu einfach macht.

Es geht nicht darum, ob einem Herz oder Dreieck einfällt, oder ob diese Begriffe neutral sind, sondern es geht darum, dass wir durch unsere Psycho-Soziale Identität, die durch Sprache geprägt ist, ALLES direkt benennen und es eben nicht mehr hinterfragen.

Mein Punkt war: um Macht wirklich hinterfragen zu können, schadet es nicht, bei unserer eigenen Sprache anzufangen. Und dazu ist das mit dem Herz eine Übung. Es geht nicht darum, den Begriff zu verlernen, sondern diesen Zusammenhang generell zu verstehen und zu hinterfragen im Kontext von Macht.

Diese Verdrehung ist übrigens, was man per Definition tatsächlich als “Nebelkerze” bezeichnen könnte.

Vielleicht macht es dieses sinngemäße Zitat aus Andreas Eschbach Roman “Ein König für Deutschland” deutlicher:

„Ein König ist nur deshalb ein König, weil die Menschen vor ihm knien. Wenn alle gleichzeitig aufstünden und weggingen, wäre er nur ein Mann in einem seltsamen Kostüm.“

Ich würde mal behaupten, auch für Macht gibt es eine Art “ursprünglicher Akkumulation” und die funktioniert nur und hat nur deshalb Bestand, weil die allermeisten Menschen daran glauben oder glauben, man kann das nicht ändern.

Ich denke dabei an diese schöne Karrikatur:

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Die Diskussion hat bisher drei Stränge entwickelt: Macht als universeller Mechanismus, Sprache als Wahrnehmungsfilter, und die materialistische Gegenposition dass Besitzverhältnisse die eigentliche Basis sind. Dazu kommt der empirische Hinweis auf Keltner — dass Macht Menschen neuropsychologisch verändert und Empathie reduziert. Was bisher fehlt ist der Transmissionsriemen — das Bindeglied das erklärt wie Hegemonie konkret im Individuum wirkt.

Mein Vorschlag: Dieser Transmissionsriemen ist Identität.

Die These

“Ich bin X” ist keine Beschreibung — es ist eine Verhaltensanweisung. Wer sich als Leistungsträger identifiziert, handelt wie ein Leistungsträger. Wer sich als Opfer identifiziert, handelt wie ein Opfer. Die Identität reagiert schneller als das Bewusstsein. Hegemonie im Gramsci’schen Sinn — die Fähigkeit einer Ordnung ihre Wertvorstellungen als Menschenverstand erscheinen zu lassen — ist deshalb so stabil: Sie erzeugt Identitäten. Und Identitäten reproduzieren sich selbst.

Gewalt, Besitz, Narrative — alles wirksame Machtinstrumente. Aber sie wirken erst dann nachhaltig wenn sie in eine Identitätskonstruktion überführt werden. Geld allein erzeugt keine Loyalität. Gewalt allein erzeugt keinen Gehorsam der über die Anwesenheit des Gewalttäters hinaus reicht. Erst wenn der Beherrschte eine Identität annimmt die das Machtverhältnis trägt — “Ich bin Untertan”, “Ich bin eigenverantwortlich”, “Ich bin Teil dieser Ordnung” — wird Herrschaft selbsttragend.

Durchexerziert am Thread

Sprache und Wahrnehmung: Die These dass Sprache unsere Wahrnehmung formt hat etwas für sich. Ergänzend lohnt die Frage was genau Sprache formt. “Leistungsträger”, “Eigenverantwortung”, “Chancengleichheit” — diese Begriffe sind wirksam weil sie Identitätsangebote transportieren. Wer den Begriff “Leistungsträger” annimmt, übernimmt damit eine Selbstbeschreibung die sein Verhalten strukturiert. Sprache formt Identitätskategorien, und die erzeugen Verhalten.

Besitzverhältnisse: Der Einwand dass Besitz die Basis von Macht ist, trifft einen realen Punkt. Ergänzend bleibt die Frage warum Menschen regelmäßig gegen ihre materiellen Interessen handeln. Warum wählen Arbeiter Parteien die Arbeitnehmerrechte abbauen? Eine mögliche Erklärung: Weil ihre Identität — “Ich bin eigenverantwortlich, kein Bittsteller” — stärker wirkt als die ökonomische Analyse. Besitzverhältnisse stabilisieren Identitäten materiell. Aber Identitäten können auch ohne materielle Basis Macht erzeugen — die AfD hatte keine Ressourcen, die mittelalterliche Kirche anfangs auch nicht. Was sie hatten waren Identitätsangebote.

Das Keltner-Paradox: Übersetzt in die Identitätsanalyse wird der Befund noch konkreter. Macht verändert die Identität des Machthabenden. Wer Macht ausübt, beginnt sich als jemand zu sehen der Macht verdient. “Ich bin hier weil ich es kann” ersetzt “Ich bin hier weil die Struktur mich hierhin gesetzt hat”. Das erklärt auch warum Einhegung so schwierig ist: Die Identitätsverschiebung passiert unterhalb der bewussten Schwelle. Man merkt es nicht — und wer es einem sagt, bedroht die neue Identität.

Warum linke Politik keine Traktion entwickelt: Der Ausgangstext stellt die Frage. Die Identitätsanalyse liefert eine mögliche Antwort. Rechte Politik bedroht keine Identitäten — sie liefert welche. “Du bist Deutscher, du bist fleißig, du bist bedroht” — das ist ein Identitätsangebot das sofort handlungsleitend wird. Linke Politik macht häufig das Gegenteil: “Check your privilege” bedroht “Ich bin ein guter Mensch”. “Sei solidarisch” bedroht “Ich lebe richtig”. Die Positionen mögen richtig sein. Aber Menschen verteidigen ihre Identität bevor sie ein Argument prüfen. Und das erklärt warum intellektuelle Redlichkeit allein keine politische Traktion erzeugt.

