Ich würde sagen: teilweise, weil Empörung und Affekt die Wahrnehmung beeinflussen. Der wesentliche Unterschied ist, wohin anschließend der Blick in Hinsicht auf Ursache, Verantwortung und Handlungsmöglichkeiten ausgerichtet wird.
Die Quintessenz eines Vergleichs zwischen der BILD-Zeitung und dem Boulevard-Blatt von links:
Formal teilen beide dieselbe Grammatik – Personalisierung, kurze Sätze, Empörung, der eine Fall. Der Unterschied liegt vollständig in vier Vorzeichen: Richtung (oben statt unten), Wahrheit (Deckung statt Erfindung), Leserbild (Mündigkeit statt Gefolgschaft) und Zweck (Überleitung statt Selbstzweck).
Daraus folgt die unbequeme Bilanz aus dem letzten Beitrag: Die linke Form ist strukturell die schwierigere, weil drei dieser vier Vorzeichen sie verteuern – Wahrheit bindet, Mündigkeit setzt einen aktiven Leser voraus, Überleitung verlangt eine Handlungsoption. Die BILD hat es leichter, weil sie auf all das verzichten darf. Die Gegenform muss mit angezogener Handbremse gewinnen – und genau deshalb entsteht sie nicht von allein.