Was daraus folgt

Wenn Identität der Transmissionsriemen ist, verschiebt sich die Frage. Von “Wie erkenne ich Macht?” zu “Welche Identität wurde mir zugewiesen, und welches Verhalten erzeugt sie automatisch?” Das ergänzt den Wirkkreis-Gedanken aus dem Ausgangstext um eine Ebene: Den eigenen Wirkkreis zu kennen ist ein guter Anfang. Aber der Wirkkreis wird selbst davon mitbestimmt welche Identität man für sich hält. Und die sitzt tiefer als die bewusste Analyse.

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Sehr sehr gut!

Deine These erweitert den Funktions - oder Mechanikgedanken und stellt ihn auf Füße.

Ich bin in der Tat sehr glücklich :slightly_smiling_face:

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Sehr schön zusammengefasst, ich finde meine Gedanken da auf jeden Fall wieder.

Es gab hier noch den Thread zur linken Identitätspolitik, und ich hab das ganze Mal in den Gemini - Donald Trump Simulator gesagt. Bei Interesse teile ich den AI Slop, aber das Fazit war:

“Gefährlich wird mir nur, wenn ich keine Aufmerksamkeit mehr kriege”.

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Identität als “Transmissionsriemen” zur Ausübung von Macht über das Individuum. Klingt Interessant. Aber auch plausibel?

Unklar bleibt, wie Identitäten entstehen. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir meine zugewiesen wurde. Aber Persönlichkeitsbildung ist ein komplexes Thema - vielleicht lasse ich Chatty demnächst mal einen Aufsatz darüber schreiben. :wink:

Ich bin ein männlicher, in gewissen Bereichen eigenverantwortlicher “Untertan” - oder zumindest Teil dieser Ordnung - und noch ein paar Dinge mehr. Warum, und wie bin ich das geworden? Keine Ahnung, siehe oben. Weißt du’s @fdoemges ?

Sprache → Identität → Verhalten. Ist die Wirkrichtung tatsächlich so? Man könnte mit gleichem Recht behaupten, dass eine Persönlichkeit (alias Identität) ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt, welches durch Sprache nur beschrieben wird. Ich sehe die Wirkrichtung eher so rum.

Sicher, wenn man jemandem von Kindesbeinen einredet, er sei ein Loser, dann wird er vermutlich wirklich einer. Sprache ist nicht nur beschreibend, sie beeinflusst auch – in gewissen Grenzen: Ich werde kein zweiter Steve Vai, auch wenn ich mir das täglich einrede. P.S.: Üben könnte helfen.

=> Gegenthese: Sprache ist nur einer unter vielen Parametern, die Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung haben können.

Die AfD hatte bekannte Persönlichkeiten, Medienaufmerksamkeit und vor allem eine Klientel, die sich von anderen Parteien - insbesondere von der Merkel-CDU - nicht mehr vertreten sah. Welche Ressourcen braucht eine neue Partei noch?

Und die katholische Kirche hatte erst dann hegemoniale Macht, als sie Staatsreligion wurde.

Interessanter ist die Frage, warum Arbeiter Parteien wählen, die ihre Rechte abbauen. Ein alternativer Erklärungsversuch zur obigen Identitäts-These: Wirtschaftsnähe wird offenbar oft mit Wirtschaftskompetenz verwechselt, und darauf aufbauend greift die Erzählung: „Geht’s der Wirtschaft gut, geht es uns allen gut.“ Dass Letzteres übrigens nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, kann man aktuell beobachten, und wird man zukünftig noch viel mehr, auch am eigenen Leib, erfahren können.

Dass er sich selbst als Obermacker sieht, erklärt nicht, warum ein durchgeknallter Typ – beispielsweise Trump – “da oben” bleibt und warum die anderen ihn lassen, auch wenn er die größte Scheiße baut. [Statt “Typ” geht auch “Trulla”: Von der Leyen.]

Rechte Politik liefert ein Identitätsangebot, einverstanden. Damit einher geht in der Regel eine Ab- bzw. Ausgrenzung: beispielsweise des Fremden, der mir angeblich meinen Job wegnimmt.

Und linke Politik? Die Solidaritätsfalle, in welche die Linke während “Corona” kollektiv getappt ist, funktionierte genauso: Vermeintlich „solidarisch“ war, wer brav Drostens PCR-Test machte, sich die 230-Millionen-Euro-App von T-Systems/SAP aufs Handy lud, sich Spahns X-Milliarden-Maske ins Gesicht pappte und, als Krönung, die zig-Milliarden-Impfung ausprobierte. Intellektuelle Redlichkeit – hier: evidenzbasierte Medizin - hatte gegen den „solidarischen“ Budenzauber keine Chance.

Du sagst, die Forderung „Sei solidarisch” bedrohe “Ich lebe richtig”. Ich hingegen sage: „Ich bin solidarisch“ wurde zum Synonym für „ich lebe richtig“, verbunden mit einem moralinsauren Überlegenheitsgefühl.

Na ja. Wenn sich bewusste Analyse durch eine wie auch immer zugewiesene, tiefersitzende Identität beeinflussen lässt, ist sie keine mehr. Sie degradiert dann zum Bauchgefühl.

Das ist eine gedankliche Fingerübung, ich greife hier niemanden an - auch wenn der Tonfall, garantiert KI-frei, manchmal etwas ruppiger daherkommt.